.

panorama02-14.

Immer das Gegenteil / Wo man ohne Schulabschluss Facharbeiter wird, wie wir Klischees mit Klischees bekämpfen, und wo die armen Teufel wohnen

.

medien, audio

.

Wer in der vergangenen Woche durchs Fernsehprogramm geglitten ist, der musste wirklich blendend navigieren und blitzschnell reagieren können, um einer Belehrung über den unermesslichen Wert bulgarischer und rumänischer Facharbeiter für die deutsche Wirtschaft zu entgehen. Der Trommelwirbel donnerte uns überall entgegen, ob aus der näselnden Kultursendung, dem bayerischen Regionalfernsehen oder den üblichen Polit-Journalen.

Vor allem müsse man den Angstmachern und Populisten entgegentreten, hieß es mit bohrend-moralischem Augenaufschlag. Es komme darauf an, die Dinge „differenziert“ zu betrachten und sich vor „Pauschalurteilen“ zu hüten.

Da sind wir doch gern dabei! Also, differenzieren wir mal: Was sind das denn im Einzelnen für Gruppen, die aus Rumänien und Bulgarien zu uns kommen, na?

Vorsicht, Falle: Wer so denkt oder gar redet, begibt sich in Teufels Küche. Das mit dem „Differenzieren“ ist nämlich als Neusprech zu verstehen. Neusprech bedeutet: Das Gesagte meint genau das Gegenteil dessen, was es sagt.

So auch hier: „Differenziert betrachten“ meint, dass wir gerade nicht differenzieren sollen. Sonst kämen wir auf die Idee, die einwandernden Roma gesondert anzuschauen, von denen fast jeder zweite keinen Schulabschluss besitzt und erschreckend viele nicht einmal lesen und schreiben können. Wenn das trotzdem alles „Facharbeiter“ sind, fragt am Ende noch einer, welche Hürden man für diesen Titel auf dem Balkan eigentlich nehmen muss.

Damit es soweit gar nicht erst kommt, werden unsere Gedanken mit wuchtigen Parolen verbrettert wie „Deutschland braucht Zuwanderung“. Kaum einer wagt öffentlich zu bemerken, dass dieser Satz ebenso sinnig ist wie „Eine gute Ernte benötigt Wetter“. Wer würde bei einer derart blödsinnigen Aussage nicht den Kopf schütteln: Logisch kann „Wetter“ hilfreich sein bei der Ernte, genauso gut kann es den Ertrag aber auch völlig ruinieren. Kommt halt drauf an, welche Art von Wetter gemeint ist.

Der reinen Sprache
wegen haben sie
sogar Kennedys
Rede nachträglich
gesäubert

Mit anderen Worten: Das Motto „Deutschland braucht Zuwanderung“ ist offensichtlich der Versuch herauszubekommen, ob wir die Schwachsinnsgrenze bereits hinter uns gelassen haben. Und wer weiß: Vielleicht sehen die Bewohner etlicher deutscher Stadtviertel, die mit der „Facharbeiter“-Schwemme bereits ihre ganz eigenen Erfahrungen gesammelt haben, die Dinge nun ganz anders.

Wir sollen nicht mehr so in Gruppen-Klischees denken. Und richtig: Wer glaubt, Roma seien grundsätzlich schräg, hat tatsächlich einen an der Murmel. Leider aber ist es völlig normal, dass gehäuft auftretende Verhaltensweisen in einer Gruppe schnell auf alle übertragen werden. Das erleben auch brave, höfliche deutsche Touristen, wenn sie dort durchkommen, wo die Busse mit den Raufbolden aus der Heimat regelmäßig aufschlagen. Da gibt es dann schon gewisse „Pauschalurteile“ über Deutsche, die nicht immer positiv auffallen. Zumindest solange, bis die Engländer kommen.

Das mit den Pauschalurteilen über bestimmte Immigrantengruppen müsse aber aufhören, fordert Rino Iervolino vom Landesvorstand der kommunalen Migrantenvertretungen in Baden-Württemberg. Leider verstrickt er sich bei seinen Forderungen rettungslos in Widersprüche, aus denen wir ihm auch nicht raushelfen können.

Richter und Lehrer müssten sich von „Klischees“ trennen und Immigranten vor ihrem „kulturellen Hintergrund“ sehen, womit bisweilen auch mildere Urteile heraussprängen, hofft Iervolino, von Beruf Anwalt. Dafür sollten die Juristen und Pädagogen Kurse über die Immigranten-Kulturen besuchen, die vielleicht auch verpflichtend werden könnten.

Doch hier liegt der Hase im Pfeffer: Wer „kulturelle Hintergründe“ beschreibt, der kann gar nicht anders, als „Klischees“ auszubreiten wie „Türken sind leichter mal aufbrausend“ oder „Araber haben ein anderes Rollenverständnis in der Familie“ und so weiter.

Indes: Ob sich Leute wie der Herr Iervolino wirklich stören an solchen Widersprüchen? Kaum: Je widersprüchlicher der Kram wird, desto eher ist sichergestellt, dass wir nie eine Lösung finden und es daher für immer Arbeit, Einkommen und öffentliche Aufmerksamkeit gibt für „Migrantenvertreter“ wie ihn.

Das Arsenal an „rassistischen Skandalen“ darf daher nie leerlaufen. Es kann einem sogar der eigene Familienname zum Verhängnis werden. Die Mainzer Dachdeckerfirma „Ernst Neger“ steht gerade in einem solchen Sturm der Entrüstung. Da man am Namen wenig machen kann, haben sich die Entrüsteten auf das Firmenlogo gestürzt, das einen lächelnden Mann auf einem Dach zeigt, der eindeutig als stilisierter Schwarzafrikaner zu erkennen ist. Manchmal werde das Firmenschild von „Gutmenschen“ überklebt, berichtet Inhaber Thomas Neger. In der Regionalpresse tobt eine hitzige Debatte.

Vom „Neger“ sind die Sprachreiniger ohnehin längst weitergezogen und haben den „Schwarzen“ ins Visier ihrer Säuberungsbemühungen genommen. Die USA sind Vorreiter, statt „Black Americans“ heißt es da offiziell schon lange „Afro-Americans“. Deutsche Übersetzer sehen sich bemüßigt, die Reinigung sogar rückwirkend zu vollziehen. In einer Doku über John F. Kennedy sagte der Präsident in einer Rede mehrfach „Negroes“, in der deutschen Synchronisation wurde daraus pflichtschuldigst „Afro-Amerikaner“ gemacht. Gut aufgepasst, Herr Re­dakteur! In der deutschen Übersetzung einer US-Dokumentation über die Sklaverei in Nordamerika hören wir gewiss bald, wie der Grundbesitzer seine Sklaven als „Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit erzwungenem Migrationshintergrund“ begrüßt. Alles andere verkraften wir nämlich nicht mal mehr historisch.

Und wie gesagt, auch der „Schwarze“ rutscht langsam aber sicher auf die Verbotsliste. Schlimm nur, dass wir den nicht bloß als Familiennamen verdammt häufig finden, selbst unsere Landkarten sind voll von der rassistischen Trennung in „Schwarze“ und „Weiße“, nicht nur in der Berliner „Mohrenstraße“ (siehe S. 3).

Wenn ein schwarzer Seemann, Verzeihung, wenn ein Seefahrender mit Afro- … Dingsda … was auch immer, also wenn eben dieser gen Hamburg die Elbe hochfährt, sieht er an Backbord zunächst strahlend und elegant den Stadtteil Blankenese, was so viel bedeutet wie „weiße Landzunge“. Kurz darauf wird er auf Steuerbord fern im Dunst mit den „Schwarzen Bergen“ provoziert. Die rassistische Botschaft hinter diesen Ortsbezeichnungen und ihrer geografischen Verteilung ist nicht zu leugnen.

Das müsste man auch mal umbenennen, aber wie? Diese Umbenennungen können ja so gruselig schiefgehen. Die tapferen Indianer nennen sich heute „Native Americans“, weil ihnen die bisherige Bezeichnung „Indians“ unpassend, nämlich als kolonialistische Fremdbezeichnung erschien.

Aber was ist an „Native Americans“ besser? Mit „America“ benannte ein deutscher Kartograf den Kontinent, und zwar nach einem italienischen Seefahrer. „Native American“ ist also keinen Deut weniger „kolonialistisch“, weil ebenfalls von einem weißen Europäer erfunden, als „Indian“.

Um das Fiasko der politisch-korrekten Neubenennungen komplett zu machen: Den „Afro-Amerikanern“ geht es sogar noch schlechter. „Africa“ war ursprünglich nur der Name einer römischen, sprich einer weißen, europäischen Kolonie am Nordrand des Kontinents, da wo heute Tunesien liegt. Später erst verbreitete sich die Bezeichnung über den ganzen Erdteil.

Die „Afro-Amerikaner“ haben also die herkunftsfreie Bezeichnung nach Hautfarbe („Blacks“) eingetauscht gegen ein Doppel-Etikett aus gleich zwei weißen Kolonialepochen. Und das feiern sie nun als „Ausdruck ihrer Selbstbestimmung“. Arme Teufel.

——————————————–

nachzulesen bei preussische-allgemeine-zeitung 02-2014

//

NEWSLETTER
0 0 vote
Article Rating
3 Comments
Most Voted
Newest Oldest
Inline Feedbacks
View all comments
Runenkrieger11
10/01/2014 11:29

Reblogged this on Treue und Ehre.

ewald1952
10/01/2014 09:17

Hat dies auf Der Geist der Wahrheit.. rebloggt und kommentierte:
Köstlich …..

ewaldboehmer3257
10/01/2014 05:59

Sent from myMail for iOS

Translate »