ERSTER WELTKRIEG

Inhalt:

  • 1914: Schlacht bei Tannenberg…26.8. bis 30.8.1914

  • 1914: 22.09.1914 -U-Boot U 29 Otto Weddingen versenkt erstes britisches Kriegsschiff

  • 1914: Ostpreußen in Not—Hindenburg 1914 in Marienburg

  • 1916: See-Schlacht im Skagerrak – historischer Sieg

  • 1918: Sommer/Herbst 1918 – Kriegsende..

 


Die Schlacht bei Tannenberg…26.8. bis 30.08.1914…Es gab in der Militärgeschichte bis dahin kein Beispiel ähnlicher Leistung und Kühnheit.

26. – 30. August 1914

(Tannenberg, ein kleiner Ort in der ehemaligen Provinz Ostpreußen, heute Stebark in der Woiwodschaft Warmia i Mazury (Ermland und Masuren, Polen)

Nicht jede Schlacht ist ein Markstein im Kriege und hat Einfluss auf die Geschichte. Die Schlacht bei Tannenberg hat jedoch den weiteren Verlauf des Ersten Weltkrieges wesentlich beeinflusst.
Auf den ersten Blick hat die Nachwirkung der Schlacht nur regionale Bedeutung: Für Ostpreußen war zwar zunächst das Schlimmste abgewehrt, von den 10 russischen Armeen war jedoch nur eine neutralisiert (75% Verlust) bzw. auf längere Zeit nicht mehr einsatzfähig. Die ungeheure zahlenmäßige Überlegenheit der Russen bestand aber weiterhin.
Erst bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass die Pläne der Alliierten hinfällig geworden waren.

Aus russischer Sicht gab es für die deutsche 8. Armee nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie stellt sich zur Schlacht, dann wird sie von den beiden russischen Armeen in die Zange genommen und vernichtet, oder sie weicht aus und geht hinter die Weichsel zurück. Diese zweite Möglichkeit entsprach der militärischen Logik. Dem entsprechend wurde auch geplant, denn die deutsche Führung konnte sich eigentlich nicht erlauben die einzige Armee im Osten zu gefährden.
Sie war auch in den Analysen der Schlieff´chen Planungen für diesen Notfall vorgesehen. Die deutsche 8. Armee hinter der Weichsel bedeutet, man hat auf russischer Seite ohne Störung Zeit beide Armeen (1. und 2.) zusammen mit der bei Warschau sich sammelnde 9. und eventuell noch die 10. (kam auf die Österreicher an) an der Weichsel den Deutschen gegenüber zu stellen. Die Russen hätten dann alle Zeit der Welt gehabt etwas zu unternehmen, ihre bloße Anwesenheit wäre Bedrohung genug gewesen.

Als Folge rechnete man damit, dass die deutsche Führung mindestens 6 Armeekorps aus der Westfront abziehen müssen. Frankreich könnte nun in die Offensive gehen. Damit ist Deutschland an beiden Fronten in der Defensive und muss letztendlich um Frieden bitten.

So ungefähr war der grobe Plan. Nach diesem russisch-französischen Plan wäre der Krieg wahrscheinlich viel kürzer gewesen und vielleicht hätte es dann in Russland keine Revolution gegeben, usw., usw…. Aus dieser Perspektive betrachtet hat die Schlacht bei Tannenberg dann auch die Geschichte beeinflusst.
Für Militärhistoriker ist sie bemerkenswert und interessant.

Vergleichbar mit der Schlacht von Cannae, wo Hannibal mit zahlenmäßig unterlegenen Truppen ein römisches Heer durch Umfassung mit einem verstärkten Flügel schlug, gelang es General von Hindenburg durch beidseitige Umfassung mit zahlenmäßig unterlegenen Truppen die 2. russische Armee unter General Samsonow vernichtend zu schlagen.

Die russische Führung hielt die deutsche 8. Armee seit ihrem Abbruch der Schlacht bei Gumbinnen (20. August) und der Räumung der Angerapp-Stellung für geschlagen und richtete ihre Blicke, mehr als es der Lage entsprach, auf zukünftige Operationen gegen die deutsche Weichsellinie.

Weder der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch als Oberster Befehlshaber noch General Shilinski als Oberbefehlshaber der Nordwestfront hat an eine neue große Entscheidungsschlacht östlich der Weichsel geglaubt.

Sie unterschätzten den Gegner, fühlten sich sicher im Vertrauen auf die große Anzahl ihrer Truppen und zersplitterten ihre Kräfte für Nebenaufgaben. So stand General Samsonow bei Tannenberg allein und wurde geschlagen. Alle weiteren Planungen waren hinfällig geworden.

Die deutsche Führung hatte erkannt, dass die zahlenmäßige Überlegenheit der russischen Streitkräfte nicht zur Wirkung kommen durfte, solange der Krieg im Westen nicht entschieden war. Dazu bot sich jetzt am Anfang der Operationen noch die Gelegenheit.

Die beiden gegen Ostpreußen eingesetzten russischen Armeen konnten wegen geographischer Gegebenheiten (Masurische Seen) nur getrennt aufmarschieren. Nur jetzt konnte man die beiden Armeen noch einzeln angehen. Bei Gumbinnen wurde der Angriff vielleicht doch zu voreilig abgebrochen. Es musste also eine andere Möglichkeit gefunden werden, die noch günstige Lage zu nutzen….; und die Russen boten sie.

Man konnte zur Entscheidung gar nicht stark genug sein und schwächte sich daher an allen anderen Stellen bis zum äußersten. So waren, außer den Festungen Königsberg und Lötzen, eine einzige Kavallerie-Division und einige Landsturm-Bataillone alles, was gegen die ganze russische Njemen-Armee stehen blieb.

Alle anderen Kräfte mussten gegen die Narev-Armee heran. Nur dadurch, dass Hindenburg ein solches Wagnis einging, gelang es, in der Schlacht selbst mit wenigstens annähernd gleicher Gesamtstärke aufzutreten. Der deutschen Armeeführung gelang es durch geschicktes Taktieren, immer an den entscheidenden Brennpunkten der Schlacht im Vorteil zu sein und sich oft sogar die zahlenmäßige Überlegenheit zu sichern.

Nach Leipzig (1813), Metz und Sedan (1870) steht Tannenberg für die größte Einkreisungsschlacht, die man bis dahin kannte. Sie wurde gegen einen an Zahl überlegenen Gegner geschlagen, während gleichzeitig beide Flanken von weiterer Übermacht bedroht waren.

Es gab in der Militärgeschichte bis dahin kein Beispiel ähnlicher Leistung und Kühnheit.

 

kompletter ausführlicher Artikel zur Schlacht, zu den Ereignissen im Vorfeld und Aufführung des Gesamtbildes der Lage

Die Schlacht bei Tannenberg 26. – 30.8.1914




Drei Kreuzer in 75 Minuten…Ka-Leu Otto Weddigen ein Idol in der U-Boot-Geschichte

 

die erfolgreichsten Taten der deutschen U-Boot-Waffe [ beschränken sich in der heutigen Wahrnehmung vor allem auf den Zeitraum des Zweiten Weltkrieges. Namen wie Günther Prien (1908-1941), den als „Helden von Scapa Flow“ gefeierten Kommandanten von U 47, oder Wolfgang Lüth (1913-1945) sind aus der Geschichte dieser relativ jungen Waffe nicht wegzudenken. Fast vergessen sind hingegen die U-Boot-Kommandaten, die sich im Ersten Weltkrieg ihre sprichwörtlichen „Meriten“ verdienten und damit die Jugendidole der vorgenannten Männer waren. Das bekannteste U-Boote-As aus jener Zeit dürfte Otto Weddigen sein, dessen Schicksal lange Zeit eine außergewöhnliche Faszination auf weite Teile der Bevölkerung ausstrahlte.

„Eine Rauchwolke!“

Seine militärische Laufbahn begann der 1882 in Herford geborene Weddigen 1901 als Seekadett. Einige Jahre später folgten eine U-Boot-Ausbildung und Tätigkeiten als Wachoffizier auf den Booten U 1, U 2 und U 4. Bevor er 1912 zum Kapitänleutnant ernannt wurde, sammelte Weddigen praktische Erfahrungen als Kommandant auf U 4 und U 3. Über Nacht berühmt wurde Weddigen jedoch erst durch seine Leistungen im Ersten Weltkrieg als Kommandant von U 9, dessen Kommando ihm im Oktober 1911 übergeben worden war. Sprichwörtlich am Vorabend des Krieges, am 30. Juli 1914, schrieb er in einer gewissen Vorahnung an seine spätere Frau: „Da England augenblicklich von der

Kriegsströmung mitgerissen zu werden scheint, sieht sich unsere junge Marine vor eine gewaltige Aufgabe gestellt. Wenn wir auch nicht auf einen absoluten Sieg einer so mächtigen Übermacht gegenüber zu hoffen wagen, so wird es unserer Marine nicht an Ruhm und Ehre mangeln. Das ist gewiß!“

Schon bald sollten seinen Worten auch Taten folgen. Nach der ersten erfolglosen Feindfahrt heiratete Weddigen seine Jugendfreundin Irma, um am 20. September 1914 auf U 9 mit insgesamt 26 Mann Besatzung die Insel Helgoland mit Kurs gen Westen zu verlassen. Es war gerade einmal zwei Wochen her, daß der erste erfolgreiche U-Boot-Torpedo-Treffer der Weltgeschichte erzielt worden war – der englische Kreuzer „Pathfinder“ wurde von U 21 unter Kapitänleutnant Otto Hersing versenkt.

Der 22. September 1914 wurde für Weddigen der bedeutsamste Tag seines Lebens: Am frühen Morgen wehte eine schwache Brise aus Nord bei leichter Dünung, U 9 tauchte auf, und die Wachen bezogen ihre Posten auf Deck. Die Diesel-Motoren knatterten friedlich vor sich hin. Jeder, der dienstfrei hatte, krabbelte an Deck, um die frische Seeluft zu genießen oder sich eine Zigarette zu gönnen. Im Osten tauchte langsam die golden glitzernde Sonne aus der nebelblauen Tiefe auf. Plötzlich unterbrach ein Ruf des diensthabenden Offiziers die morgendliche Idylle: „Backbord drei Strich, eine Rauchwolke!“

Sofort war es mit der Ruhe vorbei, Kommandos schallten durch das Boot: „Motoren stoppen, Tauchklappen öffnen! Tiefenruder vorne hart unten, achtern hart oben! E-Maschinen volle Fahrt voraus!“ Etwas behäbig verschwand der Koloß unter der Wasseroberfläche, trotz einer etwas auf-gewühlten See ließ sich das Boot gut steuern.

1915 U-Boot Otto Weddigen

 




 




1916 See-Schlacht im Skagerrak – historischer Sieg

kleinlaut und betrübt klang der Rapport, den Georg V., König von Großbritannien, am 6. Juni 1916 auf seinem Schreibtisch fand. „Mit tiefem Bedauern melde ich den Verlust von Seiner Majestät Kriegsschiffen ,Queen Mary£, ,Indefatigable‘, ,Invincible‘, ,Defence‘, ,Black Prince4, ,Warrior‘ und von Seiner Majestät Zerstörern ,Tipperary‘, ,Ardent‘, Fortune4, ,Shark‘, ,Sparrowhawk‘,,Nestor4, ,Nomad‘ und ,Turbulent“4, schrieb Lord John Jellicoe, Admiral und Chef der Britischen Grand Fleet, seinem Herrscher: „Noch tiefer beklage ich den sich daraus ergebenden schweren Verlust an Menschenleben. Der Tod so tapferer und ausgezeichneter Offiziere wie des Konteradmirals Sir Robert Arbuth-not, des Konteradmirals Horace Hood, der Kapitäne Charles Wintour und Stanley Ellis […] ist ein ernster Verlust für die Marine und das Vaterland.“ Dieser sogenannte Jellicoe-Bericht faßte aufrichtig zusammen, was der stolzen Seemacht Britanniens widerfahren war: ihre demütigendste Niederlage seit 250 Jahren.

Auslaufen zum Gefecht

Seit Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte die deutsche Kriegsmarine sehr zurückhaltend agiert. Des Kaisers Über-wasserstreitmacht lieferte den Feinden allenfalls Defensivgefechte wie 1914 an der Doggerbank und bei den Falklandinseln. Das änderte sich Anfang 1916: Am 15. Januar wurde Reinhard Scheer zum Chef der Hochseeflotte ernannt. Der 52jährige Admiral galt als energisch und als einziger Mann,

der die Flotte aus ihrer strategischen Sackgasse in der Nordsee herausführen konnte.

Scheer will den Gegner durch gezielte Vorstöße in der Nordsee so lange provozieren, bis er sich zum offenen Kampf stellt. Am 24. April 1916 bombardieren seine Kreuzer die englischen Häfen Great Yarmouth und Lowestoft. Die Empörung schlägt in Großbritannien hohe Wellen, und die Politiker verkünden, ab sofort werde jeder deutsche Vorstoß schwer bestraft. Am 30. Mai erläßt Scheer den Befehl, mit allen Kräften einen Angriff auf die Hafenanlagen von Sunderland anzusetzen. Die Funkaufklärung der britischen Admiralität erfährt allerdings davon, und Admiral Jellicoe ordnet an, den Deutschen ihren Weg zu versperren. Seine Schlachtflotte läuft noch am selben Tag aus ihren nordschottischen Häfen Richtung Dänemark aus. Die Schlachtkreuzer unter Vizeadmiral Sir David Beatty, aus der Bucht Firth of Forth kommend, vereinigen sich im Skagerrak nahe Horns Riff mit Jellicoes Streitmacht.

Scheers Flotte dagegen verläßt am Morgen des 31. Mai ihre Häfen. Er befehligt die Schlacht von der Brücke des Linienschiffs „Friedrich der Große“, eines Baus der Kaiser-Klasse, fertiggestellt im Oktober 1912 – mit 24.700 BRT, 172 Metern Länge, zehn 30,5-cm-Geschützen und 1.278 Mann Besatzung eines der modernsten Großkampfschiffe. Mit an Bord befinden sich Kapitän Lothar von Trotha als Chef des Stabes und Kapitän Magnus von Levetzow als Chef der Operationsabteilung. Die schweren Einheiten sind in drei Geschwader eingeteilt, befehligt von Vizeadmiral Ehrhard Schmidt sowie den Konteradmiralen Franz Mauve und Paul Behncke. Die Aufklärungs-streitkräfte führt der erprobte Vizeadmiral Franz Hipper.

1916 See-Schlacht im Skagerrak – historischer Sieg

 




Sommer/Herbst 1918 -Kriegsende

Politisch korrekte Historiker verbreiten immer noch die Lüge von der militärischen Niederlage im 1. Weltkrieg. Falsch! Hier die Fakten und Belege.

Mainstream-Historiker wie etwa Guido Knopp verkünden allenthalben, dass die Deutschen im Ersten Weltkrieg »geschlagen« worden seien.[1] Aber auch bei dieser politisch korrekten Geschichtslüge lohnt es sich, genauer hinzusehen:

Frontverlauf Herbst 1918

Auf den Schlachtfeldern des Krieges sah die Situation für die Deutschen im Sommer/Herbst 1918 keinesfalls nach einer Niederlage aus. So waren die Frontverläufe:

  • Mit der Operation »Schlußstein« wollte die deutsche Oberste Heeresleitung (OHL) und der Marinestab die russischen Städte Petrograd und Kronstadt besetzen, um von dort aus einen Vorstoß zur Barentssee vorzunehmen.[2]
  • Deutsche Truppen rückten noch im Sommer 1918 in Richtung Kaukasus vor.[3]
  • Lenin versuchte dies durch intensivierte Friedensbemühungen abzuwenden.[4] In Berlin unterzeichneten die Bolschewiken am 27. August schließlich einen Zusatzvertrag zum bereits bestehenden Friedensvertrag von Brest-Litowsk.[5] Sie verzichteten auf Livland, Estland und Georgien. Deutschland hingegen gab die Zusage, Weißrussland zu räumen.
  • Deutsche Truppen standen noch in der Ukraine, in Polen, in Belgien und waren in Teilen Nordfrankreichs stationiert.[6]
  • Am 4. September 1918 befanden sich die deutschen Armeen an der Westfront wieder in ihren Ausgangsstellungen vom 21. März 1918, also noch auf französischem Gebiet. Sie konnten ihre Stellungen ausbauen und sogar eine zusammenhängende Verteidigungslinie bilden.[7]
  • Die Westfront hielt nach wie vor. Erich Ludendorff, der Stellvertreter des Chefs der Obersten Heeresleitung Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg, eröffnete noch am 9. Oktober 1918 Prinz Max von Baden, dass die deutsche Armee die Grenzen »noch für lange Zeit« verteidigen könne.[8]
  • Im Herbst 1918 wähnte sich also noch der Großteil der deutschen Bevölkerung als Sieger.[9]
  • Das deutsche Heer konnte noch aus 58 Reservedivisionen schöpfen.[10]
  • Am 12. November 1918 erklärte Paul von Hindenburg in seinem letzten Tagesbefehl, dass sie von ihm geführte Armee im Felde »unbesiegt« geblieben sei.[11]

Im Feld unbesiegt

Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, Chef der Obersten Heeresleitung (OHL) äußerte sich dahin gehend, dass gegen Ende des Krieges

»die heimliche, planmäßige Zersetzung von Flotte und Heer als Fortsetzung ähnlicher Erscheinungen im Frieden ein[setzte] (…) So musste unsere Operation misslingen, es musste der Zusammenbruch kommen, die Revolution bildete nur den Schlussstein.«[12]

Wie ich bereits erläutert habe, rechneten die Führer der Obersten Heeresleitung (OHL), Hindenburg und Ludendorff noch Mitte August 1918 damit, in einer strategischen Defensive auf französischem Boden stehen zu bleiben und dadurch den Feinden ihren Willen aufzwingen zu können.[13]

Doch die OHL mahnte, dass das Feldheer sich nur dann auf feindlichem Boden behaupten könne, wenn die Heimatfront intakt bliebe.[14]

Am 6. September 1918 sagte Hindenburg in einer Besprechung mit den Generalstabschefs der drei westlichen Heeresgruppen, dass man das Jahr in »gesicherter Stellung« auf feindlichem Boden überstehen müsse.[15]

Geschlagen?

Fassen wir also noch einmal zusammen:

  • Deutsche Truppen standen am Kriegsende an der Ostfront noch tief im Feindesland, an der Westfront in einer Verteidigungslinie auf französischem Boden und Russland hatte sogar einen Zwangsfrieden mit dem Deutschen Reich schließen müssen.
  • Trotz der veränderten Situation für das Deutsche Reich bestand nach wie vor ein Patt, denn die Alliierten[16] als auch Deutschland hielten den Sieg im Sommer/Herbst 1918 noch für möglich.

Dennoch behaupten politisch korrekte Historiker, die Deutschen seien »geschlagen« worden.

» … nicht auf deutschen Schlachtfeldern zu suchen …»

Die Gründe, warum das Deutsche Reich im Herbst 1918 um einen Waffenstillstand ersuchte, waren in erster Linie also nicht auf deutschen Schlachtfeldern zu suchen, sondern eine Zusammenballung folgender militärischer Umstände:

  • Paul von Hintze, der deutsche Außenminister gab zu bedenken, dass Österreich-Ungarn, der wichtigste Verbündete, einen zweiten Kriegswinter (1918/19) nicht durchstehen könne.[17] Die Donaumonarchie war innerlich zerrissen und das Ausscheiden aus dem Krieg nur noch eine Frage von wenigen Wochen.[18]
  • Deshalb plädierte der österreichische Kaiser Karl für unverzügliche Friedensgespräche und begann diese dann auch am 14. September 1918.[19]
  • Am 28. September 1918 bat Bulgarien um Waffenstillstand. Der Vertrag wurde bereits einen Tag später unterschrieben und sah außer der Demobilisierung die Räumung Griechenlands und Serbiens sowie die Besetzung des bulgarischen Territoriums durch die Alliierten vor.[20] Das hatte katastrophale Auswirkungen, denn die Alliierten konnten so die Verbindung zum Osmanischen Reich unterbrechen und die österreichisch-ungarischen Südgrenze bedrohen. Zudem geriet das rumänische Öl in Gefahr, denn die Hälfte der deutschen Lastkraftwagen und ein Drittel der U-Boote waren auf rumänische Erdöllieferungen angewiesen.[21]
  • Am 26. Oktober 1918 teilte der österreichische Kaiser Karl I., der Deutschland einst in den Krieg riss, dem deutschen Kaiser Wilhelm II. die Auflösung des Bündnisses mit.
  • Österreich-Ungarn kapitulierte am 28. Oktober 1918.
  • Am 30. Oktober 1918 unterzeichnete auch eine türkische Delegation einen Waffenstillstand, was britische See- und Landstreitkräfte gegen das Deutsche Reich freisetzte.[22]

Parallel dazu vollzog sich in der Heimat eine vorrevolutionäre Wende. Ich meine damit die Parlamentarisierung der Monarchie, die mit schmerzhaften Einschränkungen der kaiserlichen Machtbefugnisse gegenüber dem Reichstag einherging und bald auch Einfluss auf die Armeeführung an der fernen Front nehmen sollte.

Die Zivilisten waren es, die die Armeeführung zur Kapitulation drängten.

Doch das ist eine andere Geschichte …

Fazit:

Wenn man schon von einer »geschlagenen Armee« und »Niederlage« sprechen will, so gilt das allenfalls für die mit dem Deutschen Reich verbündeten Mittelmächte, die Deutschland alleine zurückließen.[23]

***

Quellen:

[1] Guido Knopp: Hitler – Eine Bilanz, München 2005 (Sonderausgabe), S. 16; in seinem Nachfolgebuch „Die Machtergreifung“, München 2009, S. 7, wiederholt er dies.

[2] Vgl.: H.H. Herwig: German Policy in the Eastern Baltic Sea in 1918; in: Slavic Review 32, 1973

[3] David Stevenson: Der Erste Weltkrieg, Düsseldorf 2006, S. 514

[4] Ebd. S. 513

[5] Der am 3. März 1918 unterzeichnet und am 15. März vom 4. Außerordentlichen Sowjetkongress in Moskau ratifiziert wurde.

[6] Wolfram Pyta: Hindenburg, München 2009, S. 374, 402

[7][7] Janus Piekalkiewicz: Der Erste Weltkrieg, Berlin 1998, S. 547

[8] Stevenson, S. 555, 561

[9] Pyta, S. 393

[10] Jörg Friedrich: 14/18, Berlin 2014, S. 979

[11] Vgl.: Amtliche Kriegs-Depeschen, Band 8, Berlin 1918, S. 2977f.

[12] Fritz Endres (Hrsg): Hindenburg. Briefe – Reden – Berichte, Ebnhausen 1934, S. 118

[13] Gemäß dem Protokoll der Besprechung vom 14. August 1918, in: Erich Ludendorff: Urkunden der Obersten Heeresleitung über ihre Tätigkeit 1916/18, Berlin 1920,  S. 502

[14] Vgl.: Gerhard Ritter: Staatskunst und Kriegshandwerk, Band 4, München 1968, S. 395ff.

[15] Vgl. dazu den Tagesbucheintrag von General Friedrich von Bernhardi über einen Besuch Hindenburgs bei der von ihm kommandierenden Armee, in: Friedrich von Bernhardi: Weltreise, Leipzig 1920, S. 233 und Wolfram Pyta: Hindenburg, München 2009, S. 335

[16] Frankreich, Großbritannien, Russland (bis 1917), Italien (ab Mitte 1915), USA, Belgien, China, Japan, Serbien, Montenegro, Portugal (ab 1916), Rumänien (ab 1916), Griechenland (ab 1917) und Siam (ab 1917); die Mittelmächte hingegen waren Das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn, das Osmanische Reich und Bulgarien.

[17] Vgl.: J. Hürter: Paul von Hintze, Dokumente einer Karriere zwischen Militär und Politik, 1903-1918, München 1998, S. 100; Stevenson, S. 553

[18] Vgl.: Peter Graf von Kielmansegg: Deutschland und der Erste Weltkrieg, Frankfurt/M. 1968, S. 647ff.

[19] Vgl.: H. Rudin: Armistice 1918, New Haven 1944, S. 21ff; Stevenson, S. 553

[20] Vgl.: B. Lowry: Armistice 1918, London 1996, S. 7

[21] Ludendorff-Rundschreiben, 19. Oktober 1918, BA-MA W-10/50400, Anhang 35

[22] G. Dyer: The Turkish Armistice of 1918, in: Middle Eastern Studies 8, 1972, S. 313ff. und V.H. Rothwell: British War Aims and Peace Diplomacy, 1914-1918, Oxford 1971, S. 236ff.

[23] Stevenson, S. 571

 




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