Frei gedacht

Eva Herman

von Eva Herman

Ein Traum zerbricht. Der letzte Traum. Kann Deutschland noch gerettet werden? So hatten sich Millionen Menschen gefragt, nachdem sie Jahrzehnte zusehen mussten, wie es mit ihrem Land abwärts ging. Immer tiefer zogen sich Furchen durch die Republik – in der Parteipolitik, der Finanzwirtschaft, in den Medien, dem sozialen Gefüge. Verheerende Zustände auf ganzer Linie: im menschlichen Miteinander, in den Familien, die sich atomisieren, in Kultur, Ethik, den Werten.

Dann endlich der Hoffnungsstrahl. September 2012, die Alternative für Deutschland betrat die Bühne des Geschehens: Jung, mutig, konservativ! Ja, diese Leute traten an, um Deutschland zu retten. Sie wollten uns aus den Fängen des zentralistischen EU-Monsters in Brüssel befreien, wollten die unsinnigen Rettungsschirme zuklappen, dem Euro zu Leibe rücken, die arg geschundene Familie retten … und so viel mehr!

Saturierte Qualitätsjournalisten stöhnten. Möglichst unauffällig begann man, die zarten Anfänge schon gleich mit braunen Tupfen zu versehen, die übel rochen. Man wies an geeigneter Stelle stets darauf hin, dass das „krude“ Gedankengut, welches sogar die Existenz des sakrosankten Euro in Frage stellte, nur von Extremisten, von verrückten Verschwörungstheoretikern stammen konnte. Nein, die AfD hatte es anfangs nicht leicht.

Aber war es nicht gerade das, was die Menschen an diesen Außenseitern faszinierte? Erkannten sie doch mit wachsendem Herzklopfen: Jawohl, hier war eine Partei angetreten, die endlich, endlich, all die vielen Sorgen ernst nahm. Alternative für Deutschland! Sie gab Hoffnung! Hoffnung darauf, dass alles am Ende doch noch besser, um nicht zu sagen, gut werden könnte. Diese Aussicht weckte Vertrauen in vielen Menschen, die schon alles verloren geglaubt hatten, was die einstmals konservative CDU und CSU, aber auch die Libertären, die Sozen, Grünen und so weiter bereits kaputtgeschlagen hatten. Sie ahnten nicht, dass keine Partei uns noch helfen kann!

Zögerlich begann die Annäherung zwischen AfD und Wählern, Schritt für Schritt kam man sich näher. Hunderte Wissenschaftler gaben ihren renommierten Namen für die AfD! Zehntausende Wähler folgten. Sie folgten gerne, denn sie spürten die Aufbruchsstimmung, waren berauscht von dem Gedanken, nun an einer ganz großen Sache mitzuwirken, um ihr Land wieder nach ganz vorne zu bringen. Endlich!

Kann man es ihnen verdenken? Wohl kaum. Schmerzhafte Jahrzehnte liegen hinter Deutschland, der Schuld, der Erniedrigung, der Umerziehung. Ein zerstörtes Selbstbewusstsein begann sich leise aufzurichten. Dieses kleine Licht am Horizont genügte, um alte Tugenden wie Pflicht und Treue wieder freizusetzen. Doch Parteien können niemals die Lösung sein. Ihr einziger Zweck ist Wachstum, ohne Rücksicht. Mehr nicht. Parteien können niemals edel sein.

Als letztes Jahr heimliche Papiere durchs Netz geisterten, mit Hinweis, die AfD sei von einflussreichen Hintermännern der CDU ins Leben gerufen worden, wurden nur wenige nachdenklich. Warum sollte jemand so etwas tun?

Nun, so schwer wäre eine Antwort nicht. Wir wollen mal ein Gedankenmodell durchgehen. Nur so, ohne Anspruch auf Richtigkeit oder Wahrheit.

Nehmen wir an, Kanzlerin Angela Merkel, die sich seit Jahren einen feuchten Kehricht um Werte schert, weil sie nun einmal zu erfüllen hat, was ihr aus Brüssel beziehungsweise Washington vorgegeben wird, sah ihre Felle davon schwimmen: Unmut, Unzufriedenheit, das waren noch die gelindesten Reaktionen in den eigenen Reihen. Der Linkskurs der DDR-Physikerin entbehrte immer mehr der Grundlage christlicher Werte. Die Zahl ihrer Gegner in den eigenen Reihen wuchs, zunehmend enttäuschte Wähler wandten sich ab. Der Trend des Nichtwählens erhielt Aufwind.

Eine Lösung musste her. Warum sollte man nicht eine konservative Partei gründen, die offiziell nichts mit der CDU zu tun hatte, die diese, im Gegenteil, sogar herausforderte? Eine Art Auffangbecken der Unzufriedenen, das allerdings dennoch von der Kanzlerpartei orchestriert werden sollte, unbemerkt, versteht sich. Stutzig machte, dass die gleichgeschalteten Medien die „Eurohasser“ von Beginn an nicht totschwiegen, sondern der Vorsitzende Bernd Lucke lässig von einer Talkshow in die andere wanderte, trotz vieler Vorwürfe des „rechtspopulistischen“ Gedankenguts.

Eine Weile lief das so, irgendwann konnte sich die AfD fast vom Schmuddelkind-Image befreien: Nach dem erfolgreichen Abschneiden bei der Europawahl 2014 stellte sie erstmals überregionale Mandatsträger, man zog in drei Landesparlamente, war endlich salonfähig geworden. Alles fein, oder?

Längst nicht. Denn plötzlich drehte sich der Wind. Ein Apparatschik, jahrzehntelang als smarter Industriemanager berühmt, der kurz zuvor dazu gestoßen war, machte nun von sich reden: Hans-Olaf Henkel.

Der Mann hat alles, was man zum Erfolg braucht: Genügend Geld, ausgeprägten Machtsinn, beste Verbindungen in Politik und Medien, zudem verfügt er über eine gewisse Arroganz, um nicht zu sagen, Kaltschnäuzigkeit.

Es ging alles schnell: Henkel ist seit Juli 2014 Mitglied im Europäischen Parlament, ist Vize-Chef der AfD Deutschland. Und schmeißt Stück für Stück das Programm über den Haufen: Das für die Zukunft Deutschlands und Europas mit gefährlichsten Einschnitten verbundene TTIP-Abkommen ist jetzt offenbar kein Problem mehr für die AfD. Henkel diskreditiert zudem all Jene, die eine Nato-kritische und russlandfreundliche Haltung einnehmen, die sich verzweifelt gegen den drohenden West-Ost-Krieg stellen. Und er pöbelt in den Medien, in der AfD gebe es viele schwierige Typen: „Ideologen, Goldgräber, Karrieristen“! Manchmal schäme er sich für Aussagen seiner Parteikollegen „in Grund und Boden“. Ach, ja?

Eine Vermainstreamung der AfD hat begonnen. Nun ist der Vorstand zerstritten, die Parteimitglieder auch, reihenweise Austritte, werte-orientierte Redner sagen ihre Rede ab, es herrscht blankes Chaos. Vor allem jene Menschen, die Hoffnung für Deutschland hatten, reiben sich die inzwischen müden Augen. Sie begreifen nicht, sind enttäuscht, verlieren die Zuversicht. Sie können nicht mehr. All der Überschwang, all die Arbeit, all das Hoffen, war es wieder umsonst?

Es sieht ganz danach aus. Ist es doch ein altes Lied: Nichts ist, wie es scheint. Schon gar nicht in der Politik. Das Parteiensystem ist dem Tode geweiht, beziehungsweise die Menschen, die unter ihm zu leiden haben. Die politischen Akteure haben es zwar noch nicht bemerkt, so sehr sind sie mit sich und der Zerstörung aller Restwerte beschäftigt. Doch ihr Machtverlust ist besiegelt. Parteien sind immer totalitär. Sie nutzen nur ihrem Selbstzweck, nie dem Bürger. Ihr einziges Ziel ist ihr eigenes Wachstum. Die, wie es jetzt häufig heißt, Politikdarsteller, müssen dabei stets nur aufgeputzte Puppen bleiben, deren Fäden von ganz anderen Leuten gezogen werden.

Wem nützt das jetzt alles? Den Menschen im Land vielleicht? Sicher nicht. Der AfD, die der CDU immer näher kommt? Auffällig häufig kanzelt Merkel die SPD in letzter Zeit ab. Vielleicht hat sie ja schon ihren neuen Koalitionspartner ausgespäht? Das Spiel geht weiter. Das Parteiensystem versagt, es gehört nun als Grundsatzdiskussion in den Fokus.

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Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 46/14 vom 15.11.2014
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anvo1059
13/11/2014 11:23

Das Versagen der AfD war vorauszusehen. Wer nur mit Anti-Eu und nationalistisch gefärbten Parolen versucht Unzufriedene um sich zu schaaren ohne ein wirkliches Konzept bieten zu können, muss scheitern ! Es war eben nur eine neue Blockflöte im Orchester. Mit den derzeit bestehenden Parteien ist keine Reform der Politik mögich. Deshalb stellen wohl auch die „Nichtwähler“ die Mehrheit ! Das Lobby gesteuerte und Gierorientierte Parteien System hat ausgedient, wie Eva Herman richtig bemerkt. Wie ein Neues aussehen könnte ? Diese Frage ist im Moment wohl schwer zu beantworten.

Peter Wörmer
Peter Wörmer
13/11/2014 01:06

Es gibt bekanntlich Verschwörungstheorien, die abseitig sind, und solche, die zutreffen. Diese ist abseitig, auch wenn Herr Henkel zuweilen Star-Allüren hat. Peter Wörmer, AfD-Mitglied 1074.

Der Denker
Der Denker
13/11/2014 00:10

Wenn ich hier einen Kommentar auf deutschelobby poste, der keinerlei Bezug auf den Artikel hat, dann tue ich das deshalb, weil ich langsam zu der Überzeugung komme, dass dies noch einer der wenigen Blogs ist, dem man als aufrichtiger Deutscher noch vertrauen kann. Bei all den anderen Blogs kommen mir langsam Zweifel über deren tatsächliche Intentionen, obwohl man auch auf denen oftmals durchaus interessante, ja brisante Informationen erhält. Wenn ich zum Beispiel den Blog „BRD-Schwindel“ betrachte, dann muß ich mich ernsthaft fragen, ob es sich bei diesem nicht um eine Finte handelt, denn er enthält immer wieder Artikel, die in… Weiterlesen »

deutschelobby
13/11/2014 00:57
Reply to  Der Denker

Hallo Denker:

ein kleiner Tipp: wenn Du unabhängig vom Artikel einen Kommentar veröffentlichen möchtest, so bietet sich der „Gesprächsraum“ dafür sehr gut an.
Gerade bei allgemeinen Informationen und Aufruf zu Diskussionen.

Chat-Room…wir sprechen deutsch = Gesprächs-Raum

Bei persönlichen Angaben und Informationen bietet sich unsere ePost-Adresse:
germanthule@web.de
an.
Alles Gute,
Wiggerl

Der Denker
Der Denker
13/11/2014 20:24
Reply to  deutschelobby

Lieber Wiggerl. danke für diese Information. Wußte ich leider nicht, werde mich aber in Zukunft danach richten. Wende mich aber trotzdem noch einmal in dieser Form an Dich, weil ich heute Vormittag folgendes interessantes Erlebnis hatte: Im Nachbardorf hat ein Computer-Fachmann sein stark frequentiertes Geschäft. Ich kenne ihn schon seit Jahren und er hilft mir stets bereitwillig bei Computer-Problemen – obwohl er mich menschlich verachtet, weil ich in seinen Augen ein unverbesserlicher Nazi bin. Und dieser rot-grüne Mitmensch, ca. 45 Jahre alt und begeisterter Bundeswehr-Reservist, hat mir heute spöttisch erklärt, ich sei ein Idiot, wenn ich die Blogs, auf denen… Weiterlesen »

deutschelobby
14/11/2014 01:05
Reply to  Der Denker

Servus Wolfgang, ein netter „Bekannter“, oder? Irgendwie seltsam…rot-grün und gleichzeitig begeisterter Bundeswehr-Anhänger…speziell bei den Grünen eine seltene Verbindung. Warum bezeichnet er Dich als „Nazi“? Zuaml der „Begriff“ hohl klingt und nur noch von Hohl-Köpfen benutzt wird. Seine Meinung bezüglich „Blogs“, also der sogenannten „Aufklärer-Szene, ist subjektiv…wie ja jede Meinung. Tatsächlich hat er teilweise durchaus recht. Es gibt diese systembezahlten Verwirrungs- und Stör-Maßnahmen. Nicht nur als eigene Blogs, sondern insbesondere als finanzierte Kommentatoren. Ist aber nichts Neues. Das ist schon lange bekannt. Auch mit seiner Meinung bezüglich „ernst-nehmen“ steht er nicht alleine da. Ab einer gewissen Größe, sprich Klickzahl, ändert sich… Weiterlesen »

Runenkrieger11
12/11/2014 23:21

Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

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