Bodentruppen, Marine und Marineinfanteriesoldaten und jetzt auch die Luftwaffe. So wird zumindest aus der Ukraine berichtet. Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte das ukrainische Verteidigungsministerium am Montag mit den Worten, russische Kampfflugzeuge hätten während der Nacht zweimal den ukrainischen Luftraum über dem Schwarzen Meer verletzt. Dabei hätte die ukrainische Luftwaffe einen russischen Abfangjäger vom Typ Suchoi SU-27 abgedrängt und weitere »provokative« Aktionen verhindert. Weitere Einzelheiten gab das Ministerium nicht bekannt.

 

Diese Meldung war nur das I-Tüpfelchen auf einem ohnehin schon nervenaufreibenden Tag in Russland und in der Ukraine, an dem beide Länder einen Absturz ihrer jeweiligen Währung auf ein Allzeittief erleben mussten.

In der Zwischenzeit verstärkt Russland seine Militärpräsenz in der Region weiter. Die Nachrichtenagentur Reuters fasste die jüngsten Entwicklungen so zusammen:

»Ein Sprecher der ukrainischen Grenztruppen erklärte am Montag, russische Schiffe seien in den Krim-Hafen Sewastopol, wo sich ein Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte befindet, ein- und ausgelaufen. Zudem hätten russische Kräfte Handynetze in einigen Teilen der Krim lahmgelegt.

Weiter sagte er, Moskau verstärke darüber hinaus auch in der Nähe eines Fährhafens auf der russischen Seite der viereinhalb Kilometer breiten Straße von Kertsch, der Meerenge, die das Schwarze Meer mit dem Asowschen Meer verbindet und die Krim von Russland trennt seine Militärpräsenz. ›Auf der anderen Seite der Meerenge befinden sich gepanzerte Fahrzeuge. Wir können nicht vorhersagen, ob sie (die Russen) diese Fahrzeuge auf die Fähre bringen werden‹, erklärte der Sprecher in einem Telefongespräch.

Das russische Verteidigungsministerium gab dazu keinen unmittelbaren Kommentar.«

Russische Truppen haben bereits ohne Blutvergießen die Krim, eine Halbinsel im Schwarzen Meer, auf der eine russische Mehrheit lebt und Moskau einen strategisch wichtigen Marinestützpunkt unterhält, besetzt.

Am vergangenen Sonntag umzingelten sie verschiedene kleinere ukrainische Militärstützpunkte auf der Krim und forderten die ukrainischen Truppen auf, ihre Waffen abzugeben. Einige weigerten sich, worauf es zu Spannungen und Pattsituationen kam, aber keine Schüsse abgefeuert wurden.

Jetzt wird mit großer Spannung darauf gewartet, ob Russland militärisch auch in den vorherrschend russischsprachigen Gebieten der Ostukraine eingreift. In verschiedenen Städten hatten dort in den letzten Tagen prorussische Kräfte demonstriert und russische Flaggen über öffentlichen Gebäuden gehisst.

Bereits in der letzten Woche hatte Russland Überraschungsmanöver entlang der Grenze zur Ukraine begonnen. An den Manövern sind etwa 150 000 Soldaten verschiedenster Waffengattungen beteiligt. Bisher wurde die Grenze aber noch nicht überschritten. Kiew wirft Moskau vor, die Proteste zu inszenieren, um auf diese Weise eine umfassendere militärische Einmischung zu rechtfertigen.

Der ukrainische Sicherheitsrat befahl dem Generalstab, die gesamten Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft zu versetzen. Die kleineren und schlecht ausgerüsteten Streitkräfte Kiews dürften nach allgemeiner Auffassung den russischen Streitkräften aber hoffnungslos unterlegen sein.

Der amerikanische Außenminister John Kerry warf Russland einen »unglaublichen Akt der Aggression« vor und drohte mit »ernsten Vergeltungsmaßnahmen«. Die Länder der G8-Gruppe seien entschlossen, »bis zum Äußersten zu gehen, um Russland zu isolieren«, wenn Moskau gegenüber der Ukraine die falschen Entscheidungen treffe, erklärte Kerry in der Sendung Face the Nation des amerikanischen Fernsehsenders CBS. »Sie sind darauf vorbereitet, Russland wirtschaftlich zu isolieren. Der Rubel hat bereits deutlich an Wert verloren. Russland steht vor größeren wirtschaftlichen Problemen«, fuhr er fort. Als mögliche Sanktionen nannte er Einschränkungen bei der Erteilung von Visa, das Einfrieren von Konten und den Ausschluss vom Handel.

Während die Europäische Union (EU) und die NATO den verbalen Druck auf Moskau erhöhten, erklärte der deutsche Regierungssprecher Seibert, Kanzlerin Merkel sei überzeugt, es sei noch nicht zu spät, die ukrainische Krise durch politische Maßnahmen beizulegen, auch wenn es erhebliche Meinungsunterschiede zwischen Putin und dem Westen gebe. Die deutsche Kanzlerin, die fließend Russisch spricht, hat seit dem Ausbruch der Krise in der Ukraine mit den Massendemonstrationen mehrfach lange Telefongespräche mit Putin, der seinerseits die deutsche Sprache beherrscht, geführt. Ohne Zweifel schätze Putin die Lage und die Ereignisse auf der Krim völlig anders als die deutsche Regierung und deren westliche Partner ein, sagte Seibert. »Es ist noch nicht zu spät, die Krise friedlich auf politischem Wege zu lösen.«

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sagte, er werde den russischen Außenminister auf einem anstehenden Treffen in Genf auffordern, auf Maßnahmen oder Äußerungen zu verzichten, die die Krise weiter verschärfen würden. Er habe auch den ukrainischen Behörden in Kiew über seinen Stellvertreter die gleiche Botschaft übermittelt, erklärte er.

Bisher war die westliche Reaktion auf das Vorgehen Russlands im Wesentlichen symbolischer Natur. Obama und andere G8-Länder setzten die Vorbereitungen auf ein Gipfeltreffen in Sotschi, wo Putin gerade erst seine 50 Milliarden Dollar teuren Olympischen Winterspiele für beendet erklärt hatte, zunächst aus. Einige andere Länder riefen ihre Botschafter zurück. Großbritannien erklärte, es würden keine Minister der britischen Regierung zu den Paralympischen Spielen in Sotschi reisen, die demnächst dort beginnen werden.

Da die Konfrontation auf der Krim seit einigen Tagen ohne Blutvergießen verläuft, nimmt in Kiew die Sorge vor einer unmittelbar bevorstehenden Katastrophe allmählich ab, aber immer noch sind viele Menschen extrem angespannt.

Auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew, dem Maidan, auf dem die Demonstranten und Regierungsgegner drei Monate lang protestiert hatten, um Janukowytsch zu stürzen, versammelten sich in den Morgenstunden weniger Menschen als in den vergangenen Tagen, da viele Menschen wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

»Krim, wir stehen euch bei«, ist auf einem Plakat zu lesen; »Putin – Hitler des 21. Jahrhunderts«, auf einem anderen. Der 44-jährige Sergej Lawreynenko, ein Bibliothekar aus Kiew, erklärte, die Ukrainer seien bereit, ihr Land auch mit Waffen zu verteidigen. Die unterschiedlichen und sich teilweise widersprechenden Stellungnahmen und Botschaften der Regierung wirkten frustrierend. »Natürlich sind wir alle bereit, zu kämpfen«, sagte er und wies auf einen selbstgebastelten Granatwerfer und Molotow-Cocktails, wie sie während des Aufstandes gegen Janukowytsch benutzt wurden. »Wir haben alle im Militär gedient und verfügen über spezielle militärische Kenntnisse. Wenn wir uns selbst Granatwerfer wie diese dort bauen können, dann sind wir auch zu Besserem in der Lage… Aber das muss organisiert sein. Man kann nicht einfach eine Gruppe von Leuten zusammenstellen, sich ein paar Knüppel und Schlagstöcke schnappen und zur Krim fahren.«

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http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/tyler-durden/lage-verschlechtert-sich-zusehens-ukraine-wirft-moskau-verletzung-des-luftraums-mit-kampfflugzeugen.html

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