Dösen wir weiter / Wie uns das schöne Europa verloren ging, wann die Stinkbombe geplatzt ist, und wie die Ampelfrau Berlins Probleme löst

paz21

 

 

Kinder, wie die Zeit vergeht! Dagmar Metzger, Christian Bayer und Steffen Schäfer erinnern uns in der Zeitschrift „Eigentümlich frei“ an muntere Tage, die dermaßen tief unter einem Geröll von Misslichkeiten begraben liegen, dass wir sie völlig vergessen haben. Heute mögen wir uns kaum noch vorstellen, dass es sie je gegeben hat, dabei liegt die goldene Epoche nur wenige Jahre zurück.

Das Autorentrio erzählt von der wunderbaren Zeit der europäischen Eintracht, als sich die Völker unseres Kontinents noch richtig lieb hatten. Negatives wurde weggelächelt oder als „anders, aber auch gut“ sogar zum Vorteil gewendet. Wenn sich der Grieche chaotisch benahm, war das eben sein sympathisch-anarchisches Gemüt. Wenn der Spanier immer zu spät kam, dann drückte sich darin halt seine südländische Lockerheit aus. Auch wenn es uns manchmal lästig war, so liebten wir sie doch für ihre Leichtigkeit und beneideten sie sogar dafür.

Die Südeuropäer ihrerseits schätzten unsere Ordnung, unsere Zuverlässigkeit und die Qualität unserer Waren. Zwar erschienen wir ihnen bisweilen ziemlich quadratisch-kantig, was für sie schon mal anstrengend werden konnte. Aber im Grunde mochten und bewunderten sie uns sogar.

Den Höhepunkt des europäischen Seelenfriedens datieren die drei ganz richtig auf das Jahr 2006, als das deutsche Fußball-Sommermärchen die halbe Welt und ganz Europa verzauberte. Als die einmonatige Sause vorbei war, fuhr ein VW-Bus mit spanischen WM-Gästen auf der Heimreise an mir vorbei. An der Seite prangte in großen Lettern: „Danke, Deutschland!“

Ich dachte nur: Geschafft! Nach Jahrhunderten voller Hass und Missgunst haben die Europäer endlich zu sich selbst gefunden. Wunderbar!

Wunderbar? Pustekuchen. Nur fünf Jahre später brannten in Athen deutsche Fahnen, phantasierten spanische Kommentatoren eine deutsche Verschwörung zur Unterjochung Europas herbei und pöbelten italienische Politiker aufs Übelste gegen den Nachbarn jenseits der Alpen. Vor den Augen der Deutschen verwandelte sich griechisches Anarchentum in freche Räuberei. Wer die Lockerheit der Spanier rühmt, wird von deutschen Landsleuten heute angezischt: „Na toll! Und wer bezahlt die verdammte Schlamperei? Wir!“

Was ist bloß passiert? Nun ja, gerade als Europa am schönsten war, ist eine Stinkbombe geplatzt, deren Zeitzünder schon seit 1999 unter uns tickte. Nur haben das die meisten nicht gespürt. Seit 2007, erst schleichend, dann mit Getöse, hat der Euro drei Generationen der Annäherung in übel riechendem Qualm erstickt.

Und das dicke Ende kommt vielleicht erst: Fassungslos stehen die Deutschen vor dem neuen Gram, da bedrohen uns die Politiker schon mit noch „mehr Europa“. Wie viel denn noch? Bis die volle Packung über uns zusammenkracht wie 1914?

Keine schöne Aussicht, das hat man selbst in den Wahlkampfzentralen erkannt und flötet etwas leiser. Das haben Sie sicher bemerkt: Die Irrsinns-Parole „Mehr Europa“ kommt gar nicht mehr vor. Die CDU will sogar „Bürokratie abbauen“, verspricht sie auf den Wahlplakaten, was wohl eher nach weniger denn nach mehr „Europa“ klingen soll. Die CSU möchte sogar Volksabstimmungen. Sagt sie. Vor der Wahl.

Die Sozialdemokraten haben ebenfalls registriert, dass sich ein gewisser Unmut breitmacht und versprechen, sie wollten „Europa neu denken“ – mit einem Spitzenkandidaten Martin Schulz vorneweg, der seit gefühlten hundert Jahren im EU-Parlament sitzt und spurlos vor sich hin „denkt“.

Es hat ein wenig den Anschein, als wollten die Parteien nicht so recht rausrücken mit dem, was sie wirklich vorhaben. Und sie tarnen sich gut. Ist Ihnen das auch passiert während des Wahlkampfs? Sie laufen durch den Ort und glauben von ferne, ein AfD-Plakat zu entdecken. Wenn Sie näher dran waren, entpuppte sich das Ding unversehens als SPD-Aufruf. Ist das Zufall? Die sozialdemokratische Wahlwerbung sieht in Farbe und Gestaltung den Postern der „Alternative“ zum Verwechseln ähnlich. Wer hier wen nachgemacht hat, ist leicht geklärt: Die AfD hat die Gestaltung ihrer Plakate seit der Bundestagswahl nicht verändert. Die SPD sah damals hingegen ganz anders aus.

Aber das ist ja noch gar nichts in Sachen Tarnen und Täuschen. Die christdemokratische Konkurrenz vollführt erstaunliche Verrenkungen, um zu verbergen, was sie vorhat: Der nationale Spitzenkandidat David McAllister verkündet, die Union kämpfe dafür, dass Jean- Claude Juncker Präsident der EU-Kommission werde. Man wolle – jetzt kommt’s – sich aber nicht vorweg auf Juncker festlegen. Wie bitte? Soll er’s nun werden oder nicht? Die Wahrheit: Die europäischen Christdemokraten haben den Luxemburger zum Kandidaten für das Amt nominiert, Angela Merkel will ihn aber nicht. Der gehorsame McAllister muss artig zwischen diesen beiden Polen hin- und herschlackern, um nirgends anzuecken.

Ach, wie konnte das großartige Projekt Europa nur in so einem trostlosen Gewurstel enden? Da kann man schon nostalgisch werden, sich nach dem Sommermärchen sehnen oder gleich nach der Nachkriegszeit, als europabegeisterte Jugendliche die Schlagbäume wegrissen.

Mit manchen Leuten geht die Nostalgie allerdings durch und führt sie in Zeiten, welche die meisten Deutschen in keiner guten Erinnerung haben. In Stuttgart haben „Antifaschisten“ das Wohnhaus des AfD-Funktionärs Ronald Geiger, in dem sich auch die Geschäftsstelle seiner Partei befindet, mit dem Schriftzug „R. Geiger, Rassist der AfD“ beschmiert. Im Internet feiern die Antifanten die Aktion als großen Erfolg. Die Nachbarn wüssten jetzt, was für einer da wohnt.

Wann war das noch, als das letzte Mal Horden von Finsterlingen durch deutsche Straßen zogen, um die Häuser und Geschäfte missliebiger Bürger zu „markieren“? Wird Ihnen auch gerade kalt? Aber so richtig??

Dann gehören Sie zu einer kleinen Minderheit. Die Masse der Deutschen stören solche „Markierer“ kaum. Aber müsste nicht wenigstens die Jugend dagegen aufstehen? Ach, woher denn? Die junge Generation hat sich das politische Interesse gründlich abgewöhnt. Die lässt sich sogar per „Rentenpaket“ kahlrasieren, ohne einen Mucks zu machen.

Was wohl wird, wenn der Karren so richtig im Dreck steckt? Wenn es nichts mehr zu beschönigen gibt und man uns die Rechnung für die unfinanzierbaren „sozialen Wohltaten“ brutal auf den Tisch knallt? Dann werden die aber so was von aufwachen müssen, was? Ha, ha!

Oder nicht? Wieso denn aufwachen? Wir können uns doch auch einfach auf die andere Seite drehen und weiterdösen. Wie das geht, macht uns die einzige deutsche Metropole mit Weltgeltung, unsere Hauptstadt Berlin, derzeit vor.

Die Stadt ersäuft in Schulden, öffentliche Einrichtungen vergammeln, der neue Flughafen ist ein einziger, milliardenteurer Albtraum, die Staatsoper eine Dauerbaustelle, die Kriminalität grassiert und die Behörden warnen, dass Berlins Salafisten-Szene eine „tickende Zeitbombe“ sei, die uns jederzeit terroristisch um die Ohren fliegen könne.

Und was macht die Politik? Die SPD-Faktion von Berlin-Mitte fordert, dass neben den Ampelmännchen endlich auch Ampelmädchen an den Fußgänger-Überwegen der Hauptstadt zu sehen sind. Dass da ausschließlich rote und grüne Männchen erstrahlen, sei nämlich diskriminierend. Dabei solle das Mädchen nicht etwa als rollenklischeehaftes Kleidchen-Weibchen gestaltet werden, sondern als „moderne, selbstbewusste Ampelfrau“.

Die selbstbewusste Ampelfrau als Antwort auf die drängenden Fragen einer Stadt am Rande des Zusammenbruchs. Es ist, wie es immer war: Die Gäste der ersten Klasse bemerken die Kollision mit dem Eisberg als letzte.

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paz 21-14

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gruenneindanke
23/05/2014 13:07

Danke für die Ausführungen, das Meiste ist mir bekannt, weil ich täglich hier herumstöbere. Was mich aber immer wieder stutzen lässt, ist die Tatsache, dass, obwohl vieles offenkundig ist, nichts geändert wird. Ich habe die Erklärung dafür eigentlich im letzten Absatz.“Das Thema ist viel tiefer gehend als 99% der “Bürger” auch nur im Ansatz kennen.“ Bleibt jetzt die Frage: Wie ändern wir diesen Umstand??? Ich betreibe selber eine „Homepage“, aber was nützt es, wenn es niemanden wirklich interessiert? Die Menschen haben leider andere Probleme. Ich nutze wirklich jede Gelegenheit, um meinem Umfeld andere Sichtweisen aufzuzeigen. Vergebene Liebesmühe, ich habe schon… Weiterlesen »

gruenneindanke
22/05/2014 17:41

Ist Berlin nun doch unsere Hauptstadt??? Habe irgendwo gelesen, dass der Genschman damals die Ratifizierungsurkunde des 2+4 Vertrages nur mit seinem Nachnamen unterschrieben hat, einer so genannten Paraphe. Das hat für einen Vertrag, mit dieser Tragweite, keine Gültigkeit.
Wie gesagt, habe ich irgendwo gesehen oder gelesen.
Kann mich da mal jemand aufklären?
Danke…….Gruß Peter

deutschelobby
22/05/2014 22:48
Reply to  gruenneindanke

Servus, der Genscher hat keine Berechtigung überhaupt etwas zu unterschreiben. Er wußte das wohl und unterschrieb „ungültig“. Das war kein Versehen! DIe 2 plus 4-Verträge sind nichts weiter als eine Farce. Eine zusammenlegung zweier Geschäftsbereiche. Einzig gültig, völkerrechtlich verbindlich, können nur gewählte Vertreter des Deutschen Reiches unterschreiben. Das Deutsche Reich hat nie kapituliert und besteht selbstverständlich weiter. Für Ungläubige gibt es genug Beweise. Nicht nur die Rede von Waigel im Jahre 1956, sondern auch das Bundesverfassungsgericht im Jahre 1973 und die Deutsche Bundespost im Jahre 1971. Das sind die am bekanntesten für jeden leicht nachprüfbaren Nachweise. Rein historisch, geschichts-politisch, gab… Weiterlesen »

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