Janne Jörg Kipp

Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Instituts, stand Pate für die Analyse eines großen Finanzmagazins. Die Erkenntnis ist nicht neu, aber alarmierend. Auch der Mainstream meint: »Wir werden alle ärmer!« Die Analyse stimmt. Die Massenmedien eröffnen die spannende Wintersaison mit einigen Eingeständnissen. Vor Tagen brachte die Welt am Sonntag einen Beitrag, in dem das ökonomische Desaster relativ schonungslos beschrieben wurde. Die Staatsschulden sind faktisch in den meisten Ländern viel zu hoch. Einige Staaten stehen schlicht vor der Pleite.

 

Ein großes Finanzmagazin ließ gar Prof. Hans-Werner Sinn sehr ausführlich zu Wort kommen. Und der postuliert klar: »Alle werden Ärmer werden.« Wie wahr, wie wahr. Mit Steuergeldern, so zeigt sich, ist die Krise nicht mehr zu lösen. Deutschland hat jetzt schon mehr als 70 Prozent Schulden bezogen auf das eigene Bruttoinlandsprodukt. Griechenland, Irland, Italien oder Portugal, für die Deutschland maßgeblich mithaftet.

Die GIIPs, wie dieser Staatenverbund auch heißt, haben zusammen eine Billion Euro Außenschulden. Auch Spanien bringt nochmal eine Billion Euro auf die Waage. Zusammen haben Spanien und die GIIPs sage und schreibe zwölf Billionen Euro Staats- und Bankenschulden.

Sinn wiederum fragt zurecht: »Wer soll das bezahlen?« Rechnen wir mal kurz mit: Wenn zum Beispiel lediglich zehn Prozent ausfallen, sind dies 1,2 Billionen Euro.

Das kann kein Staat oder Staatenverbund mit Steuergeldern finanzieren. Jedenfalls nicht bei den aktuellen Geldwerten.

Deshalb sind Sie und ich in anderer Form mit dran. Die Sozialversicherungskassen stehen parat, wenn der Staat zahlen muss. Dies sind Rentenversicherungen, Krankenversicherungen und die Pflegeversicherung, für die wir alle zahlen, wenn es zu einem Crash kommt. Und das ist noch nicht einmal so unwahrscheinlich. Die südlichen Staaten werden ihre Verbindlichkeiten nicht mehr zahlen müssen. Sinn sagt: »Das Geld ist weg«.

Sollten die oben genannten Krisenländer sowie Zypern insgesamt pleitegehen, summiert sich der Verlust allein in Deutschland auf 533 Milliarden Euro. Das ist eine Größenordnung, die Sie auch in meinem neuen Buch Die große Enteignung nachlesen können.

Die Zahlen, die ich dabei verwendet habe, stammen noch nicht einmal von Prof. Hans-Werner Sinn. Das ist also keine Schwarzmalerei mehr, sondern von mehreren Seiten bestätigt. Rechnen wir noch einmal weiter: 533 Milliarden würden bedeuten, dass gut 30 Millionen Haushalte jeweils etwa 20 000 Euro tragen müssen. Das ist Ihr Risiko.

Weitere Risiken

Sie müssen auch nach den neuesten Zahlen von Prof. Hans-Werner Sinn damit rechnen, dass der Staat oder seine Institutionen irgendwann zuschlagen werden. Es fängt damit an, dass beispielsweise die Staatsanleihen nicht mehr zurückgezahlt werden. Der berühmte Schuldenschnitt. Prof. Sinn sagt jetzt: »Bislang haben viele Schuldnerstaaten ihre Kredite nur deshalb bedienen können, weil sie neue Kredite bekamen, mit denen sie die alten ablösen konnten«. Das wird in einigen Jahren nicht mehr der Fall sein. Schuldenschnitte und die Baby-Boomerjahre werden diese Phase beenden.

Die heute 50-Jährigen sind in einigen Jahren selbst in der Rentenphase und werden den Nachschub auf dem Finanzmarkt damit beenden. Rentner werden verarmen, jüngere Zahler werden dann die immer größere Zahlungslast tragen müssen.

Wer glaubt, dass die Flüchtlinge dieses Problem lösen können, irrt. Und wieder liefert diese Studie einige Zahlen. So ist die Beschäftigungsquote der Flüchtlinge in der Vergangenheit alarmierend niedrig. 15 Jahre nach der Zuflucht sind erst 70 Prozent beschäftigt.

Nach fünf Jahren bislang nur 50 Prozent. Die Arbeitslosenquote ist doppelt so hoch wie bei Einheimischen. Der Anteil der Analphabeten liegt bei mehr als 15 Prozent, in Deutschland hingegen ist die Rate etwa zehnmal so niedrig.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet aktuell damit, dass die Flüchtlingswelle sogar einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in Höhe von 0,2 Prozent-Punkte bringen wird. Schließlich gibt der Staat ja mehr aus und die Flüchtlinge selbst könnten mehr konsumieren. Das ist in der Summe natürlich vorsichtig formuliert falsch, denn das Geld zahlt der Staat ja nicht von seinem Bankkonto aus. Hier werden Steuern erhöht, Abgaben und Gebühren. Und der Staat wird weiter Geld drucken. Dies wiederum wird Ihr Vermögen entwerten. Dass damit die Wirtschaftskraft steigt, ist absolute Schönrechnerei.

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) beispielsweise hat errechnet, dass nach Berücksichtigung aller Zahlen und Zahlungen jeder hier lebende Ausländer ein langfristiges Staatsdefizit von 79 000 Euro begründet. Das Defizit bei den deutschen Bürgern beträgt 3100 Euro. Die Forscher unterstellen zudem, dass die sogenannte zweite Generation noch mit einem Minus von 44 100 Euro zu Buche schlägt.

Dies ist weder ein Plädoyer für noch gegen die derzeitige Flüchtlingspolitik. Offensichtlich aber werden wir alle ärmer. Genauso, wie es Prof. Hans-Werner Sinn zeigt und sagt. In meinem Buch Die große Enteignung gehe ich einen Schritt weiter, indem ich nicht nur diese Fakten aufführe, sondern weitere Stellschrauben dafür anführe. Besonders viel Aufmerksamkeit von diesen Faktoren erhält bei uns derzeit TTIP.

Hunderttausende gehen auf die Straße. Die Regierung macht einfach weiter, als sei nichts geschehen oder beschimpft das tobende Volk.

Umso wichtiger ist es, dass Sie eine gut durchdachte Gegenstrategie entwickeln. Ich habe es versucht.

——————————

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/wirtschaft-und-finanzen/janne-joerg-kipp/-wir-werden-alle-aermer-hilferuf-eines-professors.html

NEWSLETTER
Translate »