totalitäre Überwachung über den Tod hinaus…


Wer glaubt, alle Facetten der totalitären Überwachung zu kennen, der sollte nicht weiter lesen. Die Kontrolle reicht über den Tod hinaus.

Big Brother noch im Sarg? Man könnte das für einen eher geschmacklosen Scherz bei der Überwachung halten. Doch auch der Tod ist nicht das Ende, wenn es um Kontrolle geht. Sie kann auch posthum noch ein entscheidender Faktor sein. Denn erst unlängst wurden bislang geheime Richtlinien dazu enthüllt. Es geht um Ermittlungen, ob eine Person als möglicher Terrorismusverdächtiger einzustufen ist. Grab

Und auch Verstorbene bleiben weiterhin als »Terrorverdächtige« registriert. Denn Terrorverdächtige könnten die Identität eines Verblichenen als zweite Identität nutzen. Das amerikanische National Counterterrorism Center (NCTC), welches solche Details in einem 166 Seiten langen Bericht bestätigt, spricht hierbei von einer bereits »demonstrierten terroristischen Taktik«.

Auch Ehepartner verdächtiger Personen können nach ihrem Ableben auf diese Liste der terrorverdächtigen und zu überwachenden Personen gesetzt werden. Was die Kriterien dazu betrifft, ob eine Person auf solche Listen gesetzt wird oder nicht, da verweigern die Regierungen bislang noch immer jegliche Preisgabe von Information.

Klar ist: Man gerät wesentlich schneller darauf, als dass man wieder aus ihr gelöscht, würde. Längst hat sich herumgesprochen, wie zügig auch Unbescholtene ins Netz der Überwachung geraten. Die Anstrengungen, jeden Schritt und jeden Tritt eines jeden Bürgers zu kennen, haben inzwischen weltweit wahrlich bizarre Ausmaße angenommen. Natürlich steht die Überwachung von Flughäfen ganz oben auf der Prioritätenliste. Und die nächste Phase hat auch hier bereits begonnen.

Am Flughafen von Helsinki Helsinki-Vantaan_kiitotie_33wird derzeit ein neues System installiert, das bis zum Ende des Jahres 2014 komplett einsetzbar sein soll. Hier agieren rund 150 kleine weiße Kästchen als effektives »Orwell-Orchester«, um mittels spezieller Verfolgungssoftware der finnischen Firma Walkbase zumindest sämtliche ins WLAN eingeklinkte Mobiltelefone zu erfassen. Bürgerrechtler sind bereits auf den Plan getreten, obwohl die Argumente für die Nutzung solcher Technologie harmlos klingen. Angeblich gehe es nur darum, stets den aktuellen Überblickzu bewahren, alles besser zu kanalisieren und Engpässe zu vermeiden. Immerhin, rund 15 Millionen Fluggäste frequentieren diesen Airport jährlich.

Antti Tikkanen, der bei einem Softwarehersteller für Sicherheitsfragen zuständig ist, sagt zur Überwachung auf dem größten finnischen Flughafen: »Die Tatsache, dass jede meiner Bewegungen verfolgt wird, ist erschreckender, als dass jemand weiß, welche Internetseiten ich besuche.« Heikki Koski, Vizechef von Finavia Oyi, der finnischen Luftfahrtbehörde und Betreiber des Airports, sieht große Vorzüge in diesem »Pilot-Projekt«. Er sagt: »Wir erwarten, dass sich die Investition hervorragend auszahlt. Wir können den Flughafen besser verwalten, wir können Vorhersagen, wo sich möglicherweise Engpässe bilden und außerdem alles viel genauer analysieren.«

Eine Privatsphäre gibt es dort jetzt nicht mehr. Im Internet kann ja von Privatsphäre ohnehin längst keine Rede mehr sein. So wird das »Nutzer-Tracking«, die Verfolgung der Anwender, immer dreister. Da ist nun von »Canvas Fingerprinting« oder »Zombiecookies« die Rede. Das ist eine völlig neue Dimension der Überwachung. Nutzer hinterlassen über ihren Computer einen individuellen Fingerabdruck, oder treffender, eine deutliche Handschrift. So beschreibt das auch Christian Eubank, Computerwissenschaftler aus Princeton, New Jersey. Jeder Rechner sorgt durch seine charakteristischen Spezifikationen für ein digitales Abbild. Eine besuchte Seite kann solche Merkmale völlig unbemerkt und geheim ab-fragen. Blitzschnell.

Es wird immer verrückter

Eubank ist Co-Autor einer Studie zum Canvas-Fingerprinting. Sie ergab, dass aktuell bereits fünf Prozent der meistbesuchten 100000 Internetseiten mittlerweile mit dieser Technologie arbeiten. Die Forscher sehen derzeit den Tor-Browser als einzigen Schutz. Evercookies sind ebenfalls eine unangenehme Sache und werden nicht umsonst auch als »Zombiecookies« bezeichnet.

Das allein macht schon deutlich, worum es sich hier dreht: Cookies, die sich schwer oder gar nicht löschen lassen.

Sie rekonstruieren sich selbst. Verharmlosend werden sie von Entwicklern als »Cookie-Alternative« bezeichnet. Tatsächlich aber sind sie weit mehr als das. Und Browseranbieter halten sich allgemein mit Gegenmaßnahmen zurück.

Es wird auf dem Gebiet der Überwachung immer verrückter.
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kopp 32-14