Silke und Holger Friedrich, die neuen Eigentümer des Berliner Verlag DIE WELT….


Berliner Verlag: Silke und Holger Friedrich, die neuen Eigentümer des Berliner Verlags
Silke und Holger Friedrich, die neuen Eigentümer des Berliner Verlags © Jens Rötzsch

Das hat es in einem deutschen Verlagshaus lange nicht gegeben. Die Redaktion wird am Morgen spontan zu einer Betriebsversammlung zusammengerufen, weil gute Nachrichten zu verkünden seien. Keine Entlassungen und keine Kürzungen. Stattdessen stellen sich Silke und Holger Friedrich den Mitarbeitern des Berliner Verlages vor, der die Berliner Zeitung und das Boulevardblatt Berliner Kurier herausgibt. Das Ehepaar, bisher völlig unbekannt in der Medienbranche, hat den Verlag gekauft und will hier ganz von vorne anfangen. Ein Coup.

Es ist nur eine kurze Vorstellung der beiden neuen Eigentümer, nicht mal eine halbe Stunde sprechen der Mann mit dem langen Vollbart und die Frau mit den dunkelbraunen Haaren zu den Mitarbeitern, doch sie kommen gleich gut bei ihnen an. Beide stammen aus Ostberlin wie der Verlag selbst auch. Sie ist gelernte Bürokauffrau, er gelernter Werkzeugmacher. Sie hat an der Universität der Künste in Berlin Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert und später den Technoclub E-Werk wiederbelebt. Heute ist Silke Friedrich die Geschäftsführerin der Privatschule Berlin Metropolitan School, an der das Ehepaar beteiligt ist.

Holger Friedrich hat in Potsdam Germanistik und Informatik studiert und Anfang der 2000er-Jahre ein Tech-Unternehmen gegründet, das später vom Softwarekonzern SAP gekauft wurde. Zwischenzeitlich arbeitete er als Partner für die Beratungsgesellschaft McKinsey, gründete aber später die eigene Technologieberatung Core. Das Paar hat es mit seinen diversen unternehmerischen Aktivitäten zu einigem Vermögen gebracht. Der genaue Kaufpreis für den Berliner Verlag samt Druckerei ist nicht öffentlich bekannt, es kursiert in der Branche aber eine mittlere zweistellige Millionensumme.

„Was wir uns gewünscht haben“

„Die Stimmung auf der Mitarbeiterversammlung war gut“, berichtet Frederik Bombosch, Vorsitzender des Betriebsrates und Redakteur der Berliner Zeitung. „Die beiden sind genau das, was wir uns gewünscht haben.“ Jahrelang hatte die bisherige Eigentümerin, die Verlagsgruppe DuMont aus Köln, eine Sparrunde nach der anderen im Berliner Verlag gefahren. Redaktionen wurden zusammengelegt, ausgelagert und geschrumpft. Aber es fehlte wie bei vielen Regionalzeitungen eine erfolgreiche Strategie dafür, wie sich mit Journalismus online Geld verdienen lässt.

Bombosch sagt nun, „die beiden haben etwas vor“. Die Friedrichs hätten einen engagierten Eindruck hinterlassen und gute Ansätze vorgestellt. „Und sie bringen ein tiefes Technologieverständnis mit“, sagt Bombosch. Auch das hat der Berliner Zeitung lange gefehlt. Viele Traditionsverlage tun sich schwer damit, die Agilität der Onlinewelt in ihre Arbeitsweise zu integrieren: schnell neue Formate zu entwickeln und auf Trends im Journalismus ad hoc zu reagieren. Reichweite zu schaffen und Inhalte zu vermarkten. Die Friedrichs sprechen nun von einer „inhaltlich sowie technologisch motivierten Transformation“.

Voraussetzung für den Verkauf war offenbar auch, dass die eigene Druckerei des Verlages im Berliner Stadtteil Lichtenberg mit von den neuen Eigentümern übernommen wird. Das ist eigentlich ein Geschäft, das viele Verlage inzwischen meiden und längst an Dienstleister ausgelagert haben. Die Friedrichs sprachen am Morgen jedoch ein Bekenntnis zum Printgeschäft aus und wollten sich im Laufe des Tages auch persönlich in der Druckerei vorstellen. Das war bisher nicht unbedingt üblich für neue Eigentümer, heißt es aus dem Verlag. Ob und wie lange das Bekenntnis zu Print mit dem „konsequent digital ausgerichteten Angeboten“ zusammenpasst, von dem das neue Verlegerpaar nun spricht, muss sich erst noch zeigen. 

Keine Worthülsen

Sicher scheint jedenfalls, dass mit weiteren Sparrunden im Berliner Verlag nichts mehr zu gewinnen ist. „Wir ermutigen die neuen Eigentümer, nicht nur in neue Technik, sondern vor allem in kluge Köpfe zu investieren“, sagt der Betriebsrat Bombosch. Tatsächlich stehen die Friedrichs vor der Herausforderung, mit sehr eingeschränktem Personal diverse Kanäle mit unterschiedlichen Inhalten bespielen zu müssen: das Aboangebot der Berliner Zeitung und das Boulevardblatt Berliner Kurier, dazu beides jeweils in Print und online. Über mögliche Investitionen sprachen die Friedrichs auf der Betriebsversammlung jedoch nicht.

Es sei ein eher bescheidener Auftritt des Ehepaars gewesen, das seit rund 20 Jahren verheiratet ist und drei gemeinsame Kinder hat, berichten Teilnehmer aus dem Verlag. Man habe nicht die üblichen Worthülsen der Medienmanager zu hören bekommen, sondern klare Statements. Immerhin hätten es die Friedrichs schon einmal geschafft, ganz neu in eine ihnen bisher fremde Branche einzusteigen und erfolgreich zu sein. Als sie sich vor Jahren in die private Metropolitan School einkauften, war diese fast insolvent. Sie schafften den Turnaround. Die Journalistinnen und Journalisten des Berliner Verlags hoffen nun, dass die Friedrichs diesen Erfolg bei ihnen wiederholen können.

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