Was ist nur aus dem noch so jungen Jahrhundert geworden? Statt des Aufbruchs naht Armageddon. Stehen wir gar am Anfang eines neuen missratenen Millenniums? Ein kurzer Überblick.

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Es sieht derzeit nicht gerade gut aus.

Kurz nachdem das »Jahr-2ooo-Problem« überwunden war – und weder Flugzeuge abstürzten noch Atomkraftwerke explodierten oder Raketen von allein losgeflogen waren, da sah zunächst (fast) alles ganz erfrischend und verheißungsvoll aus.

China trat 2001 der Welthandelsorganisation bei und spannte sich als neue Lokomotive vor die globale Wirtschaft. Wachstum über Jahrzehnte hinweg schien quasi garantiert.

Und 14 Jahre später? Allgemeine Verunsicherung, erdrückende Schuldenberge, das schwelende Euro-Debakel, immer mehr regionale Konflikte, Abhörskandale, Geldentwertung, Zeitungssterben, Negativzinsen, Flüchtlingsströme

–    und eine globale Wachstumslokomotive China, die selbst schlappzumachen droht, weil sie ein Drittel langsamer wächst als damals beim WTO-Beitritt.

Geschichte hält sich nicht an Prognosen

Im Klartext: Der Aufbruch weicht immer mehr allgemeinem Katzenjammer. Das Internet ist eine riesige Späh- und Zensurgrube. Die Einkommens- und Vermögensunterschiede klaffen so weit auseinander wie zuletzt im 19. Jahrhundert.

–    massiv beschnüffelt, seine Polizei militärisch hochrüstet, zunehmend bürgerliche und von der Verfassung garantierte Rechte ignoriert und mit den Füßen tritt. Ein Staat, der immer öfter in den Krieg zieht und sich dabei in wachsendem Maße finanziell überdehnt. Dabei zerfällt er im Inneren.

Die Bevölkerung wird abgelenkt

Der zweite Faktor, der half, das Ruder dieses jungen Jahrhunderts gleich nach dem verheißungsvollen Start herumzureißen, war die verheerende Finanzkrise von 2008. Sie schwächte das Finanzsystem so sehr, dass es jetzt schon bei kleinen externen Schocks ins Wanken gerät.

Die Finanzkrise motivierte die Notenbanken, die Welt mit billigster Liquidität zu überschwemmen. Dabei werden schlechte Investitionen für Billionen von Dollar ermöglicht, die Sparer schleichend enteignet und Spekulation in so biblischem Ausmaß angefacht, dass eskalierende Preise für Energie, Nahrungsmittel und Immobilien das tägliche Leben für immer weniger Menschen erschwinglich machen.

Die ein Prozent an der Spitze der Einkommens- und Vermögenspyramide leben in Saus und Braus. Am Boden der Pyramide wuchert gefährlich das neue Proletariat, das kunstvoll mit Reality-Shows abgelenkt und mit immer mehr Teilzeitjobs auf den Zehenspitzen gehalten wird. Ein Propagandastaat macht sich breit. In der sozialen Mitte tut sich eine klaffende Lücke auf, die zusammen mit Steuern vermeidenden Konzernen hilft, die Nationalstaaten fiskalisch auszuhöhlen und unregierbarzu machen.

Auf dem Weg zum Bürgerkrieg

Schlimmer noch: Es drohen Klassenkämpfe, die in Bürgerkriegen enden werden. Die Kriege im Rest der Welt, zu einem guten Teil von den USA angezettelt und geführt, lösen derweil Kosten und Flüchtlingsströme aus, die weite Teile des Westens zu überfordern drohen. Der dritte Faktor ist die unterschätzte Wucht, mit der sich die Immigration ins Internet fortsetzt. Sie führt zu Vereinsamung, effektiverer staatlicher Kontrolle, abgelenkten und ausgespähten Bürgern sowie einer Erosion in den Massenmedien, die zwar zu einem Teil selbst verschuldet ist, aber den herrschenden Eliten das Regieren deutlich erleichtert.

Das Internet fördert den Überwachungsstaat, bietet den Wählern aber gleichzeitig-zumindest theoretisch – die beste Chance, die sie je hatten, sich zu organisieren und echte Demokratie zu proben.

Doch Gleichgültigkeit, Übersättigung und Trägheit verhindern, dass sich die Wähler zur Rettung ihrer Rechte und Demokratien tatsächlich zusammenrotten.
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 kopp-exklusiv 01-15
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Arkturus
14/01/2015 02:20

Hat dies auf Oberhessische Nachrichten rebloggt.

Eric der Wikinger
14/01/2015 01:59

Hat dies auf Grüsst mir die Sonne… rebloggt.

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