Selbstlos, engagiert und immer der guten, politisch korrekten Sache verpflichtet – so präsentieren sich die Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Greenpeace, Foodwatch, Oxfam, attac und andere Gutmenschen-syndikate inszenieren sich medienwirksam.

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Ob Ignacio Ramonet wusste, welche Lawine er da lostrat? Oder war es am Ende sogar sein Ziel, mit einem einzigen Zeitungsartikel eine international agierende Organisation mit missionarischem Sendungsbewusstsein und Millionenbudget ins Leben zu rufen? Darüber lässt sich rückblickend nur spekulieren. Gutmensch_400x243_03Fest steht, dass sich Ramonet als damaliger Chefredakteur der französischen Zeitung Le Monde diplomatique im Jahr 1997 in einem Beitrag mit der südostasiatischen Fiffänzkrise auseinandersetzte und für die Einführung einer Devisensteuer plädierte.

Er gab seiner Initiative auch gleich einen Namen: Association pour une taxation des transactions financières pour l’aide aux citoyens (Vereinigung für eine Besteuerung von Finanztransaktionen zum Wohl der Bürger). Und weil dieser Ignacio Ramonet wusste, dass er mit dem umständlichen Namen bei seinen Kollegen niemals punkten würde, entschied er sich für die Abkürzung »attac«.

Die Skandalisierungsindustrie

Das war der Beginn einer unglaublichen Erfolgsgeschichte – jedenfalls aus Sicht der Initiatoren. Ein Jahr nach Veröffentlichung des Artikels wurde attac in Frankreich gegründet, zwei Jahre später in Deutschland. Zunächst forderten die Aktivisten eine Transaktionssteuer, wie sie der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler James

Tobin im Jahr 1972 vorgeschlagen hatte (»Tobin-Steuer«). Später kämpfte attac mal gegen Hartz IV, mal gegen Steueroasen, mal für die Einführung internationaler Steuern. Mit Heiner Geißler machte attac einen Greis zur Galionsfigur in Deutschland. Attac gehört zur immer mächtiger werdenden Gruppe der sogenannten Nichtregierungsorganisationen (NGOs), von denen viele längst zu millionenschweren, angstverbreitenden Skandalisierungsindustrien und politischen Machtmaschinen aufgestiegen sind.

Ob attac, Greenpeace, Foodwatch oder Peta – dank ihrer engen Zusammenarbeit mit den Meinungsmachern in den Medien sind diese und andere NGOs zu einflussreichen Lobbygruppen aufgestiegen, deren Arbeit von den politisch korrekten Gutmenschen aber ebenso wenig hinterfragt wird wie die tatsächliche Substanz ihrer PR-mäßig inszenierten Empörungs-
Rituale. Weil die NGOs vor allem »weiche Themen« aufgreifen – wie gesunde Ernährung, Tierschutz, saubere Umwelt und Menschenrechte -, besteht selbst bei ansonsten kritischen Zeitgenossen eine ausgeprägte Beißhemmung.

Wer will schon etwas gegen angeblich selbstlose Aktivisten unternehmen, die sich doch so leidenschaftlich für eine bessere Welt engagieren?

Bei den Medien wiederum sind die NGO-Propagandisten gefragte Gesprächspartner, weil sie Erregungsthemen frei Haus liefern und den Journalisten zeitraubende Recherchen ersparen. Wann immer Foodwatch glaubt, einen neuen Lebensmittelskandal ausgegraben zu haben, dann ist ein breites Medienecho so gut wie sicher.

Und wenn die Skandalisierungsmaschine dann erst einmal Fahrt aufgenommen hat, schlägt Empörung schnell in schiere Hysterie um. In den Köpfen der Verbraucher bleibt immer etwas hängen, selbst dann, wenn sich am Ende das vermeintliche Erregungsthema als Sturm im Wasserglas erweist.

Die Mär vom strahlenden Thunfisch

Nach Fukushimar etwa warnten die NGOs der Öko-Lobby vor einer radioaktiven Belastung von Thunfischen. Unlängst veröffentlichte die Universität Hawaii aber eine Studie, die das Gegenteil belegt. Thunfisch in Dosen, wie er in den Supermärkten an-geboten wird, weist eine Strahlenbelastung auf, die gerade einmal fünf Prozent der natürlichen Radioaktivität einer normalen Banane ausmacht.

In den Köpfen vieler Menschen spukt trotzdem noch immer das Gespenst vom Cäsium-belasteten Thunfisch herum. Ursprünglich sollten NGOs als nichtstaatliche und regierungsunabhängige Organisationen an der politischen Arbeit der Vereinten Nationen mitwirken. lemminge

Der Begriff »non-governmental organization« diente schlicht der Abgrenzung gegenüber staatlichen Vertretern. Heute dürfen sich auch Organisationen ohne Beziehungen zur UN als NGOs bezeichnen. »Nichtstaatlich« bedeutet aber keinesfalls, dass diese Organisationen auch finanziell unabhängig von Staaten und Regierungen wären. Sie genießen als gemeinnützige Organisationen größtenteils Steuerprivilegien und erhalten mitunter erhebliche staatliche Zuwendungen.

Einnahmen aus Bußgeldern

So verfügt die Entwicklungsorganisation Oxfam über einen üppigen Etat von 162 Millionen US-Dollar (110,09 Millionen Euro). Etwa ein Viertel dieser Mittel werden von Großbritannien und der Europäischen Union finanziert, letztlich also von den Steuerzahlern dieser Länder.

Nicht zu unterschätzen sind auch die Einnahmen aus Bußgeldern und Geldauflagen, die gemeinnützigen Organisationen zufließen. Schätzungen zufolge werden Jahr für Jahr rund 130.000 Gerichts- und 190.000 Ermittlungsverfahren gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Hinzu kommen die verhängten Bußgelder. Bis zu 120 Millionen Euro verteilen Richter und Staatsanwälte somit pro Jahr an gemeinnützige Organisationen, darunter auch viele NGOs wie Greenpeace. Längst gibt es professionelle Fundraising-agenturen, die ihre Kunden beim Bußgeldmarketing gegen satte Honorare beraten.

Mitunter sind es auch die Unternehmen, die NGOs hohe Summen zustecken, weil sie an eine Art von modernem Ablasshandel glauben. Und in der Tat, wer wird schon eine Hand beißen, die Geld gibt? Der Schokoladenhersteller Ritter Sport soll unwidersprochenen Meldungen zufolge Foodwatch 250.000 Euro als »Anschub-finanzierung« spendiert haben. Banken wiederum greifen gern mal den chronisch klammen Verbraucherschutzverbänden unter die schwachen Arme. Das alles sind jedoch nur Kleinigkeiten gemessen an den Millionensummen, die NGOs an Spenden zufließen. Greenpeace zum Beispiel akquirierte im vergangenen Jahr über 40 Millionen Euro an Spenden allein in Deutschland.

Und selbst die noch nicht ganz so bekannte Tierrechtsvereinigung Peta durfte sich über mehrere Millionen Euro freuen. Die mediale Aufmerksamkeit und die finanzielle Stärke verleihen Organisationen wie Greenpeace und Amnesty International erheblichen Einfluss auf der politischen Ebene. Welcher Politiker wird sich schon ohne Not mit populären NGOs und ihren Unterstützern aus den Medien anlegen? Dass NGOs demokratisch ebenso wenig legitimiert sind wie die Lobbygruppen der Wirtschaft, wird anscheinend akzeptiert.

Sie unterstützen auch Aufstände

Mitunter erweisen sich NGOs zudem als »U-Boote«, die fremde Interessen vertreten. So warf die russische Regierung den USA in der Vergangenheit mehrfach vor, über die finanzielle Unterstützung von NGOs die Aufstände in der Ukraine und Georgien angezettelt zu haben. Ganz aus der Luft gegriffen scheinen diese Vorwürfe nicht zu sein. Durch die anhaltende Medienunterstützung genießen die NGOs auch in der Bevölkerung einen Vertrauensvorschuss. So belegt eine Studie des Trendforschers Peter Wippermann und der Universität Essen, dass sich Verbraucher von NGOs besser informiert fühlen als von staatlichen Institutionen und der Industrie.

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