Wie konnte das passieren? / Wie man »Pegida« bloß begegnen könnte, warum die EKD nichts mehr erklären muss, und wie uns die ARD tolerant gemacht hat

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Bürger, die massenhaft aber friedlich protestieren, sind ein Problem für die Mächtigen. Man kann sie nicht einfach zu Kriminellen erklären und auseinander treiben lassen. Der Film „Nikolaikirche“ nach dem Roman von Erich Loest beschreibt die dramatischen Tage der 89er-Revolution in Leipzig. In der Schluss-Szene blickt ein Handlanger des SED-Staates entgeistert aus dem Fenster auf das Meer friedlicher Demonstranten und seufzt: „Auf alles waren wir vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete!“

Wie konnte das passieren? Dabei hatte man doch alles in der Hand: den Staatsapparat, die Parteien, die Medien, die Massenorganisationen! Doch als die Massenorganisationen für die Mächtigen mobil machen sollten, stellte sich entsetzlicherweise heraus, dass die „Massen“ von „ihren“ Organisationen herzlich wenig hielten, von ein paar Fanatikern abgesehen.

Zwischen »scheinbar
rechtschaffenen
Bürgern« und
»scheinbar asozialen
Schlägern«

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich, lautet der abgedroschene Spruch. Mit wachsender Besorgnis gucken die Mächtigen heute wieder aufs Sachsenland, diesmal richten sich ihre irritierten Blicke auf Dresden. Von Woche zu Woche schwellen da die neuen Montagsdemos der „Pegida“ (wir berichteten schon einmal) an, zuletzt zogen 3500 Menschen „gegen die Islamisierung des Abendlandes“ und, bedenklicher noch, „aus Liebe zu unserem Vaterland“ durch die Stadt.

Wie konnte das passieren? Man hat doch alles in der Hand: den Staatsapparat, die Parteien, die Medien, die „zivilgesellschaftlichen Organisationen“!

Und alle tun ihre Pflicht: Während über jede Schrumpfdemo von kaum mehr als ein paar hundert Leutchen bundesweit berichtet wird, sofern sie ins gewünschte Bild passt, haben über „Pegida“ fast alle überregionalen Medien eisern die Klappe gehalten. Ja, wenn’s drauf ankommt, kann unsere „vielfältige Medienlandschaft“ genauso akkurat im Gleichschritt marschieren wie eine schneidige Betriebskampfgruppe.

Die Regionalblätter leisteten tapfer Frontdienst gegen „Pegida“. Es handele sich um „scheinbar rechtschaffene Bürger“, die offenbar an heftigen Halluzinationen leiden, weil sie „gegen den vorgeblichen Mainstream von Politik und Medien“ demonstrierten, „die ihre Sorgen ignorierten und sie allzu schnell in die rechte Ecke stellten“, beschwert sich der Redakteur einer Regionalzeitung. Ja, was diese Leute nur haben? Auf die Anliegen der „Pegida“ geht der Kollege mit keiner Zeile ein und schiebt sie stattdessen in Richtung NPD.

Zur großen Gegendemo von Kirchen, Parteien, Flüchtlingsrat, jüdischer und islamischer Gemeinde, Gewerkschaften und was nicht alles erschienen gerade einmal 200 Menschen. Waren das die Angestellten der genannten Einrichtungen? Oder waren auch Freiwillige dabei? Wie war das mit den „Massenorganisationen“?

Nicht vergessen wollen wir die rund 300 „erlebnisorientierten“ Krawallos von der „Antifa“, deren Sprecher sich großartig im MDR verbreiten durfte und die sich dann noch ein Scharmützel mit der Polizei lieferten, nachdem sie hinterm „Nie wieder Deutschland!“-Transparent durch Dresden vagabundiert waren. Chaoten und Extremisten also? Hüten Sie sich vor solch unsensiblen Vorurteilen, wenn Sie sich nicht als „rechts“ entlarven wollen! Denn wenn die „Pegidas“ nur „scheinbar rechtschaffene Bürger“ sind, dann waren das bei der „Antifa“ natürlich nur „scheinbar asoziale Schläger“.

Übrigens hat die Allparteien-Erklärung gegen „Pegida“ auch der Fraktionschef der AfD im Dresdener Stadtrat unterzeichnet. Der gute Mann wird seinen Anhängern wohl dies oder das erklären müssen. Wir sind gespannt.

Die evangelische Kirche hat es da besser, die muss ihren Mitgliedern schon lange gar nichts mehr erklären, nicht mal das hier: Wie berichtet, hat die Polizei eine Islamistenzelle ausgehoben, die im dringenden Verdacht steht, Kirchen ausgeraubt zu haben, um mit dem Erlös die Reisen von Dschihadisten in den „Heiligen Krieg“ zu finanzieren.

Die EKD hat auf diese erschreckende Nachricht sofort reagiert. Am Tag nach der Meldung schon forderte die Synode der EKD von der Bundesregierung, die Ausgaben für den „Kampf gegen Rechtsextremismus“ auf 70 Millionen Euro jährlich zu verdoppeln – ausdrücklich auch, um besser gegen „islamfeindliche Hetze“ vorgehen zu können. Die Synode tagte übrigens in Dresden.

Wie gesagt, die EKD muss niemandem mehr etwas erklären. Sie ist längst zu einer Filiale der Grünen mutiert, mit einigen kräftigen roten Sprengseln, aber die gehören bei den Grünen ja ohnehin dazu.

Im Mittelpunkt steht bei den Grünen aber immer noch grün und damit die Erkenntnis, dass wir unseren Planeten nur retten, wenn wir unser unverantwortliches Konsum- und Reiseverhalten ändern.

So kann ein Umfrageergebnis der „Forschungsgruppe Wahlen“ kaum überraschen. Die Forscher wollten wissen, ob man es gut finde, „dass es sich heute viele Menschen leisten können, zu fliegen“. Während das 77 Prozent der Anhänger von Union und SPD mit Ja beantworteten, wollte das bei den Grün-Wählern nur eine Minderheit von 48 Prozent gutheißen.

Kein Wunder, gelten Flugreisen als die am stärksten umweltbelastende Art der Fortbewegung überhaupt. Wie zu erwarten war, hegen die Anhänger der Öko-Partei daher die größten Vorbehalte gegen ab­gasträchtiges Rasen durch die Luft.

Die Wunder offenbarten sich in den beiden Folgefragen: Da wollte die Forschungsgruppe nämlich auch noch wissen, wer denn in den letzten zwölf Monaten geflogen sei. Waren das bei der Union 36 und der SPD nur 32 Prozent der Anhänger, hatten stolze 49 Prozent der Grün-Wähler in den vergangenen zwölf Monaten ein Flugzeug benutzt.

Und wer ist überhaupt noch nie geflogen? Auch das wollten die Forscher wissen. Bei den Unionsfreunden waren das 16 und bei der SPD 13 Prozent. Doch bei den Grünen? Null. Kein einziger.

Der Befund lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder tummeln sich bei den Grünen mehr Heuchler, als selbst wir es uns bislang vorstellen konnten. Oder man hegt in jenen Kreisen ein äußerst ausgeprägtes Klassenbewusstsein, weshalb man unsäglich darunter leidet, auf Flugreisen immerfort mit ganz gewöhnlichem Steuerzahlervolk konfrontiert zu werden. Vermutlich handelt es sich um eine Mischung aus beidem.

So ein bisschen erinnern die Umfragewerte an jene toleranten Weltbürger in den Großstädten, die ihre Kinder von den staatlichen Schulen auf private Institute holen und standhaft bestreiten, dass das irgendwie damit zusammenhinge, dass der Anteil von Ausländerkindern an der Staatsschule die 60-Prozent-Marke überschritten hat. Nicht das Geringste! Man ist schließlich tolerant. Und das kann man doch schließlich auch aus der Ferne sein, so wie man von oben aus dem Flugzeug auch viel besser erkennen kann, wie da unten die Natur immer mehr zerstört wird.

Die ARD hat die ganze letzte Woche unserer Erziehung zur Toleranz gewidmet. Erster Höhepunkt war am Montag ein Film, der, so der ARD-Text, „mit einem hohen Maß an Realismus“ auf die Diskriminierung von Zigeunern aufmerksam machen wollte. Daher traten herzensgute, grundehrliche Roma auf, die von finsteren Rassisten überfallen werden, was eine zunächst verstockte alte Deutsche dazu bewegt, ihre rassistischen Vorurteile gegen Zigeuner über Bord zu werfen. Mutig haben die Filmemacher sogar einen problematischen Roma ins Bild gesetzt. Der aber ist nur so problematisch, weil er, so die ARD, „als ,Zigeuner‘ ausgegrenzt“ werde und „keine Perspektive hat“.

Mit anderen Worten: Die Deutschen sind doof und rassistisch, weil sie eben doof und rassistisch sind. Ein Roma-Jugendlicher hingegen gerät nur auf Abwege, weil ihn die „Mehrheitsgesellschaft“ so mies behandelt.

Merkwürdig, dass den Streifen fast niemand sehen mochte. Wie die Einschaltquoten verraten, glotzten die, die unbedingt fernsehen wollten, lieber den letzten Blödsinn, als diesen Meilenstein des Realismus zu genießen.
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Hans Heckel Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 47/14 vom 22.11.2014

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Senatssekretär FREISTAAT DANZIG

Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:
Beim G20 kein Wort urkundlich erwähnt: Ukraine! Glück, Auf, meine Heimat!

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