ERSTER WELTKRIEG

Inhalt:

  • 1914: 22.09.1914 -U-Boot U 29 Otto Weddingen versenkt erstes britisches Kriegsschiff

  • 1914: Ostpreußen in Not—Hindenburg 1914 in Marienburg

  • 1916 See-Schlacht im Skagerrak – historischer Sieg

 


Drei Kreuzer in 75 Minuten…Ka-Leu Otto Weddigen ein Idol in der U-Boot-Geschichte

 

die erfolgreichsten Taten der deutschen U-Boot-Waffe [ beschränken sich in der heutigen Wahrnehmung vor allem auf den Zeitraum des Zweiten Weltkrieges. Namen wie Günther Prien (1908-1941), den als „Helden von Scapa Flow“ gefeierten Kommandanten von U 47, oder Wolfgang Lüth (1913-1945) sind aus der Geschichte dieser relativ jungen Waffe nicht wegzudenken. Fast vergessen sind hingegen die U-Boot-Kommandaten, die sich im Ersten Weltkrieg ihre sprichwörtlichen „Meriten“ verdienten und damit die Jugendidole der vorgenannten Männer waren. Das bekannteste U-Boote-As aus jener Zeit dürfte Otto Weddigen sein, dessen Schicksal lange Zeit eine außergewöhnliche Faszination auf weite Teile der Bevölkerung ausstrahlte.

„Eine Rauchwolke!“

Seine militärische Laufbahn begann der 1882 in Herford geborene Weddigen 1901 als Seekadett. Einige Jahre später folgten eine U-Boot-Ausbildung und Tätigkeiten als Wachoffizier auf den Booten U 1, U 2 und U 4. Bevor er 1912 zum Kapitänleutnant ernannt wurde, sammelte Weddigen praktische Erfahrungen als Kommandant auf U 4 und U 3. Über Nacht berühmt wurde Weddigen jedoch erst durch seine Leistungen im Ersten Weltkrieg als Kommandant von U 9, dessen Kommando ihm im Oktober 1911 übergeben worden war. Sprichwörtlich am Vorabend des Krieges, am 30. Juli 1914, schrieb er in einer gewissen Vorahnung an seine spätere Frau: „Da England augenblicklich von der

Kriegsströmung mitgerissen zu werden scheint, sieht sich unsere junge Marine vor eine gewaltige Aufgabe gestellt. Wenn wir auch nicht auf einen absoluten Sieg einer so mächtigen Übermacht gegenüber zu hoffen wagen, so wird es unserer Marine nicht an Ruhm und Ehre mangeln. Das ist gewiß!“

Schon bald sollten seinen Worten auch Taten folgen. Nach der ersten erfolglosen Feindfahrt heiratete Weddigen seine Jugendfreundin Irma, um am 20. September 1914 auf U 9 mit insgesamt 26 Mann Besatzung die Insel Helgoland mit Kurs gen Westen zu verlassen. Es war gerade einmal zwei Wochen her, daß der erste erfolgreiche U-Boot-Torpedo-Treffer der Weltgeschichte erzielt worden war – der englische Kreuzer „Pathfinder“ wurde von U 21 unter Kapitänleutnant Otto Hersing versenkt.

Der 22. September 1914 wurde für Weddigen der bedeutsamste Tag seines Lebens: Am frühen Morgen wehte eine schwache Brise aus Nord bei leichter Dünung, U 9 tauchte auf, und die Wachen bezogen ihre Posten auf Deck. Die Diesel-Motoren knatterten friedlich vor sich hin. Jeder, der dienstfrei hatte, krabbelte an Deck, um die frische Seeluft zu genießen oder sich eine Zigarette zu gönnen. Im Osten tauchte langsam die golden glitzernde Sonne aus der nebelblauen Tiefe auf. Plötzlich unterbrach ein Ruf des diensthabenden Offiziers die morgendliche Idylle: „Backbord drei Strich, eine Rauchwolke!“

Sofort war es mit der Ruhe vorbei, Kommandos schallten durch das Boot: „Motoren stoppen, Tauchklappen öffnen! Tiefenruder vorne hart unten, achtern hart oben! E-Maschinen volle Fahrt voraus!“ Etwas behäbig verschwand der Koloß unter der Wasseroberfläche, trotz einer etwas auf-gewühlten See ließ sich das Boot gut steuern.

1915 U-Boot Otto Weddigen

 




 




1916 See-Schlacht im Skagerrak – historischer Sieg

kleinlaut und betrübt klang der Rapport, den Georg V., König von Großbritannien, am 6. Juni 1916 auf seinem Schreibtisch fand. „Mit tiefem Bedauern melde ich den Verlust von Seiner Majestät Kriegsschiffen ,Queen Mary£, ,Indefatigable‘, ,Invincible‘, ,Defence‘, ,Black Prince4, ,Warrior‘ und von Seiner Majestät Zerstörern ,Tipperary‘, ,Ardent‘, Fortune4, ,Shark‘, ,Sparrowhawk‘,,Nestor4, ,Nomad‘ und ,Turbulent“4, schrieb Lord John Jellicoe, Admiral und Chef der Britischen Grand Fleet, seinem Herrscher: „Noch tiefer beklage ich den sich daraus ergebenden schweren Verlust an Menschenleben. Der Tod so tapferer und ausgezeichneter Offiziere wie des Konteradmirals Sir Robert Arbuth-not, des Konteradmirals Horace Hood, der Kapitäne Charles Wintour und Stanley Ellis […] ist ein ernster Verlust für die Marine und das Vaterland.“ Dieser sogenannte Jellicoe-Bericht faßte aufrichtig zusammen, was der stolzen Seemacht Britanniens widerfahren war: ihre demütigendste Niederlage seit 250 Jahren.

Auslaufen zum Gefecht

Seit Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte die deutsche Kriegsmarine sehr zurückhaltend agiert. Des Kaisers Über-wasserstreitmacht lieferte den Feinden allenfalls Defensivgefechte wie 1914 an der Doggerbank und bei den Falklandinseln. Das änderte sich Anfang 1916: Am 15. Januar wurde Reinhard Scheer zum Chef der Hochseeflotte ernannt. Der 52jährige Admiral galt als energisch und als einziger Mann,

der die Flotte aus ihrer strategischen Sackgasse in der Nordsee herausführen konnte.

Scheer will den Gegner durch gezielte Vorstöße in der Nordsee so lange provozieren, bis er sich zum offenen Kampf stellt. Am 24. April 1916 bombardieren seine Kreuzer die englischen Häfen Great Yarmouth und Lowestoft. Die Empörung schlägt in Großbritannien hohe Wellen, und die Politiker verkünden, ab sofort werde jeder deutsche Vorstoß schwer bestraft. Am 30. Mai erläßt Scheer den Befehl, mit allen Kräften einen Angriff auf die Hafenanlagen von Sunderland anzusetzen. Die Funkaufklärung der britischen Admiralität erfährt allerdings davon, und Admiral Jellicoe ordnet an, den Deutschen ihren Weg zu versperren. Seine Schlachtflotte läuft noch am selben Tag aus ihren nordschottischen Häfen Richtung Dänemark aus. Die Schlachtkreuzer unter Vizeadmiral Sir David Beatty, aus der Bucht Firth of Forth kommend, vereinigen sich im Skagerrak nahe Horns Riff mit Jellicoes Streitmacht.

Scheers Flotte dagegen verläßt am Morgen des 31. Mai ihre Häfen. Er befehligt die Schlacht von der Brücke des Linienschiffs „Friedrich der Große“, eines Baus der Kaiser-Klasse, fertiggestellt im Oktober 1912 – mit 24.700 BRT, 172 Metern Länge, zehn 30,5-cm-Geschützen und 1.278 Mann Besatzung eines der modernsten Großkampfschiffe. Mit an Bord befinden sich Kapitän Lothar von Trotha als Chef des Stabes und Kapitän Magnus von Levetzow als Chef der Operationsabteilung. Die schweren Einheiten sind in drei Geschwader eingeteilt, befehligt von Vizeadmiral Ehrhard Schmidt sowie den Konteradmiralen Franz Mauve und Paul Behncke. Die Aufklärungs-streitkräfte führt der erprobte Vizeadmiral Franz Hipper.

1916 See-Schlacht im Skagerrak – historischer Sieg