Besonders Bürger, die vor 2015 in Rente gingen, trifft es hart

Die seit Juli 2014 geltende sogenannte Mütterrente bleibt nicht nur auf geringem Niveau, Rentner müssen die nicht als eigene Rentenart gewertete Zahlung in höherem Umfang versteuern, als den meisten bewusst ist. Der Bund der Steuerzahler fordert vom Bundesfinanzministerium Aufklärung. schäuble xx

Rentenberechnung ist eine komplexe Sache. Die von der Politik letzten Sommer beschlossene Mütterrente macht die Materie komplizierter: Mütter oder Väter, deren Kinder vor 1992 geboren sind, erhalten für die Erziehung jedes Kindes seit Anfang Juli 2014 einen zusätzlichen Entgeltpunkt in ihrer Rentenberechnung. Eine entsprechende Rentenerhöhung ist die Folge, die Mütterrente. Da eine Anrechnung anderer sozialer Leistungen erfolgt, bleibt die Erhöhung für kleine Renten oft nur geringfügig oder fällt aus (siehe PAZ 26/15). Dass auch ein nachträglicher Abzug durch die Steuer droht, ahnen viele Rentner nicht.

Lange vor der Mütterrente hat der Gesetzgeber 2005 Alt- und Neurenten zu mindestens 50 Prozent steuerpflichtig gemacht. Eine Staffelung bis zur hundertprozentigen nachgelagerten Besteuerung der Renten bei Rentenantritt 2040 ist vorgesehen. Die Verwaltung rechnet jetzt bei der Mütterrente so, als wäre diese schon mit Rentenantritt bezogen worden. Wer vor 2014 in Rente ging, hat somit Probleme, die Rechnung zu durchschauen. Die Politik hat der Verwaltung ein ebenso aufwändiges wie erklärungsbedürftiges System vorgeschrieben.

Vergangenen November sah es so aus, als hätte die Finanzverwaltung ein Einsehen: Aus Schleswig-Holstein erging die Weisung (Finanzministerium Schleswig-Holstein, Erlass vom 10. No­vem­ber 2014, VI 307 – S 2255 – 152), dass die Rentenerhöhung durch die Mütterrente keine regelmäßige Rentenanpassung sei. Es handele sich um eine außerordentliche Neufestsetzung des Jahresbetrags der Rente. Das heißt, der steuerfreie Rentenanteil der Gesamtrente steigt mit der Mütterrente. Die scheinbar gute Nachricht hat bei genauer Betrachtung einen Haken: Ein Teil der Mütterrente unterliegt sehr wohl der Besteuerung, auch wenn der steuerfreie Teil der Rente insgesamt neu berechnet wird. Wie hoch der steuerfreie Anteil ist, hängt vom Jahr des Rentenbeginns ab.

Der steuerfreie Anteil bezieht sich demnach nicht auf die im Jahr 2014 ausgezahlte Mütterrente, sondern wird auf das Jahr des Rentenbeginns zurückgerechnet. „Dies wird den Senioren jedoch nicht erklärt“, kritisiert der Bund der Steuerzahler. Besonders vor 2005 Verrentete haben demnach mit einem hohen steuerpflichtigen Rentenanpassungsbetrag zu rechnen. Im Einzelfall könnte es dank Mütterrente sogar dazu kommen, dass Rentner höhere Steuern zahlen müssten oder erstmals überhaupt dem Finanzamt etwas schuldig seien. Im Steuerbescheid ist der Zusammenhang nicht unbedingt nachvollziehbar. Das solle Finanzminister Wolfgang Schäub­le ändern, fordert der Bund der Steuerzahler.

Sverre Gutschmidt paz2015-27

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MURAT O.
07/07/2015 13:15

Hat dies auf NeueDeutscheMark2015 rebloggt.

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