Udo Ulfkotte
 

Immer öfter spielt Geld keine Rolle, wenn Journalisten gekauft werden sollen. Nachfolgend einige typische Beispiele. Sie sind – wie auch in dem aktuellen Bestseller Gekaufte Journalisten dokumentiert wird – nicht etwa Ausnahmen, sondern die Regel. Korruption allerorten.
Rund dreißig deutsche Autojournalisten waren auf Einladung von Volkswagen 2008 für vier Tage zu den Olympischen Spielen nach Peking gereist — für bis zu 25 000 Euro pro Person. Das Ziel von VW war aus meiner Sichtweise Bestechung. »Um eine positive Berichterstattung seitens der Medien zu garantieren«, wolle man ausgewählte Journalisten im August zu den Olympischen Spielen nach Peking einladen, erläuterte ein PR-Mann des Autounternehmens im Juli 2008 der Steuerprüfung. Die Spiele wurden von VW gesponsert.

Und die Journalisten würden gebraucht, um das gebührend zu würdigen. So korrumpieren ließ sich etwa der damalige stellvertretende Chefredakteur der Auto Zeitung, Walter Eschment. Er war in Peking dabei und äußerte sich zu den entsprechenden Veröffentlichungen: »Ich finde es äußerst blöd, wenn man unter Journalisten quer recherchiert.« Auch dabei waren der Ressortleiter »Auto« des Springer-Blattes Welt, Stefan Anker und, wen wundert es, ein Mitarbeiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Teure Einladungsreisen bei der FAZ

Diese gekaufte Berichterstattung ist vor allem dort zu finden, wo der Bürger sie ganz sicher nicht erwartet: in den renommiertesten Medien. Und ganz weit vorne marschieren dabei vor allem einstmals angesehene Gazetten wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Als Autor dieses Berichtes habe ich lange für die FAZ gearbeitet. Einen Teil meiner Dienstreisen, welche ich im Auftrag der verschiedenen FAZ-Ressorts zu absolvieren hatte, waren bezahlte Einladungsreisen von Unternehmen, Regierungen oder Bürgerkriegsparteien. In der Frankfurter Zentrale wurde es mir als FAZ-Journalisten damals suggeriert, dass es selbstverständlich sei, beispielsweise bezahlte Einladungsreisen
anzunehmen und anschließend Lobgesänge auf den Einladenden zu verfassen. In meinen 17 Jahren bei der FAZ waren solche

– rückblickend – unseriösen Methoden Alltag. Ich habe es auch bei vielen Kollegen so erlebt. Daran scheint sich seit meinem Ausscheiden nichts geändert zu haben. 2012 etwa titelte das Nachrichtenmagazin Focus: »FAZ ließ sich von ThyssenKrupp zu teurer Reise einladen.« In dem Bericht heißt es: »Der Stahlkonzern ThyssenKrupp hat offenbar Journalisten zu Luxustrips mit reichhaltigem Freizeitprogramm eingeladen. Peinlich, peinlich: Auch die renommierte FAZ ließ sich einladen – wenig später erschien ein wohlmeinender Artikel.«

Demnach flog der bekannte FAZ-Redakteur im ThyssenKrupp-Firmenjet von Düsseldorf nach München, dann weiter in der First-Class der Lufthansa nach Peking. Dort wird der Reporter auf Kosten von ThyssenKrupp in Fünf-Sterne-Hotels untergebracht. Kosten der Reise, welche ThyssenKrupp für den FAZ-Mann übernommen hat: angeblich rund 15 000 Euro.

Der Deutschlandfunk berichtete später, es sei nicht nur darum gegangen, einen Gefälligkeitsartikel in der FAZ zu bekommen, sondern den FAZ-Jour-nalisten dauerhaft an sich zu binden und gefügig zu machen. In einer Reportage des Deutschlandfunks wird der l/l/e/f-Journalist Jörg Eigendorf zur Käuflichkeit der FAZ durch ThyssenKrupp mit den Worten zitiert: »Ehrlich gesagt: Es geht doch gar nicht um den Bericht danach. Der ist doch nicht das, worauf es ankommt.

Hier geht es darum, eine enge Verbindung zu schaffen, eine Zugänglichkeit zu schaffen und Journalisten in ein Boot zu holen, aus dem die Journalisten nicht mehr selber aussteigen können. Man schafft hier bestimmte Abhängigkeiten und man bringt den Journalisten auch in eine
Lage, die es ihm schwierig macht, unliebsam hinterher zu handeln und unliebsam zu berichten.« Die FAZ ließ später sinngemäß verlauten, sie fände das alles völlig normal. Die FAZ gab demnach an, dass die Unabhängigkeit der Zeitung gewahrt sei, egal ob die Redakteure nun Einladungen annähmen oder nicht.

Medienschaffende sind offenkundig eine besonders geldgierige Bevölkerungsgruppe. Der geldwerte Vorteil scheint ein fester Bestandteil des eigenen Gedankenguts zu sein. Ein Daimler-Chrysler-Mitarbeiter berichtet: »Wenn wir einem Journalisten einen Testwagen für einen Monat zu Verfügung stellen, kommen sogar Beschwerden, dass er ihn nicht gleich ein halbes Jahr testweise fahren kann.«
Geiz-ist-geil-Journalisten greifen da gern zu. »Als Automobiljournalist müsse man bescheuert sein, sich ein Auto zu kaufen«

– so zitiert eine Studie von Transparency Deutschland den Anwalt von Franz Danner, einen früheren Marketing-Manager von Mazda. Dessen Arbeit gewährt tiefe Einblicke in die Lobbyarbeit eines Autokonzerns mit der Zielgruppe Journalisten. Im Autojournalismus sei es üblich, immer wieder neue Testwagen zu bestellen. Danner habe die Fahrzeuge teilweise bis zum nächsten Modellwechsel als Testwagen vergeben.

Der maßgeschneiderte Frack

Präsentationen von neuen Modellen seien häufig allein die »Fassade für luxuriöse Reisen an reizvolle Orte« gewesen, heißt es in der Studie. So habe er beispielsweise Testfahrten in Wien organisiert. Die teilnehmenden Journalisten bekamen gleich die Karten für den Besuch des Wiener Opernballs und einen maßgeschneiderten Frack mit dazu. Danner stand 2013 wegen schwerer Untreue vor der 6. Strafkammer des Kölner Landgerichts.

Er soll nicht nur Journalisten bestochen, sondern Mazda auch um insgesamt 41 Millionen Euro betrogen haben. In dem Prozess hat er freimütig bekundet, wie der Umgang eines Autobauers mit Journalisten aussieht. »Medienlandschaftspflege« wird das genannt. Wie diese Medienbeeinflussung ausgesehen hat, davon berichtet die Berliner Zeitung. »Mein Job war es«, sagte Danner, »dafür zu sorgen, dass möglichst positive Berichte über die Autos geschrieben und gesendet wurden.«

Und das bedeutete im Einzelnen: Um die Autojournalisten »angenehm einzustimmen«, gibt es laut Danner eine relativ einfache Formel: »Super Destination, super Hotel, super Service, super Geschenke«, zählt der PR-Experte auf. Ein deutscher Autokonzern etwa habe einmal zur Präsentation eines neuen Autos nach Sardinien eingeladen. Da habe dann ein Privatjet für 40 Leute am Flughafen bereit gestanden, die Journalisten seien in einem teuren Hotel an der Costa Smeralda untergebracht worden. Andere Firmen würden nach Kapstadt gehen, die Vorstellung eines neuen Modells verbinden mit der Fahrt durch die Wüste nach Namibia. »Je attraktiver der Vorstellungsort, desto besser die Presse«, sagt Danner.

15000 Euro pro Journalisten

Die Ausgaben für die gezielte Beeinflussung der Journalisten unterlag einer einfachen Kalkulation: »Wir hatten eine ganz einfache Rechnung: Der durchschnittliche Journalist kostet bei unseren Events drei-bis fünftausend Euro. Bringen musste er einen Gegenwert von mindestens 15000 Euro. Das haben wir immer geschafft.« Ob dieses Geschäftsziel erreicht wurde, haben
Danners Leute in der /Wazda-PR-Abteilung sogar nachgemessen:

Wie viele Zentimeter nahm ein Autoartikel in einer Zeitung ein, wie viele Sekunden wurde ein Fahrzeug im Fernsehen gezeigt, wie groß wurde im Internet berichtet? »Wenn Sie überlegen, was eine Anzeige in Zeitungen oder gar Spots im Fernsehen kosten, war der journalistische Bericht über ein Auto trotz der durchschnittlichen Eventkosten von rund zwei Millionen Euro geradezu billig.«

Zusätzlicher Positiveffekt solcherart beeinflusster Berichterstattung war, dass journalistische Beiträge glaubwürdiger erscheinen als reine bezahlte Werbung- obwohl es sich in Wahrheit um nichts anderes handelt. Der Mazda-Konzern wollte sich zu Einzelheiten nicht äußern und ging nach eigenem Bekunden davon aus, dass Danner alle Maßnahmen »unter Beachtung unseres Verhaltenskodexes durchgeführt« habe.

Auffällig ist auch, wie wenig über den Danner-Pro-zess und die damit verbundene Aufdeckung journalistischer Praktiken berichtet wird. Danner sagte im Prozess auch: »Es gab eine eingeübte Kultur des Wegschauens« und fuhr fort: »Jeder wusste doch, dass es mein Job war, die Journalisten mit allen Mitteln bei Laune zu halten. Und diese Mittel wollte man im Detail gar nicht so genau kennen.«

Bestechlichen Medienautoren droht in Deutschland keine Strafe.

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kopp 40-14

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