Drei Viertel aller Deutschen mit Internetzugang nutzen Wikipedia zumindest gelegentlich, wobei sie derzeit auf reichlich 1,7 Millionen Artikel zugreifen können, welche ausgedruckt 7000 Bücher mit jeweils 1000 Seiten Umfang füllen würden.

Dabei sind sich allerdings die wenigsten darüber im Klaren, wie viele gravierende Mängel diese freie Online-Enzyklopädie aufweist. Deshalb war es höchste Zeit für das Aufklärungsbuch „Die Akte Wikipedia.

Falsche Informationen und Propaganda in der Online-Enzyklopädie Akte Wikipedia

des Wirtschaftsjournalisten Michael Brückner, das deutlich zeigt, dass die Informationsplattform keinesfalls von der vielbeschworenen „Schwarmintelligenz“ profitiert. Die meisten Beiträge stammen nämlich von einer hyperaktiven, aber keineswegs besonders kompetenten „Elite“ aus Schülern und Studenten sowie Frührentnern, was zum einen dem erklärten Grundsatz widerspricht, dass die Autorenschaft möglichst heterogen sein sollte, und zum anderen auch nicht gerade für Qualität bürgt. Aber da Wikipedia als grundsätzlich lobenswertes, weil altruistisches Projekt gilt, wird über solche Mängel großzügig hinweggesehen.

Viele
Artikel sind eindeutig
linkslastig

Wie die US-Forscher Shane Greenstein und Feng Zhu 2011 anlässlich einer Analyse von 70000 wikipedia-Artikeln feststellten, enthielten 40 Prozent davon tendenziöse Aussagen, wobei die Tendenz in den meisten Fällen eindeutig nach links wies. Für diesen ideologischen Drall sind natürlich zunächst erst einmal die Verfasser selbst verantwortlich. Ein Übriges tun darüber hinaus aber auch die mit Sonderrechten versehenen Administratoren, die sich aufgrund ihrer dogmatischen Weltsicht als Gesinnungspolizisten gerieren und Artikel nach Gutsherrenart verändern oder gar löschen.

Ein typisches Beispiel hierfür ist der Brite William Connolley, der mehrmals für die englischen Grünen kandidierte und 5428 Wikipedia-Artikel zum Klimawandel manipulierte; dazu kam die Sperrung von 2000 sogenannten „Klimaskeptikern“ sowie die Totallöschung von 500 Texten, in denen angezweifelt wurde, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt.

Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, schrieb Connolley schließlich sogar noch die Wikipedia-Biografien von Meinungsgegnern um, damit sie als wissenschaftliche Scharlatane dastehen. Leider findet gerade dieser aufsehenerregende Fall keine Erwähnung in Brückners Buch, dem es auch sonst etwas an prägnanten, konkreten Beispielen mangelt.

Dafür zeigt der frühere Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins „Europa“ außerdem noch, dass sich bei wikipedia nicht nur idealistische Weltverbesserer tummeln, sondern ebenso professionelle Meinungsmacher, welche unter anderem im Dienste von Firmen, Geheimdiensten, politischen Parteien und Interessenverbänden stehen.

Wikipedia wird also von allen möglichen linkslastigen Eiferern und gewieften PR-Managern als Indoktrinations- und Werbeinstrument missbraucht. Deshalb steht die Online-Enzyklopädie mittlerweile eher für Propaganda und geistige Beschränktheit als für kollektive Intelligenz. Und das dürfte dann auch der Hauptgrund dafür sein, dass die Fachspezialisten zunehmend Abstand halten – insgesamt ist die Zahl der Mitwirkenden seit 2007 um ein Drittel geschrumpft.

Zum Schluss geht Brückner dann noch der interessanten Frage nach, wer Wikipedia eigentlich finanziert. Dabei verweist er insbesondere auf Großspender wie Microsoft und Google sowie die Ford- und Stanton-Stiftung, die zum Teil Millionenbeiträge beisteuern, was gleichfalls zur Vorsicht gemahnen sollte.

Es gibt also genügend Gründe für den kritischen Internetnutzer, dem Informationsmulti mit dem laxen Verhältnis zu Wahrheit und meinungsmäßiger Ausgewogenheit den Rücken zu kehren und sich über andere Kanäle schlau zu machen. Doch genau hierzu bietet Brückners Buch leider keine brauchbaren Alternativen an. Wolfgang Kaufmann

Michael Brückner: „Die Akte wikipedia. Falsche Informationen und Propaganda in der Online-Enzyklopädie“,  Rottenburg 2014, geb., 128 Seiten, 12,95 Euro Akte Wikipedia

 

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