Die Bürgerbewegungen, die sich um und aus der Dresdener Pegida-Gruppe gebildet haben, scheinen zu zerfasern. Politik und Medien nehmen dies mit sichtlicher Erleichterung auf: Die sind wir wohl los.

Wirklich? Kaum: Die Erleichterten unterliegen einer mehrfachen (Selbst-)Täuschung. Zunächst einmal war Pegida nicht das Problem, sondern bloß ein Symptom, das nun abzuschwellen scheint. Auch verniedlichen die (bis auf Dresden) überschaubaren Teilnehmerzahlen die tatsächliche Unterstützung der Bewegung im Volk.

Denn: Die bürgerlichen Kreise, welche die „Gida“-Bewegungen wesentlich tragen, sind deutlich weniger geneigt, auf Demonstrationen zu gehen, als die politische Linke. Daher ist davon auszugehen, dass hinter jedem bürgerlichen Demonstranten eine hohe Zahl stiller Sympathisanten steht, die sich nur nicht haben überwinden können, auf die Straße zu gehen. Auch waren die oft hasserfüllten Gegenveranstaltungen nicht selten dermaßen gewalttätig, dass sich viele Bürger einfach nicht zu den angegriffenen Demonstrationen getraut haben.

Schließlich entfachten Politik, Medien, Kirchen und alle anderen mächtigen Instanzen eine nie dagewesene Kampagne, die weitere Unterstützer der Bürgerproteste zwar abgeschreckt, aber gewiss nicht überzeugt haben. Vielmehr dürfte die Kampagne deren Entfremdung von der politischen „Elite“ des Landes nur noch vertieft haben.

An Anlässen für ein Wiederaufflammen der Bürgerbewegung wird kein Mangel sein. Dann könnte Deutschland eine „Pegida hoch drei“ erleben.

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von Hans Heckel   Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 06/15 vom 07.02.2015
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