Erfolgreich verschüttet / Warum Zusammenhänge verdeckt bleiben müssen, was Journalisten besser nicht fragen, und warum wir nichts mehr melden sollten

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Von der Schule an hat man uns gelehrt, dass wir „die Zusammenhänge erkennen“ sollen, wenn wir verstehen wollen, was um uns herum los ist. Wer die Zusammenhänge enttarnt habe, der kenne auch bald die Ursachen eines Problems und komme der Lösung schon ganz nahe, so das verlockende Versprechen.

Umgekehrt funktioniert das natürlich ebenso gut: Wer die Zusammenhänge verkleistert, sorgt dafür, dass die Ursache eines Problems im Dunkeln bleibt und damit eine Lösung außer Reichweite gerät.

Vielleicht haben Sie sich auch schon gewundert, warum in letzter Zeit alle möglichen Probleme täglich immer größer werden, während wir den Eindruck haben müssen, dass alle Energie darauf verwandt wird, um den heißen Brei herumzureden. Da haben wir etwa den raschen Vormarsch der Milizen des mörderische „Islamischen Staats“ (IS) in Syrien und Irak, die auf direktem Draht mit der rasant wachsenden Islamisten-Szene in Europa und Deutschland verbunden sind. Warum stellt sich den Islamisten in Deutschland keiner beherzt entgegen?

SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi gibt einen Hinweis auf die Wurzel des Versagens. Man dürfe den IS gar nicht als „radikal-islamisch“ bezeichnen. Denn auf diese Weise würde man diese Terroristen als Vertreter der islamischen Religion darstellen. Doch „dies ist eine Zuweisung, die die Muslime hier in Deutschland in ihrer Ehre berührt“, so Fahimi nach einer Sitzung der SPD-Spitze.

Yasmin Fahimi
erklärt uns, warum
»radikal-islamisch«
eigentlich etwas
Positives ist

Interessant. Wenn die IS-Terroristen ihre Motivation nicht aus dem Koran ziehen, woher dann? Aus Karl Mays „Durchs wilde Kurdistan“? Ach nein. Gewiss ist es eine „tiefsitzende Diskriminierungserfahrung“, die sie zu Gewalttätern machte, das klappt immer, in diesem Falle so: Weil ein radikaler Moslem von einem anderen Menschen als radikaler Moslem bezeichnet wurde, fühlte er sich diskriminiert. Das hat ihn derart aus der Bahn geworfen, dass er keinen Ausweg für seine gequälte Seele sah, als Christen, Jesiden oder andersgläubigen (etwa schiitischen) Moslems den Kopf abzuschneiden.

Sind die Ursachen und Zusammenhänge erst einmal derart erfolgreich verschüttet, ist ein Kampf gegen den Islamismus völlig unmöglich. Genau darum geht es Fahimi. „Radikal islamisch“ sei für strenggläubige Muslime nämlich gar nichts Negatives, belehrt sie uns. Das ist also etwas Gutes, soll das wohl heißen.

Toll, was? So hat die SPD-Generalin nicht nur den Zusammenhang zwischen IS und Islam unkenntlich gemacht, sie hat gleich auch noch islamischen Radikalismus reingewaschen. Die Sozialdemokraten sind weit gekommen.

Und so sieht das dann in der Praxis aus: „Spiegel TV“ hat sich an die Fersen eines nach Deutschland zurückgekehrten mutmaßlichen IS-Kämpfers geheftet. Der Sprecher der deutschen Moschee, in welcher der junge Mann zuvor ein- und ausgegangen war, zog einen klaren Strich zwischen seine Leute und die Terroristen. Man verabscheue, was der Kerl getan habe, denn „es ging ja Moslems gegen Moslems, und das kann ja schon gar nicht im Sinne des Islam sein“, sagte der Moschee-Sprecher den „Spiegel“-Leuten in die Kamera.

Ein bösartiger Journalist hätte spitz zurückgefragt, was diese Formulierung zu bedeuten habe: Wenn es nicht gegen andere Moslems, sondern gegen Christen, Juden et cetera gegangen wäre, dann wäre es nicht so schlimm? Selbstverständlich haben die „Spiegel“-Leute diese hässliche Frage nicht gestellt. Auch „kritischer Journalismus“ muss schließlich seine Grenzen kennen. Hätten sie es doch gefragt, und der Mann wäre ins Schlingern gekommen, hätte uns Frau Fahimi sicherlich davor gewarnt, den Moschee-Sprecher in die Nähe des Islam zu rücken, weil das „die Muslime hier in Deutschland in ihrer Ehre …“

In Berlin brodelt derzeit noch ein anderes Phänomen, das unter die Kategorie „Hat nichts zu tun mit …“ fällt. Eine linke Terrorwelle rollt durch einige Stadtteile, vor allem Kreuzberg. Opfer wurden bislang einfache Gewerbetreibende, eine Boutique oder ein kleiner Blumenladen und auch Privatwohnungen. Laut dem Extremismusforscher Uwe Backes läuft das ab wie bei den Neonazis mit ihren „national befreiten Zonen“: Die Linken wollten eine Gewaltherrschaft in ihrem Kiez errichten, in der sie das Sagen haben und nicht die Organe des demokratischen Rechtsstaats. Dafür bekam Backes gleich mal einen eindeutigen Drohbrief von den Linken.

Linken? Von der Linkspartei wurde klagestellt, dass es für das Treiben der Extremisten keinerlei politisches Motiv geben könne – schon wieder wird ein offensichtlicher Zusammenhang aus dem Blick­feld verbannt.

Besonders eif­rig tun sich die Stadtteil-Terroristen hervor als Unterstützer der „Flüchtlinge“. Die „Flüchtlinge“ wiederum stehen in keinerlei Zusammenhang zur gestiegenen Zahl von Straftaten in ihrem Umfeld.

In Kreuzbergs Görlitzer Park haben daher laut Meldung „Personen“, nicht „Asylbewerber“, ein Kamerateam mit einem Messer bedroht und massiv bedrängt. Selbstverständlich verraten wir nicht, um was für „Personen“ es sich handelt. Das könnte „Vorurteile“ schüren und Rassismus Vorschub leisten.

Wehe, es verplappert sich einer. Der pommersche „Nordkurier“ hat das vorsätzlich getan und dafür heftig Dresche bezogen. Er hatte gemeldet, dass zwei tsche­tschenische Brüder vor einem Asylbewerberheim mit einem Messer bewaffnet auf einen Afghanen losgegangen seien, weil der Kontakt zu ihrer 14-jährigen Schwester gesucht haben soll.

Diese Meldung hat ein Mitglied der Sprecherrats des Bündnisses „Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt!“ zutiefst erbost. Der „Nordkurier“ hätte die Nationalität der Männer verschweigen müssen. Außerdem finde er es bedenklich, dass das Asylbewerberheim als Tatort genannt worden sei. Der Mann vom bunten Bündnis hat auch gleich eine Alternativ-Meldung entworfen. Unter der Überschrift „Männer geraten in Streit“ hätte es heißen sollen: „In einem Wohnblock in Drögeheide ist die Polizei erneut im Einsatz gewesen. Wegen eines Mädchens sind zwei Männer in Streit geraten.“ Der „Nordkurier“ nennt das „Nicht-Berichterstattung“.

Manchem geht selbst diese „Nicht-Berichterstattung“ noch lange nicht weit genug ins Nichts. Wieso werde erwähnt, dass es Männer gewesen seien, fragt einer. Sei das nicht „männerfeindlich“? Und warum der Ort? Diskriminiere das nicht immer auch Orte, Länder, Staaten? Am Ende müsste die Meldung eigentlich lauten: Personen sind über ein Mädchen in Streit geraten, die Polizei griff ein. Wo? Wer? Warum? Muss alles wegzensiert werden, sonst sieht noch jemand einen Zusammenhang.

Am besten sollten wir gar nicht melden, wo Asylbewerberheime stehen. Denn von etlichen Orten berichten Nachbarn solcher Unterkünfte, dass die Kriminalität spürbar zugenommen habe, seit die „Flüchtlinge“ da seien.

Von dieser simplen Feststellung bis zu dem durch und durch rassistischen Verdacht, dass die zusätzliche Kriminalität auch nur irgendetwas mit den Neuankömmlingen zu tun haben könnte, ist es nur ein kurzer Weg.

Dem kann am besten vorgebeugt werden durch konsequentes Verschweigen der Domizile. Aber die Leute merken es doch, dass sich die Sicherheitslage in ihrer Umgebung plötzlich verändert hat, seit diese Menschen da sind!

Ja, die Leute vor Ort. Aber wen interessieren die denn schon? Die meisten Deutschen haben keine „Flüchtlinge“ in ihrer Umgebung und nehmen die Sache daher erfreulich anders wahr. Laut ARD-Deutschlandtrend ist die Mehrheit im Lande dafür, dass wir noch mehr aufnehmen sollen. Na also, klappt doch. Nicht klappen tut es für echte, ehrliche politisch Verfolgte, die sich mit sonst wem in einen Topf geworfen sehen. Aber auch hier heißt es eben: Wen interessieren die denn?

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Der Wochenrückblick mit Hans Heckel–paz 40-14

 

 

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