Seit einigen Wochen ärgern sich viele deutschsprachige Journalisten, weil man ihnen einseitige Berichterstattung vorwirft. Es ist aber auch auffällig, wie viele Journalisten unserer großen Redaktionen in US-Organisationen vertreten sind oder eine große Nähe zu den USA aufweisen. Beeinflusst das auch deren Berichterstattung?

Die Auflagen der »Qualitätspresse« sinken unaufhaltsam. Als ehedem die Menschen die DDR verließen, da nannte man das »Abstimmung mit den Füßen«. Und genau wie es damals die Oberen der DDR nicht wahrhaben wollten, was da passierte, so wollen wohl derzeit auch die deutschen Medienbosse und ihre Angestellten nicht begreifen, dass es an ihnen liegt, wenn ihnen die Kunden weglaufen. Sie schieben die Schuld lieber dem Internet zu.

Dabei liegen die wahren Gründe doch offen auf der Hand. Man muss sich nur einmal der Folter unterziehen und alle Hauptnachrichten im Fernsehen auf den verschiedenen Kanälen hintereinander anschauen. Oder die großen Zeitungen hintereinander lesen. Obwohl unterschiedliche Redaktionen daran arbeiten, gleichen sich diese Sendungen und Zeitungen sowohl im Stil als auch im Inhalt auf unfassbare Weise.

Was steckt dahinter? Unlängst wurde vor dem Hamburger Landgericht ein bizarrer Prozess ausgetragen. Beklagt wurden Journalisten des ZDF. Kläger waren Journalisten der Wochenzeitung DIE ZEIT. Letztere wollten es nicht hinnehmen, dass in der Öffentlichkeit über ihre Einbettung in proamerikanische Netzwerke berichtet wurde.

Das habe ich zum Anlass dafür genommen, einmal nur eine einzige Zeitungsredaktion genau daraufhin zu untersuchen, wie viele der dort arbeitenden Journalisten in proamerikanische Netzwerke eingebunden sind, in den USA studiert haben oder früher für US-Einrichtungen tätig waren. Geforscht habe ich in den Lebensläufen der Politikredakteure der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Was glauben Sie, wie viele der Journalisten allein in der Politikredaktion dort tief in die transatlantischen Beziehungen eingebunden sind? Es sind mindestens elf.

Fellowship und Treueschwur

Justus Bender wurde 1981 in Bonn geboren. Er verbrachte als Schüler ein Jahr auf einer amerikanischen Highschool und studierte danach Philosophie und Amerikanistik in Frankfurt. Im Jahr 2010 absolvierte er ein Arthur-F.-Burns-Fellowship in der Redaktion des Boston Globe. Eintritt in die politische Nachrichtenredaktion der FAZ im Jahr 2011, er beschäftigt sich dort mit Innenpolitik.

Nikolas Busse wurde 1969 in Langnau in der Schweiz geboren.

Er studierte Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und trat im November 1998 in die politische Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein. Busse Unterzeichnete vor dem völkerrechtswidrigen Irak-Krieg 2003 einen Treueschwur auf die Vereinigten Staaten, der von der US-Organisation Altantik-Brü-cke verfasst worden war. 2007 wurde Busse in Brüssel NATO-Korrespondent der FAZ.

Seit September 2014 ist er stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik in der Frankfurter Zentrale.

Bertram Eisenhauer studierte Anglistik/Amerikanistik an der Universität Heidelberg sowie an der Wesleyan University, Middletown/Connecticut, hatte auch einen Studienaufenthalt an der Cornell University, Ithaca/New York. Bei der FAZ produzierte er erst die English Edition und ist jetzt bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Klaus-Dieter Frankenberger wurde 1955 in Darmstadt geboren und studierte Amerikanistik. Danach arbeitete er am Zentrum für Nordamerika-Forschung in Frankfurt. 1985 und 1986 war er Congressional Fellow und Assistent eines Abgeordneten des US-Repräsentan-tenhauses; 1990 Marshall Fellow.

Seit dem 1. September 1986 ist er Mitglied der politischen Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, seit 2001 verantwortlich für Außenpolitik. Er ist Mitglied der Trilateralen Kommission und Medienpreisträger der Steuben-Schurz-Gesellschaft.

Stefan Locke wurde 1974 geboren und ging 1997 für anderthalb Jahre an die Portland State University in Portland/Oregon zum Auslandsstudium, das er als MBA abschloss.

Er ist heute FAZ-Korrespondent der Politikredaktion.

Andreas Ross, geboren 1975, schreibt über sich selbst: »Ein Jahr an einer kleinen High School in Montana erweckte sein fasziniertes Interesse an Amerika.« Er ist seit 2004 Redakteur in der politischen Nachrichtenredaktion der FAZ. 2013 Umzug nach Washington, von wo aus er als politischer Korrespondent über die USA berichtet.

Eindeutige Lebensläufe

Majid Sattar, Jahrgang 1970, ist als Sohn von Irakern in Deutschland aufgewachsen. Er lebte länger in den USA. Nach Forschungsaufenthalten in Washington wurde er im Jahr 2000 mit einer Arbeit über den amerikanischen Kongress promoviert. Im Jahr 2000 kam er zur FAZ und ist heute Korrespondent in Berlin.

Peter-Philipp Schmitt, geboren 1967, ist seit 2001 Mitglied der FAZ-Politikredaktion.

Er hat in North Carolina studiert.

Stefan Tomik wurde 1974 geboren und studierte in North Carolina. E.r ist seit 2004 bei der FAZ. Richard Wagner wurde 1962 in Frankfurt am Main geboren. Er war Fulbright-Stipendiat an der Universität von Massachusetts. Danach arbeitete er am Institut für England- und Amerikastudien sowie am Zentrum für Nordamerika-Forschung in Frankfurt. Er ist bei der FAZ für die politischen Nachrichten verantwortlich.

Michaela Wiegel berichtet seit Februar 1998 als politische Korrespondentin für die FAZ.

Als McCloy Scholar der Studienstiftung des deutschen Volkes erwarb sie 1995 an der Kennedy School of Government einen Master in Public Administration (MPA). Im Oktober 1995 trat sie als Redakteurin in die politische Nachrichtenredaktion der FAZ ein.

Leo Wieland wurde 1950 geboren. Ende 1973 trat er in die Nachrichtenredaktion der FAZ ein. Ein Studiensemester an der amerikanischen Harvard-Universität mit Schwerpunkt internationale Beziehungen folgte 1977. Im Jahr 1984 zog er als Korrespondent nach Washington, begleitete die Präsidenten Reagan, Bush und Clinton zu Gipfeln.

Mit dem zweiten Präsidenten Bush im Weißen Haus gingen Reise und Berichterstattung noch bis zum Sommer 2002 weiter. Heute berichtet er aus Madrid.

Das alles sind wohlgemerkt nur die Lebensläufe der Redakteure aus dem politischen Teil der FAZ, ähnliche finden sich auch für die Journalisten im Wirtschaftsteil sowie im Feuilleton.

Mir ist bei meinen Recherchen bislang kein FAZ-Journalist aufgefallen, der in Russland studiert hat.

Wenn man das alles weiß, dann kann man verstehen, warum Leitmedien wie die Frankfurter Allgemeine eine bestimmte Richtung widerspiegeln.

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Ulfkotte-kopp 42-14

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