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Gibt es im Zeitalter der NSA-Überwachung noch abhörsichere Orte? Selbst Edward Snowden hat sich getäuscht, als er glaubte, sein in den Kühlschrank gelegtes Mobiltelefon sei dort geschützt.

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In der Vergangenheit klang es nach extremster Verschwörungstheorie: Wir werden überall abgehört. Wer so etwas sagte, der hatte wohl zu viel James Bond gesehen. Doch spätestens seit den Enthüllungen des Whistleblowers »Verax« Edward Snowden bekam auch die breite Öffentlichkeit den heimlich durch die weite Welt streifenden Wind zu spüren, wie er von Nachrichtendiensten wie NSA & Co. weht.

 Die National Security Agency bildet den größten weltweit operierenden, auf Abhörtechnologie und Kryptographie zentrierten US-Nach-richtendienst. In welchem Umfang diese Behörde uns alle ausspioniert, das wurde erst mit dem großen Abhörskandal von 2013 bekannt, entfacht vom talentierten jungen Geheimdienstler Edward Snowden,edward-snowden-breaks-silence-says-hes-still-in-hong-kong der jahrelang für CIA, DIA und NSA tätig war.

Mit seinen Enthüllungen wurde er zum Geächteten der Dienste. Von Paranoia keine Spur, auch nicht, wenn er Anwälte und seine anderen Gäste darum bat, ihre Mobiltelefone bei Besuchen in Snowdens Hong-konger Hotel doch bitte in den Kühlschrank zu legen. Der Grund war klar: Mobiltelefone haben Mikrophone. Und die können perfekt zur Raumüberwachung eingesetzt werden.

Der Faradaysche Käfig 

Der Geheimdienstkenner Snowden versprach sich vom Kühlschrank eine effektive Dämmung der im Raum gesprochenen Worte, sogar die völlige Abschirmung nach Art eines Faradayschen Käfigs.868 Hätte es denn nicht gereicht, die Mobiltelefone einfach auszuschalten? Ganz und gar nicht! Wie Fachleute erklären, sind dann tatsächlich noch »Silent SMS« möglich, verborgene Providerkurznachrichten zur Lokalisierung der augenblicklichen Position des Geräts. Und selbst wenn der Akku entnommen wurde, besteht ein Restrisiko in Gestalt einer integrierten kleinen Batterie, die Strom für Speicher und Systemuhr bereitstellt. Auch sie kann Energie für die Ortung liefern.

Sofern ein Totalverzicht aufs Mobiltelefon keine Option ist, bleibt noch ein spezielles Metallgewebe zum Schutz gegen fremde Ohren. »Off-Pockets«, entsprechende Hüllen fürs Telefon, sollen die effektive Abschirmung ermöglichen. Solche Hilfsmittel dienen auch zur Isolierung von RFID-Chips in Ausweisen und Banknoten.

Doch gegen das Abhören ist offenbar kein Kraut gewachsen. Abgesehen von E-Mail-Überwachung und dem Mitschnitt von Festnetzgesprächen, können sich Dritte auch in die Freisprechanlage einklinken, die Mikrophone von Mobiltelefonen an-zapfen und das bereits durch ein etwas lauteres Gespräch verursachte leichte Vibrieren einer Fensterscheibe mit Laser oder Richtmikrophon abgreifen.

Auch Snowdens Kühlschrank 20061113-meinefrauggarantiert also keine Sicherheit vor Lauschern. Jetzt äußerte sich auch Matt Blaze, Kryptograph, NSA-Kritiker und Professor für Computerwissenschaften an der amerikanischen Pennsylvania-Universität, zu diesem Thema. Er teilte mit, dass die von Kühlschränken erzielte Dämpfung nicht ausreiche, um ein Mobiltelefon vor den staatlichen Lauschern abzuschirmen. Die Nähe zu einem Funkmast mache bereits alle Sicherheit zunichte.

Fazit: Sogar Insider Snowden ging nicht weit genug bei seinen Sicherheitsvorkehrungen. Er wechselte nachts sogar mehrfach sein Schlafquartier, um möglichst schwierig auffindbar zu sein. Gegenüber seinem Erstinterviewer Glenn Greenwald vom britischen Guardian sagte Snowden: »Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich tue und sage, aufgezeichnet wird.« Er dürfte damit für viele Menschen sprechen.

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Hans Huckebein
Hans Huckebein
25/03/2014 11:02

Diese Eigenart der Spionagewanze „Handy“ ist mir schon seit längerem bekannt. Darum liegt es bei mir ohne Batterie im Schrank. Wenn ich es doch einmal benötige (zur Sicherheit bei einer längeren Autofahrt), dann muß ich eben die Datums- und Zeiteinstellung zuerst vornehmen. Mein Favorit zum telefonieren ist und bleibt der schnurgebundene Festnetzapparat, da brauch ich bei Bedarf einfach nur den Stecker zu ziehen. Ich muß nicht stets und ständig überall erreichbar sein. Ich will auch mal meine Ruhe haben. Wer was von mir will, soll doch auf die Mailbox labern, die ich dann eben später abhöre. Der ganze nette Schnickschnack… Weiterlesen »

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