Demokratischer Untergang

In Seenot kam im Bodensee im Sturm das Dampfschiff „Liberté“

Der Kapitän in großem Eilen hub an, Befehle zu erteilen.

Da rief der Steuermann emphatisch: „Mein Herr, das ist nicht demokratisch!“

Der Kapitän, auf diesen Ton, bat alles Volk in den Salon,

wobei das Schiff schon ziemlich schief und schlingernd durch die Wellen lief.

„Verehrte Passagiere“, rief er, „der Kahn liegt schief und immer schiefer

und sackt bald zu den Fischen ab, wählt, Leute, einen Krisenstab!“

Man wählte in geheimer Wahl die Männer, sieben an der Zahl,

doch gab es alsbald ein Geschrei: „Es ist ja keine Frau dabei!

Man sei doch wohl emanzipiert!“ Es ward darauf die Wahl kassiert,

wobei das Schiff bedenklich schief und schlingernd durch die Wellen lief.

Die Stimmen wurden dann gezählt und ein neuer Krisenstab gewählt.

Desgleichen auch, nach viel Beschwer‘, ein Präsident und ein Sekretär,

ein Kassierer dann zuletzt, auch ward ein Beitrag festgesetzt.

Dann schuf man zum bestimmten Zweck den Unterausschuß „Leck am Heck“.

Derweilen stieg der Wassersaum, bedenklich im Maschinenraum.

Es folgte nun im ernsten Ton alsbald die erste Motion,

die dann, nachdem man lang verhandelt, zum Initiativantrag ward umgewandelt…

Da rief der Chef: „Oh, Leck am Heck!“

und alsbald soff der Dampfer weg. Ein einziger ward aufgefischt:

Der, der dies Lied Euch aufgetischt!

von einem unbekannten Schweizer Dichter aus den 70er Jahren, zeitgemäß etwas umgedichtet von Kuno Haberkern

Mit freundlichen Grüßen

Jan Lüttich

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MURAT O.
03/10/2015 13:11

Hat dies auf MURAT O. rebloggt.

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