Endlich würdigen Ort gefunden

»Wald der Erinnerung«: Gedenkstätte für die Gefallenen der Bundeswehr in Geltow eingeweiht

bund

Am Sitz des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Geltow bei Potsdam ist eine neue Gedenkstätte für im Kriegseinsatz gefallene Soldaten eingeweiht worden. In einem „Wald der Erinnerung“ wurden von den Bundeswehrsoldaten errichtete Ehrenhaine aus ihren Einsatzorten wieder aufgebaut.

Von Berlin-Mitte bis zur Henning-von-Tresckow-Kaserne der Bundeswehr in Geltow sind es etwa 45 Kilometer. Geltow ist ein Ortsteil der Gemeinde Schwielowsee westlich von Potsdam. Die Kaserne beherbergt das Einsatzführungskommando der Bundeswehr. Von hier aus werden die Auslandseinsätze der deutschen Streitkräfte geplant, koordiniert und geführt. Befehlshaber ist Generalleutnant Hans-Werner Fritz. Etwa 800 Soldaten sind hier stationiert. Das weitläufige Militärgelände mit viel Baumbestand wurde als neue Gedenkstätte für die im Auslandseinsatz ums Leben gekommenen Soldaten und zivilen Mitarbeiter ausgewählt. Man prüfte zuvor 13 Liegenschaften im Großraum Berlin, bevor man sich für Geltow entschied.

In Berlin Attacken
durch Linksextremisten
befürchtet

Im Gegensatz zu dem schrillen Ton, den der frühere Wehrbeauftragte Reinhold Robbe (SPD) kurz vor der Einweihung der Gedenkstätte anschlug – er sprach gegenüber der „Bild“-Zeitung“ von einem „Schlag in das Gesicht der Angehörigen“, von einer „verfehlten Gedenkkultur“ und dass die Kriegsopfer „versteckt“ würden – begrüßen die Hinterbliebenen ausdrücklich Geltow als Ort des Gedenkens. Mit den Angehörigen der gefallenen Soldaten hat Robbe, der selbst den Wehrdienst verweigert hat, offensichtlich nicht gesprochen. Ein Gedenkort in der Hauptstadt hätte zwar den Vorteil leichterer Erreichbarkeit geboten, doch hätte er schon unter anderem wegen zahlreicher Linksextremisten in Berlin aufwändig gesichert werden müssen. Die Hinterbliebenen der Soldaten legten Wert auf einen Ort, an dem sie still und ungestört ihrer Toten gedenken können.

In den Einsätzen der Bundeswehr auf dem Balkan und in Afghanistan hatten Soldaten zum Gedenken an gefallene Kameraden in Eigeninitiative sogenannte Ehrenhaine errichtet, oft mit einfachsten Mitteln. Beim Abzug der Bundeswehr von den Auslandsstandorten wollte man diese Ehrenhaine nicht zurücklassen, sondern transportierte sie sorgsam in Containern verpackt nach Deutschland. Auf dem Militärgelände in Geltow wurden sie möglichst originalgetreu mit den Materialien aus den jeweiligen früheren Standorten wieder errichtet, auch mit denselben Ziegeln und Steinen.

Der Vorschlag zur Gestaltung eines „Waldes der Erinnerung“ ähnlich einem Friedwald kam zuerst aus dem Kreis der Hinterbliebenen. Angehörige aller Soldaten und Mitarbeiter der Bundeswehr, die in ihrem Dienst ums Leben kamen, können an den Bäumen individuell gestaltete Gedenkschilder anbringen.

Eingebettet in den Baumbestand der Kaserne befinden sich jetzt auf einer Fläche von 4500 Quadratmetern außer den Ehrenhainen auch ein Ausstellungsgebäude, ein „Weg der Erinnerung“ mit sieben Stelen, auf denen die Namen, das Todesjahr und das Einsatzgebiet der gefallenen Soldaten verzeichnet sind, sowie ein „Ort der Stille“. Die Baukosten betrugen rund zwei Millionen Euro. Die Gedenkstätte ist öffentlich zugänglich. Für das Betreten des Kasernengeländes muss ein Personalausweis oder Führerschein hinterlegt werden, dann erhält man einen Besucherausweis. Die Bundeswehr stellt auch kundiges Begleitpersonal zur Führung über das Areal.

An der Einweihungsfeier der Gedenkstätte am Tag vor dem Volkstrauertag nahmen 800 Gäste teil, darunter 190 Angehörige von im Einsatz ums Leben gekommen Soldaten.

Die Mutter des 22-jährigen Stabsgefreiten Konstantin Menz, der 2011 heimtückisch von einem afghanischen Soldaten erschossen wurde, hatte zuvor in ihrer Ansprache bei der Einweihungsfeier die Politiker zu „größtmöglicher Offenheit, Information und Ehrlichkeit“ bezüglich der Gründe und Ziele von Auslandseinsätzen aufgefordert.

Michael Leh

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht man die Henning-von Tresckow-Kaserne in 14548 Schwielowsee, Ortsteil Geltow, Werderscher Damm 21–29, Telefon (03327/50-2044) ab Hauptbahnhof Potsdam mit der Buslinie 610, Ausstieg an der Haltestelle „Wildpark West – Fuchsweg“.

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Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 47/14 vom 22.11.2014

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