Die Empörung war groß, das ZDF berichtete ausführlich in den Abendnachrichten und der NDR gleich mehrfach mit Filmbeiträgen. Der 18-jährige Schweriner Kreisvorstand der Linken, Julian Kinzel, sei am 4. Januar von drei Rechtsradikalen mit 17 Messerstichen niedergestochen und dabei als »schwule Kommunistensau« beleidigt worden.

 

Nach einer gerichtsmedizinischen Untersuchung und einer Rekonstruktion der angeblichen Tat nun die peinliche Wende. Der Politiker der Linken soll sich die Verletzungen selbst zugefügt haben, der gesamte Vorgang wäre damit eine erfundene Story. Die Staatsanwaltschaft hat gegen Kinzel ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Vortäuschung einer Straftat eingeleitet.

Jetzt schreiben die Medien, wenn sie überhaupt über die Wendung berichten, dass »die Geschichte von Anfang an Ungereimtheiten aufwies«.

Bei der anfänglichen Verbreitung der Nachricht war dagegen von diesen Zweifeln keinerlei Rede. Es schien wie so oft, jede Redaktion übernimmt ungeprüft die erste Meldung und verbreitet sie weiter. Eigene Nachfragen und gar überprüfende Recherchen blieben aus.

Dabei strotzten die Fakten geradezu nach einer Inszenierung: 17 Messerstiche, aber keinerlei ernsthafte Verletzung. Die Anzeige hat der Linken-Politiker erst einen Tag später gestellt und dann auch nicht bei der Polizei direkt, sondern über ein Onlineformular. Am angeblichen Tattag Montag ging weder ein Notruf bei der Polizei, noch einer bei der Rettungsstelle ein. Auch seinen angeblich zerschnittenen Mantel konnte der Politiker nicht vorlegen, dieser sei ihm kurz nach dem Vorfall gestohlen worden.

Julian Kinzel ließ seine Wunden im Krankenhaus behandeln und tauchte danach unter, er war weder für Parteikollegen noch für die Polizei erreichbar. Die gerichtsmedizinischen Untersuchungen sind hingegen eindeutig, die Polizei Rostock hat sie in einer Mitteilung veröffentlicht. Darin heißt es, dass die »Art der Verletzungen nicht mit dem behaupteten Verlauf des Überfalls in Übereinstimmung zu bringen sind«.

Vielmehr sei es »hinreichend wahrscheinlich«, dass sich der Linken-Politiker die Verletzungen selbst beigefügt hat.

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