Frei gedacht

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von Eva Herman

Deutschlands Massenmedien sind im Ausnahmezustand. Sie verlieren täglich mehr an Akzeptanz, Ansehen und Zahlen. Wachsende Leser-und Zuschauerproteste bringen die Unzufriedenheit der Nutzer zum Ausdruck, sie verspüren immer weniger Lust, sich noch ein X für ein U vormachen zu lassen. „Lügenpresse“, so lautet deswegen auch das Unwort des Jahres 2014, kein Zufall. Gemeint ist damit immer, wer sich angesprochen fühlt. Neueste Umsatzzahlen der Zeitungen belegen jetzt: Der freie Fall kann offenbar nicht mehr gebremst werden. Im Gegenteil: Von „dramatischen“ Einbrüchen mancher großer Blätter ist jetzt die Rede, von „existenzgefährdenden“ Entwicklungen. Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. (IVW) ermittelt seit 1949 die Auflagenzahlen. Die Ergebnisse müssten relativ verlässlich sein, denn der Verein mit Sitz in Berlin wird „von den Medienunternehmen, den Werbungtreibenden sowie den Werbe- und Media-Agenturen in Deutschland unterhalten“, wie es heißt. Und die IVW hat jetzt Alarm geschlagen.

Schauen wir uns kurz die neu ermittelten, drastisch sinkenden Prozentwerte der bislang mächtigsten Blätter an. Da wäre das Springerblatt „Bild“, dessen Einfluss im deutschsprachigen Raum bislang nicht unerheblich war. Betrug die Auflage 2003 noch mehr als vier Millionen täglich, so liegt diese Zahl aktuell bei knapp 2,1 Millionen, also fast fünfzig Prozent weniger! Sollte sich dieser Trend fortsetzen, so wird die erste Zahl vor dem Komma demnächst eine eins sein. Und er setzt sich fort. Das aktuelle Minus im Vergleich zum Vorjahr liegt derzeit bei 9,2 Prozent. Doch auch die sogenannten seriösen, überregionalen Tageszeitungen haben echte Probleme. Die „Süddeutsche Zeitung“ verlor erneut 4,7 Prozent, die „FAZ“ 7,4, und die „Welt“ knapp zehn Prozent. Auch nahezu sämtliche Regionalzeitungen stürzen weiter ab. Im Keller sind: „B.Z.“, „Berliner Kurier“, „Hamburger Morgenpost“, „Express“ und „Abendzeitung“, sie verloren zum Teil, wie es heißt, „dramatisch“.

Diese Entwicklungen dürfen uns nicht überraschen. Selbstredend ist der Trend, dass jedermann im Internet die Informationen kostenlos erhalten kann, eine der verändernden Nutzer-Ursachen. Doch dies ist nur ein kleiner Ausschnitt des großen und ganzen Bildes. Zwar lieben es traditionelle Zeitungsleser nach wie vor, morgens beim Frühstück ihr vertrautes Blatt aufzuschlagen, dessen Druckerschwärze-Duft sich mit dem Aroma des ersten Kaffeeaufgusses wohlig vermengt und ihnen das bequeme Gefühl der weiten Distanz zu den brodelnden Ereignissen in der Welt suggeriert. Hier, am Kaffeetopf, hinter den großen Blättern versteckt, darf man sich noch geborgen fühlen. Oder? Diese schöne Tradition greift jedoch allenfalls noch dort, wo man sicher gehen kann, dass das vorliegende Blatt unser Freund und nicht etwa der Feind ist. Und dass wir unsere Ansichten in den Artikeln wiederfinden. Wer eher links tickt, hatte deswegen die „SZ“ abonniert, Konservative der leichten Art bevorzugten von jeher die „FAZ“. Doch nicht erst seit den Offenbarungen des Udo Ulfkotte wird nun dem differenzierenden Betrachter erkennbar, dass die Inhalte der Linken und Rechten mit wachsenden Jahren immer identischer wurden, dass es kaum noch Unterschiede zu geben scheint in den politischen Einschätzungen der Journalisten. Ja, dass die aktuellen Nachrichtentexte in ihrer zuweilen sogar identischen Wortwahl eine gleichgeschaltete Vorgabe großer Agenturen zu sein scheinen, deren Aufgabe es ist, lediglich nach-zu-richten, was die eigentlichen Mächte vorgeben.

Viele Leser (und auch Zuschauer) haben diese Tatsache schon längst registriert, nur die Macher selbst scheinen immer noch nicht erkennen zu wollen: Entrüstet lehnen Sie derart lautende Vorwürfe ab, verteidigen, wo es nichts mehr zu verteidigen gibt, wo nur noch demütige Einsicht weiterhelfen könnte. Munter stoßen sie weiterhin in das politisch korrekte Horn, welches aus angelsächsischer Tradition orchestriert wird und nahezu 500 Millionen Menschen umerziehen will.

Gleichmachung auf allen Gebieten zeigt den Kurs. Alle Geschlechter sind gleich, alle Länder erhalten dieselben Voraussetzungen für gleichlautende Wirtschaftsergebnisse, ob in Nord-, Ost-, West-, oder Südeuropa, sie haben dieselbe Währung zu benutzen, sollen sich unter nur das eine Angriffsbündnis stellen, welches sich offiziell immer noch mit der Vokabel Verteidigung schmückt. Dieser extern bestimmte Kurs, welcher das Subsidiaritätsprinzip vollends aushebelte, hat natürlich nicht mehr viel mit den jeweils spezifischen, kulturabhängigen Ansichten der unterschiedlichen Gesellschaften zu tun. Auch nichts mit deren differenzierten Zielen und Kräften jedweder individueller Art. Vielmehr vermittelt er das politische Endziel der Vermischung und damit der Schwächung ursprünglicher Ressourcen eines jeden Standes. Und zwar auf allen Ebenen. Die zunehmend besorgten Bürger spüren es, sie suchen Hilfe, fordern Gespräche, wahre Informationen – und: Sie müssen verzweifeln. Denn so gut wie nie werden ihnen verständliche Antworten in den Massenmedien gegeben.

Spätestens seit der Ukraine-Russland-Berichterstattung sind nun auch die Vorletzten aufgewacht. Sie spüren immer drängender: Halt, hier stimmt etwas nicht. Die öffentliche Berichterstattung weicht zunehmend ab von der eigenen Einschätzung der Menschen. Nehmen wir als Beispiel die lange Tradition der Deutschen mit Russland, man kann es Freundschaft nennen. Schon Otto von Bismarck warnte uns, niemals Krieg mit den Russen anzufangen, sondern für Frieden zu sorgen. Sehen wir uns den entsetzlichen Bürgerkrieg in der Ukraine an, betrachten wir außerdem die stringenten Ziele der US-Regierung, die Nato nun auch dort zu positionieren, so brauchen wir nicht einmal Weitblick, um den bevorstehenden Krieg in Europa erkennen zu können.

So wurde der Medienkonsument letzte Woche aufgeschreckt durch ein wohlplatziertes Stück in der „FAZ“, wo sich der ukrainische Präsident Petro Poroschenko auf einer halben Seite über den „russischen Aggressor und seinen Hybridkrieg“, einen angeblichen „Ethnozid“ an den Krimtataren, die euro-atlantische Integration und die Unbesiegbarkeit der Ukraine auslassen dufte. Dass all dies in dieselbe Zeit fällt wie der Beginn der neuen Militäroffensive Kiews, dass auch die „FAZ“-Redakteure in vorauseilendem Gehorsam die Aussagen Poroschenkos veröffentlichten, lässt das russische Magazin „Russia Today“ zu recht besorgt fragen: Hat sich Poroschenko in die „FAZ“ eingekauft?

Anderes Beispiel: Derzeit werden die letzten schlafenden Bürger geweckt: durch Pegida und Anti-Pegida. Da ist etwas faul im Staate, das spüren nun auch die Bequemsten vor ihrem flimmernd-bunten Fernseher. Und auch, wenn die Nachrichten ihnen noch soufflieren wollen: Alles im Lot auf’m Boot, das sind alles Nazis, die müssen weg, so ahnen sie doch langsam, dass dies einfach nicht mehr ganz der Wahrheit entsprechen kann.

Kürzlich musste übrigens die Schweizer „Tagesschau“ abgebrochen werden: Der Moderatorin war beim Nachrichtenvorlesen schlecht geworden. Ist das noch ein Wunder? Manchmal muss erst der Körper reagieren, bevor der Geist begreift: Der Medienkahn säuft ab! Rette sich, wer kann.

von Eva Herman

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Wahrlook
Wahrlook
03/02/2015 12:22

Schöne Worte, und richtig, aber unter 5 Millionen die auf die Straße gehen und das täglich, passiert in Deutschland nichts mehr, von den vielen die dabei mal so eben in’s Loch gesteckt werden müßten ganz abgesehen.

Die Leute haben Angst davor, vor dem was wirklich Sache ist und das ist Krieg der gegen das deutsche Volk seit Jahren läuft, ob wir hingehen oder nicht, es ist unsere Vernichtung.

Wacht auf wacht auf, wo immer ihr auch seid.

nwhannover
02/02/2015 23:06

Zitat:“dass jedermann im Internet die Informationen kostenlos erhalten kann“
Wie lange noch? Überall fummeln die doch schon rum. Hier sollten wir uns was einfallen lassen, da gibt es hier doch sicherlich einige die Fit sind in Ausweichmöglichkeiten….denn je enger es für die anderen wird, so werden die sich was einfallen lassen.

Eric der Wikinger
02/02/2015 21:26

Hat dies auf Grüsst mir die Sonne… rebloggt.

Wolfhilta
01/02/2015 09:30

Hat dies auf wolfhilta rebloggt.

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[…] Quelle: Deutsche Lobby […]

haunebu7
01/02/2015 08:55

Hat dies auf Haunebu7's Blog rebloggt.

Arkturus
01/02/2015 08:46

Hat dies auf Oberhessische Nachrichten rebloggt.

lothar harold schulte
01/02/2015 08:41

Hat dies auf lotharhschulte rebloggt.

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