Schrille Sirenen: Prominente Wirtschaftsgrößen sehen einen totalen Crash im Steilanflug 2

Markus Gärtner

Es soll niemand sagen, er sei diesmal nicht gewarnt worden. Die Weltbank streicht drastisch ihre Wachstumsprognose zusammen. Goldman Sachs warnt vor »Verzweiflung« an den Finanzmärkten. Ex-Notenbanker Alan Greenspan sieht ein »Desaster« heraufziehen. Einer der meistrespektierten Volkswirte in Nordamerika, David Rosenberg, hält die Rezessionssignale in den USA für »sehr beunruhigend«.

 

In Deutschland brechen die Bestellungen der Exportwirtschaft ein, in den USA der Konsum. Japans Regierung muss die bereits beschlossene Anhebung der Umsatzsteuer um drei Jahre verschieben, weil die Wirtschaft so schwach ist. George Soros startet große Wetten auf einen Zusammenbruch der Märkte. Bei der Deutschen Bank sieht man die EZB im Verzweiflungsmodus. Und erfahrene Großinvestoren wie Stan Druckenmiller sprechen apokalyptisch vom »Endgame«. Von China einmal ganz zu schweigen.

Das ist der Juni 2016.

Und man hat das Gefühl, dass diesmal alle, die es wissen müssen, dabei erwischt werden wollen, dass sie die nächste Krise richtig, vor allem rechtzeitig, vorhergesagt haben. Kopp-Leser wissen seit vielen Monaten, dass die Finanzkrise von 2008 nie überwunden wurde. Sie wurde lediglich von den Notenbanken mit immer neuen Wellen aus dem Nichts geschaffenen Geldes übertüncht und ihre Lösung, falls es die gibt, vertagt.

Doch die Liquiditätsexzesse haben nicht die erhoffte Wirkung. Und die politische Kaste in Nordamerika und Europa hat kein Geld mehr in der Kasse, um anstelle der Notenbanken endlich selbst einzugreifen. Die politische Kaste ist zudem abgelenkt: in den USA durch die Präsidentenwahl im November, in Europa durch eine ganze Serie von gravierenden Problemen.

Die Regierungen in Westeuropa sind mit dem Kollaps in Griechenland, der Auflösung der EU, der Flüchtlingskrise, den Russland-Sanktionen, wachsender Opposition breiter Bevölkerungsteile sowie immer neuen regionalen Konflikten heillos überfordert. Und die großen Firmen haben den jüngstenGewinnboom, den sie vor allem kostenlosem Notenbankgeld verdankten, weitgehend ausgekostet. Jetzt investieren sie kaum noch, weil sie einen schwachen Konsum der Verbraucher fürchten.

In den Schwellenländern, wo die Konzerne seit Jahren auch ohne die ausgezehrten Verbraucher in den Heimatmärkten wachsen konnten, brechen jetzt Wachstumsraten, Investitionen und Konsum ein. Brasilien erlebt die schlimmste Rezession der letzten 100 Jahre, gepaart mit einem Coup gegen die gewählte Präsidentin Dilma Rousseff und dem größten Korruptionsskandal in der Geschichte des Landes. Für VW war dieser Absatzmarkt schon wichtiger als der deutsche. China fällt bei eskalierenden Schulden derweil kräftig auf den Bauch. Und Russland kämpft tapfer gegen die schwerwiegenden Folgen kollabierter Preise für seine Ölexporte.

Die deutsche Wirtschaft, zum Beispiel der Maschinenbau als größter gewerblicher Arbeitgeber, kann in Asien und Südamerika weniger absetzen. Er muss sich verstärkt auf dem amerikanischen Markt engagieren. Der steuert nicht nur in die nächste Rezession. Dort sind auch noch Politiker am Ruder, die schon immer die Deutschen für ihre Überschüsse kritisiert haben und jetzt allergisch reagieren. Das zeigen die Attacken aus den USA auf deutsche Firmenikonen wie die Deutsche Bank und Volkswagen. Der Wirtschaftskrieg der USA gegen Deutschland wird stetig ausgeweitet. Und die Mainstream-Journalisten schweigen dazu.

Es sind keine an den Haaren herbeigezogenen Schreckensszenarien »rechter Populisten«, die uns auf dieses desaströse Umfeld mit wachsender Dringlichkeit aufmerksam machen. Es sindWarnungen von Menschen, die große Geldströme bewegen, als Notenbanker gearbeitet haben oder als Investmentbanker grenzüberschreitend intime Einblicke in die großen Industrien haben und daher genau sehen, welcher Infarkt sich in der Weltwirtschaft anbahnt.

Bei Goldman Sachs warnen die Marktstrategen vor Höchstpreisen bei Aktien, hohen Bewertungen, dürftigem Wachstum und Anlegern, die sich immer riskantere Wertpapiere ins Depot legen müssen, um überhaupt noch etwas mit ihrem Kapital zu verdienen. Man muss ihr Wachstums-Mantra nicht teilen. Aber man sieht immer besser die Schweißperlen auf ihrer Stirn.

Greenspan, so schwach seine Prognosen auch meist waren, sorgt sich zu Recht über die von Politikern sträflich unterschätzte und zu spät zur Priorität erklärte Vergreisung unserer Gesellschaften: »Wir haben dafür nicht genügend Geld. Wir sollten jetzt Budgetüberschüsse haben, nicht Defizite. Das hätten wir schon vor 25 Jahren erkennen können. Haben wir auch. Aber keiner hat etwas dagegen getan.«

 

Und was wissen die Strategen bei der Royal Bank of Scotland, wenn sie Investoren raten, jetzt alles zu verkaufen? Das klingt nicht nach »Wir schaffen das«. Oder die Weltbank, die auf das Siechen der großen Energie-Exportländer verweist sowie auf hohe Schuldenberge in Schwellenländern und geopolitische Unsicherheiten. Am schlimmsten scheint die Ernüchterung der Insider mit Blick auf die USA zu sein. Das trauen sich aber wenige offen zu sagen. Bei der Weltbank ist nur von Schwäche in den industrialisierten Staaten die Rede.

So deutlich wie David Rosenberg, der seinen Ruf als ökonomischer Nestbeschmutzer schon weg hat, sagt es kaum einer: Der Verlust von Industriejobs in den USA signalisiert klar eine Rezession: »Ich will nicht alarmistisch klingen«, sagt Rosenberg, »aber Fakten sind Fakten.« Mehr noch: »Der Verlust von 36 000 Arbeitsplätzen in der Industrie im Mai war der schroffste Absturz seit dem Februar 2010.« Das klingt ganz anders als die dümmliche Propaganda, die uns US-Notenbankchefin Janet Yellen erst in dieser Woche wieder servierte. »Ich sehe mehr positive als negative Dinge in der US-Wirtschaft«, hat sie gesagt.

Ein großer Fortschritt wäre es schon, wenn sie mit solchem Blödsinn nicht überall im Blätterwald zitiert würde.

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2 Kommentare

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