Die meisten von uns haben schon einmal Scham empfunden. Es ist ein schreckliches Gefühl, wenn wir unser wahres Selbst bewusst vor anderen abgewertet oder degradiert haben. Christian Schmidt, der deutsche Minister für Ernährung und Landwirtschaft, hätte allen Grund, sich für seinen Washingtonbesuch im Dezember zu schämen.

Entweder hat Christian Schmidt Christian Schmidtsich bei diesem Besuch in Washington selbst ein Armutszeugnis ausgestellt, weil er nach einem Weg sucht, den deutschen Wählern das unpopuläre transatlantische Handels- und Investitionsabkommen aufzudrücken, oder er ist ein dreister Lügner.

Auf jeden Fall scheint er bereit zu sein, die Verbraucher in dem Verein-„EU“ zu verkaufen und vor Washington und der von Monsanto angeführten Lobby des amerikanischen Agrobusiness zu Kreuze zu kriechen.

 TTIP und die Landwirtschaft

 Wenn Herr Schmidt Scham empfinden sollte, dann deshalb, weil die relativ strikten deutschen Gesetze die Kennzeichnung von Lebensmitteln verlangen, die mehr als 0,9 Prozent Gentechnik-Produkte enthalten. Das Gesetz wurde durch eine starke Lobby in Deutschland erwirkt, mittlerweile ist es auch Vereins-„EU“-Gesetz. In den USA gibt es keine Gesetze, die die Verbraucher vor Gentechnik-Produkten schützen. Dort antwortet Monsanto seit Monaten mit Lügenkampagnen auf entsprechende Initiativen von Bürgerinitiativen in Kalifornien und anderen Bundesstaaten. Nur in einem kleinen US-Bundesstaat gibt es heute eine Kennzeichnungspflicht für Genprodukte.

  1992 überredete die Geschäftsführung von Monsanto, dem weltgrößten Anbieter von gentechnisch veränderten Organismen (GVO), den damaligen US-Präsidenten G. H. W. Bush, Genmais, Gensoja und anderes patentiertes Saatgut für den Handel freizugeben, ohne die amerikanischen Verbraucher darüber zu informieren, dass sie ungetestete GVO enthielten.

 Seit mehr als 20 Jahren dienen Amerikaner als menschliche Versuchskaninchen. Im gleichen Zeitraum haben Allergien, Autismus und unzählige andere Krankheiten sprunghaft zugenommen. Besteht da eine Verbindung? Das kann niemand sagen, weil es dieselbe US-Regierung – bei jedem Schritt beraten von Monsanto – ablehnt, Gen-Nahrungsmittel unabhängig auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit und Sicherheit untersuchen zu lassen. Die einzigen Tests, deren oft genug gefälschte Resultate der Regierung vorgelegt werden, hat Monsanto selbst durchgeführt. Washingtoner Gesetze erlauben hinsichtlich GVO keinerlei Transparenz.

 Auch das Landwirtschaftskapitel von Washingtons TTIP wurde von Monsanto und anderen privaten Agrobusinesskonzernen wie Cargill, ADM, Kraft Foods und anderen entworfen. Nationale Gesetze wie die in Deutschland und dem Verein-„EU“, die Gesundheit und Sicherheit der Bürger zumindest teilweise schützen, würden unwirksam.

Die TTIP-Bestimmungen würden Monsanto & Co. von deutschen gesetzlichen Bestimmungen für Transparenz bei GVO befreien, sodass sie endlich die europäischen Supermarktregale mit ihren toxischen, GV-belasteten Lebensmitteln überschwemmen könnten. Das geht bisher nur indirekt, nämlich über den Import von GV-Tierfutter – Soja und Mais. In der EU wird heute hauptsächlich »Kraftfutter« verfüttert. Es war ein unglückseliges Schlupfloch im Vereins-„EU“-Gesetz über die Gentechnik-Kennzeichnung, geschaffen durch die Macht der Lobby des US-amerikanischen Getreidekartells in Brüssel.

 Aber jetzt bestehen Washington und Monsanto auf dem neuen TTIP-Abkommen, das in einem Rausch der Freihandelsmanie de facto alle Gesetze außer Kraft setzen würde, die Monsanto bisher daran hindern, sein Gift in Europa zu verbreiten, ohne es als GV zu kennzeichnen.

 Schmidt und »Transparenz«

 An diesem Punkt kehren wir zurück zu Herrn Schmidt und seiner jüngsten Reise nach Washington. Am 13. Dezember, noch während seiner Washingtoner Gespräche mit Landwirtschaftsminister Tom Vilsack, erklärte Schmidt auf der Website seines Berliner Ministeriums: »Ziel der Reise war es unter anderem, den amerikanischen Partnern noch einmal die Bedeutung der hohen deutschen Verbraucherstandards zu erläutern und für Transparenz in der laufenden Debatte zu sorgen.« Das klingt nach einem guten, standhaften, prinzipientreuen europäischen Minister, der Washington klarmacht, dass er die höheren „EU“-Transparenzstandards über eine Kennzeichnungspflicht für GVO in einem TTIP-Abkommen mit Washington nicht verwässern wird.

 In Wirklichkeit knickte Schmidt vor Vilsacks oder Washingtons Macht ein. Bei seiner Rückkehr nach Berlin gab er den deutschen Medien ein enthusiastisches Interview über den »Kompromiss«, den Vilsack und das US-Agrobusiness angeboten hatten, um den Riss zwischen Washington und Brüssel über die Gentechnik-Kennzeichnung zu kitten.

 Hat Schmidt etwa Washington überzeugt, die höheren „EU“-Standards zu übernehmen, wie seine Presseerklärung vermuten ließ? Keineswegs, er kroch in Washington zu Kreuze. In der Wochenzeitung Die Zeit war zu lesen: »Christian Schmidt (CSU) hat jüngst erzählt, welche Kennzeichnungsstandards für Gentechnik sich die US-Regierung im Freihandelsabkommen TTIP vorstellen könnte…Verbraucher scannen einfach mit ihrem Handy den Barcode des Produkts – und wenn das Lebensmittel gentechnisch veränderte Bestandteile enthält, wird das via App angezeigt.« Sogar Die Zeit mit ihren engen Bilderberger-Verbindungen nannte Vilsacks Vorschlag, den Schmidt so begrüßte, »ein lausiges Angebot«.

 Scham

 Darüber wird sich Christian Schmidt mit Sicherheit schämen, wenn er einmal innehält und ernsthaft nachdenkt. Stephan Richter, der deutsch-amerikanische Herausgeber des Blogs The Globalist, schreibt: »Nach dem Willen unserer amerikanischen Alliierten müssten alle Europäer von jetzt an nicht nur ein Smartphone haben, sondern dürften es auch nie vergessen, wenn sie im Supermarkt die Informationen finden wollen, nach denen sie suchen. Die einzige Antwort eines europäischen Landwirtschaftsministers auf einen solchen Vorschlag wäre gewesen: ›Ihr macht wohl Witze?‹«

 Richter weiter: »Dieser Fall zeigt eindrucksvoll den Provinzialismus europäischer Politiker wie Schmidt. Setze sie in ein Flugzeug nach Washington, und sie glauben, sie träten vor das Himmelstor. Oder noch besser: Sie kommen sich selbst wie Staatsmänner von Welt vor, weil sie am vermeintlichen Himmelstor empfangen werden. Dass sie dort sind, um europäische Interessen zu vertreten und zu verteidigen, und zwar genauso geschickt und gnadenlos, wie es jeder amerikanische Politiker tun würde, wird schnell vergessen.«

 Wäre Schmidt ehrlich gegenüber sich selbst und seinen Landsleuten, so würde er den ganzen TTIP-Schwindel, der von den Fortune-500-Unternehmen gepuscht wird, um den letzten verbleibenden Schutz für Gesundheit und Sicherheit der EU-Bürger auf dem Altar der Götter des freien Marktes zu opfern, rundweg ablehnen.

 Friedrich List, der große deutsche Nationalökonom des 19. Jahrhunderts, dessen Ideen den Aufstieg der Industrie nach 1871 auslösten, betonte bereits vor fast 200 Jahren, als Adam Smith und die britische Industrie dieselben Argumente über »freien Handel« ins Feld führten, es komme darauf an, die nationalen Wirtschaftsinteressen zu verteidigen, wenn Wirtschaftswachstum und Wohlstand einer Nation gewährleistet werden sollten. Das gilt heute noch mindestens genauso, Nationen sind noch immer wichtig.

 Nach den Morden an Alfred Herrhausen und Detlev Rohwedder vor rund 20 Jahren vollzogen die deutsche Politik und die deutsche Wirtschaftselite eine radikale Kehrtwende und wandten sich dem Modell des angloamerikanischen Freihandels zu, der die deutsche Wirtschaft im 19. Jahrhundert zum Vasallen des britischen Empire gemacht hatte.

Und jetzt wird die Aussicht auf das neue TTIP auch noch die letzten Hindernisse beseitigen, die der Plünderung Deutschlands noch im Wege stehen.

Es ist ein beschissener Deal für die Bürger, für deren Gesundheit und Sicherheit Christian Schmidt als Minister für Ernährung und Landwirtschaft zuständig ist. Dafür sollte er sich schämen.

——————————————————–

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/f-william-engdahl/warum-sich-christian-schmidt-schaemen-sollte.html
---------------------------------------

Nie vergessen:

die „EU“ ist lediglich ein Verein, vergleichbar mit einem Kaninchen-Zucht-Verein….das ist kein Witz!

Das ist keine Anti-„EU“-Bemerkung, sondern basiert auf klare gesetzliche Regelungen.

Deshalb sollte die „EU“ immer nur mit Anführungsstrichen geschrieben werden.

NEWSLETTER
0 0 vote
Article Rating
2 Comments
Most Voted
Newest Oldest
Inline Feedbacks
View all comments
Eric der Wikinger
20/01/2015 22:00

Hat dies auf Grüsst mir die Sonne… rebloggt.

Translate »