Moment mal!

KLAUS RAINER RÖHL

von Klaus Rainer Röhl

Am 18. Januar wurde eine Pegida-Kundgebung in Dresden verboten, weil „die Gefahr“ eines „Anschlags auf die Anmelderin“ bestand. Von wem die Drohung ausging, wurde nicht verschwiegen: von islamischen Terroristen. Es gibt sie also, und die Staatsschutzbehörden haben sie im Visier. Die Hauptbeschäftigung dieser Islamisten besteht darin, Geld, Waffen und Menschen für den Kampf für den „Islamischen Staat“ in Syrien und im Irak zu rekrutieren. Aber ganz nebenbei könnten sie ihre in Ausbildungslagern und, soweit möglich, auf realen Kriegsschauplätzen im Nahen Osten erworbenen Fähigkeiten zu schießen und Sprengstoff-Attentate zu verüben, auch mal gegen Kritiker in Europa anwenden.

Wie die Ermordung fast einer ganzen Redaktion von Satirikern in Paris gezeigt hat. Begründung: Die Zeichner hätten den Propheten Mohammed beleidigt. Sie wurden zum Tode verurteilt und das Urteil wurde ohne Federlesen sofort vollstreckt. Mit 1000 Peitschenhieben einen Ketzer schrittweise zu Tode foltern wie ihre Glaubensbrüder in Saudi-Arabien, damit halten sich die Schnellrichter des Terrors in Europa nicht auf. Tod ist Tod, und der soll abschrecken, Angst machen und die Europäer reif zur Unterwerfung.

Chinas oberster Kommunisten-Chef Mao-Tsetung, der auch für seine Massenmorde noch lehrreiche Begründungen suchte, fand den passenden Spruch dafür: „Bestrafe einen, erziehe hundert.“ Als „terreur“ und schließlich „grande terreur“ von der Französischen Revolution erprobt.

Angst als Herrschaftsmittel.

Mehr Angst als Vaterslandsliebe zeigte in dieser Woche das Kölner Faschingskomitee, indem es freiwillig einen der sogenannten „Motivwagen“ von dem geplanten Karnevalszug ausschloss.

Einen Wagen mit diesen traditionell groben, aus Pappmaché zusammengebastelten und in grellen Farben bemalten Figurengruppen, wie sie zum großen Karnevalsumzug durch Köln fahren. Bei diesem Karnevalszug, der in ähnlicher Form auch in Mainz und in Düsseldorf stattfindet und durch pausenlose Direktübertragungen alljährlich in allen deutschen, Schweizer und österreichischen Wohnzimmern über den Fernsehschirm flimmert, werden die vielen Witzfiguren, die meist nicht sonderlich originell sind, vor allem mit Beifall bedacht, wenn sie besonders grobe erotische oder fäkal-derbe Anspielungen auf Prominente zeigen. Beispiel: Angela Merkel als säugende Muttersau mit vielen Zitzen, nichts ist da tabu – es ist ja alles „jeck“, das heißt verrückt, aber eben auch nur zur Karnevalszeit. Das war immer so.

Bis heute….

Auf einem dieser Wagen sollte nun, der aktuellen Situation nachempfunden, ein schwarz vermummter, blöde grinsender, mit Sprengkapseln umgürteter und seine Kalaschnikow schwenkender Terrorist zusammenstoßen mit einem blonden, rotnasigen Karnevalisten. Der steht vor einem Motiv-Wagen, auf dem vorne eine Friedenstaube mit einem Bleistift im Schnabel zu sehen ist und hinten ein Kasten mit der Aufschrift „Meinungsfreiheit!“ und „Pressefreiheit“. Der blonde Kölner rammt dem Schwarzvermummten einen armdicken Buntstift direkt in die Mündung seiner Kalaschnikow. Und unten auf dem Wagen steht auch die millionenfach verbreitete Solidaritäts-Bekundung „Ich bin Charlie“.

Dieser Entwurf für einen Motivwagen, der im Vergleich mit den vor Jahren in Dänemark und den kürzlich in „Charlie Hebdo“ veröffentlichten Karikaturen sehr gemäßigt daherkam, hatte sich bei einer Abstimmung unter den Karnevalsvereinen auf Facebook mit großer Mehrheit durchgesetzt.

Das Kölner Karnevals-Komitee entfernte den Wagen trotzdem aus dem Programm. Man nehme die Sorgen der „BürgerInnen“ ernst, so die Begründung.

„Wo fängt sie an“, fragte die linke „taz“, „wann geben wir uns geschlagen, vor der stärksten Waffe, die die Terroristen haben, der Angst?“ Gut, was die „taz“, für Geld, da schreibt.

Was sie, umsonst, verschweigt, ist, dass es sich hierbei nicht um „die Terroristen“ und irgendwelche Drohungen, sondern ganz konkret um islamische Gewalt handelt, vor der die Kölner Narren eingeknickt sind.

Die Narren werden zu Angsthasen, und das ist gar nicht mehr zum Lachen. Und wenn wir aus Angst und im vorauseilenden Gehorsam vor dem Terror der Gotteskrieger bereit sind, die Meinungsfreiheit aufzugeben, werden die Terroristen das als Schwäche auslegen und in der Folge – bei immer geringeren Anlässen – mit brutaler Gewalt reagieren.

Merke: Der Terror geht immer nur so weit, wie man es zulässt.

Während der islamische Terror in Syrien und im Irak bereits einen eigenen Staat mit einer eigenen Killertruppe unterhält, öffentlich Todesurteile vollstreckt und der gleiche Irrwahn in Nigeria unter dem Namen Boko Haram täglich hunderte Mitmenschen ermordet, gibt es bei uns in Deutschland Leute, die Islamisten-Kritiker diffamieren, ob es sich nun um die Pegida-Demonstranten handelte oder um eine Partei wie die AfD, der bei ihrem Parteitag ein breites Bündnis von ungezieltem Hass entgegenschlug.

Ein Hass, der manchmal auch in den seriösen Zeitungen wie der „Frankfurter Allgemeinen“ unkontrolliert ausbricht. Stets richtet er sich gegen „die da“. Ja, sogar dem SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel wird von seiner Generalsekretärin, deren Vater einst vor dem Terrorregime der Mullahs im Iran geflohen ist, vorgeworfen, wie er sich nur mit denen da, mit „solchen Leuten“ treffen könne.

In den ersten Wochen der Dresdner Demonstrationen versuchte man zu streuen, die Anführer oder Organisatoren von Pegida seien ganz einfach Nazis.  Rechtsextreme? Da man leicht erkennen konnte, aber auch nicht gern wahrhaben wollte, dass bei den Pegida-Demonstrationen nicht 20000 „Nazis“ auf die Straße gegangen waren, erfand man eine neue anonyme Feindgruppe: Die da. Bei „denen da“ hieß es, dürfe man nicht „mitlaufen“, obwohl man die Sorgen und Ängste der Teilnehmer ja verstehen wolle. Ängste um den Arbeitsplatz womöglich.

Die Demonstranten aber waren, ausweislich hunderter missglückter Versuche linker Fernsehteams, das Gegenteil zu beweisen, normale Bürger, die einem ordentlichen Beruf nachgingen, der ihnen auch keineswegs gefährdet erschien.

Gefährdet erschien ihnen jedoch unsere schöne und liebenswerte Heimat. Deutschland.

Deshalb nannten sie sich Patrioten. Patriotismus, Liebe zu seinem Land, ist heute überall in Europa eine Selbstverständlichkeit, von England bis Spanien, wie im neuen Griechenland des Alexis Tsipras. In den Augen deutscher Autonomer und Linker aber sind Patrioten ganz einfach „Nazis“.

Vor denen man mehr Angst haben müsse als vor dem Terror der Dschihadisten. Auch hier Angst als Waffe. Aber die Waffe Stumpfsinn bockt. Es ist eine neue Generation herangewachsen, die sie mit den alten Phrasen nicht mehr erreichen.

Trotz fast schon obligatorischer Fernseh-Präsenz des ewig grinsenden DDR-Anwalts Gregor Gysi.

Den holen die 68er Fernsehmacher immer noch in fast jede zweite Politsendung.

Aber die Jungen haben den Kasten längst abgeschaltet und surfen im Netz. Und Gysi grinst weiter in die Kameras. Aber er grinst ins Leere.

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  Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 06/15 vom 07.02.2015
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