geheimes Drehbuch: Gladio B

Kasachstan, Tadschikistan, Usbekistan. Die meisten Menschen in Europa haben keine Vorstellung oder Kenntnis von diesen Ländern. Doch auf dem streng geheimen geostrategischen Schachbrett der NATO hat dieser kleine Teil der Welt – wie die ganze Region Eurasien – eine immens große Bedeutung. Nachfolgend ein Überblick.

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Wer dort Einfluss hat, der kontrolliert kaum vorstellbare Rohstoffe und Industriemetalle und dazu den milliardenschweren Opiumhandel. Viel wichtiger noch: Wer dabei die Fäden zieht, der kann die großen Nachbarn Russland, Iran und sogar das ferne China destabilisieren, in Schach halten und seiner globalen Agenda zum Durchbruch verhelfen. Die NATO hat seit ihrem Bestehen genau für diesen Zweck ein streng geheimes Drehbuch. Es heißt Gladio B und geht derzeit in die zweite kritische Phase. Für die Destabilisierung wichtiger Regionen in Eurasien setzt die NATO eine unsichtbare Armee von Agenten ein, welche sie unter Kaufleuten, Imamen, Terroristen und sogar Diplomaten rekrutiert.

So war das bereits in der Anfangsphase von Gladio B ab 1940 vorgesehen, bevor die NATO überhaupt
existierte und als der britische MI 6 in seiner »Abteilung D« Pläne entwarf, um mit Spezialeinheiten, Saboteuren und Guerillas eine Hinterlandarmee aufzubauen.

Und zwar für den Fall, dass die Nazis Großbritannien einnahmen. Von 1948 an wurde das Geheimprogramm dann vom Western Union Clandestine Committee, einer transatlantischen Organisation mit Sitz in Frankreich, gesteuert. Mit der Gründung der NATO im Jahr 1949 machte man das Skript für die Kontrolle über Eurasien im NATO-Hauptquartier zur Chefsache.

Das Who is Who der US-Außenpolitik

Wer sich einen Eindruck davon verschaffen will, wie enorm wichtig Gladio B und sein neues Nachfolgeprogramm für den Westen im Kampf um die Weltherrschaft sind, der kann sich anhand scheinbar belangloser Beispiele ein Bild verschaffen. Etwa mit einem Blick auf die »US-Aserbaidschanische Handelskammer«, ein Gremium, dem kaum jeimand auf den ersten Blick mehr Bedeutung und Einfluss beimessen würde als vielleicht der IHK Düsseldorf. Doch schwer geirrt.

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In der US-Aserbaidschanischen Kammer sitzen der frühere Vizepräsident Dick Cheney, der Berater der Bush-Dynastie, James Baker, dazu Henry Kissinger und der ehemalige nationale Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski. Die Runde ist ein Who is Who der einflussreichsten Figuren der US-Außenpolitik des letzten halben Jahrhunderts. Aber was sehen diese Insider,
was wir nicht sehen?

Ganz einfach: eine Region, die im Hinterhof der führenden Mächte der eurasischen Landmasse liegt – China, Russland und Iran. Hier haben persische Könige, chinesische Dynastien, Mongolen-Herrscher und die Sowjetunion um Macht gekämpft, in einem Teil der Welt, der auf zwei Drittel der Menschheit unmittelbar Einfluss hat, die drittgrößten Öl- und Gasvorkommen auf dem Planeten beherbergt sowie die Drehkreuze auf der Seidenstraße, die Chinas Staatspräsident Xi Jinping seit Monaten als den neuen Super-Highway des Welthandels im 21. Jahrhundert von Fernost bis nach Europa propagiert.

In dieser Region hatten im 19. Jahrhundert Russland und England um die Vorherrschaft gerungen, ein Kapitel der Machtpolitik, das als Great Game bekannt geworden ist. Hier verlaufen die wichtigsten Ölpipelines auf diesem Planeten, hier gedeiht ein Opiumhandel, der jährlich 200 Milliarden Dollar (160 Milliarden Euro) einspielt, und hier schlummern Metalle im Boden, die über die Zukunft von Schlüsselindustrien wie Autos, Chips, Luftfahrt und neue Energien mitentscheiden: Kupfer, Wolfram, Zink und Mangan.

Wie wichtig diese Region für die USA und die führenden europäischen Mächte ist, das belegen verschiedene Studien, die nicht geheim sind. Zum Beispiel eine Analyse des RAND National Defense Research Institute aus dem Jahr 1992, geschrieben von Graham Fuller, einem ehemaligen Stationschef der CIA in Kabul.

Das Papier mit dem Titel »Zentralasien: Die neue Geopolitik« wurde kurz nach dem Zusammenbruch der früheren Sowjetunion verfasst, als die nunmehr unabhängigen Exrepubliken sich neu orientierten.

Wichtiges Hintergrundwissen

Dass die USA und die von ihr beherrschte NATO beim heutigen Great Game lieber im Verborgenen wirken, geht aus einem anderen Papier zur Bedeutung Eurasiens hervor. In der Studie »Eine Agenda für die künftigen Beziehungen der USA zu Zentralasien« des Project 2049 Institute, in dessen Direktorium Zbigniew Brzezinskis Sohn sitzt, steht der vielsagende Satz: »US-Politiker scheuen mit Blick auf Zentralasien vor dem Ausdruck Great Game« zurück, solche Ausdrücke stützen sich auf fehlerhafte Annahmen und bergen Risiken für die USA.“

Doch viel deutlicher als amerikanische Politiker in der Öffentlichkeit wurde der Artikel »Der geografische Dreh- und Angelpunkt der Geschichte«, den der damalige Direktor der London School of Economics vor über 100 Jahren über Eurasien schrieb. Schon 1904 skizzierte darin Sir Halford John Mackinder die Welt als eine große Insel und Eurasien als jenes Herzstück, in dem eine Zivilisation sich die Ausgangsposition schaffen könne, die man braucht, um die Welt zu beherrschen. Brzezinski wurde dann 1997 in seinem Buch Das große Schachbrett noch deutlicher: »Für Amerika ist Eurasien der größte geopolitische Preis.« Das Herzland von Mackinder benannte Brzezmski in den »eurasischen Balkan« um. Er nannte 1997 als Kampfgebiet für den ersten Krieg des 21. Jahrhunderts diese Region.

Agenten, Mächte und Kampagnen

Aber wer sind die geheimnisvollen Agenten und verdeckten Akteure, die im Rahmen von Gladio B eingesetzt werden? James Corbett, der Herausgeber des bekannten Corbett-Reports, hat das kürzlich in einem Vortrag anhand vieler Beispiele ausgeführt: Die Destabilisierung reicht vom Drogenhandel, über Geldwäsche bis hin zu Terroranschlägen und politischen Morden. Sie dienen der Erzeugung religiöser, ethnischer oder politischer Spannungen, um die Bevölkerung zu verängstigen, die öffentliche Meinung zu manipulieren und das Volk gegen bestimmte Gruppen oder Mächte aufzubringen. Die Konflikte lassen sich anschließend wunderbar nutzen, um Kampagnen zu starten, die zuvor undenkbar waren, wie zuletzt die Luftoffensive gegen den Islamischen Staat im Irak und in Syrien. Die Schlüsselfiguren in diesem aufwendigen und tödlichen geopolitischen Schachspiel waren Leute wie der 1996 gestorbene Türke Abdullah Çatli, gegen dessen Karriere aus Auftragsmorden, Terroranschlägen und Drogengeschäften selbst Hollywood-Thriller fad wirken. Çatli begann als gewöhnlicher Straßendieb in der nationalistischen Bewegung, wurde dann brutaler Vollstrecker in der Jugendorganisation der Grauen Wölfe und stieg schließlich zum führenden Anti-Guerilla-Spezialisten der türkischen Gladio-Einheit auf. Er soll an der Ermordung des bekanntesten Zeitungsherausgebers Abdi pekçi ebenso beteiligt gewesen sein wie am Anschlag auf Papst Johannes Paul II. 1981. Knapp 14 Jahre später hatte Çatli laut Corbett bei dem versuchten Coup gegen den Präsidenten von Aserbaidschan, Alijew, seine Hände im Spiel. Obwohl Alijew den Anschlag überlebte, half Çatli bei den Plänen der NATO für den Kaukasus, denn das Land begann, den russischen Orbit zu verlassen, sich nach Westen zu orientieren und sich der NATO anzunähern. Heute bohren in Aserbaidschan Chevron, BP und Pennzoil nach Öl. Aserbaidschan ist ein wichtiger Verbündeter des Westens im Hinterhof von Russland geworden, mit Zugang zu Pipeines und Ölfeldern am Kaspischen Meer. Seit der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre, so berichtet Corbett, habe sich das ursprüngliche Gladio-Programm gewandelt.

Die Spione des Türken Fethu Uah Gülen

Statt ultranationalen Agenten und Kämpfern wird jetzt verstärkt islamischer Terror als Werkzeug eingesetzt, um Spannungen zu erzeugen. Auch hierfür gibt es Hinweise, wie der Einsatz bestimmter Schlüsselpersonen in dem Programm. Dazu gehört auch der türkische Imam Fethullah Gülen, der aus seinem Land fliehen musste, weil er gefordert hatte, dass ein Islamischer Staat die Regierung stürzt. Gülen floh in die USA und ließ sich in Pennsylvania nieder, wo er eine eigene Bewegung schuf und binnen vier Jahren von dort aus am Kaukasus 350 islamische Schulen gründete. Corbett hat von einem türkischen Staatsanwalt gehört, dass es eine Verbindung zwischen Gülen und der CIA geben soll. Die CIA hat demnach 130 Englischlehrern für den Einsatz an Gülens Schulen im Kaukasus Pässe besorgt. Als Gegenleistung schnüffeln diese -so der ehemalige türkische Geheimdienstchef Osman Nuri Günde§ – in Kirgistan und Usbekistan für die CIA im Rahmen der Operation »Freundschaftsbrücke«.

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Geheimdienste, CIA, BND, Operation Alberich, Gladio, Wirtschaftsspionage…

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*Hermann Scheer ….Mord? 14 tage vor plötzlichem Tod – hochbrisanter Vertragsbruch – Die NATO Untergrundarmee”GLADIO”**

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