Blick in die Zukunft:

Was geschieht, wenn unsere Maschinen intelligenter als ihre Schöpfer werden? Die Frage ist durchaus berechtigt. Denn in naher Zukunft werden uns Maschinen haushoch überlegen sein.

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Schon jetzt gibt es erstaunliche technologische Entwicklungen, die uns bald zu überflügeln scheinen. Wenn schließlich eine überlegene künstliche Intelligenz entwickelt wird, was bedeutet das für uns Menschen? Führende Wissenschaftler warnen davor, solche Strukturen zu schaffen, ohne sich ernsthafte Gedanken über die Folgen zu machen. Eine Maschine, intelligenter und kreativer als die größten Genies dieses Planeten, würde den Menschen ins zweite Glied stellen und unsere Welt auf immer radikal verändern, mit sicher unabsehbaren Folgen. Sie wäre nicht nur eine unheimliche Erfindung. Sie wäre wohl auch die letzte Erfindung, die der Mensch machen würde -das zumindest fürchten Fachleute, die sich mit künstlicher Intelligenz (Artificial Intelligence, AI) und dem Eintreten einer technologischen Singularität befassen.

Der Mensch könnte gegenüber einer solchen Maschine geistig nicht mehr Schritt halten. Die weitere technologische Entwicklung würde in rasenden Galopp übergehen. Selbst die intelligentesten Menschen hätten keinerlei Chance, sie noch zu verstehen. Diese Singularität tritt definitionsgemäß dann ein, wenn Maschinen dereinst in der Lage sind, sich mittels AI selbst zu verbessern. ki

Die Rechenkapazität wächst bereits seit langer Zeit enorm. Schon im Jahr 1965 stellte der amerikanische Naturwissenschaftler und //?fe/-Firmengründer Gordon Earle Moore fest, dass sich die Leistung der »Elektronengehirne« in regelmäßigen Zeitabständen verdoppelt. Hingegen bleibt das Potenzial des menschlichen Denkapparats weitgehend gleich. Rein von der Rechenleistung her betrachtet, haben Supercomputer unser Gehirn bereits eingeholt. Allerdings sind das nur grobe Schätzungen. Experten beziffern die Kapazität unseres rein biologischen »Rechenschiebers« auf

100 bis 10000 Teraflops oder Gleitkommaoperationen pro Sekunde. Bemessen wird das gerne an den relativ gut vergleichbaren Fähigkeiten zur Spracherkennung zwischen Mensch und Maschine sowie dem Anteil, den die zuständigen Regionen in unserem Gehirn einnehmen. Die Technologie scheint auf dem besten Weg, uns einzuholen, ja zu überholen. Und was dann?

Opfer unser eigenen Erfindungen

Klar ist, dass Computer ünd Roboter schon jetzt zahlreiche Tätigkeiten selbstständig ausführen können und uns in einigen Disziplinen eindeutig überflügeln. Es besteht grundsätzlich die Hoffnung auf ein goldenes Zeitalter, in dem die Maschinen uns Menschen heute noch unvorstellbare Dienste leisten, eine Ära, in der wir alle besser denn je versorgt sind und in der die Technologie sogar dazu dient, unsere Lebensspanne erheblich zu verlängern. Doch es könnte auch das Gegenteil passieren: Dass wir an einem kritischen Punkt die Kontrolle über das Geschehen verlieren und zu Opfern unserer eigenen Erfindung werden. kuenstliche-intelligenz-google

Es wäre das Ende der Menschheit, wie wir sie kennen. Und es wird nach Ansicht jener Experten urplötzlich eintreten – beinahe wie der berühmte Blitz aus heiterem Himmel. Unlängst warnten führende Wissenschaftler wie Stephen Hawking, Stuart Russell, MaxTegmark und Frank A. Wilczek davor, die künstliche Intelligenz einfach immer weiter in die Realität umzusetzen, ohne auf die drohenden Risiken vorbereitet zu sein.

Der Schuss könnte nach hinten losgehen. Sie vergleichen die Situation mit einem anderen unheimlichen Szenario: der Begegnung mit einer außerirdischen Intelligenz. Die Forscher stellen hierzu eine rhetorische Frage: Gesetzt den Fall, eine uns überlegene Fremdzivilisation würde uns eine Botschaft senden und mitteilen:

»Wir sind in einigen Jahrzehnten bei Euch«, würden wir dann etwa nur antworten: »In Ordnung! Ruft uns vorher an, damit wir das Licht anlassen?« Wir würden wohl einiges mehr tun, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Selbst, wenn wir einer uns überlegenen Zivilisation kaum wirklich etwas entgegenhalten könnten, die Menschheit würde kaum untätig bleiben. Und das sollte sie auch angesichts der Entwicklung bei der künstlichen Intelligenz nicht tun. Die Warnung stammt von namhaften Forschern.

Zu Hawking muss nicht mehr viel gesagt werden. Und Russell ist amerikanischer Professor für Computerwissenschaften, Tegmark MIT-Physikprofessor, genau wie Wilczek, der für seine Arbeiten 2004 den Nobelpreis erhielt. Sie alle glauben, dass wir zu wenig tun, um unsere Zukunft abzusichern. Auf dem Gebiet der superintelligenten künstlichen Intelligenz gebe es kaum ernsthafte Forschung. Doch diese Technologie könnte uns regelrecht schachmatt setzen, Forscher ausmanövrieren, die Menschheit manipulieren und versklaven, Weltkonzepte und autonome Waffen entwickeln, die niemand mehr versteht.

Gegenwärtig ist das alles noch reine Utopie. Aber wie lange noch? Die Entwicklung schreitet immer schneller voran. Bald schon gibt es da draußen selbstfahrende Autos oder digitale Assistenten wie Google Now, S Voice, Cortana und Siri zur Verarbeitung und Erkennung gesprochener Sprache. Die künftigen Assistenten sollen weit mehr können und sogar Kriege entscheiden und Krankheiten überwinden helfen.

Wie die vier Wissenschaftler schreiben, gibt es keine physikalischen Gesetze, die grundsätzlich ausschließen, Grundbausteine der Materie so zu organisieren, dass sie weit besser arbeiten als die natürliche Anordnung in unseren Gehirnen. Doch AI ist nicht der einzige Intelligenzverstärker. Die ultimative technologische Singularität, an der ein Endpunkt der menschlichen Entwicklung erreicht wird, kann auch aus hochentwickelten Gehirn-Computer-Schnittstellen resultieren sowie aus gentechnologischen Eingriffen. Das Erreichen dieser »erweiterten Intelligenz« würde zunächst eine Zwei-Klassen-Gesellschaft hervorbringen.

Unmodifizierte Menschen haben dann bald keine Chance mehr. Und was geschieht mit den veränderten Personen? Werden sie völlig von der AI übernommen? Das sind Zukunftsängste. Doch sobald die Superschnittstelle im menschlichen Gehirn ein Eigenleben entwickelt, gehört der Mensch sich selbst nicht mehr. Unsere Zivilisation sorgt offenbar bereits dafür, die Evolution auszubremsen. Weit mehr wäre dies durch eine Superintelligenz der Fall. Die Frage bleibt, wohin das alles letztlich führt.

Verfechter des Gedankens hoffen darauf, dass mit wachsender Intelligenz auch eine positive ethische Entwicklung einhergeht. Kritische Stimmen sehen hier keinerlei Zusammenhang. Schließlich gibt es hochintelligente Menschen, denen es trotzdem an Moral mangelt.

Wenn Technologie schließlich den Egoismus kennengelernt hat und singuläre Computerhirne jenseits unserer Geisteskapazität eiskalt ihren Vorteil kalkulieren, dürfte eine Ausrottung der Menschheit nicht ganz unwahrscheinlich sein.

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Kopp 21-2014

 

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