Peter Harth

Die Muslime in den öffentlich-rechtlichen Talkrunden sind wortgewandt und liberal. Aber: Der Zuschauer fühlt sich langsam in der Dauerschleife. Bei ARD und ZDF kommen nämlich immer die gleichen »Islam-Experten« zu Wort. Warum? Die muslimische Gemeinschaft spiegeln sie nicht wider. Eher sollen wohl die Ängste der Deutschen vor einer Islamisierung zerstreut werden

Und fast täglich grüßt Lamya Kaddor von der Mattscheibe. Nur Stunden nach dem Attentat auf das Satiremagazin Charlie Hebdo sitzt die Islamwissenschaftlerin bei Plasberg. Die Sondersendung gerät zum Heimspiel, denn Kaddor ist bei der ARD Dauergast. Die gleiche Dauerschleife auch im ZDF: Sechs Tage später sitzt die Vorzeige-Muslima wieder bei Maybrit Illner zum Thema: »Krieg der Islamisten – Hilflos gegen den Terror?«.

 Kaddor ist die Vorsitzende des »Liberal-Islamischen Bundes« und wird in den Talkrunden als die Stimme liberaler Muslime verkauft. Ihr Verein will »flächendeckenden islamischen Religionsunterricht […] an öffentlichen Schulen« und bekennt sich zur »freiheitlich-demokratischen Grundordnung«.

 Ebenso dauerpräsent ist Aiman Mazyek. Als Vorsitzender des »Zentralrats der Muslime in Deutschland« vertritt er den kleinsten Islam-Verband überhaupt.

 Trotzdem spricht Mazyek bei Maischberger als Stimme der Muslime oder wird zum Sprecher einer der »größeren Verbände«. In Wahrheit vertritt Mazyek nur 0,25 Prozent aller Muslime in Deutschland.

 Der Zirkel der Wiedergänger und Wiederkäuer

 Neben den beiden ist auch der Politologe Asiem El Difraoui gut im Talk-Geschäft. Er spricht bei Markus Lanz über die »wertelose« Gesellschaft des Abendlandes oder im WDR-Fernsehen bei West ART Talk. Dumm nur: El Difraoui lebt seit 25 Jahren in Paris. Was er über die Muslime in Deutschland sagt, kann bestenfalls eine Ferndiagnose sein.

 Eine Newcomerin im kleinen Zirkel der Wiedergänger ist Khola Maryam Hübsch. Die Journalistin trägt Kopftuch, hält die Burka für einen Teil der »pluralistischen Gesellschaft« und schrieb dazu das passende Buch Unter dem Schleier die Freiheit. Die Mehrheit der Muslime kann mit den Ansichten von Hübsch aber nichts anfangen.

 Zum Hintergrund: Sie ist das deutsche Aushängeschild der Ahmadiyya-Gemeinschaft, die in vielen islamischen Ländern verfolgt wird. In Deutschland natürlich nicht und deshalb darf Hübsch bei Plasbergs Hart aber fair genauso wie bei Maischberger, Anne Will und zahllosen anderen Talkrunden reden und reden und reden.

 Das Muster hinter den Vorzeige-Muslimen

 Erkennen Sie aber die zwei Muster dahinter? Einerseits kopiert sich der Journalismus immer wieder selbst. Wer einmal in einer Talkrunde brauchbar war, darf danach alle abklappern. Aber es geht hier nicht nur um das mediale Wiederkäuen – im Mittelpunkt stehen die Handvoll Vorzeige-Muslime, die sich ständig selber recyceln.

 Alle haben entweder ein Buch, das sie verkaufen, oder sie sprechen für eine Interessengruppe, die ein bestimmtes Islam-Bild in die Köpfe der Menschen bringen will.

 Im Grunde bekommen so Strömungen des Islam Oberwasser, die eigentlich in der Minderheit sind. Auch deshalb erkennt sich die Mehrheit der deutschen Muslime in den öffentlich-rechtlichen Talkshows nicht wieder. Der Islam in Deutschland ist viel konservativer als die Vorzeige-Muslime bei Jauch, Plasberg, Will, Maischberger & Co.

 Die mediale Beruhigungspille

 Trotzdem buchen ARD und ZDF für ihre Talkrunden die immer gleichen Gesichter. Was auffällt: Bis zum Erscheinen der PEGIDA-Protestbewegung hatten Islamkritiker wie Necla Kelek in den deutschen Talkshows das Wort. Seitdem ist aber ein offener Streit darüber ausgebrochen, ob Deutschland an der Integrationsfrage scheitert. Jetzt spricht die Bundeskanzlerin von »Hass in den Herzen« aller, die eine Islamisierung fürchten.

 Es gibt eine regelrechte Medienkampagne, die das Feindbild von dumpfen Islamkritikern befeuert, die eigentlich nur ausländerfeindlich sind. Die Mainstream-Medien – das geben sie offen zu – wollen die Menschen gegen die »populistischen Rattenfänger […] immunisieren«. Da passen die liberalen, eloquenten, fortschrittlichen Vorzeige-Muslime der Talkrunden natürlich sehr gut ins Bild. Wer Angst vor einer Islamisierung hat, der bekommt hier seine mediale Beruhigungspille.

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http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/peter-harth/die-talkshows-von-ard-und-zdf-vorzeige-muslime-in-der-dauerschleife.html

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