Dass die Welt zunehmend aus den Fugen gerät, lässt sich leider in vielen Bereichen beobachten. Auch die Tierwelt scheint davon betroffen. Das hat unabsehbare Folgen für uns alle. Was sagen Biologen?

in den vergangenen Jahren waren bis in die jüngste Zeit hinein alarmierende Meldungen über das Massensterben von Tieren zu vërnehmen, andererseits aber auch über die Invasion fremder Arten in bestimmte geographische Regionen hinein.

Zu den ersteren Fällen zählt auch ein unheimlicher Vorfall, der sich bereits zum Jahreswechsel 2010 auf 2011 ereignete. Kurz vor Mitternacht des 31. Dezember stürzten im Gebiet von Beebe, Arkansas, unzählige Dead Birds ArkansasRotschulterstärlinge vom Himmel. Die Rede war damals von rund 3000 toten Vögeln. Das geschah in einem relativ eng umgrenzten Areal von rund 1,6 Kilometern.

Betroffen waren nur die Stärlinge. Eine Laboruntersuchung der Tiere ergab, dass die Tiere traumatisiert worden waren. Ein staatlich beauftragter Ornithologe gab als mögliche Ursachen die Wetterbedingungen an. Die Tiere könnten durch Blitzschlag oder Hagel getötet worden sein. Auch schloss er den Krach des Silvesterfeuerwerks nicht aus, der die Vögel in Panik versetzt haben könnte.

Einige Stunden vor Mitternacht kam es dort am Neujahrsabend abermals zu einem Vogelsterben, sogar noch umfangreicher als das vorausgegangene. Diesmal waren wohl bis zu 5000 Tiere betroffen. Sie wurden von einer Radarstation als große Masse über der Stadt erfasst, wobei es noch Stunden zum Jahreswechsel waren.

Zudem gab es auch in den Wochen und Monaten davor eine offenbare Häufung von Tiersterben, welche nicht nur Vögel betrafen. So wurden in der Vorweihnachtszeit 2010 in Australien Tausende toter Fische an Land gespült.

Zum Vogelsterben in Arkansas kam im Übrigen ebenfalls ein Fischsterben hinzu – ihm fielen beinahe 100000 Umberfische zum Opfer. Und am 6. Januar 2011 strandeten Millionen toter Fische in der Chesapeake Bay im US-Bundesstaat Maryland.

Es gibt viele weitere Beispiele, auch aus vielen anderen Ländern der Erde.

Herbizide rotten Frösche aus

Im Oyster Creek, New Jersey, kam es wiederholt zu Fischsterben. So auch Ende Juli 2011, als etliche Tausend Tiere im Wasser eingingen. Aus dem nahen Kernkraftwerk sei nach einem Pumpenausfall zu heißes Wasser in den Fluss gelaufen und habe die Fische getötet. Vielfach sind aber Pestizide verantwortlich.

Der Genkonzern Monsanto wird für ein jahrelanges Froschsterben verantwortlich gemacht. Hier soll das Herbizid Roundup zum Tod der Tiere geführt haben.

Zu keiner Zeit war unser Planet von Chemie, Strahlung, Lärm und Licht verseuchter als in diesen Tagen. Die Verunreinigung europäischer Gewässer hat erschreckende Dimensionen angenommen. Wie das deutsche Helmholtz-Institut vor einigen Jahren feststellte, sind die Pestizidbelastungen hier deutlich höher als ursprünglich angenommen.

Der chemische Weichmacher Diethylhexylphthalat findet sich besonders häufig und kann ähnlich wie Bisphenol zu Unfruchtbarkeit führen. Während die Bürgerkontrolle in unseren Zeiten offenbar bestens funktioniert, hapert es bei der Gewässerkontrolle und einer ausreichenden Überwachung der Industrie offenbar noch merklich. Die Umweltveränderungen haben in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass auch die Ökosysteme stark leiden.

Für Vögel schwinden die Nistplätze und Nahrungsquellen.

Nun verzehren die Tiere durch Pestizide vergiftete Nahrung. Laut einer neuen Studie, die kürzlich in den Ecology Letters publiziert wurde, veröffentlichten Forscher neue beunruhigende Daten. Demnach reduzieren sich die Populationen der 36 verbreitetsten Vogelarten dramatisch – darunter Rebhühner, Stare, Spatzen und Lerchen. Wie der Ökologe Richard Inger von der Universität Exeter im britischen Cornwall hierzu bemerkt, seien dies jene Vogelarten, von denen der Mensch besonders profitiere.

Diese Vögel leisten einen erheblichen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht. Sie fressen Stechinsekten und Schädlinge, tragen zur Verbreitung von Samen bei und dienen als Umweltpolizei der allgemeinen Hygiene, indem sie Kadaver aus der Welt schaffen. Wenigstens hat der Tierschutz bei einigen Arten bereits Erfolge zu verzeichnen, und auch Amseln, Rotkehlchen und einige andere Vogelarten erfreuen sich einer guten Verbreitung. Die Frage ist: Wie lange noch? Durch unterschiedlichste anthropogene Aktivitäten verursachte Massentode und das Schwinden einiger Arten sind die eine Seite der Medaille. Die andere allerdings schlägt ins entgegengesetzte Extrem.

Aber auch der Mensch spielt bei der spontanen Ausbreitung von unerwünschten Tierbeständen eine entscheidende Rolle. Ein konkretes Beispiel aus dem 19. Jahrhundert: die Ausbreitung desOLYMPUS DIGITAL CAMERA Schwammspinners in den USA. Diese Geschichte geht auf den französischen Astronomen und Entomologen Étienne Léopold Trouvelot zurück.
Er befasste sich mit Seidenzucht und experimentierte mit dem von ihm importierten Schwammspinner. Obwohl er seine Zöglinge unter Netzen hielt, entkamen einige. Trouvelot war sich durchaus bewusst, welche Bedrohung von den Tieren ausging, und war so ehrlich, entsprechende Warnungen auszusprechen, die allerdings nicht ernst genommen wurden.

Nicht aufeinander abgestimmte Arten

Nach etlichen Jahren war die Plage nicht mehr in den Griff zu bekommen und heute beziffern sich die vom Schwammspinner jährlich in den USA verursachten Schäden auf einige hundert Millionen Dollar.

Heute sind die Möglichkeiten, Schädlinge und natürlich auch Krankheitserreger einzuschleppen, angewachsen. Sie werden an Schiffswänden über Tausende von Kilometern transportiert oder treten als blinde Passagiere in Erscheinung. Mittlerweile wurden auch in die Bodenseeregion rund 800 fremde Arten eingeschleppt.

Neben dem Höckerflohkrebs machte sich hier auch dieDonau-Schwebegarnele Donauschwebegranele breit, an sich beheimatet im Schwarzmeergebiet. Biologen befürchteten einen Einbruch im Fischbestand, da diese Garnele früher in den USA als Fischfutter verbreitet wurde, um dann jedoch die Nahrung der Seelachse zu verzehren.

Doch je nach Umweltbedingungen kann sich alles auch ganz anders entwickeln. Am Bodensee haben die Garnelen völlig neue Nahrungsquellen erschlossen und die Biomasse im Interesse des »Gemeinwohls« erhöht. Biologen stellen eine massenweise Vermehrung der neuen Tierarten oder Neozoen im Bodensee fest, wobei vor allem professionelle Fischer erklären, die Arten seien nicht aufeinander abgestimmt und somit würden auch die Schwebegarnelen kaum von den Fischen als Nahrung genutzt.

Eine Erhöhung der Biomasse bezweifeln die Fischer ebenfalls. Bei Phosphatmangel gebe es keine solche Erhöhung durch einzelne Arten. Neozoen seien keine geeignete Nahrungsquelle, eher schon Konkurrenten.
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kopp 46-14

 

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[…] Das Ende der Artenvielfalt: Was passiert da gerade mit unserer Tierwelt?. […]

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