Mit den anhaltenden weltweiten Immigrationsströmen wachsen Gefahren, welche wir in Europa längst überwunden geglaubt haben. Für die jüngere Generation heißt das künftig: Bürgerkrieg.

Die Flüchtlingsdramen, die Europa in Atem halten, nehmen rund um den Globus zu. Wir beobachten eine weltweite Krise, die von Australien über die USA bis hinein in die Europäische Union reicht. Während quer durch Europa Zeltstädte, Notunterkünfte und Aufnahmelager überquellen, sorgen 80000 Flüchtlingskinder aus Zentralamerika in den USA für ein politisches Beben.

Dieses hält seit Wochen die Hauptstadt Washington in Atem. Die meist unter zwölf Jahre alten Kinder werden allein über die schwach gesicherte Grenze in die USA geschickt, ohne Begleitung von Familienangehörigen, die oft bereits in den USA leben. Die meisten dieser Kinder kommen aus Honduras, El Salvador oder Guatemala.
Das sind Länder, in denen die Gewalt eskaliert ist wie anderswo im Krieg. In Honduras werden 90 von 100000 Einwohnern ermordet. Das ist fast fünf Mal mehr als in Mexiko, wo Drogenkriege ganze Regionen in Todeszonen verwandelt haben. In den USA liegt diese Mordrate trotz der für Europäer unvorstellbaren Waffengewalt unter fünf pro 100000 Einwohnern.

Immer mehr Armutsflüchtlinge

Der Kinderflüchtlingsstrom lässt die vorhandenen Unterkünfte der US-Behörden entlang der Grenze zwischen Texas und Mexiko aus allen Nähten platzen und sorgt für umfangreiche Transporte in. den Rest des Landes. Australien patrouilliert derweil in
seinen Küstengewässern, um Flüchtlinge aus Asien abzufangen. Und in Europa ist der Strom an Kriegs- und Armutsflüchtlingen so groß geworden, dass Italiens Premier Mat-teo Renzi im Rahmen der Kampagne »Mare Nostrum« die Grenzen stärker sichern lässt und die Europäische Union gewarnt hat: Europa müsse mehr helfen, oder es drohe eine Zerreißprobe für die Gemeinschaft.

Seitdem die Verfassungsrichter in Karlsruhe 2012 entschieden haben, dass jeder in Deutschland lebende Ausländer Anspruch auf Sicherung eines menschenwürdigen Existenzminimums hat, ist die Zahl der Asylanten um fast 140 Prozent auf 127000 im vergangenen Jahr explodiert.

Nur Kanada hat ein Luxusproblem. Das Land wird mit dem Atlantik und dem Pazifik von zwei riesigen Ozeanen eingerahmt, hat im Norden schneebedeckte Berge und im Süden den einzigen Nachbarn, die USA. Nach Kanada strömt asiatisches Bargeld, das die Immobilienpreise in die Höhe treibt, aber keine Boatpeople. Ein Vergleich zwischen den genannten Ländern zeigt eine bedrückende Gemeinsamkeit: Die Flüchtlingskrise beginnt in fast allen Zielländern, die lokalen Ressourcen zu überlasten.

Es entsteht der Eindruck, dass man an der eskalierenden Völkerwanderung kaum etwas ändern kann. Denn die Konfliktzonen, aus denen Menschen flüchten, ändern sich immer nur. Gestern der Irak und Südeuropa, heute Syrien, Sri Lanka und Honduras. Morgen vielleicht Palästina und Nordkorea. Gemeinsam scheint auch, dass die Politik in den Zielländern des Flüchtlingsstroms überfordert ist und eine ungebremste Fortsetzung der Wanderung zu schweren gesellschaftlichen Auseinandersetzungen führen kann. In der kalifornischen Stadt Murrieta, die zwischen San Diego und Los Angeles liegt, haben in den vergangenen zwei Wochen wütende Bürger schon drei Mal Busse mit illegalen Einwanderern aus Notunterkünften an der texanischen Grenze blockiert.

Weiter Ausnahmezustand in den USA

Und was macht die politische Elite? In den USA so gut wie nichts. Obama hat jetzt vom Kongress Milliarden gefordert, um die Luftüberwachung an der Grenze zu Mexiko zu verstärken, mehr Richter einzustellen und die Auffanglager an der Grenze auszubauen. Obama hat zudem den Heimatschutzminister Jeh Johnson sowie Generalstaatsanwalt Eric Holder beauftragt, bis zum Ende des Sommers einen Maßnahmenkatalog auszuarbeiten. Bis dahin herrscht Ausnahmezustand. Und wenn der Kongress weiter blockt, wasvu erwarten ist, gibt es auch danach keine Lösung. Australien geht gegen die vielen Asylbewerber – überwiegend aus Sri Lanka – harsch vor. Patrouillenboote fangen die Flüchtlingsschiffe ab, um auf hoher See Schnellbefragungen
durchzuführen und den Status der Bootsflüchtlinge

Afrika boat_people
Afrika boat_people

zu sondieren. Anschließend werden Asylsuchende, die keine überzeugende Erklärung liefern, an die Marine von Sri Lanka übergeben. In Sydney soll zudem in Kürze das höchste Gericht Australiens entscheiden, was mit 153 Flüchtlingen aus Sri Lanka passiert, die derzeit auf einem Boot des Zolls festgehalten werden. Australiens Premier Tony Abbott gewann vor einem Jahr die Wahl mit dem Versprechen, hart gegen Asylanten vorzugehen und »die Boote zu stoppen«, dass dies gelingt, wird fast überall bezweifelt.

In Europa und den USA fürchten manche bereits die weit verbreitete Entstehung von großen Flücht-
lingslagern. Während Obama Milliarden beantragt, um unter anderem weitere Unterkünfte an der Landesgrenze in Texas zu bauen, wird in Hamburg über die Nutzung ausrangierter Kreuzfahrtschiffe nachgedacht. Und Schmuggelbanden bringen die Ärmsten und Verzweifeltsten aus Syrien, Ägypten und anderswoher ohne Unterlass über den Kanal auf die britische Insel.

Dort nimmt der Widerstand in der Bevölkerung zu. Laut einer Einwanderungsstudie, die
der britische Channel 4 kürzlich publizierte, sprechen 83 Prozent der Briten im Zusammenhang mit der Einwanderung von einer »Bevölkerungskrise«. 84 Prozent der Briten votieren für eine Einschränkung.

Es ist kein Zufall, dass es das Londoner Verteidigungsministerium war, das schon vor sieben Jahren eine Zukunftsstudie entwarf, die unsere Welt nach anhaltendem Flüchtlingsstrom und dem fortgesetzten Verfall der Mittelschicht beschreibt. Das 90 Seiten lange Papier illustriert eine Welt, in der Menschen mit hirnimplantierten Chips herumlaufen, in der ein dezimierter Mittelstand die Rolle des Proletariats von Karl Marx übernommen hat und in der die Globalisierung im Zusammenwirken mit grenzüberschreitender Migration Kriege zwischen Staaten weniger wahrscheinlich macht, dafür aber die Gefahr innerstaatlicher Konflikte verstärkt. »Flash-Mobs«, die von kriminellen Banden in kürzester Zeit mobilisiert werden können, machen in diesem Szenario das Leben unsicher.

Widerstand gegen den Kapitalismus

Ethnische Communities und Nationalitäten, die über die ganze Welt verteilt sind, könnten in Zukunft zu Gewalt greifen, um ihre Ziele durchzusetzen. Massives Bevölkerungswachstum im Nahen Osten und -etwas weniger – in Nordafrika sorgen für anhaltende Wanderungsbewegungen. Wut und Zorn – vor allem bei jungen Menschen – über undemokratische Regime werden laut der Prognose zunehmend in Militanz, extremistischen Islam und Widerstand gegen den Kapitalismus Umschlägen. Darauf sollte man sich schon jetzt vorbereiten.

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kopp 30-14

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