Notwehr Eine Frau in Todesangst: Einbrecher sind in ihr Haus eingedrungen. Der Griff zur Waffe scheint die letzte Möglichkeit zu sein, die Situation heil zu überstehen

Eine lebensbedrohliche Notwehrsituation? Der Blick auf drei aufsehenerregende Fälle

Rasant steigende Einbruchszahlen verunsichern Deutschlands Bürger. Wer sich allerdings mit der Waffe in der Hand gegen die Kriminellen wehrt, findet sich schnell als Täter vor Gericht wieder. Das machen gerade in letzter Zeit aufsehenerregende Fälle deutlich.

Kaum mag man sich den Schrecken dieses Abends vorstellen. Da sind die beiden Fremden, die vor der Haustür lauern. Da ist der grässliche Moment, in dem sie beginnen die Tür einzutreten. Nebenan liegt der hilflose Vater im Bett. Und dann ist da das Gefühl der Waffe in der eigenen Hand. Der Zeigefinger krümmt sich, ein Schuss peitscht. Mit grenzenloser Erleichterung sieht man die Eindringlinge fliehen, einer scheint getroffen. Später dann die Erkenntnis, dass man einen Menschen getötet hat.

Im Hamburger Stadtteil Jenfeld ist es passiert. Der 63-jährige Rentner Dieter B., der mit seinem demenzkranken Vater allein in einem Einfamilienhaus lebt, erschießt einen 25-jährigen nigerianischen Einbrecher. Moustapha A. ist ein polizeibekannter Intensivtäter. Er und sein Komplize hatten vorher bereits einmal an der Tür von Dieter B. geklingelt und nach einem angeblichen Krankenwagen-Einsatz gefragt. Wahrscheinlich taten sie es, um Haus und Bewohner auszuspionieren.

15 Minuten später sind sie wieder da und klingeln noch einmal. Aber Dieter B. ist misstrauisch geworden. Er ist Sportschütze und Mitglied in einem Schützenverein. Jetzt hat er eine tschechische Pistole 24, Kaliber 9 Millimeter, dabei. Sie steckt in seiner Gesäßtasche. Außerdem legt er einen Riegel vor, als er die Tür öffnet. Davon aber lassen sich die beiden Männer nicht aufhalten. Sie beginnen die Tür einzutreten. Dieter B. schießt. Die Täter flüchten, 200 Meter weiter bricht Moustapha A. zusammen und stirbt. Die Kugel hatte sein Herz getroffen. Später zeigt sich, dass Dieter B. für die Tatwaffe keine Genehmigung besitzt. Er wird sich wegen unerlaubten Waffenbesitzes verantworten müssen. Wegen der Tatumstände wird die Strafe vermutlich milde ausfallen, sagt ein Anwalt voraus.

Was an jenem Abend kurz vor 23 Uhr in Hamburg geschieht, ist der bislang letzte Fall einer Reihe aufsehenerregender Fälle, in denen sich Hausbewohner gegen Einbrecher zur Wehr setzten. Nicht alle lassen sich so eindeutig dem Bereich Notwehr zuordnen. Ende letzten Jahres wurde der Rentner Ernst B. aus Sittensen bei Hamburg wegen Totschlags verurteilt. Er hatte im Dezember 2010 Labinot S. (16) erschossen. Der Kosovo-Albaner war mit vier anderen Kumpanen, einem Kongolesen, einem kurdischstämmigen Iraker und zwei Deutschtürken, in sein Haus eingedrungen. Unter anderem würgten sie den damals 77-Jährigen mit einem Schal. Als sie die Alarmanlage seines Safes auslösten, wollten sie fliehen. In diesem Moment gelangte ihr Opfer an seine Waffe. Der passionierte Jäger schoss – allerdings aufs falsche Körperteil: „Ein gezielter Schuss auf Arme oder Beine wäre ausreichend gewesen“, hielt ihm der Richter später vor. Als Jäger hätte er wissen müssen, dass er nicht auf den Oberkörper zielen dürfe. Ernst B. erhielt eine Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung.

Offen ist dagegen der Ausgang eines Falles, der sich erst vor wenigen Tagen in Hannover ereignete. Als ein 18-jähriger Osteuropäer zusammen mit zwei anderen versucht, eine Autowerkstatt aufzubrechen, greift dessen Besitzer zur Waffe. Der 40-jährige Familienvater – er ist wie Dieter B. Mitglied in einem Sportschützenverein – schießt und trifft. Auch eine Notoperation kann den Schwerstverletzten nicht mehr retten. Der Rechtsanwalt des Werkstattbesitzers spricht von Notwehr. Das Amtsgericht in Hannover erlässt dennoch Haftbefehl wegen Verdachts auf Totschlag.

Eine Nachbarin schüttelt darüber nur den Kopf und beschreibt den Wekstattbesitzer als „freundlich, hilfsbereit und besonnen“. Sie fügt hinzu: „Mir tut es furchtbar leid, dass er in so eine Situation gekommen ist.“

Frank Horns paz2015-27.

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haunebu7
07/07/2015 15:18

Hat dies auf Haunebu7's Blog rebloggt.

MURAT O.
07/07/2015 13:25

Hat dies auf NeueDeutscheMark2015 rebloggt.

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