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Unverfälscht / Wieso sie an den Pirinçci nicht rankommen, warum Pussy Riot nicht vulgär ist, und wo alle plötzlich gegen Multikulti sind

 

Nun wischen sie sich erst mal den Schweiß von der Stirn und ziehen Bilanz. Die fällt leider ziemlich durchwachsen aus: So richtig sind sie nicht rangekommen an den „Skandalautor“ Akif Pirinçci, der sie mit seinem Buch „Deutschland von Sinnen“ aus den Sesseln geschubst hat.

Irgendwie unerklärlich, denn eigentlich sind die politisch korrekten Medienmacher der Meinung, alles Erdenkliche gegen den Provokateur aufgefahren zu haben. Sie haben ihn sogar zum „Hitler“ gemacht oder ihm vorgeworfen, auf der geistigen Blutspur von Anders Breivik zu wandeln. So etwas hätte den Mann doch gesellschaftlich töten müssen! Haben die Mainstream-Medien etwa ihre Macht verloren?

Die ganz Schlauen machten sich ausschließlich über den vulgären Stil des neuesten deutschen Bestsellers her. Die Tour ist besonders geschickt, weil man nur vom hohen Olymp der guten Manieren herab näseln muss, um dabei zu sein. Der Geschmäckler muss sich weder mit den Inhalten eines Textes befassen noch mit dessen möglicher Berechtigung. Er beobachtet die brausende Schlacht aus sicherer Entfernung und stöhnt: „Mir ist egal, wer gewinnt. Hauptsache, der Krach hört auf, der beleidigt mein zartes Ohr.“

Die Inhalte interessieren die übrigen Kritiker aber auch kaum. Sie werden nur insofern gestreift, als man ein paar Schlagwörter herauspickt und sie geschickt zusammenstellt, um den rassistischen, minderheitenfeindlichen Charakter herauszukitzeln. Eine Methode, an die wir uns schon längst gewöhnt haben: Der Tugendwächter hört nicht mehr zu, er horcht die Leute ab in der geilen Erwartung, ein Wort, eine Formulierung aufzustöbern, die „an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte erinnert“, um dann zuzuschlagen.

Der Autor ist etwas,
was man auf keinen
Fall sein sollte:
Ein assimilierter
deutscher Patriot

 

Pirinçcis Verlagsleiter Andreas Lombard wundert sich zudem, dass die Kritiker nicht einmal auf den Auslöser des Buches eingegangen sind. Es war die Bluttat von Kirchweyhe 2013, wo ein Türke völlig grundlos einen jungen Deutschen totgetreten hat. Als Reaktion darauf berief der Bürgermeister den „Runden Tisch gegen Rechts“ ein, weil er in Trauer und Empörung über das Verbrechen nichts als „Rassismus“ entdecken wollte – die PAZ berichtete damals. Gegen „Rechts“? Weil ein Türke einen Deutschen erschlug? Da ist Akif Pirinçci der Kragen geplatzt, woraus das Buch „Deutschland von Sinnen“ entstand. Wie zu erwarten, wurde es ein Wut-Buch.

Der Autor ist etwas, was man in Deutschland nicht sein darf: Er hat sich, Zehnjährig nach Deutschland gelangt, zum glühenden deutschen Patrioten gemausert. Er ist also voll und ganz „assimiliert“, ein Ausländer, der mit Begeisterung Deutscher wurde.

Für die Multikulti-Phalanx ist das furchtbar: Immigranten sollen sich nicht assimilieren, sie sollen gefälligst Nichtdeutsche bleiben. Das verhasste Deutschland soll doch langsam verschwinden, und außerdem lebt die gesamte Integrations- und Antirassismus-Industrie davon, dass Migranten Migranten bleiben, das ganze Leben lang und auch für die kommenden, längst hier geborenen Generationen.

So offen sagt man das natürlich nicht, sondern spricht von „Integration unter Beibehaltung ihrer kulturellen Wurzeln“. Für die Anti-Rassismus-Industrie ist das enorm wichtig mit den „Wurzeln“, denn das sichert ihre Erwerbsquelle.

Unbemerkt hat sie den Deutschen damit nämlich eine unentrinnbare Rassismus-Falle gestellt. Denn Rassismus ist es ja bekanntlich schon, wenn ein Deutscher öffentlich bemerkt, dass der Nicht- oder Halbdeutsche irgendwie anders ist als er, der „Nur-Deutsche“. Wenn wir nun dafür sorgen, dass die Zuwanderer ihre ausländischen Wurzeln hegen und pflegen, bleibt das Anderssein zentral für ihr Selbstverständnis. Wenn der Deutsche das aber öffentlich bemerkt, ist er automatisch ein Rassist, der sich dauernd entschuldigen muss und dennoch schuldig bleibt. Sehr praktisch: Wer sich schuldig fühlt, ist fügsam.

So fügen wir uns in eine wirklich witzige Abmachung: Jeder Zugewanderte hat das Recht, ja, ist sogar dazu aufgefordert, seine Besonderheit hervorzuheben, weil er ja noch die fremden Wurzeln besitzt, die er den „Nur-Deutschen“ voraus hat.

Stellen Sie sich aber mal vor, der „Nur-Deutsche“ kontert einfach, dass er dem Zugewanderten dafür auch etwas voraus habe, nämlich, dass er ein vollständiger Deutscher sei und der andere höchstens ein Teils-Teils-Germane. Jeder von Ihnen lebt lange genug in unserer deutschen Gegenwart, um sich vorstellen zu können, welche Lawine an Rassismus-Vorwürfen über diesen „Nur-Deutschen“ hereinbräche. Wir geben uns daher lieber fügsam und lassen das sein.

Pirinçci hängt diese Fügsamkeit und Verlogenheit zum Hals heraus, und er brüllt seine Wut ins erschrockene Land. Dabei tritt etwas zutage, was die Sache für seine politisch korrekten Gegner vollends zur Tortur macht: So deutsch-patriotisch er auch sein mag, Pirinçcis Philippika kommt im Tonfall des pöbelnden Türkenprolls unserer Brennpunkt-Stadtteile daher.

Dass allein ist nicht das Problem: Hätte der Autor auf diese Weise die Deutschen, die „Spießer“, die verkappten Nazis hinterm Jägerzaun angefahren, hätte man ihn nicht „vulgär“ genannt, sondern „authentisch“. Pirinçci würde nicht angegiftet ob seiner „Beleidigungen“ und der „Fäkalsprache“, sondern gelobt, weil er „die verlogene Bürgerlichkeit einer vermeintlich gepflegten Sprache herausgefordert“ habe – oder so ähnlich.

Glauben Sie nicht? Dieselben, die Pirinçci wie von Sinnen angreifen, bejubeln seit Monaten eine Bande namens Pussy Riot und räumen ihr eine (im Verhältnis zur wahren „Bedeutung“) geradezu atemberaubende Medienresonanz ein: halbnackte Frauen mit groben Parolen auf den bloßen Brüsten, schreiend, zeternd, gern auch handgreiflich. Die aber sind eben nicht vulgär, sondern „provokant“, nicht „umstritten“ (heißt: böse), sondern „kritisch“ (heißt: gut), weil sie irgendwie links sind und die Kirche hassen.

Ist es nicht erstaunlich, wie schnell sich die Geschmacksnerven umstellen können, wenn die Soße aus der richtigen Richtung spritzt?

Und was die Verlogenheit angeht – das hier werden Sie auch schon mal bemerkt haben: Dieselben, die alles „Nur-Deutsche“ nicht laut genug verhöhnen können, denen es nie „bunt“ und multikulti genug wird, sind ganz stolz, wenn sie ihren Urlaub „abseits der Touristenpfade“ gemacht haben. Warum? Wieder zu Hause, berichten sie mit leuchtenden Augen, wie sie dort das „ursprüngliche“, das „unverfälschte Bild“ des Landes gesehen hätten. Man könnte auch sagen: Sie sind ganz weg vor Entzücken, dass sie die „multikulti-freien“ Reservate entdeckt haben, die noch nicht von vagabundierenden Weltbürgern, von modernen Kurzzeit-Migranten überrollt wurden. Und natürlich haben sie sich in diesen wunderbar unversehrten Refugien auf Zehenspitzen bewegt. Schließlich muss man Verständnis dafür haben, dass die „Unverfälschten“ dort unter sich bleiben wollen.

Zurück in der Heimat drehen sie das alles komplett auf den Kopf. Was sie in anderen Ländern als „unverfälscht“ und „ursprünglich“ vergöttern, schlagen sie hier als „dumpf-deutsch“ in den braunen Bann. Deutsche, die unter sich bleiben wollen, mögen sie sich gar nicht erst vorstellen. Selbst der alte Mann, der bei einem Immigrantenanteil von 70 oder 80 Prozent in seiner Straße die ungeheuerliche Meinung flüstert, dass es „zu viele Ausländer“ in seiner Gegend geben könnte, ist ja schon „Nazi“ genug.

Doch dann kommt dieser Deutsch-Türke Pirinçci und verkündet vor laufender „Mittagsmagazin“-Kamera: „Ich will mein altes Deutschland wiederhaben! Und ich bekomme es auch zurück.“ Diese Drohung hat eingeschlagen.

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aus paz 17-14

 

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