es gibt einige Bücher mit dem Titel „Das jüdische Jahrhundert“…deshalb darauf achten, dass es der „richtige“ Autor ist: Yuri Slezkine

Mit »Das jüdische Jahrhundert« hat Yuri Slezkine ein Meisterwerk der historischen Essayistik vorgelegt. Er verbindet historische und anthropologische Ansätze, indem er die Frage nach dem Verhältnis von Judentum und Moderne universalisiert. Dabei bezeichnet er den Habitus jüdischer Lebenswelten als »merkurianisch«, den der agrarischen Bevölkerung als »apollonisch«. Im Zuge der Moderne, so Slezkine, verwandelten sich immer mehr Menschen in Merkurianer, sie werden gleichsam zu »Juden«. Von diesen Fragestellungen und Metaphorisierungen der Soziologie um 1900 ausgehend zeigt das Buch die Alternativen auf, die den Juden um diese Zeit offen standen. Dabei rückt das revolutionäre Russland in den Mittelpunkt der Analyse. Die große Leistung Slezkines ist es, in einer sowohl nüchternen als auch ironischen Weise die Präsenz von Juden in den zentralen Bereichen des Sowjetregimes zu erklären. Er verweist auf die Attribute ihrer Modernität, ohne dem antisemitischen Diskurs über Juden und Bolschewismus zu folgen. Sozial-, Mentalitäts- und Literaturgeschichte verbindend gelingt es Slezkine, die paradigmatische jüdische Erfahrung im 20. Jahrhundert provokant und spannend nachzuzeichnen.

Das jüdische Jahrhundert

Slezkine betrachtet nur drei seiner merkurianisch dominierten Länder und arbeitet heraus, dass diese Dominanz mit der Sowjetunion und Israel zwei nicht so ganz zufrieden stellende Experimente geschaffen hat, deren Versuchskaninchen mit Tod, Entrechtung und Vertreibung bezahlen mussten.

Nur das amerikanische Experiment scheint Slezkine geglückt und kurz stellt er dar, wie die heutige amerikanische Politik von seinen Merkurianern beherrscht wird. Ist diese Herrschaft über die Amerikaner wirklich geglückt?

Seit der erste Roosevelt die Macht übernahm, wurde die Splendid Isolation aufgegeben, wurden die Völker in Europa und im Nahen Osten und nicht nur dort gegen einander getrieben und die Weltmacht in vielen Kriegen errungen. So wurden den Amerikanern viele unnötige Feinde in Ländern geschaffen, die sie in der Mehrzahl nicht mal auf der Karte finden würden und dieser unglückselige Prozess hält weiter an.

Was wird passieren, wenn die Amerikaner merken, wie sie instrumentalisiert werden? Ein Desaster wie in der ausgeklammerten Weimarer Republik? In Polen, Litauen oder Weissrussland?

In seiner Freude über den errungen Reichtum und Wohlstand in den Vereinigten Staaten, übersieht Slezkine, dessen Spezialgebiet als Historiker die Revolutionärinnen der Sowjetunion sind, dass Völker sich ungern dominieren lassen.
Voller Begeisterung hält er die Situation in Amerika für anders, weil es hier anders als in Israel und Russland keine Eingeborenen (mehr) gibt, die sich an der von ihm beschrieben Vormachtstellung stören könnten.

Da hat er recht. Die Eingeborenen sind ausgerottet.

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Senatssekretär FREISTAAT DANZIG

Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:
Glück, Auf, meine Heimat!

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