Derzeit wird eine neue digitale Identitätskarte verkauft. Durch sie wird jeder Einzelne untrennbar mit der weltweit immer exzessiveren Überwachung verbunden.

Eine Privatsphäre gibt es nicht mehr.

Die digitale Welt überhäuft uns mit Vorteilen. Zahlreiche elektronische Medien gestalten das Leben so modern und leicht wie nie zuvor. Von jedem Ort der Erde können wir mit jedermann weltweit kommunizieren. Unser Planet ist kleiner, faszinierender, aber auch vielfach problematischer geworden. Die Vernetzung nimmt ständig zu. Ob Büroalltag oder Urlaubsplanung, das digitale Zeitalter vereinfacht und beschleunigt die Abwicklung.

Allein die Entwicklung der Digitalkamera demonstriert anschaulich, welche Revolution sich hier innerhalb weniger Jahre vollzogen hat. Rollfilm, was ist das? Tausende von Bildern zum Nulltarif, einfach perfekt. Für viele Menschen zählt der allgemeine digitale Fortschritt geradezu zum »Lifestyle«. Und so werden auch die verschiedensten Innovationen gut verkauft, ob man sie nun braucht oder nicht. Allerdings muss kaum zu den ewig Gestrigen zählen, wer nicht in diesem Strom mit schwimmt oder sogar Skepsis an den Tag legt.

Derzeit dürfte eine solche vielmehr durchaus ganz besonders angebracht sein, denn eine neue Bauernfängerei schleicht sich in unsere moderne Gesellschaft ein: die Digitale ID-Card mit all ihren »Vorzügen«. Sie wurde vor wenigen Tagen in einem eher unscheinbar daherkommenden Beitrag im global verfügbaren britischen Wochenblatt The Economist angepriesen. »Estland wagt den Schritt«, so lautet die Überschrift des Artikels. Und dem mit der Zeit gehenden Leser wird ein bislang einzigartiges Konzept vorgestellt, welches möglichst bald auch in anderen Ländern Schule machen, ja, möglichst weltweit umgesetzt werden soll. Welchen Schritt aber hat Estland nun eigentlich gewagt? Ziemlich hochtrabend ist die Rede vom bereits »real gewordenen Cybertraum«, so zumindest bezeichnet The Economist die für estnische Bürger entwickelte digitale Identitätskarte.

 Denn eine sichere, authentifizierte Identität sei das Geburtsrecht eines jeden Estländers. Noch bevor ein neugeborenes Kind von der Klinik aus zu Hause sei, werde bereits ein digitales Geburtszertifikat seitens des Krankenhauses ausgestellt und die Krankenversicherung automatisch aktiviert.

Das Nationale Identifikationssystem

Tatsächlich besitzen alle mindestens 15-jährigen Bewohner des kleinen baltischen Landes schon jetzt solche elektronischen Karten für die Gesundheitsversorgung, Banktransaktionen und Einkäufe. Auch Steuererklärungen werden durch das Nationale Identifikationssystem in weniger als einer Stunde ausgefertigt, Rückerstattungen erfolgen ebenfalls sehr zügig, nach spätestens 48 Stunden. Alles vereinfache sich deutlich, auch die Verschlüsselung von E-Mails, die eineheutige Zuordnung von Fahrscheinen, die Ausfertigung von Verträgen, was auch immer. Dies sei vor allem heute von entscheidendem Vorteil, auch hinsichtlich der Sicherheit.

Schließlich gebe es genügend Alltagssituationen, in denen sich Menschen verschiedensten Formen der Täuschung und des Betruges aussetzten. Faktisch hat das Leben damit aber vielfach virtuelle Dimensionen angenommen, wodurch wir immer weniger wissen, mit wem wir es wirklich zu tun haben und wo möglicherweise reine Arglist im Hintergrund lauert. Oft reicht es aus, sich ein Pseudonym zuzulegen, um einen Internetdienst zu nutzen. Wer weiß schon, ob sein »Freund« auf Facebook wirklich sein Freund ist?

Bei einigen privaten Anbietern werden Bankdaten als Grundlage zur Freigabe einer Online-Identität genutzt, wobei dies nicht jedermann behagt, ähnlich wie Online-Banking, das zwar wiederum schnell und praktisch ist, das aber sogar mancher Bankfachmann lieber nicht nutzt. Insgesamt gewöhnt sich das Gewohnheitstier Mensch zügig an die Digitalitis, inklusive Nebenwirkungen wie biometrische Datenerfassung und elektronischem Personalausweis.

Natürlich alles im Dienste der Sicherheit. Als entscheidender Schritt nach vorne wird nun die estnische ID-Karte bejubelt, als Modell für die Welt. Tatsächlich sieht Estland hier eine Lücke im globalen Markt. Was in Estland mit seinen lediglich 1,3 Millionen Einwohnern funktioniert, sollte doch auch andernorts funktionieren, zum Wohle der Bevölkerung versteht sich. Zunächst möchte die dortige Regierung das Konzept auf die rund zehn Millionen »Satelliten-Esten« ausweiten, um schließlich weltweite Akzeptanz zu erhalten.

Das Modell wird entsprechend verkauft. Eine solche ID-Karte sei nicht allein ein Recht, sondern sogar ein Privileg. Vom effektiven Duo Kommerz und Kontrolle keine Spur. Die globalen Eliten lieben die Idee. Doch stellt sich auch hier die Frage, ob die Zielgruppe »Bürger weltweit« ebenfalls so begeistert sein wird von dem, was da auf sie zukommt. Natürlich werden bereits jetzt selbst die harmlosesten Menschen zuweilen auf Schritt und Tritt verfolgt, zumindest die Möglichkeit besteht nachweislich. Für Steigerungen gibt es keine Grenze. So sind in den USA unbescholtene Bürger in Terrordatenbanken aufgelistet worden, weil sie Computer gekauft haben oder weil sie an Bahnhöfen auf die Ankunft von Angehörigen gewartet haben.

Aus Menschen werden Maschinen

Ein Kunstfotograf erhielt FBI-Besuch und kam auf die Liste, weil er 2004 ein Kunstobjekt ablichtete. Selbst längst entlastete Personen können für Jahrzehnte in dieser Terrordatenbank verbleiben! Wenn die Verknüpfungen bald weltweit für alle denkbaren Anwendungen genutzt oder sogar zur Voraussetzung für alltägliche Einkäufe und Banktransaktionen werden, dann sind Behörden leicht in der Lage, dem Einzelnen schlagartig sämtliche Optionen zu nehmen und ihm damit den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Auch Kinder lassen sich dann ständig lokalisieren. Der nächste Schritt im digitalen Gewöhnungsprozess wird dann konsequenterweise sein, die Technologie mit dem Körper zu verbinden.

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kopp 33-14

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Runenkrieger11
21/08/2014 23:50

Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

ZukunftEnterprise
ZukunftEnterprise
21/08/2014 23:14

Bevor ich vergesse. Ich habe mein Personalausweis zerstört und werde nie in den System mehr gehen. Ich werde die Kinder die komplette Wahrheit sagen wie krank ihr geworden seit. Ich werde auch nie mehr Personalausweis, Krankenkarte, usw. akzeptieren (ich weigere mich ein Personalausweis zu nehmen)

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