Deutsche Gelehrte und Dichter: Fährnis und Wacherhalten Deutschen Glaubens. Von Mathilde Ludendorff (1877 – 1966)

Video mit Text-Vorlesungen

 

Wie fest dünkt uns das eingeborene Gotterleben in den Völkern gesichert, und wie grausam möchte seine Ungleichheit in den Rassen dem flüchtigen Denker dünken! War nicht alles, was wir als Wesensart Deutschen Gottglaubens und Deutschen Gutseins nannten, so hellicht, so gottinnig, daß uns diese Rasse vor anderen „bevorzugt“ erscheinen möchte? Sie scheint uns freilich bevorzugt, weil wir ihren Glauben und ihr Gutsein jubelnd begrüßen im Gleichklang, aber ihr Schicksal deutet uns große Gefahren an, die gerade ihr auflauern.

Weite Wege müßte ich führen, um die weisen Gesetze zu zeigen, die es verhindern, daß ein Volk zwangsläufig die Selbstschöpfung zur Vollkommenheit erreicht, ein anderes sie zwangsläufig versäumt (siehe „Selbstschöpfung“). Wie unklares Ahnen taucht all das Erbgut im Bewußtsein des Menschen auf und kann von irrfähiger Vernunft töricht verkannt und verzerrt, aber auch, falls es ein gottfernes Erbgut ist, von ihr im verklärenden Lichte gedeutet werden. So ist es den Menschen unterschiedlichster Rasse möglich, in ihrem Leben den Weg zu Gott zu gehen. Alle Rassen können sich freilich diese Möglichkeit völlig versperren, wenn sie einen Fremdglauben annehmen und ein Gewissen fremden Blutes in sich errichten.

Jedes Blut sieht also andere Fährnisse lauern, die nur ihm allein drohen, aber hiermit ist die Gefahr des Gotterlebens in den Menschen nicht erschöpft. Sie haben überdies noch die ihnen allen gemeinsamen Gefahren zu bestehen, die ihnen die Gesetze der Seele selbst bereiten. Diese machen es dem Menschen allein unter allen Geschöpfen der Erde möglich, gottwidrig zu handeln. Aber ihm allein ist auch das herrliche Können gegeben, sich selbst in seinem Leben umzuschaffen, nach freier Wahl.

Diese Gefahren, die allen Menschenseelen drohen, sind in der Edda, in die Bildsprache des Mythos gekleidet, angedeutet. Im Stamme der Weltenesche, der viel gefährdeten, ist Verwesung, so kündet die Edda. Das will heißen: In dem Stamm der Seele, dem Selbsterhaltungswillen, lauert Unheil, weil der eben zum Leben erwachte Mensch schon beginnt, nicht nur sein Selbst erhalten zu wollen, sondern Lust zu erjagen, Leid zu fliehen. All das Können seiner Seele muß nun diesen Zwecken dienen, und so wird er mehr und mehr getrennt von dem Ahnen Gottes und dem tiefen Sinn des Lebens: Gott in der Seele zu erhalten (siehe „Selbstschöpfung“: „Einsargung“ durch Vernunft und Aufmerksamkeit).

In den Ästen der Weltenesche sitzt der „Adler, dem großes Wissen verliehen ist“. Zwischen seinen Augen sitzt der Habicht, Wetterfahl. Er sendet wieder und wieder die Botschaft scheelsüchtiger Worte zum Neidwurm, der die Niedertracht ist und an der Wurzel der Weltenesche nagt. Die Ratte Nager ist sein willfähriger Bote, blitzschnell läuft sie am Stamme der Weltenesche auf und nieder in diesem Amte.

Der Adler, dem großes Wissen verliehen ist, ist die Vernunft des Menschen. Sie kann erkennen, wie oft und wodurch ein anderer Lust erlebt, und da der Wille der Seele auf dies Erleben gerichtet ist, so flammt der Haß auf und paart sich der Vernunft. Beide zusammen, Adler und Habicht, Vernunft und Haß, nähren nun die Niedertracht immer neu durch scheelsüchtige Worte, gebären das Unheil der Menschenseele: Neid, Bosheit, Zanksucht und Rachsucht. So erfüllt sich in den meisten Seelen das Schicksal, daß allmählich „so viele Schlangen im Springkessel beim Neidwurm hausen, daß keine Zunge sie zu zählen vermöchte“.

Auch Hirsche gefährden die Weltenesche, sie nagen immerwährend die Triebe der Äste ab, doch immerwährend wachsen neue nach (ihre Deutung führt uns weit in die Seelenlehre, siehe „Des Menschen Seele“), und sieghaft kann das Gotterleben in den Menschenseelen aus diesen Fährnissen hervorgehen. Das Äsen der Hirsche an der Weltenesche deutet hin auf die Gefahren, die wir nicht leichtfertig übersehen dürfen, die bei jeder Rasse verschieden geartet sind. Unterschiedlicher Schutz und unterschiedliche Abgründe des Irrtums und der Fehltat lauern, denn ungleich ist das Ahnenerbgut, die eingeborene Gottweisheit, auch der Rassecharakter und das aus beidem geborene Gut-sein-wollen.

Ein Wecken und Wacherhalten des Gottglaubens in einem Volke hat somit das heilige Amt, auf die Tugenden, die dem Blute den Höhenweg sichern, ebenso eindringlich aber auch auf die Fährnisse dieses Erbgutes, auf die Mißdeutungen seines Wollens durch die Vernunft zu weisen, nur so wird sie Weisheit geben und Wahrheit.

Nach der tausendjährigen Unterschätzung des Erbgutes unserer Ahnen will sich ein neuer Irrtum einschleichen, eine Blindheit gegen die Fährnisse, die dieser Rasse drohen. Dies ist um so leichter möglich, als wir heute geneigt sein könnten, schlechterdings alle Unvollkommenheit, jeden Fehler der entarteten Volksgeschwister den Fremdeinflüssen zuzuschreiben. Da ist es denn ein Segen, daß die Edda und die Islandsaga in ihrer köstlichen Ehrlichkeit und Unverfälschtheit uns selbst Tugend und Fehler, Irrtum und Weisheit mit gleicher schlichter Selbstverständlichkeit melden. Man muß sich schon absichtlich völlig fernhalten von diesen Quellen unverfremdeten Deutschtums, wenn man sich die Blindheit den Fährnissen Deutscher Seelen gegenüber erhalten will.

Gerade die immer wiederkehrenden Irrtümer und gleichartigen Fehlhandlungen einer Rasse lassen ein klares Wissen über die Unheilswege ihres Blutes zu einem ebenso wichtigen Volkswissen werden, wie das Wissen um die hohen Werte des Rassewollens, die den Nachfahren Heilswege sind.

Das Gotterleben in der eigenen Seele gebiert den stark entwickelten Stolz. Unserem Erbblute geschenkt, steht er von früh auf in der Gefahr, vom Kinde auf die Leistung bezogen und von ihm und Erziehern in Ehrgeiz und Ruhmsucht verzerrt zu werden. So wird er zur Fährnis. In anderen Deutschen, und gerade oft in den Begabten, richtet er anderes Unheil an. Er veranlaßt vorzeitiges Abschließen von der Weisheit der Ahnen und der Mitwelt. Im unreifen Alter schon verläßt sich der Deutsche dann nur auf seine „innere Stimme“ und erstarrt im Abschluß von der Weisheit der Umwelt. Er steht in der ungeheueren Gefahr, jeden Irrtum der Vernunft in sich zu vergotten. Das herrliche Wissen des Erbblutes, daß Erlösung nur durch eigene Tat wird, ist Flügeln zur Vollkommenheit gleich und dennoch in vielen Seelen Gefahr und Hemmnis. Mancher seelentiefe Deutsche sperrt sich in Mißdeutung dieses köstlichen Erbwissens von allem nicht selbst gewonnenen ab, schrickt zusammen, wenn Weisheit einer anderen Seele ihn ergreift, und zieht sich erschrocken zurück. Die stumpferen Seelen aber stehen in der Gefahr, sich in einem Irrtum, einer Torheit zu versteifen, zu vertrotzen, zu verbeißen. Je sinnfälliger der Irrtum, um so stärker ist Zorn und Wut gegen die, die ihn widerlegen. So ist die Folge nicht bloß Eigenbrödelei, nein, Starrköpfigkeit, Uneinsichtigkeit, führt zu feindseliger Verstocktheit und Zwietracht, einem häufig beschrittenen Unheilsweg der Deutschen Seele.

Der mit dem Stolze gepaarte Freiheitswille macht kampffroh, erkennt aber vor allem nur im Gleichrassigen den ebenbürtigen Gegner. So ist Streit der Volksgeschwister der breitbetretene Unheilsweg unseres Volkes, der es nur zu oft zum Verrat an der Rasse verführte. In gegenseitigem ununterbrochenen Kampfe hat sich das Edelblut der verwandten Völker gegenseitig ausgetilgt, als gälte es Drachen zu töten. Diese Gefahr unseres Blutes hat die uns hassende Fremdrasse sattsam ausgenützt. Der Freiheitsdrang endlich, wenn beherrscht vom Willen der Gotterhaltung, ist heilige Kraft zur Vollkommenheit. Doch in Unreifen führt er zur Empörung gegen jede verlangte Willenszucht und zeigt sich schon in der Kindheit als Unheilsweg dieses Blutes. Das alles sind Gefahren des Gotterlebens in der eigenen Brust.

Das Gotterleben im Volke schuf die hehrsten Taten der Helden und unermeßlichen vielgestaltigen Reichtum an Werken für dies Volk. Aber Gefahren lauern der irrfähigen Vernunft auch in diesem Erbgute. Es schafft die Treue des Deutschen, die vielbesungene, vielverherrlichte. Wer aber beachtete in unserem Volke das furchtbare Unheil, das in diesem Erbgute droht?

Nie wäre das tausendjährige Jahwereich errichtet worden, hätte nicht die mißverstandene Treue des Deutschen hier geholfen. Treue Deutsche schwuren Volksfeinden die Treue und hielten sie, wurden aus mißverstandener Treue zu Menschen dem Deutschen Gotte untreu. Schafft in dieser Stunde der furchtbarsten Knechtschaft des Volkes alles aus der mißverstandenen Treue geborene Unheil aus dem Volke, und wir sind frei! Unheimlich viel wird durch „Treue“ und um „Treue“ verraten!

Hätten unsere Ahnen nur dem Gott in ihrer Brust Treue gehalten, hätte es bei ihnen keine Eidschwüre Menschen gegenüber gegeben, so wären die kraftvollsten Sippen nicht niedergemäht worden durch Deutsche. Denn immer noch konnte nur der Deutsche den Deutschen besiegen. Unheilsweg, furchtbarstes Mißdeuten der Vernunft sind Eidbindungen an Menschen – und seien es die Größten. Jeder Eid auf die Zukunft unterbindet die Freiheit, mit Gott in allem Handeln eins zu sein, das heiligste Gut der Seele, und kann irgendwann zur Treulosigkeit Gott und dem Volke gegenüber werden.

Die tausend Jahre des Unheils sind die Jahre der abertausend Schwüre, die Deutsche Treue an Volksverräter banden und Deutsche zu Verbrechern machten aus Treue!

So ist der Eid, das Gelöbnis, der furchtbare Unheilsweg, der unserem Blute lauert. Heute im Jahwereiche, in dem geheime, listige, uns hassende Feinde allerorts am Werke sind, kann man das Unheil messen an der Unzahl geheimer und geheimster Treuegelübde, zu denen der Deutsche verleitet wird. Dann ist man seiner sicher, dann ist er im Entscheid gelähmt und leichter zu führen als ein ihm weit an Einsicht und Kraft unterlegener Mensch anderen Blutes. Das sind Gefahren des Gotterlebens im Volke.

Das Gotterleben im Weltall endlich birgt die weite, erhebende und erhabene Gotteinsicht, die die Menschenseele immer wieder beflügelt, wenn das enge kleine Leben sie einzufangen droht. Doch auch sie birgt einen Weg des Unheils. Sie lockt gerade die Tiefen auch da über die Grenzen des Volkes hinaus, wo es sich nicht um Gotterleben selbst, sondern um Schicksalsfragen des Volkes, also um Arterhaltung und Deutsche Glaubenserhaltung handelt. Die gottferne, völkervernichtende Lehre der Gleichheit der Menschen konnte sich deshalb in den Völkern, die Gott im Weltall erleben, am unmerklichsten einschleichen und sie am nachdrücklichsten in ihrer Liebe zur Arterhaltung unterwühlen. Der Deutsche ist beeinflußt von einer solchen Lehre, in der Gefahr, die Gleichheitslehre jüdischen Völkervernichtungswillens und des Jahwedienstes aller Völker zu verwechseln mit der Weltallweite seines Gotterlebens. Deshalb konnten die verderblichen Lehren der Geheimbünde im Verein mit der Entwurzelung durch die Jahwelehre im tausendjährigen Reiche sogar große Deutsche verwirren – bis zu dem Weltkriege hin, der Weltenwende.

Gefahren lauern noch viele dem Deutschen Blute. Wenn es nun gar die Fährnisse des jüdischen Blutes statt der eigenen gelehrt bekommt, wie soll da seine arme, von der bluteigenen Weisheit getrennte Seele vor dem Verkommen geschützt sein?

Wie sehr bedarf bei solcher Fährnis des Blutes das Volk des Erweckens und Wacherhaltens des Deutschen Glaubens und Gutseins!

Wenn heute am Ende des tausendjährigen Jahwereiches der Deutsche Gottglaube verschüttet ist, wie sollten wir uns da wundern, wenn Deutsche nicht mehr wissen, wie nach Deutscher Art im Kinde und in den Schwachen unter den Erwachsenen des Volkes dieser Glaube geweckt und wacherhalten wird?

Zwiefach spricht, wie wir sahen, Deutscher Gottglaube zur Seele: Freiwilligkeit des Gutseins und Gotterlebens, herrscht bis zu der heiligen Grenze, an der das Ungutsein die Gemeinschaft, das Volk, stört und zerstört. Hier aber steht das „Du sollst“ des Gesetzes, das unerbittlich ist wie das Naturgesetz und ebenso zwingend Einordnung fordert. In dem Kinde wird dieses unerbittliche Einfügen in das Wohl des Ganzen, das Unterlassen aller Zerstörung und das Pflichtwirken für das Gesamtwohl durch die Eltern geweckt und in der Familie in straffer Willenszucht schon vor dem Eintritt ins Volk gegeben. Ein Deutsch erzogenes Kind weiß deshalb, was Willenszucht heißt, wenn auch mancher sie erst in den Stürmen des Lebens völlig erlernt. Das Gesetz der Willenszucht in der Familie, die Staatsgesetze im Volke kennen nur das strenge „Du sollst“, wie es das Naturgesetz sich erzwingt und dadurch geordnetes Sein erst ermöglicht. Doch die Selbstschöpfung der Seele, die im freien inneren Wollen ein harmonisches Gottlied aus der Seele gestaltet, sie wird im Deutschen weder geweckt noch erhalten durch Gebot oder Strafe und Lohnverheißung. Seelenmord an dem Kinde oder Seelenbedrohung ist dies. Wieviel Deutsche töten und bedrohen heute das Gotterleben des Kindes durch diese jüdische Lehren! Manchmal erstickt es schon durch den einen Satz: Du sollst Gott Deinen Herrn lieben! Das Handeln und Glauben der jüdischen Ahnen und ihrer Gebote türmen sich auf in der Seele des Kindes und trennen es vom Deutschen Gottglauben. Fremd bleibt dies alles den meisten und läßt sie Gott und das eingeborene Gutsein vergessen, wenn sie herangewachsen sind. Oder aber sie werden dem Erbgut der Seele fremd im Erleben und Tun.

Himmelhoffnung und Höllenangst sind noch das einzige, das die meisten durchs Leben weiter tragen, und sie, die Wurzellosgewordenen und ganz Entfremdeten, nennen solchen Himmel- und Hölleglauben, Lohnverheißung und Strafandrohung, den unentbehrlichen „sittlichen Halt“ für sich und die Kinder. Wie wenige ahnen, daß nur jüdisches Blut auf solche Weise von sich selbst entfernt und dadurch erlöst werden kann. Wie wenige ahnen, daß sie als Deutsche gottfern sind, wenn sie unter Deutschen so zu handeln sich bemühen, wie Jesus von Nazareth nach den Berichten von Juden gehandelt und gelehrt haben soll.

Wie aber will der Deutsche die Selbsterlösung im Deutschen Blute wecken und wacherhalten?

Der Gotterhaltungswille will in der Seele Herrschaft erfassen über die Gesetze eines törichten Selbsterhaltungswillens. Er will herrschen über das Freudewollen und Leidmeiden, über das Handeln und Unterlassen, über das Lieben und Hassen. So ist die Selbstbeherrschung und Willenszucht, wie sie das Gesetz des Volkes verlangt und wie sie die Eltern im Kinde erwecken, zugleich ein Vorwirken für die Selbstschöpfung. Wird sie vom Kinde nicht erreicht, so gibt das straffe Gesetz des Staates sie dem Schwachen. Diese Willenszucht bleibt bei gar vielen die einzige Leistung, das Muß der Pflichten am Volke erfüllen sie willig, nie aber wurde in ihnen das heilige: ich will Gott lieben, ich will gut sein, zur entscheidenden Kraft. Dieses „ich will“ nie in der Seele zu erschlagen durch ein Gebot, ist heilige Weisheit unserer Ahnen, die im Jahwereich lange verlernt ist.

Die Liebe aber zum Vorbild, zu edlen Menschen, den Eltern und Großen der Vorzeit und Mitwelt, wird Erwecker der Liebe zum Gutsein. Erst durch das Vorbild vom gleichen Blute, durch seine Heils- und Unheilswege erwacht in der Seele des Kindes der Wille zum Gutsein zu klarer Bewußtheit.

Die Liebe zum Gutsein aber wird erst in reifen Jahren durch die Sehnsucht nach Gottschau, nach Gottweisheit bereichert. So ist das Wecken des Gutseins allein das Amt am Kinde. Drängt man ihm die Gotteinsicht auf, die es noch gar nicht ersehnt, so setzt man Erfüllung lange Jahrzehnte dem Verlangen voraus und nimmt dieser Sehnsucht die Ruhe zum Wachsen und Reifen.

Liebe zum Vorbild ist also die erste der Brücken zu Gott, die das Kind betritt. Wie sollte aber im Kind das Vorbild aus fremdem Blut, das anderes lebte, anderes wollte, dem anderes drohte als seinen Ahnen, die Liebe zum Gutsein erstarken? Alle Heldengestalten und das reine Tun hoher Frauen des eigenen Blutes allein wecken in ihm lauten Widerhall. Und besser und kraftvoller weckt das Bild derer, die noch im Artglauben lebten. Hier stehen unverfälscht Schutz und Gefahr im Schicksal des Menschen gekündet. Mag gewiß unsere Zeit in vielem der Edda entwachsen sein, eines ist ihr unvergleichlicher Wert: Sie birgt noch reine, vom Fremdglauben unbeeinflußte Deutsche Artung und der Klang ihrer Sprache greift tief und weckend ein in die Seele des Kindes. So wirkt sie heiligend über Jahrtausende hin. Darum ist uns die Edda lieb und teuer als Gotterwecker in Deutschen Seelen. Doch ist sie uns nur ein Werk von vielen gleichwertigen.

Aber nicht das Schicksal von Heldengestalten allein kündet die Wege des Heils und Unheils, die Deutschem Blute im Leben bereitet, sie sind auch in die Märchen, Sagen und Mythen verwoben, und so sind diese Wecker und Wacherhalter Deutschen Glaubens und Gutseins dem Kinde und Erwachsenen ein sicherer Schatz der Weisheit.

Wie sollte das Deutsche Kind der Gefahr so leicht erliegen, der List zu trauen, wenn das Schicksal Jung Siegfrieds sich tief in die Seele geprägt; wie sollte der Krieger sich den waffenstarrenden Feinden ergeben, wenn er das furchtbare Los des heldisch versagenden Volkes, wenn er das Helbild von Kind auf kennt?

So wächst das Kind heran, umgeben von all den hehren Gestalten ferner und fernster Zeiten, umgeben auch vom Vorbild der Eltern und den Großen der Mitwelt. Das gleiche Lied des Gutseins singen ihre Taten und ihr Los. Es wählt sich den Wesensverwandten, ehrt und liebt durch ihn das Gutsein und durch dies das Volk und den Deutschen Gott.

Je weiter das Kind auflebt, um so weiter dringt seine Seele in das Wunderland freiwilliger Gottliebe. Alle Kunstwerke, die heilige Bildschrift Gottes sind, führen es selbst und die Erwachsenen des Volkes in erhabene Gottnähe, und jeder beginnt nun je nach seiner Art sich Lieblingswege und -weisen zu wählen.

Und weiter erwacht in ihm der Deutsche Gottglaube. Inmitten der Natur wird ihm das Erkennen der Gottesdurchseeltheit des Alls, zuerst als ein warmes Vertrautsein mit allem Wesen der Natur und der Schönheit ihrer Erscheinung, als ein Daheimsein in der Natur. Je mehr dann der Herangewachsene reift im Kampf mit dem Schicksal, um so mehr erwacht in ihm der Deutsche Gott zum bewußten Gotterleben in kosmischer Weite. Er tritt ein in den Weltalldom heiliger Sternennächte und sonnenbestrahlter Tage. Und in manchen erwacht nun ein starker, heiliger Drang der Seele, Gottes Wesen zu sehen in dem Wissen von den Gesetzen des Seins und Werdens, und so den Geist einzubetten in das Wesen der Gottkräfte. So reift Gottweisheit und findet sich wieder in den Werken der Größten aller Zeiten.

Der Einklang des innersten Gottwollens der Seele mit all der Gotterscheinung, die er nun bewußt erlebt, läßt endlich die köstlichste Frucht seines Glaubens reifen: Das, was sein Volk ihm vorgelebt und zugejubelt, das, was seine Fehltaten und Irrwege ihm immer wieder ausreden wollten, steht klar in der Seele: Gott ist in Dir, stärke Deinen Gotterhaltungswillen, lasse ihn herrschen in Dir, und nichts trennt Dich je mehr von der Gotteinheit.

Aus:
Mathilde Ludendorf, Deutscher Gottglaube, München 1934, S. 57–67.

passend

Germanen – unsere Vorfahren

.

Quelle:
https://ia801900.us.archive.org/33/items/DeutscherGottglaube/LudendorffMathilde-blaueReiheBd.1DeutscherGottglaubeLudendorffsVerlag.pdf

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s