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Frei wie ein Güterwagen / Warum Martin Schulz von der Schweiz überrascht wurde, wozu wir mehr Wanderarbeiter benötigen, und was nicht erlaubt ist

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Es hat Vorteile, wenn man nur von Feiglingen und zynischen Opportunisten umgeben ist. Diese Leute sind leicht einzuschätzen, man weiß, wie mit ihnen umzugehen ist. Wenn da einer mal nicht spurt, droht man ein bisschen, und schon tanzt der wieder im Rhythmus.

Dumm nur, wenn einem der Umgang mit derlei Figuren so selbstverständlich geworden ist, dass einem völlig das Verständnis dafür abhanden gekommen ist, wie anders ein Tapferer tickt. Der schrumpft angesichts der drohenden Faust nämlich nicht zum devoten Däumling, sondern läuft zu großer Form auf.

Der Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann gesteht, er habe zwar von Anfang an gegen das Volksbegehren zur Kontrolle der Zuwanderung stimmen wollen, das nun alle so in Rage versetzt. Dann aber habe er gehört, dass EU-Parlamentspräsident Martin Schulz den Eidgenossen mit „Konsequenzen“ gedroht habe, falls sie zustimmten. Fast, so Hürlimann, habe er daraufhin auch zustimmen wollen. Nur aus Trotz.

Bloß 20000 Stimmen gaben den Ausschlag, heißt es. Denkbar also, dass tatsächlich der deutsche Sozialdemokrat Schulz den Sieg der „Populisten“ zu verantworten hat. Aber das konnte er ja nicht ahnen, er sitzt in Brüssel, und da wimmelt es eben weniger von Hürlimännern als von jenen Daseinsformen, die wir eingangs aufgezählt haben. Das überstieg das Vorstellungsvermögen des Genossen Schulz.

Es ist trotzdem ungeheuerlich, was sich diese Hochlandfaschisten leisten. Fest steht doch: Wenn Waren frei über die Grenzen gehandelt werden können, dann muss das auch für Menschen gelten! „Wir brauchen noch viel mehr Arbeitsmigration“ donnert EU-Kommissarin Viviane Reding. Die Massenumherwanderung der Millionen von günstigen Arbeitskräften darf also nicht nur nicht reglementiert werden, wie die Schweizer es wollen, sie muss noch viel größer werden. Im Traum der Kommissarin sind wir irgendwann alle unterwegs, ist Heimat nur noch ein Urlaubserlebnis, und große Arbeitgeber können sich auf der ganzen Welt frei am unerschöpflichen Arbeitsmarkt bedienen: Wer macht’s noch billiger? Nur so gibt’s Wohlstand, weiß Kommissarin Reding

Eine Wahrheit, die schon vor Generationen galt. Im 18. Jahrhundert nannte man den globalen, ungebremsten Austausch von Waren und Menschen „Dreieckshandel“: Europäische Händler sind nach Westafrika gesegelt, wo sie afrikanischen oder arabischen Händlern die Arbeitskräfte abkauften, welche sie nach Amerika brachten, wo die Arbeitskräfte dann landwirtschaftliche Produkte herstellten, die wieder nach Europa verfrachtet werden konnten.

Wunderschöne Schlösser und stolze Landsitze konnten in Europa und Amerika mit dem Gewinn aus diesem Handel errichtet werden. Der Beweis, wie der Wohlstand blühte.

Der Vergleich ist ein bisschen gemein, ich weiß. Bekanntlich zogen die Arbeitskräfte nicht freiwillig auf Amerikas Plantagen, es waren Sklaven. Das Prinzip aber ist das Gleiche: Wo ein endloser Nachschub an Arbeitskräften da ist, da kostet Arbeitskraft immer weniger, da schrumpfen die Kosten für Menschen.

Die Initiatoren der ungezügelten „Arbeitnehmerfreizügigkeit“ träumen vom modernen Vorbild China. Dort schiebt sich ein Riesenheer von 200 Millionen „Wanderarbeitern“ immerzu kreuz und quer durchs Land, bereit, jeden noch so mies bezahlten Job anzunehmen. Die Arbeitgeber wittern die Verzweiflung der Wanderer und machen ihren Schnitt – gelebte Arbeitnehmerfreizügigkeit, von der auch wir „noch viel mehr brauchen“. Denn es muss ja festgehalten werden: Diese Chinesen sind keine Sklaven, sie wandern freiwillig und „profitieren so ebenfalls von der Freizügigkeit“.

Doch nun die Schweiz. Im italienischsprachigen Kanton Tessin hat nicht nur die Schweizerische Volkspartei (SVP) das Volksbegehren unterstützt, sondern – Sirene! – auch die Partei der Grünen! Die Personenfreizügigkeit habe bei ihnen nämlich eine „soziale Katastrophe“ ausgelöst mit Lohndumping für ausgebeutete italienische Arbeitskräfte. Auch alles Rechtspopulistengeschwätz? Aber sicher. Unterstützung bekommen diese Grünen aus ihrem, dem linken Lager nur von wenigen Wirrköpfen wie dem Sozialdemokraten Rudolf Strahm, der jammert, die Personenfreizügigkeit sei ein „menschenverachtendes Konzept“, weil auf dem Binnenmarkt Europa Arbeitnehmer „wie Güterwagen“ hin- und hergeschoben würden.

Ach, das ist jetzt aber ein hässlicher Vergleich, der wieder an den „Dreieckshandel“ denken lässt. Was für ein Hetzer.

Wie viel besser geht es uns da in Deutschland mit unseren Linken und Gewerkschaftern. Die stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, das Angebot an Arbeitskräften maximal aufzublähen, obwohl wir hierzulande real schon mindestens fünf Millionen Erwerbslose haben.

Wie stellen die es bloß an, dass sie von den hiesigen Arbeitslosen und Geringverdienern dafür nicht zum Teufel gejagt werden? Wie haben sie ihre Fahnenflucht vom Anwalt der Arbeitnehmer zum Agenten der Güterwagen-Verschieber nur derart perfekt tarnen können, dass es niemand bemerkt?

Mit Multikulti. Wer die Güterwagen aufhalten, wer also Schluss damit machen will, dass bald hunderte Millionen von Arbeitnehmern in einen zermürbenden Unterbietungswettbewerb gestoßen werden, der ist nämlich ein Rassist, ein Ausländerfeind, der fordert „egoistische Abschottungspolitik“ und nährt den „Rechtspopulismus“! Schon sind alle mucksmäuschenstill.

Bis auf die Schweizer. Dort geht sogar die Forderung um, dass bei gleicher Qualifikation einem inländischen Bewerber der Vorzug vor einem Immigranten gegeben werden solle. Ungeheuerlich. Dabei wissen wir doch, dass nur das genaue Gegenteil erlaubt ist. Seit Jahren wabert die Forderung nach einer „Migrantenquote im öffentlichen Dienst“ durch die Bundesrepublik. Was nichts anderes heißt, als dass bei gleicher Qualifikation zwischen einem deutschen Bewerber und einem Kandidaten mit Zuwanderungshintergrund dem „Migranten“ der Posten zu geben ist. Merke: Bevorzugung von Inländern ist rassistisch, Bevorzugung von Ausländern ist „Willkommenskultur“.

Nun aber haben wir ein Problem: Die Mächtigen fürchten, dass das Schweizer Beispiel Wasser auf die Mühlen der „Anti-Europäer“ bei den anstehenden EU-Wahlen im Mai leiten könnte. Zwar stehen die großen Medien stramm zur Fahne der Güterwagen-Schieber. Doch aus den Leserkommentaren tönt die Stimme des Volkes ganz anders.

Daher sollte man jetzt ein wenig auf tolerant machen, „die Sorgen der Menschen ernstnehmen“ und wie es sonst immer heißt, wenn befürchtet werden muss, dass die Leute den Braten riechen. Der Berliner „Tagesspiegel“ will, dass die Politik ausnahmsweise „offen darüber diskutiert“, welche Probleme und Vorzüge die Zuwanderung für die Deutschen mit sich bringe, damit die „hetzerische Saat“ der „Rechtspopulisten und Nationalisten“ nicht aufgehe. Sprich: Den Deutschen muss (aber in freundlichen Worten, bitte) gnadenlos eingehämmert werden, dass Zuwanderung eine Bereicherung für sie ist. Und dass jeder, der das nicht in jedem Falle so sieht, ein übler Hetzer ist.

Das könnte spannend werden. Gerade geben die Statistiker brisante Zahlen heraus. Danach ist die Zahl der Rumänen in Deutschland zuletzt zwar deutlich gestiegen, die Menge der rumänischen Beschäftigten aber gleichzeitig sogar zurückgegangen. Läuft die deutsche Variante der „Wanderarbeiter“ etwa darauf hinaus, dass die einen arbeiten und die anderen (zu)wandern? Mal sehen, wie Politiker und linientreue Medien das „offen diskutieren“ wollen während des EU-Wahlkampfs. Am Ende werden sie beim Bewährten bleiben: Wer nicht mitsingt, der ist eben ein „Rechtspopulist“.

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