Mehr als 100 000 Menschen haben den aktuellen Bestseller Gekaufte Journalisten jetzt schon gelesen. Viele der Leser glauben, dass sich die gut geschmierten Netzwerke von Politikern und Leitmedien nur in den renommiertesten Medienhäusern finden. Ein aktueller Fall aus dem Westerwald zeigt jedoch anschaulich, wie sehr diese verfilzten Netzwerke Bürger belügen und betrügen.

 

Das aktuelle Sachbuch Gekaufte Journalisten öffnet vielen Menschen da draußen die Augen. Selbst in russischen Privatsendern, die nicht von Moskau abhängig sind, wird groß über das Buch berichtet. Und immer wieder fragen mich Leser, ob die von mir dargelegten unglaublichen Zustände nur für die großen Medienhäuser und für die bekannteren Politiker gelten.

Daher nachfolgend ein schier unglaublicher Fall aus dem tiefsten Westerwald, der deutlich zeigt, wie sehr Politiker und Medien die Bürger da draußen inzwischen verachten.

Vor mehr als drei Jahren haben wir bei Kopp Online zum ersten Mal darüber berichtet, dass Politiker im Hohen Westerwald direkt neben einer mit Steuergeldern finanzierten Greifvogel-Aufzuchtstation einen gewaltigen neuen Windpark planen (siehe dazu »Westerwälder Vogelschredder: Rot-grüne Energiepolitik zu Lasten der Natur«). In dem Bericht hieß es:

Die rot-grüne rheinland-pfälzische Landesregierung steht nach eigener Auffassung für den Naturschutz. Und sie fördert alternative Energien wie die Windkraft. Im Hohen Westerwald kann man in der Kurstadt Bad Marienberg jetzt sehen, was das in der Realität bedeutet: Da soll nun offenbar in aller Eile ein großer Windpark um eine Greifvogel-Station und mitten ins Brutgebiet selten gewordener Eulen, Falken, Bussarde, Fledermäuse und des Roten Milan gebaut werden. Die Bürger wissen dort noch nichts von den neuen Vogelschreddern der angeblichen Naturschützer. Es wird bislang über ihre Köpfe hinweg geplant.

Aufgeschreckt durch den Bericht, dementierten die Politiker die Pläne und behaupteten, der Kopp-Verlag sei eine »absolut unseriöse Quelle«, und natürlich werde es im Brutgebiet selten gewordener Eulen, Falken, Bussarde, Fledermäuse und des Roten Milan keinen Windpark geben. Das wurde auch in den lokalen Medien so kommuniziert. Die braven Bürger vertrauten Politik und Medien. Und die Lokalpolitiker der Verbandsgemeinde planten das irre Projekt in aller Heimlichkeit munter weiter.

Im Februar 2014 legte der Kopp-Verlag dann nach mit »Westerwälder Vogelschredder – Fortsetzung eines Schildbürgerstreichs« und im März 2014 mit »Über Deutschland lacht die Sonne, über manche Westerwälder Politiker die ganze Welt«. Ausgerechnet kurz vor den Kommunalwahlen hieß es da bei Kopp:

Seit weit mehr als zwei Jahren haben wir an dieser Stelle über drollige Westerwälder Politiker berichtet, die auf Biegen und Brechen zu Lasten der Natur unbedingt einen Windpark um eine vom Steuerzahler finanzierte Greifvogel-Aufzuchtstation bauen und mit diesem Schildbürgerstreich allein durch die öffentlich bekannt gewordene Planung wohl gleich auch noch die Immobilieneigentümer in der Region um 160 Millionen Euro enteignet haben.

Jedenfalls hat ein Architekt mitgeteilt, dass bei geschätzten rund 6000 Immobilien die Bad Marienberger Bürger schon jetzt um rund 160 Millionen enteignet wurden, weil ihre Häuser allein durch die Planungen stark im Verkaufswert gefallen sind. Immobilien in der Nähe von WKA seien quasi unverkäuflich, sagt auch Jürgen-Michael Schick, Sprecher des Verbandes Deutscher Makler (VDM).

Verbandsmitglieder beklagten, dass einige Häuser seit Jahren erfolglos mit Preisabschlägen von bis zu 40 Prozent angeboten würden. Dennoch gebe es nicht einmal Interessenten für diese Objekte, sagt Schick. 160 Millionen Euro? Das ist eine Summe, die sich ein Lokalpolitiker in Bad Marienberg wahrscheinlich kaum vorstellen kann. Aber ist ja auch egal. Ist ja auch das Geld der Bürger.

Den örtlichen Politikern, die über die Planungen für den Bau eines gigantischen Windparks abzustimmen hatten, waren die Sorgen der Bürger und die im Planungsgebiet bedrohten und auf der Roten Liste stehenden Tierarten (Roter Milan, Uhus und Fledermäuse) offenkundig völlig egal. Jedenfalls hat nicht ein einziges Verbandsgemeinderatsmitglied bei der entscheidenden Abstimmung im Februar 2014 dagegen gestimmt.

100 Prozent aller Fraktionen stimmten bei 100 Prozent der Abstimmungen zu 100 Prozent dafür, dass rund um die Verbandsgemeinde in ausgewiesenen Brutgebieten von Rotem Milan, Uhus und bedrohten Fledermäusen Windräder mit bis zu 200 Metern Höhe gebaut werden dürfen.

Im örtlichen Mitteilungsheft Wäller Blättchen war die Sitzung vom 10. Februar 2014, bei der es für die Bürger um sehr viel ging, ein kleines Randthema, der Aufmacher war »90 Jahre Freiwillige Feuerwehr Langenbach«. Man bekam da als Bürger wohl nicht zu Unrecht den Eindruck, dass das Thema möglichst lange vor den Bürgern verheimlicht werden sollte. Immerhin hatten bei der entscheidenden Abnickung der Zerstörung der Rückzugsgebiete für Roten Milan, Uhus und Fledermäuse Politiker aller Fraktionen ausdrücklich Wert auf die Aufnahme ihrer Aussage ins Protokoll gelegt, wonach sie und ihre Parteien schon lange zu 100 Prozent hinter den Planungen stünden.

Aufgeschreckt durch unsere Berichte, die zur Gründung einer Bürgerinitiative führten, gelobten die Politiker, die entsprechenden Pläne für die Windparks nicht weiter zu verfolgen, und beschworen die Bürger, ihnen zu vertrauen und sie doch abermals zu wählen.

Die Bürger glaubten den Politikern – und wählten sie. Und die Medien taten fortan so, als ob die Pläne für den Windpark nicht mehr existierten. Doch wenn man »gekauften Journalisten« vertraut, dann kommt am Ende irgendwann das große Erwachen: Denn die Politiker hatten ihre Planungsvorhaben einfach auf das Land übertragen und taten seither so, als ob sie von nichts eine Ahnung hätten.

Die Planungen für einen Windpark direkt neben der Greifvogel-Schutzstation wurden halt direkt auf Landesebene weitergeführt. Und die betroffenen Bürger haben davon bis heute keine Ahnung, denn Politik und Medien hatten sie wieder einmal für dumm verkauft. Die schon seit Juli 2014 (also direkt nach der Kommunalwahl) auf Landesebene vorangetriebenen Pläne kann man im Internet einsehen.

Und da sind jetzt auch wieder die Greifvogel-Gebiete ausgewiesen, bei denen die Bad Marienberger Politiker den Wählern vor der Wahl die Schonung der Tiere zugesagt hatten.

Jetzt müssen diese Pläne in den Gemeinden ausgelegt werden und dann haben die Bürger ganze zwei Wochen Zeit, Bedenken dagegen geltend zu machen. Wie aber können sie das, wenn Politik und Lokalmedien die Bürger mal wieder für dumm verkauft haben und nicht darüber berichteten?

Das ist die brutale Realität im Lande der »gekauften Journalisten«. Man kann nur noch hoffen, dass solche Journalisten möglichst bald arbeitslos und die zuständigen Politiker von den Bürgern wegen ihrer Niederträchtigkeit zur Rechenschaft gezogen werden.

Nachtrag vom 31. Oktober 2014: Viele Leser haben uns gefragt, warum wir über ein eher kleines Windparkprojekt im Westerwald berichten. Die Antwort kennen jene, welche alle bisher dazu erschienenen Artikel gelesen haben.

Denn die Landesregierung wird zwischen Rheingraben und Westerwald bei diesem Gesamtprojkt 1500 (!) große Windanlagen bauen mit einer durchschnittlichen Narbenhöhe von 180 bis 200 Meter. Ein solch gigantisches Projekt hat es noch nirgendwo in Europa ggeben. Es wird die Natur und das Landschaftsbild an Rhein und im Westerwald völlig verändern. Der Windpark an der Greifvogelstation von Bad Marienberg ist zum Inbegriff dieser Planungen geworden, über welche Medien und Politik die Bürger nie korrekt informiert haben, und bei denen Naturschutz, vom Aussterben bedrohte Arten und der Wille der Bevölkerung keine Rolle mehr spielen .

 

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http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/udo-ulfkotte/gekaufte-journalisten-wie-westerwaelder-politiker-und-medien-die-buerger-betruegen.html

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Arkturus
13/11/2014 00:14

Hat dies auf Oberhessische Nachrichten rebloggt.

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