Windräder wirbeln auch Deutschlands Umweltbewegte unbarmherzig durcheinander.

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Foto: Siemens Pressestelle

Naturschützer contra Grüne

_von Sebastian Hennig

Die Umweltbewegung hat sich gespalten, obwohl die Aktivisten an der Basis noch vielfach am gleichen Strang ziehen: An der Spitze sind Parteifunktionäre dabei, die Heimatverbundenen wegzuputschen. Hauptstreitpunkt sind die Windräder.

Wer unbestechlich bleibt hat schnell eine Morddrohung am Hals.

Heimatliebe ist eine aussterbende Art geworden ist. Wer von Heimat, Eigenart und Volk reden hört, dem rotiert im Regelfall schon die Swastika in der Pupille, wie bei Onkel Dagobert die Dollarzeichen. Die Begriffe Natur und Art werden dem bald folgen, da sie die Möglichkeit von Entartung oder Denaturierung einschließen. Der Umweltschutz wird so zu einer wurzellosen Angelegenheit, seine Protagonisten werden ihrer besten Argumente beraubt.

Invasion der Windräder

Im sächsischen Landesverband Landschaftsschutz haben sich inzwischen 29 Bürgerinitiativen zusammengeschlossen. Über den Erzgebirgskamm bei Holzhau und Moldau/Moldava verbünden sich neuerdings Deutsche und Tschechen gegen die vögelmordende Monstertechnik. Im Nachbarland macht sich das Gefühl breit, eine unsinnige deutsche Energiepolitik über die EU aufgedrückt zu bekommen, während Deutschland im Gegenzug schon jetzt auf den Strom aus dem südböhmischen Atomkraftwerk Temelin angewiesen ist.

Schweigen und Zustimmung zu den Windrädern ist immer dort anzutreffen, wo die verarmten Bauern inzwischen auf den Bettel angewiesen sind, der als Brosamen bei der Energiewende abfällt. Dabei tut sich insbesondere der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hervor, der die Landschaftsschützer als Tarn-organisation der Atomkraftlobby anschwärzt.

«Man müsste ihn erschlagen»

Wer dagegen unbestechlich bleibt, hat schnell eine Morddrohung am Hals. So redet Tobias Mehnert nicht nur über die Notwendigkeit eines ökologischen Hochwasserschutzes. Desillusioniert von der Verschleuderung des Grundrechtes auf Heimat, hat er mit seinem Verein Naturschutzverband Sachsen (NaSa e.V.) selbst Flächen erworben, auf denen er seinen Einsichten entsprechend handelt.

Als der Windkraft-gegner vor einem Jahr für den Vorsitz des sächsischen BUND-Landesverbandes kandidierte, zwitscherte die aufgescheuchte Landesgrünenchefin Antje Hermenau sogleich übers Netz: «Gibt’s denn keinen anderen?».

Die Gegenseite (Grüne) verstieg sich zu Fantasien über Enteignung und unterstellte dem Verband, der klug und weitsichtig zu wirtschaften weiß, ein rein ökonomisches Interesse.

Das erinnert an den Befehl des Okkupanten an den Partisanen: «Werfen Sie die Waffe weg, damit ich sie ungestört erschießen kann.»

Und tatsächlich fantasierte ein Stadtrat in Flöha während einer Ausschusssitzung die Exekution des Unliebsamen: «Normalerweise müsste man ihn erschlagen». Die Lokalausgabe der Freien Presse (der kluge Volksmund kalauert gern: «Breite Fresse») schob einen sondierenden Beitrag auf der dritten Seite hinterher: «Der Verhinderer».

Erstaunlicherweise schwenkten aber die Lesermeinungen keinesfalls auf den vorgezeichneten Kurs ein, sondern bekundeten Achtung für einen Mann, der deutlich macht: «Um Nistkästen aufzuhängen, brauche ich keinen Naturschutzverein.»

Linienkampf im BUND

Neben Tobias Mehnert hat sich die grüne Parteikamarilla noch auf einen zweiten Widerständler eingeschossen, wie der Streit um den Vorsitz des sächsischen BUND im letzten Jahr gezeigt hat: Wolfgang Riether aus Annaberg, der seit seiner Schulzeit im Naturschutz tatkräftig aktiv ist. Er war eigentlich Geschäftsführer des BUND-Landesverbandes, wurde aber inzwischen ausgeschlossen.

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Protest gegen neue Windräder in Österreich. Foto: dunkelsteinerwald.org

Botho Strauß zu Windrädern

«Eine brutalere Zerstörung der Landschaft, als sie mit Windkrafträdern zu spicken und zu verriegeln, hat zuvor keine Phase der Industrialisierung verursacht. Es ist die Auslöschung aller Dichter-Blicke der deutschen Literatur von Hölderlin bis Bobrowski.

Eine schonungslosere Ausbeute der Natur lässt sich kaum denken, sie vernichtet nicht nur Lebens-, sondern auch tiefreichende Erinnerungsräume.

Verteilung der Erneuerbaren Energien in Deutschland, Stand 2012

■ Windkraft

■ Photovoltaik

■ biogene Festbrennstoffe

■ Biogas

■ Deponiegas, biogener Anteil

■ Wasserkraft  Restliche

Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft

 

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Mischt sich Schwarzgrün mit Rotgrün, wird es bald tristgrau werden. Der gemeinsame Auftrag: Einen mitgliederstarken Naturschutzverband, der den erneuerbaren Energien skeptisch gegenübersteht, soll es nicht geben dürfen.

 

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weiter und vollständiger Artikel mit vielen Fakten und Informationen in COMPACT 05-2014

Auszüge aus Compact Nr. 05-2014Grüne gegen Natur - 0001

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