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Es gibt Themen, die wollen wir nicht wahrhaben. Oder wir verdrängen sie aus Gründen der Politischen Korrektheit. Unsere Kinder werden für weniger Geld mehr arbeiten müssen – wenn sie noch Arbeit bekommen. Das werden wir einer chinesischen Strategie verdanken.

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China produziert unappetitliche Schlagzeilen: Die Exporte brechen extrem ein, das Wachstum sinkt auf den schwächsten Wert in zwei Jahrzehnten. Aus Angst vor möglichen Unruhen schiebt Peking jetzt vorübergehend doch lieber weiter die Investitionen und den Immobilienmarkt an, als das Wachstumsmodell auf heimischen Konsum umzustellen. Das würde kurzfristig wichtige Punkte beim Wachstum kosten. Vielleicht sehen wir sogar binnen Wochen ein zweites großes Konjunkturpaket nach 2008.

Wir sind das wichtigste Angriffsziel

Doch unter dem Radarschirm der besorgten Chinafachleute leitet der neue Wirtschaftsgigant seinen bislang größten Angriff auf die Weltwirtschaft ein. Chinas Investitionen im Ausland nehmen derzeit doppelt so schnell zu, wie die Wirtschaft insgesamt wächst. Globale Expansion soll das schwächere Wachstum im Inland ausgleichen. Chinas Firmen kaufen im Westen für Milliarden Euro Technologie, um schnell eigene Marken aufzubauen. Die Aufstockung des Anteils von Dongfeng an Peugeot ist nur ein Beispiel dafür. Neben den USA erweist sich Deutschland als das wichtigste Ziel des chinesischen Angriffs.

Die ersten der vier Säulen des deutschen Exportwunders -Maschinen, Autos, Chemie und Elektrogeräte – werden bereits angenagt. Hunderttausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Schon ertönen die ersten Alarmrufe. Zum Beispiel aus dem Maschinenbau. »Die Chinesen bewerten den Technologieabstand zum deutschen Maschinenbau realistisch. Dennoch: Im wachsenden mittleren Marktsegment und im Service sind sie stärker. Und das mittelfristig nicht nur in China.« So der Branchenverband VDMA am 18. Februar 2014. Anlass war die Präsentation einer Studie über die chinesischen Wettbewerber.

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Darin wurde berichtet, dass mehr als die Hälfte der chinesischen Wettbewerber binnen fünf Jahren mehr Exporte plant. Das Problem: Die Chinesen werden genau dort besonders stark, wo der deutsche Maschinenbau selbst große Absatzchancen erwartet: in den Schwellenmärkten und im mittleren Technologiesegment.

Die besondere Gefahr für deutsche Hersteller formuliert VDMA-Präsident Reinhold Festge so: »Wenn wir das mittlere Technologiesegment nicht ausreichend bedienen, dann verlieren wir Marktanteile und überlassen den Markt ganz den chinesischen Wettbewerbern.«

Für die deutschen Hersteller wäre das eine Katastrophe. Denn es geht um 6000 Firmen, die mit 970000 Beschäftigten als größter industrieller Arbeitgeber im Land gelten. Die Chinesen haben mit elf Prozent der weltweiten Maschinenausfuhren bereits zu den zweitplatzierten USA aufgeschlossen. Deutschland kann sich mit einem Anteil von 15,9 Prozent noch an der Spitze behaupten.

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 Aber wie lange noch? China ist mit einem Umsatz von 678 Milliarden Euro bereits bei Weitem der größte Maschinenbauer der Welt, fast drei Mal so groß wie Deutschland. Was dem Maschinenbau droht, wenn die Warnung des VDMA verhallt, das kann man unter anderem in der italienischen Stadt Porcia beobachten.
Dort betreibt der schwedische Hausgerätehersteller Electrolux eine Fabrik mit 5000 Beschäftigten, die nur noch halb so viele Waschmaschinen fertigt wie vor zehn Jahren. Jetzt verlangt Electrolux von den Arbeitern eine Senkung der Löhne um 15 Prozent bis 2017. Dies sei die einzige Chance, den Ansturm neuer Konkurrenten aus Osteuropa und Asien abzuwehren. China beherrscht schon mehr als ein Drittel des hundert Milliarden Euro umfassenden globalen Marktes für Waschmaschinen, Kühlschränke, Klimaanlagen und Trockner. Italien – einst weltgrößter Exporteur – ist auf Rang drei abgerutscht.

Ähnliche Konkurrenz droht Firmen wie Siemens hierzulande von neuen Schnellzügen aus China. Das Land hat in nur sechs Jahren 10000 Kilometer Schienen für Hochgeschwindig-keitszüge verlegt, mehr als Deutschland und Japan zusammen. Alle zehn Minuten startet auf den Strecken, die 100 chinesische Städte verbinden, ein Zug. Jeden Monat werden bereits mehr Passagiere mit den »Bullet trains« transportiert als von allen Fluggesellschaften des Landes zusammen. An employee wipes equipment on the production line of hawthorn red wine at a factory in Weifang

Für 43 Milliarden Euro werden in diesem Jahr die meisten Provinzhauptstädte in China miteinander verbunden, das Streckennetz wird verdoppelt. Die ständig ausgebuchten Sprintzüge sind so populär, dass Chinas Airlines viele Kurzstrecken unter 500 Kilometer schließen und Stattdessen auf den internationalen Langstrecken, auch nach Europa, expandieren. Das sorgt im europäischen J_uftraum, der einen Ansturm nahöstlicher Airlines erlebt, für noch mehr unliebsame Konkurrenz.

Eine sehr ausgekochte Strategie

Chinas Internetgiganten, die an einzelnen Tagen schon mehr Umsatz erzielen als der gesamte amerikanische Einzelhandel, sammeln in diesen Monaten Milliarden Euro bei Börsengängen in New York ein. Das Geld werden sie nutzen, um im Westen ihre Onlineangebote auszudehnen. Das geschieht, während Deutschlands Internet so zurückfällt, dass es zu einer Belastung für den Standort wird. Währenddessen steigt China zum globalen Epizentrum des Internets auf. Seine neuen Onlinekonzerne

– darunter Tencent und Alibaba – wandeln 341569_e

sich während ihrer Expansion auch noch zu neuen Banken, die das herkömmliche Retailgeschäft traditioneller Geldhäuser völlig umkrempeln. In Europa und den USA erstarrt dagegen die innovative Kraft der Banken, die lieber zerstörerische Derivate entwickeln und Zinsen sowie Wechselkurse manipulieren. China greift aber nicht nur die führenden Industrien der deutschen Exportwirtschaft an. Es macht Deutschland auch noch die Rolle als Hoffnungsträger Erneuerbarer Energien streitig. Während die Mainstreammedien fast nur über den dicken Smog in den Millionenstädten Chinas berichten, bekommt der Vormarsch des Landes bei Erneuerbaren Energien wenig Beachtung.

China investiert schon jetzt drei Mal so viel in grüne Energien wie die USA.

 

Vor zwei Jahren hat es die USA von der Spitze der größten Märkte für Erneuerbare Energie verdrängt. Die Cleantech-Investi-tionen erreichten 2012 satte 71 Milliarden Euro, das sind 42 Prozent der weltweiten Aufwendungen dafür. Im Verlauf der letzten zehn Jahre hat China 29 Milliarden Euro in grüne Projekte im Rest der Welt investiert, mehr als die Hälfte davon seit 2010.
Die Volksrepublik steigt bei internationalen Cleantech-Investitionen zur neuen Supermacht auf. Währenddessen meldet in Deutschland der Stromriese RWE den ersten Milliardenverlust seiner Geschichte, weil er laut Vorstandschef Peter Terium »spät in Erneuerbare Energien eingestiegen« ist, »vielleicht zu spät«.

Unterdessen nehmen chinesische Konkurrenten eine weitere deutsche Industriehochburg ins Visier: Den Pkw-Sektor. Wie es aussieht, sind sie nur wenige Jahre von den ersten Einbrüchen auf den Märkten Europas und den USA entfernt.

 

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wolfgang port
15/04/2016 10:05

simpler dreh : china verkaufte solarzellen spottbillig. nach pleite der brd firmen normalisierten sich preise wieder . möglicherweise wird das jetzt mit stahl produzierenden firmen versucht . (mit erfolg ?) weiter: know how in alller welt ausspioniern, einkaufen, weiterentwickeln(menge neue igenieure etc) am ende haben sie nüzlichen idioten usa und andere abgehängt

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