Frei gedacht

von Eva HermanEva Herman

Das ZDF hat einen handfesten Skandal. Mal wieder. Es geht um nicht weniger als die Glaubwürdigkeit des Mainzer Senders: Bei zwei Ranking-Shows, moderiert von Johannes B. Kerner, wurde gehörig manipuliert. Viele Fragen stehen im Raum, die den Status unserer Medien – in letzter Zeit immer häufiger – in Frage stellen: Geschah dies zum ersten Mal? Oder wurden die Zuschauer schon häufiger betrogen? Gab es für diesen unerlaubten re-daktionellen Eingriff alleine dramaturgische Gründe, oder sind es doch politische? Welche Rolle spielt der Moderator? Alte Erinnerungen werden wach: Die berühmte Kerner-Sendung im ZDF, am 9. Oktober 2007.

Es ist sieben Jahre her, als mein berufliches Schicksal eine deutliche Wende nahm. Durch die Erkenntnis über unsere äußerst problematische Familienpolitik hatte ich öffentlich Stellung bezogen, war aus dem sicheren, öffentlich-rechtlichen Kokon entwichen. Es ging mir, damals wie heute, hauptsächlich darum, die Missstände aufzuzeigen, die eine dem kommunistischen System vergleichbare Krippenpolitik für eine Gesellschaft bringt: Kleinstkinder, zuweilen nicht älter als sechs Wochen, in fremde Hände geben? Verheerend. Unter drei Jahren gilt: Die Mutter ist die wichtigste Bezugsperson. Das sagen die Naturgesetze. Das haben auch alle seriösen Wissenschaftler auf der ganzen Welt längst festgestellt. Hunderte Studien darüber existieren: Die Folgen einer zu frühen Fremdbetreuung können sich, um es gelinde auszudrücken, negativ auf das weitere Leben des Kindes auswirken. Doch unsere Politiker wollen diese Studien nicht kennen, da das Krippensystem à la Margot Honecker hier politisch durchgesetzt wird! Deswegen müssen auch alle Störfaktoren aus dem Weg geräumt werden.

Und so war ich, praktisch über Nacht, zu einer Systemgegnerin geworden: Ein Fall für Johannes B. Kerner, ein Fall für das ZDF! Die Kerner-Sendung wurde nicht nur für mich, sondern für Millionen Zuschauer zu einem Albtraum. Man hatte eine Art Tribunal einberufen, welches über mich richten sollte. Eine mir bis dato sympathische Schauspielerin namens Senta Berger, eine mir stets wenig sympathische Ex-Moderatorin Margarethe Schreinemakers, der mir bis heute unbedeutend erscheinende Komiker Mario Barth. Und natürlich, als Master of Desaster, J. B. Kerner.

Wer sich heute fragt, wer von den Manipulationen der jüngsten Ranking-Shows wusste, der muss wissen, dass die Mitglieder der damaligen ZDF-Runde durchaus zu wissen schienen, dass die Kerner-Show mit einem Eklat enden sollte. Und hierbei handelte es sich „nur“ um die Gäste. Eine immer aufgeregter wirkende Senta Berger, die im Laufe der Sendung mehrmals ankündigte, jetzt gehen zu wollen, und dennoch sitzen blieb, fragte nach etwa 50 Minuten Sendezeit völlig entnervt den Starmoderator Kerner, wann man denn endlich das tun würde, was ursprünglich abgesprochen worden sei. Aha?

Nun war ich selbst zehn Jahre lang Talk-Show-Moderatorin und bin mit den internen Regeln des öffentlich-rechtlichen Systems durchaus vertraut. Selbstverständlich ist es möglich, dass meiner damaligen Co-Moderatorin und mir einige faule Eier von der Redaktion untergeschoben wurden, die uns zu Handlangern des Systems machten, ohne dass wir davon wussten. Doch da wir bei sämtlichen Redaktionskonferenzen stets das Wort mit führten, waren wir in sämtliche Vorgänge involviert. Weswegen es schwer vorstellbar ist, dass Moderator Kerner in der jüngsten ZDF-Skandal-Sendung, die ausgerechnet den Titel „Deutschlands Beste“ trug, von nichts gewusst haben soll.

Man muss sich hier die Frage stellen, ob das öffentlich-rechtliche System den Zenit überschritten hat. Schauen wir uns nur die jüngsten Ungereimtheiten in der Berichterstattung an, die immer wieder dieselbe Überschrift tragen: Manipulation! Wer sich an das vor einigen Monaten ausgestrahlte Interview zwischen ZDF-Anchorman Claus Kleber und dem Siemens-Chef Joe Kaeser erinnert, dem gefriert noch das Blut in den Adern: Zur besten Sendezeit nahm Kleber den Vorstandsvorsitzenden auseinander, weil der es gewagt hatte, seine Geschäftsbeziehungen zu Russland weiter aufrechtzuerhalten, obwohl die Bundesregierung in eine Art Krieg mit den Russen getreten war. Der deutsche Fernsehzuschauer lernt seit den Unruhen in der Ukraine, dass Präsident Wladimir Putin ein „Aggressor“ ist, dass „prorussische Kräfte“ die Ukraine destabilisieren und dass die Krim von den Russen „annektiert“ worden ist.

Ein anderes Mal funktionierte ZDF-Star Kleber ganz kurz die ukrainischen Anti-Terrortruppen zu „russischen Eingreiftruppen“ um. Nur dem aufmerksamen Zuhörer fiel das auf, Millionen schluckten den Fehler, das Bild des „bösen Russen“ verfestigte sich weiter.

Doch ist es nicht alleine die Russland-Politik, die in den öffentlich-rechtlichen Medien einseitig dargestellt wird. Wie erwähnt, betrifft dies ebenso die Familienpolitik, die Euro-Politik, das globale Finanzsystem, die EU-Politik, die Medienpolitik und so weiter. Und immer besorgter fragt man sich dabei: Welche Rolle spielt das öffentlich-rechtliche System?

Hier hilft ein Blick in die Statuten der öffentlich-rechtlichen Anstalten, in den Rundfunkstaatsvertrag von ARD und ZDF, wo es unter anderem heißt: „Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten … sollen hierdurch die internationale Verständigung, die europäische Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Bund und Ländern fördern.“

Man beachte vor allem den letzten Satz: Die europäische Integration soll von ARD und ZDF gefördert werden. Was bedeutet das aber genau? Es heißt: „Die europäische Integration steht begrifflich für einen ,immer engeren Zusammenschluss der europäischen Völker‘ … 1994 durch ein Papier von Wolfgang Schäuble und Karl Lamers geprägt, bezeichnet der Begriff Kerneuropa (wichtigstes Ziel der europäischen Integration) eine Gruppe derjenigen europäischen Staaten, die durch die weitestgehende politische, wirtschaftliche und militärische Integration miteinander verbunden sind. Konkret können hierunter gegenwärtig die Staaten verstanden werden, die zugleich Mitglieder nicht nur der EU, sondern auch der Eurozone, des Schengener Abkommens und der Nato sind.“

Wenn die Nato also in die Ukraine einmarschieren will, dann helfen alle seelischen Befindlichkeiten nichts: Wir müssen das gut finden! Es nutzen auch keine Warnungen vor den damit verbundenen Kriegsgefahren: Die Nato gehört zur europäischen Integration, und deswegen ist das alles richtig so, sagen die Sender! Egal, was der Zuschauer denkt.

So ist das System. Auch wenn eine Re-daktion beschließt, dass ein Gast rausfliegt, oder dass eine öffentliche Umfrage manipuliert wird, um Sympathie und Antipathie von Entscheidungsträgern zu beeinflussen, so wird dies solange immer wieder passieren, bis es den Verbrauchern endlich langt! Mal schauen, wie lange das noch dauert.

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paz 30-14

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Konservativer
Konservativer
24/07/2014 03:34

„Man hatte eine Art Tribunal einberufen, welches über mich richten sollte.“ —————– Das WAR auch ein Tribunal, nicht nur „eine Art“, es war ein bis in Details vorbereiteter Schauprozess (Duden: „auf propagandistische Massenwirkung angelegtes öffentliches Gerichtsverfahren“) mit Drehbuch und Regie. Und die „Kronzeugen der Systemmoral“? – Eine ausgediente Pornodarstellerin und eine abgeurteilte Steuerbetrügerin. Kerner war schon immer ein charakterloses, opportunistisches Schwein. Es ist Beleidigung der weißen Rasse, dass das ZDF uns diese wiederliche Kreatur nach dem Arschtritt bei SAT1 (9,1 Mio. EUR p.a.) abermals zumutet. Klar, „Wie der Herr, so das G’scherr“ – wenn der Herr nichts taugt, was kann… Weiterlesen »

Arcturus
24/07/2014 03:12

Hat dies auf Oberhessische Nachrichten rebloggt.

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