Nirgendwo in Europa wächst die Zahl der Analphabeten so schnell wie in Deutschland. Wie kann das eigentlich sein?

.In der deutschen Hauptstadt wohnen etwa 3,3 Millionen Menschen. Nach offiziellen Angaben können 316000 von ihnen weder lesen noch schreiben. Der Volkshochschul-verband teilte unlängst mit, dass die offiziellen Zahlen für Berlin wohl noch geschönt sind und dass es etwa 164000 weitere Analphabeten in Berlin gebe. Etwa jeder achte Einwohner von Berlin ist inzwischen »funktionaler Analphabet« und kann gerade einmal einfachste Wörter schreiben. Eine Teilnahme am normalen gesellschaftlichen Leben ist so nicht möglich.

Nach Angaben der Universität Hamburg sind die Berliner Zahlenanalphabeten_gr inzwischen typisch für ganz Deutschland, denn schon jeder zehnte Einwohner kann kaum lesen oder schreiben. Statistisch gesehen sind 32 Prozent der deutschen Erwerbslosen Analphabeten. Der Bildungsstandort Deutschland hat eben auch erschreckende Schattenseiten. Allein in Frankfurt am Main leben offiziell 68000 Menschen, die als Analphabeten geführt werden. Das sind rund zehn Prozent der Einwohner. Vor zehn Jahren waren es nur 31000. Eine Steigerung um mehr als hundert Prozent in einem Jahrzehnt.
Das sind keine guten Zukunftsaussichten. Genau jene Generation, welche unsere Renten zahlen soll, hat ein gewaltiges Problem. Denn mit der geringsten aller möglichen Qualifikationen hat man keine Chance auf einen Job. Es ist ein Tabuthema. Bundesweit gibt es jetzt Alphabetisierungskurse. Jeder Kurs kostet die Steuerzahler 10000 Euro.

Die Zahlen sprechen für sich

In der Tschechischen Republik, in Ungarn, Slowenien, Norwegen, Schweden, Polen, Estland und der Ukraine gibt es prozentual weniger Analphabeten als in Deutschland. Und es werden immer mehr, sagt Ingan Küstermann vom Volkshochschulverband. Nach offiziellen Angaben gilt Analphabetentum in Deutschland seit spätestens 1912 als besiegt. In jenem Jahr wurde die letzte Erhebung über Analphabeten durchgeführt.

Sie ergab einen Anteil von weniger als 0,02 Prozent Analphabeten. Erst Jahrzehnte später, um 1978, wurde dann bekannt, dass es trotz Schulpflicht viele Erwachsene gibt, die allenfalls über geringe Lese- und Schreibkenntnisse verfügen.
Wie aber ist es in einem Land mit Schulpflicht möglich, dass Menschen die Schule verlassen, ohne lesen und schreiben zu können? Immer mehr Analphabeten haben sogar einen Schulabschluss. Sie werden aus Gründen der »sozialen Gerechtigkeit« durch unser Bildungssystem durchgewunken. Und danach? Jene Firmen, die Analphabeten einstellen, haben sich darauf eingerichtet:

Für die vielen türkischen Frauen, die nicht lesen können und für Reinigungsunternehmen arbeiten, wo sie diverse Mittel für unterschiedliche Oberflächen benutzen müssen, wurde ein Farbsystem entwickelt, an dem die Frauen das richtige Mittel erkennen können. Peter Hubertus vom Bundesverband Alphabetisierung sagt: »Wir brauchen in zehn Jahren 100000 Angebote statt der heutigen 20000 Kursplätze in Alphabetisierungskursen.«

Im Klartext: Es sieht so aus, als ob die Zahl der Analphabeten in Deutschland in den nächsten Jahren noch stark steigen wird.

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nachzulesen bei Kopp-Exklusiv 01-2014

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Runenkrieger11
04/01/2014 18:18

Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

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