Wie gefährdet sind Juden in Berlin? Über diese brisante Frage sind der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und die Integrationssenatorin Dilek Kolat in heftigen Streit geraten.

Sie ringen vor allem um die Frage, ob es für äußerlich erkennbare Juden in Berlin und anderswo „No go Areas“ gibt oder nicht, Gegenden also, die sie nicht gefahrlos betreten können, ohne antijüdische Attacken zu ris­kieren. Schuster hatte jüngst Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) davor gewarnt, sich in sogenannten „Problemvierteln mit einem hohen muslimischen Anteil“ als Jude zu erkennen zu geben.

Vor Wochen ließ sich Schuster noch anders vernehmen. Anlässlich der Bürgerbewegung Pegida waren er und andere führende jüdische Funktionäre auf der Seite der Kritiker zu finden. Damals erklärte Schuster, die Angst vor islamistischem Terror werde „instrumentalisiert“, um eine ganze Religion zu verunglimpfen. Das sei „absolut inakzeptabel“.

Bereits im vergangenen Sommer mehrten sich dem gegenüber Berichte über heftige antijüdische Ausfälle von Seiten muslimischer Hauptstadtbewohner, nicht etwa von deutschen Rechtsextremisten. Tätliche Übergriffe, aber vor allem verbale Attacken („Du bist tot!“) nahmen an Schärfe und Häufigkeit deutlich zu.

Senatorin Dilek Kolat – 1967 in der Türkei geboren – sieht das Problem dessen ungeachtet woanders. „Rechtsradikale“ seien als Täter zu suchen: „Das Problem lässt sich nicht auf Muslime fokussieren“, so Kolat.

Hans Lody  Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 11/15 vom 14.03.2015
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