Kirsten Heisig – der vertuschte Mord 4

Dokumentation
zum Fall Kirsten Heisig

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Stand 21.12.2012

Ein Artikel mit höchster Brisanz. Es ist viel schlimmer, als bisher angenommen. Bereits jetzt kapituliert die Polizei und Justiz vor kurdischen, libanesischen und arabischen Großfamilien.

So erzählte

Kirsten Heisig nur wenige Tage vor ihrem Tod, dass sie von Libanesen mit dem Tod bedroht wurde, weil sie sich vor Gericht nicht hatte beeinflussen lassen.

Es steht ausser Frage, dass die Polizei und die Justiz weiss, das es eiskalter Mord war.

Kirsten Heisig wurde von Libanesen auf das brutalste ermordet.

Die deutsche Polizei und Justiz erhebt keine Anklage gegen die Täter, weil keine Erfolgsaussichten bestehen.

Ebenso wird die deutsche Öffentlichkeit mit der primitiven, leicht durchschaubaren Ausrede des „Selbstmordes“ belogen.

Die erwähnten Ausländer-Gruppen wissen das.

Sie haben Narrenfreiheit.

http://deutschelobby.com/2012/12/21/migranten-moslems-deutschland-als-beutegesellschaft-kurdisch-libanesische-grosfamilien-und-die-hilflosigkeit-des-rechtsstaates/

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+++ zuletzt bearbeitet: 11.09.2012 +++
Korrekturen, Ergänzungen, Hinweise bitte an


Dokumentation
zum Fall Kirsten Heisig


…damit kein Gras drüber wächst


Kirsten Heisig habe sich selbst getötet. Dies wurde indirekt bereits während der mehrtägigen Suche nach der Vermissten von Polizei und Behörden verlautbart: es gebe „keinen Hinweis auf eine Straftat“. Obwohl die Vorgeschichte Heisigs an sich Hinweis genug war („Wir alle glaubten an einen Racheakt“; siehe unten: 8. März 2011), folgten die Leitmedien unisono in ihren Berichten den amtlichen Vorgaben und informierten nicht einmal über die Verhängung einer totalen Nachrichtensperre, geschweige denn, dass sie deren Aufhebung forderten. Nach einer mehrtägigen Suche, deren Ungereimtheiten nie näher thematisiert wurden, wurde Heisigs Leiche gefunden und die Suizidthese eiligst, innerhalb weniger Stunden, amtlich bestätigt. Zweifel blieben dennoch, sowohl bei Freunden und Bekannten Heisigs als auch bei einigen kritischen Beobachtern. Für die Leitmedien samt Gefolgschaft war der Fall allerdings erledigt, ohne dass naheliegende Verdachtsmomente für einen Mord auch nur erwogen, geschweige denn investigativ untersucht wurden. Das hat die Zweifel eher noch verstärkt. Die sich ergebende Frage, warum Polizei und Justiz – freilich ohne explizite „Verschwörung“ – den Mord an einer prominenten Kollegin vertuscht haben könnten, führte in hochsensible Bereiche unserer ungeschriebenen Staatsdoktrin und wurde deshalb peinlichst vermieden.

Weil eine Aufklärung des Falles vorerst nicht möglich zu sein scheint (Akteneinsicht? „In diesem Fall gewiss nicht!“; siehe unten: 15. Sept. 2010), möge die folgende Zusammenstellung veröffentlichter Texte als Hilfe zur Bildung eines Urteils über den Sachverhalt dienen.


Für einen ersten Überblick empfiehlt sich der
Wikipedia-Artikel „Kirsten Heisig“
Man beachte dort auch
Diskussion (I) und Diskussion (II)
über diese Dokumentationsseite.


Ein Kommentar zu dieser Dokumentation:
Der Tod von Kirsten Heisig
Auch er
„Ein Mord, der keiner sein durfte“
?


23. Nov. 2006, Der Tagesspiegel (Berlin)
Erster Schritt Heisigs in die Öffentlichkeit.
„Zivilisatorische Standards gelten nicht mehr“
Hass und Angst gehören in manchen Bezirken zum Alltag. Vor einer neuen Dimension der Jugendgewalt warnen die Richter Kirsten Heisig und Günter Räcke.
Dieses Interview war der erste Schritt zweier Jugendrichter in die Medienöffentlichkeit, an sich schon ein Verstoss gegen ungeschriebene Standesregeln. Besonderes Aufsehen erregte er, weil hier zwei Praktiker Klartext über ein tabuisiertes Problem sprachen.Auszüge:
„[ … ]
Interviewer:Im Sicherheitsbericht der Bundesregierung heißt es: Insgesamt nimmt die Jugendkriminalität ab. Außerdem gebe es Hinweise darauf, dass Jugendliche Gewalt als Konfliktlösung zunehmend ablehnen.(Beide lachen auf, schütteln die Köpfe)
[ … ]“Während Kirsten Heisig weiterhin die Öffentlichkeit suchte, um institutionelle Erstarrungen im System aufzulösen – was ihr mit der Einführung ihres „Neuköllner Modells“ schließlich auch gelang – zog sich Günter Räcke bald auf seine Richtertätigkeit zurück: „Wir fuhren im gemeinsamen Boot, und irgendwie konnte ich da nicht mehr mithalten, muss ich ganz ehrlich sagen…“ erzählt er in dem Film von Balci/Graef (9. März 2011)
November 2006:
Wie Heisig in die Medien kam.
Nach dem spektakulären Interview im Tagesspiegel nahm die Unternehmens- und Politikberaterin Oda Dridi-Dörffel Kontakt zu Kirsten Heisig auf. Über ihre anschließende Zusammenarbeit berichtete sie am 18. Nov. 2010 in dem Blog http://www.pi-news.net:
Auszüge:
„Von ihren Kollegen argwöhnisch beäugt, denn als Richter geht man grundsätzlich nicht an die Öffentlichkeit, so die stillschweigende Vereinbarung unter Richtern. Das gebietet der Status als Richter, da thront man über allen anderen Verfassungsorganen, ist nur sich und dem Gesetz verpflichtet.
Die Vorstellung, als Richter zu tagesaktuellen politischen und öffentlichen Debatten über die Medien Stellung zu nehmen, verbietet das Amt, so der informelle Konsens. Daher war ihr Weg in die Öffentlichkeit für ihre Kollegen ein wirklicher Fauxpas. Sie konnte daher nicht mit Zustimmung im Kollegenkreis rechnen, sondern musste mit Argwohn über ihre Motive („Mediengeilheit“, übersteigertes Geltungsbedürfnis, Profilierungssucht etc.) fertig werden. Das ging durch die ganze Gerichtsbarkeit Berlins.
[ … ]
Mir war mit meiner Erfahrung mit Politik und Behörden klar, dass Kirsten Heisig abgesichert werden musste, um ihre verfassungsmäßige Position des Richteramtes für Veränderungen nutzen zu können, ohne persönlich in ihrer Position Schaden zu nehmen.
[ … ]
Kirsten Heisig besaß einen so starken inneren Antrieb, eine Zivilcourage und Unerschrockenheit, die nur Revolutionäre/Visionäre haben, die immer zuerst vorangehen und alles Feuer ihrer Gegner unmittelbar erleben müssen. Sie konnte das durchstehen, aber nur mit Hilfe von Mitstreitern. Dazu kam ihr strategisches Geschick, der Mutterwitz und die Kraft von wahren Führungskräften, die über die Maßen erfolgreich werden können.
[ … ] Es kam nur auf ihr Richteramt an, was ihr die Freiheit gab, Dinge zu benennen, die andere durch Weisungsgebundenheit (z.B. Staatsanwälte) nicht aussprechen dürfen. Das sagte ich ihr immer wieder, bis sie es verinnerlicht hatte.
Zum Erfolg war eine erhöhte Medienpräsenz notwendig, die sie als Person der Öffentlichkeit unangreifbar machen würde. Vor allem in den Key-Printmedien und den TV-Nachrichten. Ich zog alle meine Medienkontakte in das Thema hinein, dann gaben sich alle von selbst die Klinke in die Hand.
Ich vereinbarte für sie Termine im Bundestag, damit die Bundestagsabgeordneten ihr Mut machten, ihren Weg weiterzugehen. Der endgültige Durchbruch in der bundesweiten Öffentlichkeit war Kirsten Heisigs Live-Interview im ZDF Heute-Journal am Freitag der ersten Januarwoche 2008 [am 4. Januar] zum Thema des Münchner U-Bahn-Überfalls, den damals ganz Deutschland diskutierte. Das war wesentlich eine Leistung der ZDF-Journalistinnen Melanie Hubermann und Stefanie Gargosch, die das redaktionell durchsetzten.
Darauf reagierte Außenminister Frank-Walter Steinmeier nur einen Tag später mit einem persönlichen Anruf auf Heisigs Handy mit der Bitte um Beratung und Expertise. Danach war die Akzeptanz von Kirsten Heisig als kompetenter Richterin wesentlich höher. Auch der Justizsenat Berlin, Senatorin von der Aue, konnte Richterin Heisig nach der Anfrage von Franz-Walter Steinmeier die Unterstützung nicht mehr versagen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Justizsenat eher skeptisch auf die öffentliche Person Heisig reagiert.
[ … ]
Dass das „Neuköllner Modell“ berlinweit einmal eingesetzt werden würde, hat sie sich nicht träumen lassen. Kam die Entscheidung doch von der Berliner Justizsenatorin selbst, die sich erst nach geraumer Zeit zur Unterstützung von Kirsten Heisig hatte durchringen können. Was für eine Erfolgsstory. Dazu das Buch, die Krönung ihrer Arbeit und Bilanz der Jahre 2006 bis 2010.“
7.-9. Dez. 2007
Tagung Migration ohne Integration? Möglichkeiten zur Wende in der Integrationspolitikim Kloster Banz, veranstaltet von der Hanns-Seidel-Stiftung
Der Berliner Oberstaatsanwalt Roman Reusch, Leiter der Intensivtäterabteilung, hielt einen Vortrag Migration und Kriminalität (pdf, 24 Seiten), in dem er „auf die seit 1980 kontinuierlich steigende Kriminalität jugendlicher Ausländer verwies und deren soziales Umfeld, nämlich sozial randständige Familien, vor allem mit bildungsfernem Hintergrund.“ Seine Ausführungen und Forderungen nahmen manches von dem vorweg, was Kirsten Heisig dann aus ihrer Erfahrung in ihrem Buch schrieb.Abschließend stellte er fest, dass die Bekämpfung dieser Missstände daran scheitert, dass der politische Wille dazu fehlt und auch nicht in Sicht sei. Dies, hoffte er, „kann sich aber ändern, z.B. dadurch, dass die Größe des Problems in immer weiteren Kreisen der Öffentlichkeit bekannt wird und sich auf diese Weise Druck aufbaut, dem sich die Politik schließlich nicht mehr entziehen kann.“Reusch wurde jedoch so rigoros diszipliniert, dass er gar nicht beginnen konnte, diesen Druck aufzubauen. Als er eingeladen wurde, am 9. Jan. 2008 in Frank Plasbergs Talkshow Hart aber fair über Jugendkriminalität zu diskutieren, wurde ihm die Teilnahme von seinem Vorgesetzten, dem Leitenden Oberstaatsanwalt Andreas Behm (s.u., 15. Sept. 2010), verboten. Auf Veranlassung der SPD-Justizsenatorin Gisela von der Aue – die im Todesfall Kirsten Heisig eine wichtige Rolle spielen wird – wurde ihm seine Zuständigkeit für Jugendkriminalität entzogen und er in eine andere Abteilung versetzt. Der Fall wurde in den Berliner Zeitungen ausgiebig diskutiert.Kirsten Heisig war als Richterin da in einer geschützteren Position; sie konnte nicht, wie der beamtete Staatsanwalt, einfach „weggereuscht“ (so seither der Berliner Volksmund für politisch motivierte Versetzungen) werden. Der Fall Reusch zeigt deutlich, gegen welches ungeheure Potential an ideologisch begründeter Feindseligkeit sie antrat.
4. Januar 2008, ZDF, Heute-Journal
Live-Interview, lt. Oda Dridi-Dörffel (s.o., Nov. 2006, geschrieben am 18. Nov. 2010) Kirsten Heisigs „endgültiger Durchbruch in der bundesweiten Öffentlichkeit“.
Es folgten zahlreiche Auftritte und Interviews in Fernsehen, Radio und Presse, beispielsweise:18. Okt. 2008, rbb-Talk, Berliner Abendschau15. Dez. 2008, DER SPIEGEL, „Unbequeme Wahrheiten“10. Jan. 2009, 9:05-11:00, Deutschlandradio Kultur. Studiogespräch: Dieter Kassel mit den Gästen Kirsten Heisig und Güner Balci

5. April 2009, 21:45-22:45, ARD, Talkshow „Anne Will“

3. Juni 2009 22:20, rbb-Klartext: „Neuköllner Erfolgsmodell“

11. Sept. 2009, SPIEGEL-TV, „Jugendrichterin Gnadenlos“

17. Sept. 2009, 22:15-23:15 h, ZDF, Talkshow „Maybrit Illner“ Thema: Der Mord in München-Solln Gäste: Konrad Freiberg (Vors. der Gewerkschaft der Polizei), Kirsten Heisig (Jugendrichterin), Joe Bausch (Gefängnisarzt), Giovanni di Lorenzo (Publizist)

7. Okt. 2009, WDR5, Tischgespräch mit Ulrich Horstmann

10. Okt. 2009, DER SPIEGEL, Interview „Ich bin mit dem größten Macho klargekommen“

10. März 2010, Talkshow Phoenix-Runde: „Ein Jahr nach Winnenden – wird unsere Jugend immer brutaler?“

29. Mai 2010, RTL, stern-TV

26. Juni 2010, SPIEGEL-TV: „Mit der Faust durch die Wand: Jugendgewalt in Deutschland“

10. Juli 2010, ZDF, „Peter Hahne“ (nicht gesendet, s.u. 26.06.2010)

18. Sept. 2008, Berliner Morgenpost
Kirsten Heisig: Wir brauchen Mut zu neuen Wegen.
„‚Die Berliner Kriminalitätsstatistik weist eine sinkende Zahl von Straftaten aus.‘ Diese häufig in den Medien veröffentlichte Aussage ist jedoch nur teilweise zutreffend. Insbesondere bei den Rohheits- und Gewaltdelikten, deren Bekämpfung für die Wahrung des sozialen Friedens am wichtigsten ist, steigt die Zahl der Delikte. Wer sind die Täter, wer sind die Opfer? Bei Delikten der Gewaltkriminalität ist auf der Täterseite die Anzahl junger Männer nicht deutscher Herkunft – es muss hier vorrangig von türkischstämmigen, aber noch deutlicher von arabischstämmigen Tätern die Rede sein – dreimal höher als bei deutschen Jugendlichen und Heranwachsenden. Hinzu kommt nach meinen langjährigen Erfahrungen als Richterin mit derartigen Verfahren, dass bei Gewalttaten, bei denen die Täter Migranten sind, auf der Opferseite zu etwa einem Dreiviertel Personen ohne den auf Täterseite erwähnten Migrationshintergrund stehen.Es ist in meinem Zuständigkeitsbereich zunehmend festzustellen, dass die Opfer von Straßenraubtaten und massiven Körperverletzungsdelikten jetzt nicht lediglich beraubt und zusammengeschlagen werden, sondern sie zudem mit ‚Scheißdeutscher‘, ‚Schweinefleischfresser‘ oder ‚Scheißchrist‘ bedacht werden. Für alle Beteiligten in der Justiz gilt: Oberste Priorität hat die Beschleunigung. Das bedeutet, dass das Familiengericht beispielsweise umgehend anzurufen ist, wenn die betroffenen Eltern keine Hilfe zur Erziehung annehmen. Dabei ist festzustellen, dass die erforderlichen Instrumentarien bereits vorhanden sind. So bestimmt das Sozialgesetzbuch Art und Umfang der Hilfen zur Erziehung. Der Einsatz von Familienhelfern ist hier vor allem ratsam. Das Familiengericht kann danach bei Kindeswohlgefährdung auf bloße Anregung des Jugendamts oder anderer Behörden tätig werden.Hieran fehlt es gegenwärtig zum Teil. Die Jugendämter stellten bislang verhältnismäßig selten Anträge auf Verhängung repressiver sorgerechtlicher Maßnahmen. Es kann hier im äußersten Fall auch zu einer Herausnahme des Kindes aus der Familie kommen. Eine solche hat nach meinem Wissen ohne Einverständnis der zum Teil völlig beratungsresistenten Familien bislang noch nicht stattgefunden.Es hat aber von Rechts wegen ausschließlich das Kindswohl im Zentrum aller Bemühungen zu stehen. Dieses ist nach meiner jugendrichterlichen Erfahrung mit einer Vielzahl von deckungsgleichen Lebensläufen zum Teil massiv gefährdet. Besonders dann, wenn der Schulbesuch seitens der bildungsfernen Elternhäuser nicht gefördert, teilweise schlicht nicht ermöglicht wird und das Kind sich bereits im strafunmündigen Alter in eine kriminelle Richtung zu entwickeln droht. Den Eltern der Jugendlichen müssen die Behörden mehr als bisher deutlich machen, dass das Heraushalten der Kinder aus der hiesigen Gesellschaft eine Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht darstellen kann. Dabei handelt es sich um einen Straftatbestand.

Eine Erhöhung der Höchststrafe der Jugendstrafe von 10 auf 15 Jahre bringt aus meiner Sicht nichts, wenn wir am Erziehungsgedanken festhalten wollen, was unstreitig ist. Wer innerhalb von zehn Jahren nicht erzogen wurde, bei dem gelingt das in weiteren fünf Jahren auch nicht. Auch eine Herabsetzung der Strafmündigkeit von 14 auf 12 Jahre halte ich für wenig hilfreich.

Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Wir brauchen den Mut zu neuen Wegen.“

19. Sept. 2008, Berliner Morgenpost
Jens Anker: [Reaktionen auf Kirsten Heisigs Artikel vom Vortag]
SPD und Grüne attackieren Neuköllner Jugendrichterin
SPD-Integrationsexperte Raed Saleh: „Das sind plumpe Forderungen aus der einseitigen Wahrnehmung ihrer Tätigkeit.“
Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann bezweifelt die behauptete „Abkehr der jugendlichen Straftäter mit ausländischem Hintergrund vom hiesigen Wertesystem“.
1. März 2010
Bürgerinnen-Preis „Liberta“ (2009) der FDP,
verliehen an Kirsten Heisig und Gabriele Minz.
März 2010
„Republikanische“ Kollegen: Kirsten Heisig ist als Jugendrichterin wegen Befangenheit abzulehnen
Informationsbrief Nr. 103, S. 30-32
Hg.: Republikanischer Anwältinnen- und Anwälteverein e.V. Berlin
„Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte für Demokratie und Menschenrechte“Rüdiger Jung (Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht):
Neues aus Moabit. Über die Jugendrichterin Heisig, den Rassismus und die Integration„Es vergeht kaum ein Monat, in dem die Jugendrichterin Kirsten Heisig nicht in Printmedien oder im Fernsehen neue Horrorszenarien über den Untergang des Abendlandes bzw. über die Abwehrschlacht der Deutschen gegen die unverschämten türkischen und/oder arabischen Jugendlichen in Berlin zum Besten gibt.
[…]
Eine solche Richterin ist gegenüber jungen Angeklagten mit einem so genannten Migrationshintergrund jedenfalls keine unbefangene Richterin und sollte daher wegen Befangenheit abgelehnt werden.“
27. März 2010, Stuttgarter Zeitung
Katja Bauer: Die unbequeme Richterin
Die Senatorin sprach nicht mit Kirsten Heisig, der personifizierten Kompetenzüberschreitung„Mitte dieses Jahres wird das ‚Neuköllner Modell‘ berlinweit in allen Polizeidirektionen umgesetzt sein. Die Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) notiert sich das in ihrer politischen Erfolgsbilanz. Was nicht heißt, dass sie auch nur ein einziges Mal persönlich mit der Richterin gesprochen hätte. ‚Es war ja keine Erfindung von mir‘, sagt die bescheiden. Das Gesetz sieht beschleunigte Verfahren vor. Aber es gab sie eben bisher nicht. ‚In den eigenen Reihen habe ich am Anfang nichts als irritiertes Schweigen geerntet.‘ Schon allein deshalb, weil es nicht üblich ist, dass einer aus dem Fußvolk einfach Dinge ändert.Aber auch, weil es eben Kirsten Heisig war, die es änderte. Denn diese kleine Frau mit der hellen Stimme stört irgendwie dauernd. Sie sagt den anderen, was bei ihnen falsch läuft. Der Polizei, den Ämtern, der Politik. Sie beklagt die Zustände in den Schulen, sie zürnt über den Berliner Senat, weil er die Meldepflicht für minderschwere Delikte an Schulen aufgehoben hat. Sie ist die fleischgewordene Kompetenzüberschreitung.“
1. Juni 2010
Einführung des von Kirsten Heisig initiierten „Neuköllner Modells“, das seit Anfang 2008 in einigen Bezirken erprobt wurde, in ganz Berlin.
17. Juni 2010, ZDF, heute-journal:
Interview mit Kirsten Heisig
Ausschnitte zitiert im heute-journal vom 26. Juli 2010
O-Ton Kirsten Heisig:
[Frage vermutlich, ob sie nach Erscheinen des Buchs weiter als Richterin tätig sein wolle]
„Ich übe meinen Beruf eigentlich mit Leidenschaft aus, das habe ich immer getan, das werde ich auch weiterhin tun.“
[Frage vermutlich, ob sie denn keine Angst habe]:
„Wovor sollte ich Angst haben? Es gibt arabische Jugendliche, die hassen mich, aber die achten mich.“
26. Juni 2010, Aufzeichnung für die ZDF-Talkshow „Peter Hahne“
Peter Hahne: Kirsten Heisig war „selbstbewusst, klar, engagiert, und kein bisschen resignativ.“
Die für den 10. Juli geplante Ausstrahlung des Interviews Hahnes mit Heisig wurde nach Bekanntgabe von Heisigs Suizid gestrichen. Über die Begründung äußerte sich Hahne in einem Interviewam 27. August 2010:
[ … ] Hat es mit Gründen der Religion zu tun, dass Ihr Interview mit der Jugendrichterin Kirsten Heisig, die sich zwei Tage später das Leben nahm, nicht ausgestrahlt wird?
Hahne: Nein. Überhaupt nicht. Es gab in dem Moment, als sie als vermisst gemeldet wurde, eine klare Absprache, auch mit unserer Rechtsabteilung, die lautete: Sollte es ein gewaltsamer Tod sein, mit Fremdeinwirkung, werden wir es ausstrahlen, weil es der Frau auch ein Denkmal setzt. In der Sekunde, wo sich herausstellt, dass es Selbstmord ist, zeigen wir es nicht.
Das hat bei mir vielleicht auch etwas mit meinem persönlichen Glauben zu tun – ich hatte aber letzten Endes mit der Entscheidung nichts zu tun. Wir haben den Entschluss immer wieder diskutiert, auch als ihr Buch herauskam und das Interesse immer größer wurde, immer mehr Zeitungen berichteten, weshalb dann auch eine Antwort von ihr – auf meine Frage, ob sie Angst hat – veröffentlicht wurde. Da haben wir gesagt: Den O-Ton geben wir raus, weil er auch ein Beleg dafür ist, wie selbstbewusst und klar und engagiert die Frau war.Den O-Ton – freilich nur eine kleine Probe – hatte Hahne allerdings schon am 6. Juli in einem anderen Interview bekannt gegeben:
„Diese Frau wurde ihrem Ruf mehr als gerecht in der Sendung“, berichtet der erfahrene TV-Journalist im Interview mit Quotenmeter.de. Sie sei bei ihm „sehr entschieden, eloquent, konsequent aber auch humorvoll aufgetreten“, beschreibt Hahne die 48-Jährige. „Auf die Frage, ob sie denn nicht Angst hat, meinte sie: Nein, überhaupt nicht. Die arabischen Jugendlichen achten mich“, berichtet Hahne weiter.
In der Sendung vertrat die Jugendrichterin den Standpunkt, je deutlicher man zur Rechtsordnung stehe und zu den Werten, desto mehr Respekt bekäme man von Migranten entgegengebracht. Dies gelte auch für die Jung-Kriminellen. Mit Peter Hahne hatte Kirsten Heisig nach der Aufzeichnung noch ein Wiedersehen vereinbart. Heisig habe sich beim ZDF-Talker mit den Worten ‚Bis zum nächsten Mal‘ verabschiedet.
„Sie erschien mir mutig, tatkräftig, zupackend und kein bisschen resignativ,“ so Peter Hahne.Bei Mord die Sendung ausstrahlen, als „Denkmal“, bei Selbstmord nicht. Versteht sich das von selbst, ohne Begründung? Am 8. April 2011 erinnerte sich Hahne in der Oldenburger Nordwest-Zeitung an die Suizid-Meldung: „Ich habe das damals nicht fassen können.“ Ungefragt fügte er hinzu, dass ihm und der Redaktion sofort klar gewesen sei, dass eine Ausstrahlung nicht in Betracht käme. Die Frage des Interviewers nach der Begründung blieb auch hier aus.
Donnerstag, 1. Juli 2010, ca. 9:00 h (erster Kommentar 9:25 h)
Eilmeldung: Richterin Kirsten Heisig vermisst (*)
Die Berliner Jugendrichterin … wird seit Montag vermisst. [ … ] Die Polizei, die bislang über mögliche Hintergründe des Verschwindens schweigt, begann in der Nacht zu Donnerstag mit einer grossangelegten Suchaktion. UPDATE 13 Uhr: Nach Informationen aus „Ermittlerkreisen“ sind Anhaltspunkte vorhanden, die leider auf einen Suizid schließen lassen. Diese Meinung vertrat die Redaktion von da an, ganz in Einklang mit den „politisch korrekten“ Leitmedien, ohne jede nähere Begründung – was sich so auswirkte, dass Kommentare, die die Suizidthese anzweifelten, oftmals umgehend gelöscht wurden.In einem redaktionellen Kurzhinweis vom 29. Juli auf das gerade erschienene Buch von Heisig heißt es: „Das von der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig geschriebene Buch Das Ende der Geduld erscheint nach ihrem Selbstmord, der übrigens weder von ihrer Familie noch von Freunden angezweifelt wird, wie ein Vermächtnis…“

Daraufhin kommentierte Leser/in Marti (Nr. 39, 29.7., 10:42 h):
„nach ihrem Selbstmord, der übrigens weder von ihrer Familie noch von Freunden angezweifelt wird…
Wieso vertritt PI derart massiv die Selbstmordthese? Wenn PI über bisher unveröffentlichte Stellungnahmen der Familie und des Freundeskreises verfügt, möge PI diese doch bitte veröffentlichen!
Wenn nicht, unterminiert PI damit das Vertrauen seiner Leser.“

Die barsche Antwort:
PI: Weil wir uns an den lächerlichen Verschwörungsszenarien nicht beteiligen.

(*) 6. Juni 2011 (Nachtrag):
pi-news.net nimmt Heisig-Kontroversen aus dem Netz.

Wenige Tage nach dem Einfügen dieses Abschnitts in diese Chronologie führen die beiden angegebenen Links zu dem Ergebnis
„Error 404 – Die Seite, nach der Sie suchen, existiert nicht mehr“.
Die Seiten sind jetzt aber noch aus dem Google-Cache abrufbar, der den letzten Stand vor der redaktionellen Löschung vom 1. Juni 2011 enthält:

Eilmeldung: Richterin Heisig vermisst
Kirsten Heisig: Das Ende der Geduld

16. Juni 2011 (Nachtrag zum Nachtrag):
pi-news.net stellt entfernte Seiten wieder ins Netz.

Wenige Tage nach dem Einstellen des obigen Nachtrags, spätestens seit dem 9. Juni 2011 (vor 16:27 h) bzw. dem 10. Juni 2011 (vor 15:12 h), sind die oben verlinkten Seiten wieder erreichbar.

Donnerstag, 1. Juli, bis Sonntag, 4. Juli 2010Am 1. Juli erschienen die ersten Berichte über die vermisste Jugendrichterin Kirsten Heisig in örtlichen und überregionalen Zeitungen, von nun an täglich, in den Online-Portalen auch mehrmals täglich.
Demnach sei Heisig am Montagabend (28. Juni) das letzte Mal gesehen worden, als sie Verwandte (variierend: Bekannte / einen Onkel) in Berlin-Reinickendorf besucht hatte. Am Dienstag (29. Juni) habe ein Kollege (variierend: ein Bekannter / der Ehemann) die Vermisstenmeldung aufgegeben. Am Mittwoch, gegen 14 h sei Heisigs PKW gefunden worden, ordnungsgemäss geparkt und verschlossen in der Heiligenseestrasse am Tegeler Forst, ohne Hinweis auf ihren Verbleib.
Noch am gleichen Nachmittag begann eine Suchaktion in dem angrenzenden Waldgebiet, die erst um 3 h nachts abgebrochen wurde. Weitere Suchaktionen wurden an den folgenden drei Tagen durchgeführt. Zum Einsatz kamen Hundertschaften von Polizei und Bereitschaftspolizei, mehrere Leichenspürhunde sowie speziell ausgebildete man trailing dogsund ein Hubschrauber mit Wärmebildkameraausrüstung (die aber wegen der herrschenden grossen Hitze keine brauchbaren Ergebnisse lieferte).Kennzeichnend für alle Berichte in den Medien ist, dass die nächstliegende Vermutung, Heisig sei entführt oder gar ermordet worden, auch nicht andeutungsweise erwähnt wurde.
Dies könnte eine Folge davon sein, dass bereits am 1. Juli die Berliner Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) vor die anlässlich einer Sitzung des Abgeordnetenhauses versammelten Journalisten getreten war und verkündete, was wie eine Parole wirkte:
„Es gibt keine Hinweise auf eine Straftat. Vermutet wird ein persönlicher Hintergrund.“
Sie fügte dem hinzu:
„Ich hoffe sehr, dass Frau Heisig unversehrt gefunden wird. Ich schätze sie außerordentlich. Sie ist eine sehr engagierte Richterin.“
(Polizei durchkämmt Waldstück nach Richterin, Berliner Morgenpost, 1. Juli 2010)Dies war in der Folge unisono in den Leitmedien und deren publizistischem Tross zu lesen. Man gab sich – aufgrund der Verhängung einer totalen Nachrichtensperre die politische Brisanz des Falles gewiss bemerkend – mit dieser Version zufrieden.Beispiel:

Der Tagesspiegel (Berlin):
1. Juli: Rätsel um verschwundene Jugendrichterin.
Durch Untertitel hervorgehoben: „Polizei hat keine Hinweise auf Verbrechen.“
Ein Gerücht, Heisig sei in psychologischer Behandlung gewesen, wurde unter der Versicherung, es habe nicht bestätigt werden können, überhaupt erst einmal lanciert (am nächsten Tag dann doch bestätigt).
2. Juli: Suche nach Neuköllner Jugendrichterin weiter erfolglos.
Durch Untertitel und Zwischentitel hervorgehoben: „Die Hinweise auf einen Suizid verdichten sich.“ Dazu im Artikel nur dies: „Ein ehemaliger Weggefährte der Richterin bestätigte dem Tagesspiegel, dass die Frau in psychologischer Behandlung gewesen sei. Möglicherweise habe sie sich beruflich zu sehr unter Druck gesehen.“
3. Juli, 23:07 h: Jugendrichterin Kirsten Heisig ist tot.
Durch Untertitel hervorgehoben: „Es gibt keine Hinweise auf ein Fremdverschulden.“

Am Sonnabend, den 3. Juli, wurde also Heisigs Leiche am frühen Nachmittag, gegen 15:45 h, gefunden, wenige hundert Meter von dem Ort entfernt, an dem ihr Wagen geparkt war. An diesem Tag, von 16:00 bis 17:45 h, fand eines der spannendsten Spiele der Fussballweltmeisterschaft statt: Deutschland gegen Argentinien im Viertelfinale. Deutschland gewann sensationell 4:0. Trotz des allgemeinen Siegestaumels berief die Berliner Justizsenatorin Gisela von der Aue, die schon in den Vortagen nachdrücklich die These „kein Verbrechen“ verkündet hatte, um 18:00 h zur Pressekonferenz in die Justizverwaltung. Sie wolle Kirsten Heisig würdigen und „den Spekulationen ein Ende bereiten.“ Um welcherart Spekulationen es sich handelte, sagte sie nicht. Stattdessen verkündete die Senatorin, „die zeitweilig nur schwer ihre Tränen zurückhalten konnte“, folgendes: „Nach bisherigen Erkenntnissen müsse man wohl von einem Suizid ausgehen.“ Staatsanwaltschaft und Polizei freilich wollten noch das rechtsmedizinische Gutachten abwarten. Dies liess nicht lange auf sich warten: schon am nächsten Tag, am Sonntag, den 4. Juli, stand offiziell fest: Es war Suizid. (vgl. Tagesspiegel, 4. Juli: Von unnachgiebiger Freundlichkeit)

Die übergrosse Eile, mit der die Justizsenatorin inmitten der Fussball-WM-Siegesfeiern zur Pressekonferenz lud, um die schon zuvor in den Medien ventilierte Suizidthese zu bekräftigen, war auffällig, wurde aber in den Zeitungsberichten meist übergangen. Ausnahmen waren Emma, 7. Juli („befremdlich“) und Tagesspiegel, 16. Nov. („unprofessionell“) — ohne freilich den Verdacht zu äußern, dass die Senatorin als Adressat nicht die Berliner Bevölkerung im Sinn hatte, die den soeben errungenen Fussball-Sieg feierte, auch nicht die erschienenen Journalisten, sondern primär den ebenso eilig zum Fundort der Leiche bestellten Chef der Berliner Rechtsmedizin, Michael Tsokos (vgl. 23. Sept. 2010, Berliner Zeitung / 5. Nov. 2010, Talkshow „Riverboat“). Tsokos nahm noch am Abend des gleichen Tages die Obduktion vor, so dass am Sonntag, den 4. Juli, die Suizidthese offiziell bestätigt werden konnte.

Vgl. hierzu auch:
Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Justiz Nr. 30/2010 vom 3. Juli 2010:
Berlins Justizsenatorin Gisela von der Aue zum Tod der Jugendrichterin Kirsten Heisig.

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In einigen Medien wurde am 1. Juli berichtet, dass Suchtrupps der Polizei eine Frauenleiche gefunden haben.
http://www.open-speech.com/fact-fiction/p=4537.html

http://schreibomat.de/jugendrichterin-kirsten-heisig-ermordet

Diese Meldung erschien auch in Online-Ausgaben Berliner Zeitungen, wurde bald aber wieder gelöscht – kommentarlos, so dass offen bleibt, ob es sich um eine Fehlmeldung gehandelt hat. Sie war wohl der Anlass für die folgende Karikatur von Götz Wiedenroth.

Seit dem 4. Juli 2010 ist in den etablierten Medien einmütig zu lesen und zu hören: „Kirsten Heisig hat sich selbst getötet“. Es gab keine genaueren Nachfragen, keine Recherchen investigativer Journalisten (zur Ausnahme Gerhard Wisnewski separat).Die Reaktion auf eine Anfrage bei der Vereinigung netzwerk recherche e.V. netzwerk recherche
die sich den investigativen Journalismus auf die Fahne geschrieben hat (1. Vors. Thomas Leif, 2. Vors. Hans Leyendecker), war enttäuschend, vielleicht aber durchaus erwartbar bei diesem als politisch hochbrisant erkennbaren Fall. So war für deren Preis an den „Informationsblockierer des Jahres“, die Verschlossene Auster, die Berliner Staatsanwaltschaft gewiss nicht unter den Kandidaten.Allein, dass die Behörden eine Nachrichtensperre verhängt haben, hätte aufhorchen lassen müssen, jedenfalls jeden Journalisten, insbesondere jeden investigativen. Aber selbst das Faktum der Nachrichtensperre blieb in den Medien unerwähnt, bis ein einzelner Journalist, der o.g. Wisnewski, auf dem Gerichtsweg ihre Lockerung erzwang (s. 19. Nov. 2010).
5. Juli 2010, 00:01 h
„Hallowach“: Auf Kirsten Heisigs Spuren im Tegeler Forst – Bericht von einer Ortsbegehung
„Hallowach“ berichtet von einer Besichtigung des Ortes, wo Kirsten Heisig Presseberichten zufolge gefunden worden war, und über Befragungen von Anwohnern.Der Wald: naturbelassen, kein Wirtschaftswald; Bäume meist gross, glatt, ohne erreichbare Äste, kaum zum Erhängen geeignet; Wald durch ein dichtes Netz von Wegen erschlossen, immer Strassenverkehr in hörbarer Entfernung.Aussagen von Anwohnern (mind. drei): den Fundort können sie nicht genau bezeichnen; manche meinten, Heisig sei doch im nahen Kornfeld gefunden worden, zwei Dreizehnjährige berichteten dasselbe (s.o.: 1. Juli); von der Polizei wurden die befragten Anwohner nicht zur Sache vernommen (etwa, ob sie Heisig, ihr Auto, bemerkt haben, sie dort öfter gejoggt sei, mit Hund oder ohne, etc.); keiner hält es für möglich, dass bei den herrschenden hochsommerlichen Temperaturen Heisigs Leiche dort irgendwo von Montag bis Sonnabend gehangen habe, ohne dass ihre Hunde oder Hunde von Spaziergängern sie nicht sofort erspürt hätten, sogar jeder Anwohner selbst, denn: Vor ein paar Jahren sei dort ein Wildschwein überfahren und der Kadaver nicht sofort entfernt worden – der Gestank in der Gegend sei fürchterlich gewesen.
6. Juli 2010, Berliner MorgenpostKeine Trauerfeier, kein Kondolenzbuch für Kirsten Heisig
Kirsten Heisigs Buch soll ihr Vermächtnis sein
„Die Berliner Justiz plant bislang keine Trauerfeier für Heisig. „Das hat die Familie zu entscheiden“, sagte eine Gerichtssprecherin. Auch ein Kondolenzbuch solle nicht ausgelegt werden, da dies bei anderen verstorbenen Kollegen auch nicht gemacht werde.“Am 7. Juli 2010 schrieb René Stadtkewitz, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin, in einem
Offenen Brief an die Justizsenatorin Gisela von der Aue:
„…Nun lese ich in einer Zeitung, dass in Ihrer Verwaltung darum gestritten wird, ob der Gleichbehandlungsgrundsatz der Auslegung eines Kondolenzbuches oder einer öffentlichen Trauerfeier im Wege steht. Aber Kirsten Heisig hat deutlich gezeigt, dass sie mehr als eine Jugendrichterin war. Sie war Sozialarbeiterin und nahm Einfluss auf die Politik.
Ich bitte Sie deshalb, beenden Sie diesen Streit und machen Sie beides. Lassen Sie zu, dass an geeigneter Stelle ein Kondolenzbuch ausgelegt wird und richten Sie eine Trauerfeierstunde ein, damit unzählige Berlinerinnen und Berliner von dieser aufrichtigen und ehrlichen Frau Abschied nehmen können. …“Ein halbes Jahr später kam Stadtkewitz in einem Interview darauf zurück (siehe 8. Januar 2011):
„Bereits kurz nach ihrem Tod sollten offenbar schnell ihre [Heisigs] Spuren verschwinden. Ich habe nie verstanden, warum die zuständige Justiz-Senatorin Gisela von der Aue nicht bereit war, wenigstens ein Kondolenzbuch auszulegen. Mit fadenscheinigen Begründungen wurde diese Mindestwürdigung ihrer Arbei abgelehnt. … In dieser Zeit wäre ich für die Unterstützung dieses Anliegens von manch heute genanntem Weggefährten dankbar gewesen. Lediglich eine enge Freundin schloss sich meinen Fordeurngen an…“
6. Juli 2010
Kirsten Heisigs Hund
Heisig soll einen Hund gehabt haben, mit dem sie, wie in der Berliner Morgenpost vom 4. Juli 2010zu lesen, regelmässig in den Wald zum Joggen ging.Gerhard Wisnewski versuchte zu recherchieren, ob sie den Hund etwa am Tag ihres Verschwindens bei sich hatte und was aus ihm geworden ist. Er war auf diese Fährte gekommen, weil ihm, wie er am 16. Juli schreibt, ein Spaziergänger mitgeteilt hat, am 6. Juli in der Nähe der in den Medien genannten Fundstelle der Leiche Heisigs eine interessante Entdeckung gemacht zu haben: erstens eine grosse Plastikplane, die starken Verwesungsgeruch verströmte; zweitens einen in eine weitere Plastikplane dicht verpackten und grossteils eingegrabenen Hundekadaver mit rötlich-braunem Fell.Der Spaziergänger habe die Polizei gerufen, die ihm gesagt habe, dass sie die Kriminalpolizei verständigen werde. Als er am nächsten Tag die gleiche Stelle wieder aufgesucht habe, sei nicht nur die Plane beseitigt gewesen, sondern zudem der Fundort mit schweren Baumstämmen abgedeckt, zu deren Bewegung, auch den Spuren nach zu urteilen, ein mobiles Forsthebezeug eingesetzt worden ist.Wisnewski ging zunächst der Frage nach, ob es stimme, dass Heisig einen Hund gehabt habe. Der o.g. Berliner Stadtverordnete René Stadtkewitz, der mit Heisig befreundet war, bestätigte am 17. Juli die Pressemeldung: „Ja, ich weiß, dass sie einen Hund hatte. Sie erwähnte ihn hin und wieder als ihren persönlichen Schutz, wenn sie allein in Parks oder durch den Wald joggen ging. Dass sie dies regelmässig tat, hat man ihr wohl angesehen. Was aus dem Hund geworden ist und ob sie ihn an diesem Tag dabei hatte, weiß ich nicht.“ (ebd.)

Die meisten verantwortungsbewussten Hundehalter lassen ihren Hund mit einem Chip versehen, damit er im Falle des Entlaufens vom Finder schnell identifiziert und seinem Halter wieder zugeführt werden kann. Die landesweit zentrale Registrierung der Hunde erfolgt bei der Organisation TASSO (www.tasso.net). Ich fragte deshalb dort an und bekam am 26. Okt. 2010 die Auskunft:
„Ich kann Ihnen mitteilen, dass der Hund [Kirsten Heisigs] bei Tasso e.V. registriert und nicht als verstorben eingetragen ist. Alles andere unterliegt dem Datenschutz!“

In einem zusammenfassenden Bericht, den Wisnewski in seinem Buch verheimlicht vertuscht vergessen (Knaur-Taschenbuch Nr. 78399, Januar 2011, S. 220f) gibt, ergänzt er: sein Informant habe sich ein Chip-Lesegerät besorgt, sei am 20. August 2010 noch einmal zu jenem Ort gegangen und habe den – tatsächlich noch vorhandenen – weitgehend eingegrabenen Hundekadaver freigelegt. Dem mittlerweile stark verwesten Tier habe jedoch der Kopf gefehlt, vermutlich mitsamt der Stelle am Hals, an der der Chip meist eingepflanzt wird. Jedenfalls habe das Lesegerät keine Anzeige gegeben.

Die Überprüfung dieser Geschichte, die ein entscheidender Ansatzpunkt für die Aufklärung des Todesfalles Heisig sein könnte, war bisher wegen strikter Geheimhaltungspolitik der Staatsanwaltschaft (s. 15. Sept. 2010) und der Polizei (s. 9. März 2011), nicht möglich. Diese Geheimhaltungspolitk aber – und das erscheint mir wichtiger und bezeichnend für diesen Fall – ist nur durchhaltbar, weil „die Öffentlichkeit“ von Beginn an vor einer kritischen Prüfung des Falles zurückschreckte und eilfertig die Suizidthese verbreitete, vielleicht ahnend, dass sich sonst die „private Tragödie“ als hochpolitischer Skandal erweisen könnte, und zwar einer von der Art, die parteiübergreifend zu vermeiden getrachtet wird.

7. Juli 2010, EMMA-online:
Ein sehr befremdlicher Selbstmord
Aus dem nicht gezeichneten Vorspann zu einem Bericht über Kirsten Heisig von Necla Kelek:

. . .
Kirsten Heisig © EMMA
7. Juli 2010, Jürgen Elsässer,
in Fortsetzung seines Blogeintrags vom 5. Juli:
Tod einer Richterin: Weitere Mordindizien
Elsässer nennt kurz einige weitere Punkte, die seiner Meinung nach gegen die Suizidthese sprechen.
Kurz darauf, undatiert, aber nicht später als am 8. Juli, relativiert er seine Einschätzung des Falles, zieht sich aus der Affäre und nennt dafür einen erstaunlichen Grund:
„Habe grade mit einem Reporter gesprochen, der Frau Heisig persönlich kannte. Er hält Suizid für plausibel aufgrund der Schicksalsschläge, die die Richterin im persönlichen Bereich zu ertragen hatte. Am Tag des Verschwindens bzw. kurz davor habe sie so durcheinander gewirkt wie nie zuvor. – Also, um es klar zu machen: Die Mordversion ist genauso wenig bewiesen wie die Selbstmordversion!“
9. Juli 2010

Die konservative Wochenzeitung Junge Freiheit, die als eine der ersten am 30. Juni Heisigs Vermisstmeldung brachte, zeigte sich am 4. Juli in einer Online-Meldung Jugendrichterin Kirsten Heisig tot aufgefundenskeptisch: „Mittlerweile steht für die Staatsanwaltschaft fest, dass [sie] sich selbst getötet hat.“ Und zur Justizsenatorin Gisela von der Aue, die sich „erschüttert gezeigt“ habe: „Unklar ist, warum die Politikerin noch vor Bekanntgabe des Obduktionsergebnisses [richtig: vor der Obduktion] verlautbarte, Heisig habe Suizid begangen.“
Am 9. Juli folgte ein Bericht Selbstmord einer Richterin, der im Titel – und im Untertitel: „…nun nahm sie sich das Leben“ – klar die Suizidthese übernimmt. Der Autor Ronald Gläser berichtet jedoch ausführlich darüber, dass und mit welchen Zweifeln in vielen Internetforen dieser These misstraut wird, beteuert dann aber wieder, dass trotz mancher unbeantworteter Fragen „die Fakten doch eindeutig“ seien. Die Polizei habe keine Spuren von Fremdeinwirkung gefunden. Und wieder: „Heisig scheint [!] freiwillig aus dem Leben geschieden zu sein.“Man war offenbar in der JF-Redaktion nicht wirklich von der amtlichen Version überzeugt. Am 24. Sept. heißt es in einer mit krk [Felix Krautkrämer] gezeichneten Online-Notiz zur postumen Verleihung des Bul le mérite an Heisig distanziert: „Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll die Richterin Selbstmord begangen haben.“Diese nach wie vor bestehende Skepsis zeigt sich auch in zwei weiteren Berichten (Online-Notiz vom 16. Nov. und Artikel Wisnewski-Urteil gut für Pressefreiheit vom 26. Nov.) von Ronald Gläser, die zu Wisnewskis Klageerfolg gratulieren. Seine Freude darüber, dass es „künftig leichter sein [werde], Akteneinsicht zu erhalten“, war indes voreilig und zerfloss angesichts des faktischen Resultats des OVG-Urteils (siehe 19. Nov. 2010).In der JF-Ausgabe vom 4. März 2011 berichtete Ronald Gläser auf S. 19 von der Pressevorführung des WDR-Films über Kirsten Heisig (siehe 9. März 2011). Die Filmautorinnen hätten sich zwar darüber beklagt, dass ihnen die Polizei jede Auskunft verweigerte, zeigten sich aber trotzdem davon überzeugt, dass Heisig sich selbst getötet hat. Die Fragen der Journalisten indes drehten sich „vorwiegend darum, ob nicht doch Misstrauen gegenüber dieser offiziellen Version angebracht sei.“ (Von diesem Misstrauen ist jedoch in den meisten Berichten der anderen Journalisten nichts zu spüren).
10. Juli 2010, FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung, S. 38:
Traueranzeige für Kirsten Heisig:
„In unserem Gesprächskreis war sie uns eine leidenschaftliche und kluge Partnerin, deren Mut und Engagement wir bewundert haben.“
Unterzeichnet von: Monika Maron und Necla Kelek, Nasrin Amirsedghi, Ezhar Cezairli, Güner Balci, Vazrik Bazil, Ingke Brodersen, Gilles Duhem, Ralph Ghadban, Sybille Blomeyer, Andreas Hierholzer, Klaus Hartung, Gabriele Heinemann, Eduard Heussen, Reinhold Jaretzky, Joung-Sook Authenrieth, Marie-Luise Knott, Reinhard Laska, Jutta Laska, Peter Mathews, Sabine Merseburger, Peter Merseburger, Regina Mönch, Eugenie Marquardt, Morus 14 e.V., Mädchenzentrum Madonna, Marie Haller-Nevermann, Knut Nevermann, Timm Paulick, Pia Pollack, Marcella Rehm, Werner Rehm, Jens Reich, Eva Reich, Simone Rothweiler, Hermann Rudolph, Martin Warnach, Marie Wildermann, Michael Wolffsohn, Rita Wolffsohn, Sevil Yildirim, Ali Yildiz.
10. Juli 2010, instock – der börseninformationsdienst: „Niquets Welt“
Bernd Niquet : Auf Unstimmigkeiten achten!:
Oft schon habe ich mich gefragt, wie es denn eigentlich ablaufen könnte, wenn der Staat einmal einen harten Schnitt macht? Wie gelingt es dann, dass im Vorfeld nichts bekannt wird? Wie schafft man es, dass alle Entscheidungsträger dichthalten? In Berlin hat man in diesem Zusammenhang möglicherweise gerade eine kleine Generalprobe veranstaltet. Und selbst wenn das keine Generalprobe war, so ergeben sich daraus Impressionen, die man sich merken sollte.[ … ]In Berlin ist also eine ziemlich verhasste Richterin, die am Morgen noch die letzten Änderungen an den Druckfahnen ihres Buches vorgenommen hat, am Abend in den Wald gefahren und hat sich an einem Baum erhängt, was im Übrigen eine typisch männliche Selbstmordart darstellt. Obwohl pädagogisch bestens geschult und täglich im Umgang mit Jugendlichen mit Problemen im Elternhaus, tritt sie aus dem Leben ohne ihren Kindern einen Abschiedbrief mit auf den Lebensweg zu geben.Das alles ist möglich, es ist möglich, dass es so gewesen ist, doch die Wahrscheinlichkeit für so ein Verhalten liegt nahe null. Stutzig macht ebenfalls, dass hier alles bereits im Vorfeld gemeldet wurde, bevor es eigentlich gewusst werden konnte. Und was einem regelrecht Angst einjagt, ist, dass über alle diese Punkte ausschließlich in Internetboards diskutiert wird, jedoch keine einzelne Adresse der etablierten Presse diese Punkte auch nur einmal angesprochen hat.

[ … ]

19. Juli 2010, DER SPIEGEL Nr. 29/2010, S. 126-129
Kirsten Heisig:
Angst ist ein schlechter Ratgeber
Einblicke in die Parallelgesellschaft Neuköllns
(pdf)
Vorabdruck (leicht gekürzt) des Kapitels Typische Intensivtäterkarrieren aus Kirsten Heisigs Buch Das Ende der Geduld, S. 80-99
21. Juli 2010

Tobias Riegel: Das Ende der Reflexion, S. 10
„unwissenschaftlich“, „abenteuerlich“, „anmaßend“
Während alle etablierten Medien (incl. taz, Junge Welt) sich aufgrund der fraglos akzeptierten Suizidthese „pietätvoll“ verhielten und Kirsten Heisigs Ideen positiv besprachen, war dies eine scharfe Polemik gegen das noch nicht erschienene Buch. Sie schließt mit dem Satz: „In der Sache hilft Heisigs Schrift also ebenso wenig weiter, wie die eitlen Rassistenmonologe eines Thilo Sarrazin.“ (so gedruckt; in der online-Version heißt es – am 7.4.2011 – statt RassistenmonologeMonologe)Dazu der Kommentar einer Leserin vom 21. Juli 2010:
„Als Neuköllnerin und gesellschaftlich interessierte Mitbürgerin würde mich interessieren, nach welchen Vorgaben die Drogen- und Kriminalpolizei in Neukölln vorgeht. Wann greift sie ein? Warum können auf der Straße harte Drogen von 12- Jährigen verkauft werden? Warum stoppt niemand die Drahtzieher? Und wieso reden alle die Probleme in Neukölln klein? Nur, weil im Norden von Neukölln die gutbürgerliche Mitte aus Kreuzberg herüberschwappt, heißt das noch lange nicht, dass sich das Gesamtbild in Neukölln so mächtig verändert. Übrigens: Die gutbürgerliche Party-Crowd trifft man gerne auch mal zum Drogenkaufen in der Hasenheide…“Der letzte Satz spricht etwas verschämt einen Zusammenhang an, dessen Bedeutung für die Beurteilung des Falles Heisig selten gesehen wird. Was würde aus den usern ohne ihre dealer? Und wer sind konkret die user aus der „gutbürgerlichen Party-Crowd“? Nur mal rhetorisch gefragt.
(Vgl. hierzu den Kommentar zu einem Artikel der NZZ vom 15.09.2010, s.u.)
26. Juli 2010, ZDF, heute-journal, 3:05 min
Christhard Läpple: Bericht über Kirsten Heisig und ihr Buch
Aussage: Kirsten Heisigs Leichnam habe in 5 MeterHöhe an einem Baum gehangen.
Die Quelle dieser Information wird in dem Fernsehbericht nicht genannt. Bekannt war durch Photos, z. B. in der Berliner Morgenpost vom 4. Juli, dass die Polizei extra Leitern anforderte, um die Leiche zu bergen. Der Karikaturist Götz Wiedenroth stellte das mögliche Szenario so dar:In dem von Wisnewski auf dem Gerichtswege erzwungenen Bericht der Generalstaatsanwaltschaft vom 19. Nov. 2010 (s. u.) heißt es, ohne die Anforderung von Leitern zu erklären:
„Die Tote hat sich anscheinend nach vorne in die um ihren Hals liegende Schlinge fallen lassen und sich vor dem Erhängen nicht auf einen Gegenstand gestellt, eine entsprechende Steighilfe war am Ort nicht vorhanden.“Zitate aus dem Filmbericht:

O-Ton Heinz Buschkowsky, SPD-Bürgermeister von Neukölln:
„Sie war keine Richterin Gnadenlos. Das ist Unfug. Sie war auch nicht Berlins härteste Richterin. Sie war aber eine Vertreterin der Linie, dass die Gesellschaft, dass der Staat sich nicht der Lächerlichkeit preisgeben darf. — Ich war dabei, als man versuchte, sie öffentlich madig zu machen, das ist alles unnötig, das machen wir alles doch schon längst, die Justiz ist schnell, schneller geht’s nicht, warum macht die Frau denn so’n Wirbel, das ist doch alles nur ein Ego-Trip. Das waren so die Vorwürfe – die sie persönlich übrigens trafen.“

O-Ton Güner Balci, Autorin („Arabboy“) und Filmemacherin (s.u. 9. März 2011):
„Immer wieder gab es auch das Gerücht, dass man Kirsten Heisig eigentlich raushaben wollte aus Neukölln, aus Berlin, denn sie war einfach zu laut, sie wollte zu viel, war zu engagiert, und wenn man zu engagiert ist, kann man auch sehr schnell anecken.“

27. Juli 2010, Deutschlandradio Kultur
Der Programmleiter des Herder-Verlags, Initiator und Lektor von Kirsten Heisigs Buchprojekt, Dr. Stephan Meyer, im Gespräch mit Ulrike Timm
Kirsten Heisigs Buch ist kein „Vermächtnis“
(wie es in den Medien oft genannt wird)[ … ]
Timm: Stephan Meyer, Kirsten Heisig hat ein ziemliches Fanal gesetzt: Sie hat Ihnen, dem Lektor, letzte Korrekturen übermittelt und sich dann umgebracht. Insofern liegt es nahe, dieses Buch als Vermächtnis zu lesen. Lesen Sie es auch so?Meyer: Ich lese es nicht als Vermächtnis, weil ich glaube dieser Begriff was anderes bedeutet als jetzt naheliegt. Das hätte bedeutet, dass sie dieses Buch sozusagen auf diesen Punkt ihres Abschieds aus ihrem Leben sozusagen hingeschrieben hat. Dafür gibt es für mich jedenfalls keine erkennbaren Anzeichen…
Dass das durch ihren tragischen Tod jetzt im Nachhinein zu einem Vermächtnis geworden ist, liegt leider in der Natur der Sache, aber ist sicherlich, soweit ich das sagen kann, nie von ihr so beabsichtigt gewesen. Und ich möchte es dann so auch nicht lesen. Ihr selber, die sich sehr auf dieses Buch gefreut hat und es gar nicht erwarten konnte, dass das Buch Streit und Diskussion und Engagement hervorruft, war es sehr wichtig, dass dieses Buch pünktlich erscheint. Sie hat sich sehr darauf gefreut und insofern ist, kann ich nur noch mal betonen, ist von einem Vermächtnis in dem strengen Sinne dieses Begriffs, glaube ich nicht die Rede.


Rache aus dem Milieu?

Timm: Hat man als Verlag oder hatte auch Kirsten Heisig Angst vor Rache aus dem Milieu?

Meyer: Also, als Verlagsmensch kann ich Ihnen sagen, dass ich keine Angst habe … hier im beschaulichen Freiburg…
Frau Heisig selbst, glaube ich, hat Grund gehabt, sich nicht immer allzu sicher zu fühlen, aber genaue Hintergründe und Details hat sie mir nie so beschrieben. Und die, die sie beschrieben hat, möchte ich hier jetzt auch nicht nennen.


Juristisch geklärte, stark gekürzte Manuskriptversion

Timm: Sie nennt Namen, sie nennt Details. – Rechnen Sie als Verlag eigentlich noch mit rechtlichem Ärger?

Meyer: Also, es hat verschiedene Manuskriptversionen gegeben. Die Manuskriptversion, die jetzt in dem Buch nachzulesen ist, ist eine [die] juristisch geklärte, persönlichkeitsrechtlich untersuchte Variante; in der ursprünglichen Version, die sehr viel umfangreicher also an Seitenzahlen als auch konkreter in den Zusammenhängen und Namen war, da hätten wir sicherlich Vorgänge, wie Sie sie gerade beschrieben haben, befürchten müssen.

29. Juli 2010, Christoph Hörstel
Warum die Berliner Jugendrichterin Heisig ermordet wurde
„Das hanebüchene Verhalten der Berliner Behörden im vermutlichen Mordfall Heisig weist auf ein schlechtes Gewissen dieser Behörden hin. Zu den Gründen dafür muss ein in der Konsequenz ungeheuerlicher Verdacht geäußert werden.
[ … ]
Zugespitzt gefragt: Musste Heisig sterben, weil sie unserem Staat auf die Schliche zu kommen drohte? War sie ihm bereits auf der Spur – und stand kurz vor weiteren Veröffentlichungen? Muss deshalb die kaum noch haltbare Selbstmord-Theorie so lange wie möglich aufrechterhalten bleiben?
Wenn allerdings ein Selbstmord von Staats wegen vorgetäuscht werden sollte, können wir davon ausgehen, dass wir kaum beweiskräftig dahinterkommen. Natürlich kann auch einmal etwas ’schief gehen‘.
Die Akte Heisig bleibt also ungeklärt auf dem Tisch – die Angelegenheit stinkt gewaltig.“
1. Aug. 2010
In dem libertären Monatsmagazin, das den Anspruch erhebt, „aktuelle Themen aus einer ungewöhnlichen, in den Mainstream-Medien selten oder gar nicht zu findenden Sicht zu kommentieren“, erschien – in einem Online-Beitrag, der nicht in die Druckfassung übernommen wurde – der Artikel
Homo Absolutus: Zum Tod von Kirsten Heisig von Frank Lisson.
Der Autor prangert zwar an, dass zu den von Heisig thematisierten Problemen „fast alle Leitmedien [sich] in Beschwichtigungen ergehen“, die Ursachen ignorieren, die Tatsachen nicht sehen wollen. Was er in dem durchgehend kritischen Artikel jedoch völlig unkritisch von den Leitmedien übernimmt, ist ausgerechnet die hervorstechendste Beschwichtigung des Publikums: Heisig habe sich selbst das Leben genommen.Näher wurde der Fall Heisig in der Zeitschrift nicht mehr thematisiert. Zwar wunderte sich der Herausgeber André Lichtschlag noch in einem Kommentar zu einer Maybrit-Illner-Diskussion im ZDF (Thema: „Ausländerangst“, anlässlich des Erscheinens von Sarrazins Deutschland schafft sich ab) am 3. Sept.:
„Seltsam, wenn auch in der dritten grossen Talkshow zum Thema der Name ‚Kirsten Heisig‘ nicht einmal fällt.“
Aber er schien sich dabei nicht bewusst zu sein, dass auch in seinem eigenen Blatt Kirsten Heisig – von Lissons Online-Artikel abgesehen – kein Thema war. Verdrängung einer auch diesem oft provokativen Organ zu heißen Sache? Jedenfalls hatte Götz Wiedenroth, der schon hunderte von Karikaturen für ef lieferte, auch zu diesem Thema etwas Passendes im Angebot (siehe oben: 1.-4. und 26. Juli) – das aber nicht gedruckt wurde.
7. Aug. 2010, Neue Zürcher Zeitung
Den Tätern Paroli bietenvon Joachim Güntner
„Vor einem Monat fand man die Leiche der schon als vermisst gemeldeten Richterin im Tegeler Forst. Ihr mutmasslicher Selbstmord gibt vielen Berlinern Rätsel auf…“
Hervorhebung BAL, denn schon dieser nur beiläufig angedeutete Zweifel an der offiziellen Suizid-These findet kein Pendant in den deutschen etablierten Medien (s. 11. Nov. 2010).
12. Aug. 2010, Die Achse des Guten Redaktion:
Henryk M. Broder
Dirk Maxeiner
Michael Mierschwww.achgut.com„Erselbstmordet“ und …?In diesem „Online-Tagebuch“, in dem gut drei Dutzend Stammautoren meist kurze, oft ironisch bissige Texte, Fundstücke oder Lesehinweise veröffentlichen, gab es bis zu diesem Zeitpunkt bereits drei kurze Artikel, die sich mit Heisig befassten:

Am 5. Juli schrieb Walter Schmidt, damals noch als Gastautor, eine scharfe Polemik gegen einen am gleichen Tag in der WELT erschienenen Artikel von Wolfgang Bergmann, Sie war eine Zweiflerin. Er nannte auch das jahrelange Mobbing der Berliner Justizverwaltung gegen Heisig, das andernorts jetzt meist beschwiegen wurde, beim Namen und schloss:
„Die tote Kirsten Heisig kann sich nun weder gegen die z.T. heuchlerische Trauer ihrer obersten Dienstherrin, der Berliner Justizsenatorin von Aue (SPD) [s.o. 1.-4. Juli, Karikatur], noch gegen eine heuchlerische Solidarisierung von Symbiosepädagogen wie dem Hannoveraner Erziehungswissenschaftler und Kinderpsychologen Bergmann zur Wehr setzen.
Bezeichnend ist auch, dass nahezu alle Kommentatoren im Falle Heisigs von Selbstmord als letzter Konsequenz eines ganz persönlichen, z.T. auch familiären Dramas ausgehen.
Auf einer solchen Grundlage lässt es sich trefflich über ‚Deutschlands strengste Richterin‘ urteilen.“

Einen noch schärferen Ton schlug der Stammautor Bernd Zeller an. Am 19. Juli schrieb er, dass Heisigs Buch (bis dahin nur aus einem SPIEGEL-Vorabdruck bekannt) künftigen Forschern als Quelle dienen werde, um zu erfahren, „wie es kam, dass sich Gesellschaft und Rechtsstaat vor ein paar Banden von Migrazis unterwarfen.“ — Am 25. Juli schrieb er über das Weggucken und Ablenken der Politik: „Aber was ist mit den Hintermännern und Strippenziehern? Gemeint ist das verkommene Pack von nichtsnutzigen Staatsanwälten, Richtern, Politikern, Beauftragten, Edathys, Jugendämtern, Redakteuren, Ströbeles, Wowereits…“ — Und am 27. Juli kommentierte er einen Artikel in der WELT vom 26. Juli, in dem der Autor sich fragt, warum Schwerstkriminalität von Türken und Arabern „relativiert“ werde, denn, so sein Titel, Wer Verbrechen totschweigt, schadet den Migranten. Zeller schloss seinen Beitrag wie folgt: „Die Jugendrichter mit ihren Urteilen, die nichts weiter sind als Anstiftung, die Bande von Beauftragten, die Kriminologen im Pfeifferdauerdienst, sie setzen ihr Programm zur hochbezahlten Verantwortungslosigkeit um.
Die erselbstmordete [Hervorh. BAL] Jugendrichterin Heisig war die einzige, die das nicht mitmachen wollte.“

* * * * * * * * * * *

Die Zitate zeigen, welcher Ton und welcher Jargon in diesem Online-Tagebuch akzeptiert wird; sie zeigen aber auch, in welche sprachlichen Ambiguitäten sich die sonst oft der „political correctness“ ätzend spottenden Autoren zurückziehen, wenn sie spüren, dass das Thema politisch wirklich „heiß“ ist.

Zellers Wortschöpfung „Erselbstmordung“ dient dann als ironisch imposant sein sollende Fassade, die vom Aussprechen der hinter ihr verborgenen Alternativen suspendiert: Ist Heisig in den Selbstmord getrieben worden oder wurde sie von professionellen Killern so getötet, dass es den Ermittlern als Selbstmord erscheint – oder gar: erscheinen kann?

Schmidts Schlusspassage, die mit „Bezeichnend“ beginnt, belässt es bei einem raunenden Andeuten, dass mit der Einhelligkeit der Meinungen „nahezu aller Kommentatoren“ zum Selbstmord Heisigs etwas nicht stimmen kann. Im Text schreibt er vom (Frei-)Tod, dann sogar vom „(Frei-)Tod“ Heisigs, vermeidet aber ebenfalls klare Worte &?uml;ber seine Vermutungen. Auch später schwieg er über das Thema, obwohl es Anlässe gab, es erneut zu kommentieren (siehe 15. Sept.; 23. Sept.; 19. Nov.).

Ich habe die von achgut.com empfohlene Möglichkeit, sich als Gastautor an dem Projekt zu beteiligen, zu nutzen versucht und, anknüpfend an Schmidts Schlusspassage, am 12. Aug. 2010 einen Beitrag  „Das Ende der Geduld“ – Wessen Geduld?  mit Bitte um Veröffentlichung eingesandt.
Die Antwort kam umgehend:
„Leider nein.
Zu viel Vermutungen und Spekulationen.
Danke dennoch.
Dirk Maxeiner.“

Ich ignorierte die Schroffheit der Antwort und bot einen Kompromiss an:
„Ich nehme an, Sie meinen damit den letzten Absatz.
Zugegeben: vielleicht zu starker Tobak, ohne dass aber eine ‚Verschwörung‘ insinuiert wäre, nur ideologische ‚Sachzwänge‘.
Bis dahin ist’s aber doch vorwiegend deskriptiv, eine Zusammenfassung in reputablen Organen publizierter Ereignisse und Aussagen, die den Lesern, die erst durch das Buch auf Heisig aufmerksam wurden, meist nicht präsent sind, und nicht einmal so spekulativ-provokativ wie Bernd Zellers ‚erselbstmordet‘. Würden Sie der um den letzten Absatz gekürzten Fassung Eingang gewähren?“

Maxeiner antwortete nicht mehr.

14. Aug. 2010, Wienerzeitung
Todesumstände „immer noch rätselhaft“
Ruth Pauli, die am 5. Sept. 2009 in der Wienerzeitung ein längeres Interview mit Kirsten Heisig veröffentlichte, schrieb in einem Artikel „Rechte, Pflichten und Chancen“:“In der österreichischen Integrationsdebatte fehlt eine realistische Stimme der Vernunft. In Deutschland ist in diesem Sommer eine solche Stimme verstummt. Die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig ist unter tragischen und immer noch rätselhaften Umständen aus dem Leben geschieden…“
September 2010, Cicero. Magazin für politische Kultur
Christian Pfeiffer: Nicht alle Buben sind so böse
Heisigs Thesen fragwürdig, halten wissenschaftlicher Prüfung nicht stand.
Der ehemalige SPD-Justizminister von Niedersachsen und jetzige Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen liefert eine grundsätzliche Kritik an Kirsten Heisigs „kurz vor ihrem Suizid vollendeten“ [sic!] Buch.Im Wikipedia-Artikel „Kirsten Heisig“ (ab 28.02.2010) ist seine Position sowie deren Kritik durch seinen Kollegen Werner Sohn von der Kriminologischen Zentralstelle Wiesbaden wie folgt zusammengefasst:“Pfeiffer … zollt Heisig zwar für ihre Praxis ‚großen Respekt‘, meint aber, sie sei in der Kriminologie nicht hinreichend bewandert und komme deshalb zu Fehleinschätzungen und unangemessenen kriminalpolitischen Forderungen. Ihre Thesen einer ’schleichenden Brutalisierung‘, die ‚primär den Migranten‘ zuzurechnen sei, weist Pfeiffer zurück, ebenso ihre Empfehlung, in gravierenden Fällen kriminelle Kinder zeitweilig in geschlossenen Heimen unterzubringen. Pfeiffer bekennt sich abschließend zu der Einstellung des Kriminologen Wolfgang Heinz: ‚Frühzeitige und einschneidende Eingriffe sind … gefährlich. Eine Strategie des Zuwartens zeitigt bessere Ergebnisse. Milde zahlt sich aus.‘ Heisigs Buchtitel Das Ende der Geduld, resümiert Pfeiffer, sei genau die ‚falsche Botschaft‘. Dieser These widerspricht Werner Sohn von der Kriminologischen Zentralstelle Wiesbaden in einer mit Daten und Statistiken unterlegten Kritik der Position Pfeiffers. Sohn weist außerdem darauf hin, dass Heinz‘ Empfehlung des ‚Zuwartens‘ aus dem Jahre 1989 stammt und somit auf noch weiter zurück liegenden Forschungsergebnissen beruht. Die Art von Jugendkriminalität, etwa die Gruppe der Intensivtäter, mit der wir es heute zu tun haben, habe es damals gar nicht gegeben. Wer heute noch Milde und Zuwarten auch ihnen gegenüber fordere, empfehle ‚als Problemlösung, was das Problem erst zugespitzt hat.'“Vgl. dazu die Replik: Werner Sohn: Kirsten Heisigs „falsche Botschaft“. In: Die Polizei. Fachzeitschrift für die öffentliche Sicherheit, Heft 2/2011, S. 57-61
(siehe hier => Februar 2011)
15. Sept. 2010, Neue Zürcher ZeitungOberstaatsanwalt Andreas Behm:
Akteneinsicht? „In diesem Fall gewiss nicht!“
Erbe einer Richterin. Berlin-Neukölln gedachte Kirsten HeisigsDer Journalist Joachim Güntner, der am 7. Aug., also lange nach Bekanntgabe und allgemeiner Akzeptanz der offiziellen Suizid-These, als einziger Berichterstatter in der Premium-Presse von einem „mutmasslichen Selbstmord“ Kirsten Heisigs geschrieben hatte (Den Tätern Paroli bieten), besuchte am 13. Sept. eine Gedenkveranstaltung für Kirsten Heisig in Berlin-Neukölln. Dort kamen die Umstände des Todes erwartungsgemäss nicht zur Sprache. Güntner ignorierte das Tabu und berichtete in dem Artikel von einem Vieraugengespräch am Rande:


„Die ‚arabische‘ Drogenmafia…
Leser Hans Müller gab in der NZZ zu dem Artikel folgenden Kommentar ab:
„Die Frage nach dem cui bono …
… bei Heisigs Tod erschliesst sich auf Seite 95-99 des Buches.“
Dort schreibt Kirsten Heisig u.a.:
„Nach meiner Einschätzung wird momentan zugesehen, wie die ‚arabische‘ Drogenmafia, die den Erkenntnissen der Polizei und der Staatsanwaltschaft zufolge speziell den Handel mit harten Drogen (wie z.B. Heroin) fest in der Hand hat…“
Auf einen solchen Zusammenhang hat auch eine Leserin des Neuen Deutschland (s.o., 21. Juli 2010) aufmerksam gemacht.

Dass Kirsten Heisig es als Jugendrichterin nicht nur mit Schlägern, Dieben und kleinen Ganoven zu tun hatte, sondern auch mit einem Milieu, in dem es an Geld nicht mangelt, erschließt sich aus Buschkowskys Äußerung im Film von Balci/Graef (s.u. 09.03.2011):
„Sie kannte auch alle Schliche der bestbezahlten Anwälte der Stadt.“

23. Sept. 2010, Phoenix-TV, 14:45-16:15
Übertragung der Verleihung des „Bul le Mérite“, einer Auszeichnung des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK). Da die bereits Ende 2009 bestimmte Preisträgerin Kirsten Heisig inzwischen verstorben war und offenbar weder ein Familienmitglied noch ein Kollege zur Verfügung stand, wurde der Preis von ihrem Lektor, Dr. Stephan Meyer, mit dem sie in der letzten Zeit eng zusammengearbeitet hatte (s.o.: 27. Juli 2010), in Empfang genommen.
Auszüge aus der Laudatio von Heinz Buschkowsky:
„Sie war mit mir in Rotterdam, sie war mit mir in London, sie war mit mir in Glasgow, sie war mit mir in Oslo, oder ich mit ihr, je nachdem, und wir haben uns angeschaut, welche Rezepte haben andere kluge Menschen gefunden, aber sie hat erlebt, dass wenn man nur darüber berichten will, wie es andere machen, dass das schon nicht geht, und dass das schon unerwünscht ist.“
[ … ]
„Sie hat erlebt, wie jemand, der auch ihr enger Begleiter war, der vielleicht sie auch inspiriert hat, ich weiss es nicht, wie er, von einem Tag auf den andern, nicht mehr da war, weil er unbequem war, weil ihn nicht die richterliche Unabhängigkeit schützte [gemeint ist vermutlich der Fall des Staatsanwalts Roman Reusch, übrigens auch Empfänger des „Bul le Mérite“ – 2005; zu Reusch s.o., 07.12.2007]. Das hat sie sehr bewegt. Und … so blieben dann nur wir beide, auch wenn wir hin und wieder ein Telefonat führten mit dem Satz: wenn uns jetzt einer abhört, dann ist es um uns auch geschehen.“ [Gelächter im Publikum]“Sie hat auch vor 3/4-leeren Sälen gesprochen, weil vorher die Parole ausgegeben wurde: mit dieser Frau redet man nicht. Das hat sie alles weggesteckt.“
Ihr „Neuköllner Modell“, das beschleunigte Verfahren bei bestimmten Fällen der Jugendkriminalität, war eigentlich nur die Anwendung seit langem bestehender Gesetze, die jedoch von den Behörden und Richtern grossteils ignoriert wurden. „Und dass ihr da zu Beginn die Herzen zugeflogen sind, das hört sich heute gut an, war aber nicht so. Das war weiß Gott nicht so. Ich habe daneben gesessen, als sie dafür gescholten wurde, dass das doch alles mehr Befreidigung des Egos ist, und dass man das alles nicht benötigte.“
„…ihr Buch. Das hat sie bewegt in den letzten Monaten. Und sie war fixiert auf den Tag des Erscheinens, er war festgelegt. Und sie freute sich darauf. Und es war eigentlich völlig klar, dass nach diesem [voraussehbaren] Erfolg sie ihr weiteres berufliches Leben nicht als Richterin am Amtsgericht Tiergarten wird beenden. Das schien mir klar.“
Wie auch Buschkowsky unter dem Bann der Suizid-These stand, ist an dem gewundenen Satz zu spüren, den er zwischen die beiden letzen Absätze eingeflochten hat: „Es kam dann die Situation, dass sie in einer unglaublichen Durchbruchssituation, in einem unglaublichen mentalen Hoch, so wie ich sie in den letzten Tagen erlebt habe, dann diesen unfassbaren Entschluss fasste. Weil, sie hatte das, was sie die letzten Monate bewegte, abgeschlossen… ihr Buch.“ [Fortsetzung voriger Absatz]

Abschließend vorsichtshalber noch eine etwas verquälte Distanzierung:
„Andere Menschen machen sich Luft mit skurrilsten Erklärungen, Verschwörungstheorien. Wer noch nicht ins Netz, ins Internet, geguckt hat, kann das ja mal tun. Teilweise sind die Theorien recht unterhaltend, aber irgendwo brauchen die Menschen auch Ventile, weil viele es nicht fassen können…“

* * * * * * * * * * *

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), der Kirsten Heisig sehr schätzte und Ende 2009 beschlossen hatte, seine Auszeichnung bul le mérite 2010 an sie zu verleihen und dies dann auch postum tat, hatte zu der entsprechenden Mitteilung auf seiner Website die Möglichkeit zu einer Forumsdiskussion gegeben. Da sie mittlerweile gelöscht ist, hier die Dokumentation, auch wenn die Antwort von Arne Bischoff natürlich nicht als offizielle Stellungnahme des BDK (die es nicht gibt) gelten kann:


23. Sept. 2010, Berliner Zeitung
Zukunft der Rechtsmedizin: Obduktion ohne Skalpell
„…Michael Tsokos [der Gutachter im Todesfall Heisig] hofft auf ein entsprechendes Computer-Tomografie-Gerät: ‚Der Raum ist schon für 70.000 Euro vorbereitet. Das Gerät kostet 250.000 Euro.‘ Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD): ‚Wir prüfen die Finanzierung.'“
Über die enge Zusammenarbeit des obersten Berliner Rechtsmediziners mit den Behörden der Senatsverwaltungen für Justiz sowie für Inneres informieren zahlreiche Artikel der lokalen Presse, die über Suchmaschinen leicht auffindbar sind. Vgl. a. die Website des Vereins der Berliner Polizeireporter.
27. Sept. 2010, Die Welt:
Monika Maron: Kirsten Heisig starb „unter mysteriösen Bedingungen“
„Es herrscht immer noch Gedankenfeigheit“.
Interview zur Sarrazin-Debatte von Andrea Seibel mit Necla Kelek und Monika Maron.
Monika Maron, die mit Kirsten Heisig befreundet gewesen ist, formuliert darin einen bemerkenswerten Satz:
„Kirsten Heisig musste unter mysteriösen Bedingungen sterben … um ein Klima zu schaffen, in dem unzensiert gesprochen werden kann.“Den Satz kann man nur als performativen Selbstwiderspruch verstehen, denn unter dem Bann der amtlichen und von den Medien unbefragten und einmütig kolportierten Suizid-These führt Maron den Zensurzwang vor. Fehlleistung oder Raffinesse?
Oktober 2010, Emma [Herbstausgabe]
„Aus der Einigkeit von Justiz und Medien muss nun geschlossen werden…“
[Red.:] Heisigs Vermächtnis lebt.
„Die Umstände des Todes [von Kirsten Heisig] waren befremdend. Und da die Jugendrichterin längst bundesweit bekannt war für ihren engagierten Kampf gegen repressive Muslim-Familien, Islamisten und libanesische Großclans, lag die Frage nahe, ob es bei diesem Tod mit rechten Dingen zugegangen war. Aus der Einigkeit von Justiz und Medien muss nun geschlossen werden, dass es sich offensichtlich um Selbstmord gehandelt hat. Es wäre allerdings einer so hochpolitischen Persönlichkeit wie Kirsten Heisig angemessener gewesen, dieses auch zu belegen statt ihren so überraschenden Tod in den Bereich des privaten Taktgefühls zu verweisen.“
5. Nov. 2010, MDR, Talkshow „Riverboat“, 22:00-24:00 h
Gute Tatortarbeit erleichtert dem Obduzierenden die Diagnose.
Einer der Gäste war Prof. Dr. Michael Tsokos, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin an der Berliner Charité. Tsokos war anwesend, weil er Autor zweier erfolgreicher Bücher ist, in denen er die Aufgaben der Rechtsmedizin populär darstellt. Bei seiner Vorstellung durch den Moderator wurde m.W. erstmals öffentlich bekannt, dass Tsokos Gutachter zum Todesfall Heisig war. Im Gespräch wurde der Fall jedoch nur kurz erwähnt. Nicht mit direktem Bezug darauf, aber assoziativ verknüpft, meinte Tsokos, dass die Arbeit des Rechtsmediziners sehr erleichtert wird, wenn – wie im Fall Heisig? – die Mordkommission zuvor gute Tatortarbeit geleistet hat. Am Tatort im Fall Heisig – man legte hier die bezweifelbare Annahme zugrunde, dass der Auffindeort der Leiche auch der Tatort gewesen sei – waren keine Hinweise auf Fremdeinwirkung als Todesursache gefunden worden.
In diesem Zusammenhang sei noch das Zitat eines Beamten erwähnt, das der Tagesspiegel vom 4. Juli 2010 überlieferte:
„Die haben die Mordkommission geholt, um ja keinen Hinweis zu übersehen und ein Verbrechen auszuschließen … auch, damit es hinterher keine Verschwörungstheorien gibt.“
11. Nov. 2010, Die Weltwoche (Zürich), S. 56-59 (59)
Frauen, die aufs Ganze gehen, von Dagmar Just (Berlin)
Nachdem die Autorin „vier Heldinnen aus 500 Jahren“ porträtiert hat, kommt sie auf „eine aus der Gegenwart“ zu sprechen: auf Kirsten Heisig und ihren „Kampf gegen die Laisser-faire-Zyniker“.„… fand man sie erhängt im Tegeler Forst. Angeblich von eigener Hand, aber die Spekulationen über einen möglichen Mord reissen nicht ab.“
Hervorhebung von BAL, denn ein solcher Satz ist in der deutschen Presse nicht zu finden. Die offizielle Suizid-These wurde in keiner etablierten deutschen Zeitung auch nur so andeutungsweise wie hier in Frage gestellt, nur noch in einem weiteren Schweizer Blatt, in der Neuen Zürcher Zeitung durch das Wort „mutmasslich“ (s. 7. Aug. 2010). Auch die genannten Spekulationen fanden nur in Netzfornen etc. statt und wurden von der Presse inhaltlich nicht einmal referiert, allenfalls mit einem Seitentritt als „Verschwörungstheorien“ abgetan.
„Sie sprach öffentlich über die Gewaltkarrieren von Zwölf- bis Fünfzehnjährigen aus deutschen, vor allem aber arabisch- und türkischstämmigen Familien und hatte von da an die Wahl zwischen ihren Feinden. Nicht nur, dass sie das selbstauferlegte Schweigegebot der eigenen Branche brach. Indem sie tatsachen klar und polemisch benannte, die es offiziell nicht zu geben hatte, sagte sie auch der P.-C.-konformen Konsenskuschelei aller Besitzstandswahrer, Laisser-faite-Zyniker und Status-quo-Maurer den Kampf an.“
16. Nov. 2010, Der Tagesspiegel (Berlin)
Verschwörungstheorien um den Tod von Kirsten Heisig
Einzig die Justizsenatorin wirkte unprofessionell.
„Schlampigkeit kann man den Behörden wohl nicht vorwerfen. So wurde die Mordkommission an den Fundort gerufen. … Sogar der Leiter der Berliner Rechtsmedizin, Michael Tsokos, wurde nach Heiligensee gerufen. … Nur eine wirkte für Beobachter unprofessionell: Ausgerechnet Heisigs Chefin, Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) wartete nicht das Ergebnis der Obduktion ab, sondern verkündete wenige Stunden nach dem Fund der Leiche ihr ‚vorläufiges Ergebnis: Suizid‘ – für Verschwörungstheoretiker ein Indiz mehr.“
18. Nov. 2010, ZEITmagazin, Nr. 47, S. 34-39
Jana Simon: Ihr letztes Urteil
Wer es schafft, dieses lifestyle-Magazin bis zur S. 35 durchzublättern, stößt – nach einem längeren Beitrag Der Dackel ist wieder in Mode. Wir haben uns nach den passenden Männerschuhen umgeschaut– auf ein ganzseitiges bearbeitetes Portraitphoto von Kirsten Heisig, das den leicht gruseligen Auftakt zu einem Essay darstellt, der wie folgt beginnt:“Dieses Lächeln. Da ist immer dieses Lächeln. Auf fast jedem Foto – egal ob sie… Stets sieht Kirsten Heisig aus, als müsse sie beweisen, wie gut es ihr gerade geht. Auch wenn ihr übriges Gesicht [sic!] etwas anderes erzählt, tiefe Ringe haben sich unter ihre Augen gegraben, der Blick ist verschleiert…“ (für den Rest s. Link)Der in eine denkbar unpassende Umgebung gestellte Text wird auf S. 1 der ZEIT als „Erinnerung“ – offenbar an eine erledigte Geschichte – angekündigt. Zugute halten kann man der ZEIT, dass in ihr fünf Wochen später (s. u.: 22. Dez. 2010) ein seriöser Artikel erschien, dessen Autoren zwar mehrfach ein Bekenntnis zur Suizid-These ablegen, aber explizit und zwischen den Zeilen durchaus Bedenkenswertes bringen.
19. November 2010, Der Generalstaatsanwalt in Berlin
übermittelt per Fax an die von Gerhard Wisnewski beauftragte Berliner Kanzlei Raue LLP die laut Beschluss des Oberverwaltungsgerichts vom 11. Nov. 2010 die auferlegte
Auskunftserteilung in dem Todesermittlungsverfahren Kirsten Heisig
Inhalt in Kurzfassung:Zur konkreten Todesursache: Erhängen zu Lebzeiten.
Zum Todeszeitpunkt: Die Leichenliegezeit sei a) aufgrund starker Fäulnis nicht auf wenige Stunden einzugrenzen und b) mit der angenommenen Dauer von einigen Tagen – zuletzt gesehen: 28. Juni, 21:50 h; aufgefunden: 3. Juli 13:30 – „in Einklang zu bringen“.
Zum Fundort: ca. 500 m vom geparkten PKW entfernt; folgt man der Straße Elchdamm bis zu einem Wegzugang zum Wald, so lag die Leiche von dort aus ca. 70 m waldeinwärts.
Zur Auffindesituation: Der Kopf befand sich in der Schlinge eines Seils, das in etwa 2,30 m Höhe an einem Ast befestigt war; die Knie direkt über dem Erdboden; die Arme seitlich herabhängend.
Ausführliche Beschreibung von Details (z.B. Seil: weiss, Ø=1,2 cm…).
Am Fundort anwesend: Staatsanwalt, sechs Angehörige einer Mordkommission; als angeforderte Kräfte u.a. der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin [Michael Tsokos, s. 5. Nov.] mit einem Assistenten.
Zu Fakten, die Fremdverursachung des Todes ausschließen: Keine Zeichen von Gewalteinwirkungen. Verschiedenen Anzeichen, dass die Verstorbene zum Zeitpunkt des Erhängens noch lebte. Weder am Fundort noch am PKW, auf dem Handy oder in der Wohnung der Verstorbenen fanden sich Hinweise auf Fremdverschulden des Todes.
Zu objektiven Anhaltspunkten für ein planvolles Vorgehen von Frau Heisig in Bezug auf den eigenen Tod: Am 28. Juni habe Frau Heisig ihre Rechtsanwältin aufgesucht und die von ihr im Falle ihres Todes gewünschte Grabstelle bestimmt; außerdem habe sie ein auf sie ausgestelltes Rezept für ein Anti-Depressivum eingelöst, das „als Überdosis in ihrem Leichnam festgestellt wurde.“Vgl. hierzu den Kommentar eines anonymen Kriminalbeamten vom 8. Dez. 2010, den dieser an Gerhard Wisnewski geschickt hat, der ihn am 10. Januar 2011 veröffentlichte.
„Mein Fazit:
Vorausgesetzt, die Zitate aus dem Bericht der MK [Mordkommission] sind echt, dann nehme ich zur Kenntnis, dass am Fundort von Frau Heisig eine voreingenommene Polizei, die nur einen Suizid vorfinden wollte, spurenvernichtend unprofessionell gearbeitet hat (auf Anordnung? Von wem?). Die Fakten aus dem Bericht der StA, die ich hier jetzt nicht wiederholen möchte, begründen den dringenden Tatverdacht, dass Frau Heisig am Abend des 28. Juni ermordet wurde und ihr Leichnam kurz vor der Auffindung an den Fundort verbracht wurde.“
19. Nov. 2010, Pressereaktionenauf den Bericht der GeneralstaatsanwaltschaftGerhard Wisnewski war wirklich der einzige Journalist, der die Nachrichtensperre der Behörden nicht verschwieg oder, wie manche Kollegen, unter dem von der Justizsenatorin Gisela von der Aue wie eine Parole ausgegebenen Vorwand der Pietät akzeptierte, sondern auf gerichtlichem Weg versuchte, mehr als nur die knappe Auskunft „Suizid“ zu erhalten. Seine Kollegen, insbesondere die „investigativen“ (s.o. 4. Juli), hätten allen Grund gehabt, nun beschämt zu sein ob ihrer kollektiven Haltung (Leichtgläubigkeit / perfektes ideologisches „embedment“); sie taten aber so, als wären die weiteren Auskünfte überflüssig und jene „Pietät“ störend. Entsprechend wird die Sache – die ja eigentlich als längst erledigt gilt, eher beiläufig gemeldet.Als Beispiel sei die Frankfurter Allgemeine Zeitung zitiert:
1) Am 19. Nov. schreibt „jau“ [Marcus Jauer] auf S. 35 in einer Notiz, einspaltig, ca. dreißig Zeilen:
„… Kurz vor Erscheinen ihres später sehr erfolgreichen Sachbuches hatte sie [Heisig] sich im Juli dieses Jahres das Leben genommen. – Aus Rücksicht auf die Familie verbreitete die Staatsanwaltschaft damals trotz großen öffentlichen Interesses keine Details. Daraufhin hatte der Autor Gerhard Wisnewski die Behörde verklagt und sich in zweiter Instanz durchgesetzt.“
Gut ein Drittel der Kurznotiz dient der Charakteristik des Autors:
„Wisnewski ist bisher vor allem mit Büchern über Angebliches aufgetreten. So legte er in Berichten nahe, dass die Mondlandung nicht stattgefunden und die RAF die Anschläge der Jahre 1985 bis 1991 ebenso wenig verübt habe wie Al Qaida den Anschlag vom 11. September 2001. Das Verhalten der Staatsanwaltschaft beim Tod von Kirsten Heisig hatte er als Versuch der Vertuschung gewertet und über den angeblich mysteriösen Suizid spekuliert.“ (vgl. seine Artikelserie)
Die Notiz schließt süffisant:
„In der nächsten Woche wird er vermutlich Auskunft bekommen.“Der von Wisnewski auf eigene Kosten erstrittene Bericht der Berliner Generalstaatsanwaltschaft wurde von dieser „aus Gründen der Gleichbehandlung“ auch anderen Journalisten zur Verfügung gestellt. (Pressemitteilung PM 53/2010 vom 19.11.2010)Die Frankfurter Allgemeine Zeitung konnte deshalb der Kurzmeldung vom 19. eine weitere am 22. November, S. 27, folgen lassen. Darin heißt es:
„Ein Münchner Autor, der mit bizarren Verschwörungstheorien hervorgetreten war, erzwang die Veröffentlichung der ‚objektiven Umstände des Todes‘ vor dem Oberverwaltungsgericht. Seinen Spekulationen dürfte damit der Boden entzogen sein.“

Tatsächlich erwies sich Wisnewskis erstrittener Erfolg letztlich als ein Pyrrhusssieg. Der Bericht bekräftigte zum einen die Suizidthese durch Detailbeschreibungen (die allerdings kritisierbar sind – siehe den vorigen Eintrag hier); zum anderen wartet er jedoch mit zwei neuen Behauptungen auf, die die Suizidthese nahezu unbezweifelbar machen sollen. War ein Suizid der aktiven, lebenslustigen und erfolgreichen Frau im Zenit ihrer Karriere bisher allenfalls als unerklärliche Kurzschlusshandlung denkbar, so wird in dem Bericht ihr „planvolles Vorgehen“ behauptet:
1) Kirsten Heisig habe am 28. Juni 2010 bei „ihrer Rechtsanwältin“ niedergelegt, wo sie im Falle ihres Todes begraben werden wolle.
2) Sie habe am gleichen Tag „ein auf sie ausgestelltes Rezept für ein Medikament gegen Depressionen“ eingelöst, „das als Überdosis in ihrem Leichnam festgestellt wurde.“

Da auch der OVG-Beschluss die Generalstaatsanwaltschaft nicht verpflichtet, eine vollständige Akteneinsicht zuzulassen (vgl. 15. Sept. 2010), werden trotz des Berichts weiterhin Zweifel an der offiziellen Darstellung bestehen bleiben.

19. Nov. 2010, Legal Tribune Online
„Der Fall kann Presserechtsgeschichte schreiben“

Wie die Formulierung, Heisigs „plötzlicher Tod wurde als Selbstmord deklariert“ zeigt, geht die Redaktion der LTO, jedenfalls deren hier gesprächsführende Leiterin Pia Lorenz, nicht davon aus, dass die von den Behörden verlautbarte Version, bei Heisigs Tod sei – durch Mordkommission und Obduktion bestätigt – „keine Fremdeinwirkung festgestellt worden“, unhinterfragbar ist. Sie kommt deshalb im Verlauf des teilweise recht interessanten Interviews auch wieder auf diesen Kernpunkt zurück, dass „die Presse nicht recherchieren kann, ob eine Selbsttötung vorlag, weil die Behörden ihr Informationen vorenthalten, weil angeblich eine Selbsttötung vorlag.“ Da beiße sich die Katze in den Schwanz, denn „die eigentlichen Ermittlungen sollen ja von der Staatsanwaltschaft getätigt werden“ — die die komplette Nachrichtensperre verhängt hat.In diesem Fall ist die komplette Nachrichtensperre schwer verständlich.
Körner: Die Nachrichtensperre ist natürlich das härteste Mittel. Eine solche kann verhängt werden aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Beispielsweise, wenn es um Leib und Leben geht oder etwa darum, dass die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen nicht weiterführen kann, weil die Information dann allgemein bekannt ist oder eben gerade durch ihre Veröffentlichung der ein Risiko für Leib oder Leben von Beteiligten einträte. In solchen Fällen ist eine Nachrichtensperre natürlich möglich, dies aber nur im absoluten Ausnahmefall.“ Ein bereits vollzogener Suizid einer öffentlichen Person sei schwerlich als solcher zu erkennen.Der „an sich“ auffälligste Punkt an der ganzen Affaire, nämlich, dass die gesamte Presse die komplette Nachrichtensperre stillschweigend akzeptiert hat und nur ein einziger „freier“ Journalist dagegen vorging, blieb in diesem sich auf das Juristische beschränkenden Gespräch unerwähnt.Das Interview fand vor Bekanntwerden des Inhalts des Berichts der Generalstaatsanwaltschaft statt. Danach wurde der Fall Heisig in der LTO nicht mehr thematisiert.
20. November 2010, Berliner Zeitung
Bericht über die Neuköllner Jugendrichterin Dietlind Biesterfeld
„Eine dankbare und schöne Aufgabe“
von Sabine Deckwerth
…Neukölln. Dietlind Biesterfeld „ist für diesen Bezirk zuständig. Ebenso, wie es Jugendrichterin Kirsten Heisig war, die sich im Juli das Leben nahm. Von steigender Jugendgewalt hat Heisig in ihrem Buch Das Ende der Geduld geschrieben. Von Raubüberfällen, Vergewaltigungen und kriminellen Großfamilien, die den Alltag bestimmen. Von hilflosen Behörden und überlasteten Jugendrichtern.
Wie einst Heisig kümmert sich auch Biesterfeld um den Norden Neuköllns, wo viele Familien arabischer und türkischer Herkunft leben. Es ist das bekannteste Problemviertel Deutschlands, mit seinem hohen Migrantenanteil, der hohen Arbeitslosigkeit und der hohen Kriminalitätsrate. Biesterfeld ist zudem zuständig für Rudow und Britz, für Gegenden in Neukölln also, in denen viele einfache deutsche Familien leben. Sie sagt, sie habe sich die Mischung ihrer Zuständigkeiten so gewünscht, um ihren Blick nicht einzuengen. Sie sagt auch, ‚aus meiner Sicht stimmt es einfach nicht, dass mehr Migrantenkinder vor Gericht stehen als Kinder deutscher Herkunft. Bei mir ist das total gemischt.‘
An die brutale Welt, wie sie Kirsten Heisig schildert, erinnert an diesem Verhandlungstag kaum etwas in Saal B 235…
Richterin Biesterfeld wirkt so gar nicht wie eine strenge Lehrerin. Sie hört jedem aufmerksam zu. Ihre Fragen sind sachlich, mit Ermahnungen geht sie sparsam um…
Sie kennt Neukölln, sie hat als Studentin dort gewohnt. Inzwischen lebt sie mit ihrer Familie am Stadtrand von Berlin…
Bei ihrer Arbeit merkt Biesterfeld deutlich, dass auch für Neukölln die Verfahren weniger werden. [ … ] [Deshalb] werden ab kommendem Januar am Amtsgericht Tiergarten die Stellen von vier Jugendrichtern gestrichen. [ … ] Einen Nachfolger für Kirsten Heisig gibt es nicht, ihre Aufgaben wurden aufgeteilt.
[ … ]
Biesterfeld: ‚Ich bin erfolgreich, wenn ein Angeklagter nicht wiederkommt.‘ Und das passiere oft. ‚Mit 25 ist es mit den Straftaten bei den meisten vorbei, nur ein kleiner Teil macht weiter.‘ Sie sagt auch, das[s] sie gern Jugendrichterin ist. ‚Das ist eine dankbare und schöne Arbeit.‘ „
5. Dez. 2010, Transatlantic Forum
Berliner Taxifahrt, von Heinz Eggert
Der ehemalige CDU-Staatsminister des Innern von Sachsen kleidete seine Einschätzung des Todesfalls Kirsten Heisig in eine Geschichte:
„[ … ] In der letzten Woche fuhr mich ein sympathischer älterer Deutsch-Iraker, der schon 19 Jahre in Berlin wohnt. Neben ihm lag aufgeschlagen das Buch der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig, die sich mit der Kriminalität jugendlicher Migranten in Berlin auseinandersetzte und sich vor Monaten selbst das Leben genommen haben soll. Diese These glaubte mein Fahrer nicht. Er und seine Familie seien der Meinung, dass diese engagierte Frau umgebracht worden sein solle.
Um diese These zu untermauern, erzählte er mir, dass er vor Monaten von zwei Jugendlichen überfallen worden sei… er wisse ganz genau wer sie wären… [Mitglieder einer arabischen Grossfamilie, die] an jedem Rache nahm, der eine Straftat zur Anzeige brachte. Der Taxifahrer hatte lange darüber nachgedacht und sich mit seiner Frau und den älteren Söhnen besprochen. Sie rieten ihm dringend von einer Anzeige ab, damit er sich und sie nicht in Gefahr brächte.
Man merkte es diesem stolzen Mann sehr an, wie schwer für ihn die Entscheidung war. Immerhin war er sehr froh, dass er und seine Familie – nach der Flucht aus dem Irak – jetzt in einem Rechtsstaat leben durften…. Er hatte auch mit einem Richter, der der bei ihm oft Fahrgast ist, darüber gesprochen. Als Richter hatte er ihm geraten, die Täter anzuzeigen, um ihm im gleichen Atemzug wieder davon abzuraten, weil er die Reaktionen darauf? und die Folgen solcher Anzeigen kannte.
So wurde langsam die Frage des Taxifahrers zu meiner eigenen. Wenn in einem Rechtsstaat Recht bleiben soll, dann darf man doch nicht hinnehmen, dass andere einschüchternde Angstbarrieren errichten, die geltendes Recht blockieren. Oder?“
22. Dez. 2010, DIE ZEIT, S. 4
Das Ende der Ungeduld.
Eine Spurensuche, von Christian Denso und Heinrich Wefing
SPD-Justizsenatorin Gisela von der Aue, noch immer wortkarg: „aus Rücksicht auf die Familie der Toten“. (vgl. 09.03.3011: Polizei verweigert nach wie vor Auskunft)
Politiker, sagt sie, haben Kirsten Heisigs Themen gemieden, „weil sich keiner den Vorwurf machen lassen wollte, ausländerfeindlich zu sein.“Fazit Denso/Wefing: „Langsam fällt das System zurück in den alten Trott. Die Antreiberin ist tot.“ (vgl. unten, 01.04.2011: Bayern beginnt, das „Neuköllner Modell“ einzusetzen)Ein halbes Jahr nach Kirsten Heisigs Tod fragen die Autoren:
„Was wird aus den Vorschlägen, die sie gemacht hat? Wer kümmert sich um ihr Erbe? Wie reagiert ein System, das von einer einzelnen Amtsrichterin herausgefordert wird, auf eine solche Provokation?“ Ignorieren, das geht nicht, dazu sind 350000 Exemplare zu viel. Also reagiert das System, indem es Kirsten Heisig umarmt.“ [ … ]
„Kirsten Heisig ist mittlerweile fast so etwas wie eine Heldin. Eine tote Heldin. Das macht es fast unmöglich, sie zu kritisieren. In Berlin tut das niemand mehr. Niemand schimpft sie mehr eine Rassistin, nennt sie impertinent, ehrgeizig, mediensüchtig, zumindest nicht öffentlich. Alle loben Kirsten Heisig jetzt für das „Neuköllner Modell“, auch die Senatorin [der Justiz, Gisela von der Aue, SPD].“
Die Autoren bemühten sich um ein Gespräch mit ihr.
„Es dauert eine Weile, bis die Berliner Justizsenatorin zu einem Gespräch über Kirsten Heisig bereit ist. Gisela von der Aue wolle das Thema ruhen lassen, heißt es, aus Rücksicht auf die Familie der Toten. Aber dann nimmt sie sich doch eine Stunde. Die Senatorin ist in einer schwierigen Situation. Politisch trägt sie in der Stadt die Verantwortung für die Justiz, die Heisig so deutlich kritisiert hat. Und seit Jahren schon gibt es Gerüchte, die Richterin sei der SPD-Politikerin lästig gewesen, sei ihr zu forsch und selbstbewusst aufgetreten. Ja, sagt von der Aue, anfangs ‚war ich etwas irritiert über das öffentliche Auftreten von Kirsten Heisig, sie hat mir gar keine Chance gegeben, sie zu unterstützen‘.“
Kirsten Heisig, sagt von der Aue, habe ‚gezeigt, dass durch persönliches Engagement unheimlich viel bewegt werden kann.‘
„Aber es ist schon merkwürdig“, fragen die Autoren: „Warum braucht es eine Jugendrichterin, um so etwas wie das Neuköllner Modell zu erfinden? Warum muss eine Einzelkämpferin der Justiz vorführen, welche Möglichkeiten das Gesetz bietet?
Die Justizsenatorin braucht eine Weile, um die Frage zu beantworten. Sie spricht von dem Dialog, der immer nötig sei zwischen Politik und Praxis, von den vielen Gedanken, die man sich auch in ihrer Behörde gemacht habe. Sie räumt sogar ein, dass Kirsten Heisig ‚Themen angesprochen hat, die von manchen Politikern lange gemieden wurden. Weil sich keiner den Vorwurf machen lassen wollte, ausländerfeindlich zu sein.‘
Aber dann sagt sie auch: ‚Ein derartiges Modell von oben, von der Spitze der Behörde her, einzuführen ist viel schwieriger, als wenn das jemand tut, der in der Praxis steht. Hätte ich solche Vorschläge gemacht, wäre ich schnell in den Verdacht geraten, in die Unabhängigkeit der Richter eingreifen zu wollen.‘
Es ist eine erstaunliche Antwort. Sie bedeutet in letzter Konsequenz, dass die Politik, dass eine Senatorin nichts verändern kann. Dass es Menschen wie Kirsten Heisig braucht, um Reformen in Gang zu setzen. Und sie besagt, dass es ohne solche Menschen kaum vorangeht.“
„Wer setzt ihr Werk heute fort?“ fragen die Autoren den Jugendrichter Stephan Kuperion, den engsten Mitstreiter Kirsten Heisigs. „Kuperion zuckt mit den Achseln.“
[ … ]
„Langsam, so scheint es, fällt das System zurück in den alten Trott. Die Antreiberin ist tot.“
Nicht nur das: „Nächstes Jahr wird es in Berlin vier Jugendrichter weniger geben. Vier von 38. Die Stellen werden dem Familiengericht zugeschlagen.“ Begründet wird das mit dem Rückgang der Jugendkriminalität.
30. Dezember 2010, DIE WELT
Härte hilft, von Freia Peters
„Im brandenburgischen Bernau verteidigt der Jugendrichter Andreas Müller das Erbe der verstorbenen Berliner Richterin Kirsten Heisig. Seine strengen Urteile zeigen Wirkung: Die Kriminalität sinkt.
[ … ]
Müllers entschlossener Kampf gegen Rechtsextremismus war parteiübergreifend erwünscht. Kirsten Heisig jedoch hatte in Berlin-Neukölln vor allem mit kriminellen Migranten zu tun. * Heisig kritisierte Kollegen und Jugendämter für ihren laxen Umgang mit auffälligen arabischen und türkischen Familien. In einem zähen, über mehrere Jahre andauerndem Kampf für die Zusammenarbeit von Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht hatte die Richterin für die Einführung des sogenannten Neuköllner Modells gesorgt.
[ … ]
[Müller:] ‚Normalerweise wäre das die Aufgabe der politisch Verantwortlichen: der Innen- und Justizminister von Bund und Ländern, der Polizeipräsidenten, der Leitenden Oberstaatsanwälte.'“ **
Erkennbar ist, dass an den markierten Stellen die Autorin etwas unterdrückt bzw. nur indirekt gesagt hat:
* Gegen kriminelle Migranten ist solch entschlossener Kampf parteiübergreifend nicht erwünscht;
** Aber die Amtsrichterin Heisig musste das Neuköllner Modell gegen jene politisch Verantwortlichen durch Mobilisierung der Öffentlichkeit durchsetzen.
31. Dezember 2010:
In den zahlreichen Jahresrückblicken, die in den meisten Medien in den beiden letzten Wochen erschienen, wurde Kirsten Heisig trotz ihrer Prominenz als Bestsellerautorin und Anregerin einer politischen Debatte nur kurz, oft auch gar nicht, erwähnt.
8. Januar 2011
Fall Kirsten Heisig. René Stadtkewitz im Interviewmit Torben Grombery.
Anlass des Interviews war ein Bericht im SPIEGEL vom 3. Januar 2011 („Der deutsche Geert“, S. 44-51), in dem der ehemalige Berliner CDU-Abgeordnete und Gründer der Partei Die Freiheitberichtete, er sei mit Kirsten Heisig einig gewesen, dass sie beide die neue Partei aufbauen: „Sie sollte das Gesicht werden, ich der Organisator.“Kirsten Heisig und die Partei Die Freiheit.
Stadtkewitz bekräftigte seine Behauptung, die von dem Neuköllner SPD-Bürgermeister Heinz Buschkowsky und von Heisigs Richterkollegen Stephan Kuperion bestritten wurde (in: Tagesspiegel, 3. Januar 2011: „Weggefährten: Heisig wollte nicht in die Politik“):
Kirsten Heisig habe anfangs gezweifelt, ob sie für die Politik geeignet sei. Er habe ihr erklärt, „dass sie längst in die Politik eingestiegen sei … nach drei Jahren intensiver Arbeit gegen den Widerstand des Senats … ihre Auftritte im Fernsehen, ihre Interviews, ihr sozialer Einsatz, das alles war längst Politik.“ Sie habe auch schon Angebote erhalten, sowohl von der CDU als auch von der SPD, und beide ausgeschlagen. Da sie ohnehin wenig Lust gehabt habe, noch 19 Jahre als Amtsrichterin tätig zu sein, habe sie ihm gesagt: „Wenn du was Eigenes aufbaust, René, dann sage ich nicht nein.“ (zit. n. SPIEGEL)Todesumstände? Stadtkewitz rudert zurück.
In seinem offenen Brief an die Justizsenatorin Gisela von der Aue (siehe 7. Juli 2010) hatte Stadtkewitz durch Hinweis auf deren „sehr frühen Hinweis, die Gründe für ihren [Heisigs] Freitod liegen im ‚familiären Bereich'“ und die Wendung „wenn es sich allem Anschein nach um einen Freitod handelt“ dezent seine Zweifel an der Suizid-Version durchscheinen lassen. Jetzt, direkt gefragt, ob er an die Selbstmord-Version glaube, formulierte er anders:
„Auch für mich war ein Suizid zunächst unvorstellbar. … Der magere Informationsfluss und gerade die voreilige ‚Schuldzuweisung‘ der Senatorin noch vor Abschluss der Ermittlungen haben sehr viel Raum für Spekulationen gelassen. Ich habe deshalb auch Verständnis dafür, dass es viele Menschen gibt, die der offiziellen Version nicht glauben wollen. Dennoch, nach allem, was ich inzwischen erfahren habe, gerade aus dem familiären privaten Umfeld, denke ich heute – trotz vieler offener Fragen – ein wenig anders über diese schreckliche Tragödie. [ … ] Wie soll man auch die Motive für einen Suizid nachvollziehen? [ … ] Auch kenne ich einige Leute bei der Berliner Polizei. Kirsten Heisig war dort sehr beliebt. Wir können absolut sicher sein, dass gerade die Berliner Polizei ihre Arbeit hervorragend getan hat.“
Februar 2011, Die Polizei (Fachzeitschrift)
„…eines nicht natürlichen Todes gestorben…“
Werner Sohn von der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden beginnt einen Artikel – eine Replik auf Christian Pfeiffers Attacke auf Kirsten Heisig (Cicero, Sept. 2010, s.o.) – mit den Worten: „Das Buch der im Juni 2010 eines nicht natürlichen Todes gestorbenen Jugendrichterin Heisig…“ (Kirsten Heisigs „falsche Botschaft“. In: Die Polizei. Fachzeitschrift für die öffentliche Sicherheit, Heft 2/2011, S. 57-61).
Die etwas ungelenke, offenbar aber sorgfältig abgewogene Formulierung liest sich, als sei sie einer durch das amtliche Verdikt geknebelten Skepsis des Autors gegenüber der Suizid-These geschuldet.
8. März 2011, Der Tagesspiegel (Berlin)
Kerstin Decker: Mauer aus Glas
„Alle glaubten an einen Racheakt“
(aber keiner wagte dies öffentlich auch nur anzudeuten, geschweige denn, die nach der amtlichen Feststellung eines Suizids verhängte Nachrichtensperre auch nur zu benennen, geschweige denn ihre Aufhebung zu fordern – außer Gerhard Wisnewski)Kerstin Decker, Philosophin, Schriftstellerin und eine der „Kulturjournalistinnen des Jahres 2010“, schreibt:
„Als sie [Heisig] plötzlich im letzten Sommer unauffindbar war und alle — ja, sagen wir ruhig ‚alle‘ — an einen Racheakt derer glaubten, denen sie so unbequem war…“
Wer aber sind die, denen sie „unbequem“ war? Cui bono?Vgl. dazu Güner Balci am 09.03.2011, Süddeutsche Zeitung, s.u.: „Als sie [Heisig] verschwunden war, dachte ich: Die tut sich was an. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass Jugendliche sich an ihr rächen wollten oder so.“
9. März 2011
Im ersten Programm ARD, 22:45-23:30 h,
lief der Film von Güner Balci und Nicola Graef,
„Tod einer Richterin. Auf den Spuren von Kirsten Heisig“.

Die ARD gab das Manuskript zum Film mit der Transkription sämtlicher Wortbeiträge heraus.
Der Film wurde danach von mehreren ARD-Sendern ausgestrahlt
und ist seit dem 19. Mai 2011 in der ARD-Mediathek verfügbar.
Der am 26. Januar 2011 angekündigte Film wurde am 27. Februar 2011 im ARD-Hauptstadtstudio vorab für Journalisten gezeigt und vor der Ausstrahlung in mehreren Zeitungen besprochen.Zweifler an der Suizid-These unerwünschtDas Konzept des Films vermeidet eine Problematisierung des Todesfalls und setzt den Suizid als erwiesen voraus. Der Journalist Ronald Gläser, der die Pressevorführung besuchte, zitiert die dort anwesende Leiterin der Redaktion „Menschen hautnah“ beim WDR, Ulrike Schweitzer, die, angesprochen auf die Suizid-These, sagte: „Es war von der Redaktion her wichtig, dass niemand Zweifel äußert.“ (Junge Freiheit, 4. März 2011, S. 19). Da stellt sich die Frage, ob dies ein Grund war, weshalb einige Personen in dem Film nicht mitwirkten: etwa der Ehemann Kirsten Heisigs, ihre beiden Töchter, der Jugendrichter Stephan Kuperion, dem sie in ihrem Buch (S. 204) als „Freund [der] mir in schwierigsten Zeiten beigestanden“ habe, dankt, oder der Initiator und Lektor ihres Buches, Stephan Meyer, der zuletzt eng mit ihr zusammengearbeitet und an ihrer Stelle den postum verliehenen Orden Bul le Mérite entgegengenommen hat.

Polizei verweigert nach wie vor Auskunft
(vgl. 15. Sept. 2010: „Akteneinsicht? In diesem Fall gewiss nicht!“)

In mehreren Berichten über den Film wird erwähnt, dass die Behörden auch diesen Autorinnen, die die amtliche Suizid-These als „zu 100 Prozent sicher“ voraussetzen, mit grosser Vorsicht begegnen:
„Erstaunt bis empört kritisierten sie [die Autorinnen] die Berliner Polizei. Trotz zahlreicher Interviewanfragen über Monate hinweg habe die Polizei abgeblockt und Terminschwierigkeiten vorgeschoben.“
(dpa-Meldung vom 28. Feb. 2011, gedruckt z.B. im Hauptstadtportal www.berlin.de)

„Wir haben über Suizid gesprochen, über Tabletten nehmen…“
„… Im Nachgang war sie suizidal, aber im Nachgang ist jeder schlauer.“

Dieser Satz, der Schlusssatz des Films, sozusagen sein Fazit, kommt aus dem Munde von Andreas Müller, einem befreundeten Richterkollegen von Kirsten Heisig. Müller hatte sich vorher mehrmals in Zeitungen zum Fall Heisig geäußert, dies aber nie erwähnt. War diese neue „Erinnerung“ möglicherweise das Ergebnis eines langen Ringens um eine Reduktion kognitiver Dissonanz (Leon Festinger) ? In einem früheren Interview, in dem auch Persönliches angesprochen wurde („uns war sofort klar, wir sind seelenverwandt“), war von einer Suizidalität Kirsten Heisigs auch nicht andeutungsweise die Rede. (Die Welt, 30.12.2010: Härte hilft)

Ein ähnlicher psychischer Prozess könnte den neuen „Erinnerungen“ der Filmautorin Güner Balci zugrunde liegen, die sie ebenfalls erst mit grosser Verzögerung in einem Interview der Öffentlichkeit bekannt gab.

Filmautorin Güner Balci über die Person Kirsten Heisig

Güner Balci tritt selbst in dem Film nicht auf. Sie äußerte sich aber über die eigenen Eindrücke, die sie aus Begegnungen mit Kirsten Heisig bekommen hat, in einem Interview, das am gleichen Tag veröffentlicht wurde:

————————————————

9. März 2011, Süddeutsche Zeitung
„Die tut sich was an“
Auszüge:
[ … ]
sueddeutsche.de: Wie haben Sie Kirsten Heisig kennengelernt?
Güner Balci: Es war im Winter und sie trug offene Sommerschuhe, obwohl es richtig kalt war. So, als ob sie sich einfach irgendwie angezogen hätte, ohne zu wissen, was sie macht. Ich hatte vorher schon viel über sie gelesen und war erstaunt, dass das gar nicht die taffe Frau war, die ich mir vorgestellt hatte. Sie wirkte auf mich eher unsicher. Erst in der Recherche für den Film habe ich erfahren, dass das in der Phase nach ihrem ersten Selbstmordversuch war. [Die Quelle dafür ist bisher nirgendwo genannt]

sueddeutsche.de: Haben Sie sie denn später anders erlebt?
Balci: Kirsten Heisig war immer sehr adrett und sehr kontrolliert. Ich fand sie immer unnahbar. Man merkt ja, wenn jemand nicht nur zurückhaltend ist, sondern die Distanz möchte. Und dieses traurige Gesicht: Sie war ja sehr erfolgreich, aber sie sah nie richtig glücklich aus. Wenn andere erzählen, dass sie oft fröhlich war – das habe ich auch gesehen, aber abgenommen habe ich es ihr nicht.

sueddeutsche.de: Die Menschen, die im Film von ihr erzählen, sind vor allem Kollegen. Angehörige, richtige Freunde kommen nicht zu Wort.
Balci: Ich hätte mir sehr gewünscht, einen Menschen zu treffen, der Kirsten Heisig nahestand. Für die Familie war es zu heftig, dass wir einen Film über sie gemacht haben – über jemanden, der gerade ein frisches Grab bekommen hat. Da kamen wir nicht weiter, es war wie eine Mauer. Und ich glaube, auch sonst waren da keine engen Vertrauten, das blieb alles an der Oberfläche. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass sie ganz schön einsam ist. Wir haben dann alles durchrecherchiert und niemanden gefunden. Ich glaube, sie hatte gar keine Freunde.

sueddeutsche.de: Erinnern Sie sich an Ihre letzte Begegnung?
Balci: Es war einen Monat vor ihrem Tod. Ich war total geschockt, weil sie mich umarmt hat. Das hätte ich nie von ihr gedacht. Sie hatte gehört, dass ich Mutter geworden bin. Als sie mich umarmte, waren da nur Haut und Knochen, eine verschwindend geringe Frau.

sueddeutsche.de: An einem Montagmorgen kam sie nicht zum Dienst, vier Tage lang suchte die Polizei nach ihr.
Balci: Als sie verschwunden war, dachte ich: Die tut sich was an. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass Jugendliche sich an ihr rächen wollten oder so.

sueddeutsche.de: Die Gerüchte über ein Fremdverschulden sind nie völlig verstummt, auch nicht, nachdem ihr Obduktionsbericht freigegeben wurde. Warum?
Balci: Es ist die Tatsache, dass jemand, der so auf dem Höhepunkt ist, so im Mittelpunkt steht, sich einfach das Leben nimmt. Wenn die Leute das an sich ranlassen würden, müssten sie sich selbst fragen, wie weit es bei ihnen gehen könnte.
Die Menschen wollen außerdem ihre Phantasie spielen lassen, sie wollen eine richtige Geschichte. Ich kenne aber das Milieu zu gut und weiß, dass schon einiges passieren muss, bis sich Jugendliche dort dazu entschließen, jemanden planmäßig umzubringen. Die hätten sich sofort verraten.
[ … ]

Anmerkung zum letzten Absatz: Jugendliche wie der im Film befragte 16-jährige Gibran („Wir haben sie gehasst. Sie wurde richtig gehasst. Sie war für uns schlimmer als der Teufel“) wären gewiss nicht in der Lage, einen professionellen, perfekt als Suizid getarnten Mord auszuführen. Kam Balci ein anderes Motiv als das der Rache gar nicht in den Sinn?

1. April 2011, Süddeutsche Zeitung (dpa)
Bayern übernimmt „Neuköllner Modell“.
Merk will raschere Strafen für JugendlicheNach einer Probephase in Bamberg wird ab 1. April 2011 das beschleunigte Jugendstrafverfahren „auf die Staatsanwaltschaften Ansbach, Ingolstadt, München II und Würzburg ausgeweitet.“Vgl. dazu den Bericht vom 22. Dezember 2010 aus Berlin, s.o.:
„Langsam fällt das System zurück in den alten Trott. Die Antreiberin ist tot.“
10. April 2011, Die Welt
Anwendung des „Neuköllner Modells“? „Man drückt sich.“
„Die Nationalität der Täter sollte erfasst werden.“
Interview mit Klaus Jansen, dem Chef des Bundes Deutscher KriminalbeamterJansen: „Wir haben nun alle Justizministerien der Länder angeschrieben, weil wir wissen wollten: Wie häufig wird das genutzt? Wir haben nur sehr spärliche und hinhaltende Rückmeldungen bekommen. Man drückt sich.
Die Quoten des vereinfachten Verfahrens liegen fast nirgendwo über fünf Prozent. Wir sagen: Wir hätten die Zahlen gerne mindestens im zweistelligen Bereich – und zwar bundesweit.“
29. April 2011, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Regina Mönch: Eben mal einen Tritt vor den Kopf
Regina Mönch, eine Mitunterzeichnerin der Traueranzeige für Heisig in der FAZ (s. 10. Juli 2010), schrieb in einem Bericht über einen aktuellen skandalträchtigen Fall von Täterschonung durch die Berliner Justiz folgende denkwürdige Sätze:
„Beschleunigt werden immer noch nur die wenigsten Verfahren, drei bis vier Prozent. Ist das so, weil alle anderen Jugendstrafverfahren, es sind Tausende, dies gar nicht zulassen? Oder blockiert hier ein schwerfälliger Apparat eine Reform, die noch von der in höheren Polizei- und Justizkreisen so ungeliebten Richterin Kirsten Heisig angeschoben wurde? Vielleicht war das Ende der Ungeduld, die sie für viele Kollegen symbolisierte, mit ihrem tragischen Tod schon erreicht.“
Klingen da Zweifel an, Justiz und Polizei bzw. ihre weisungsgebundenen Organe Staatsanwaltschaft und Mordkommission könnten nicht allzu motiviert gewesen sein, den Todesfall Heisig aufzuklären?
3. Mai 2011, Mitteldeutsche Zeitung
[TV-Richterin] Barbara Salesch feiert ihre 2’000. Sendung
von Tatjana Schäfer
TV-Richterin Barbara Salesch:
Kirsten Heisig war „leider zu sehr auf sich allein gestellt“
Bewunderung für Jugendrichterin Heisig
„Obwohl die frühere Richterin bereits seit zwölf Jahren nicht mehr im Gericht aktiv ist, verfolgt sie die aktuelle Diskussion über eine härtere Bestrafung jugendlicher Gewalttäter interessiert. ‚Man kann durchaus über eine weitere Verhängung von Arresten diskutieren. Aber eigentlich gibt es bereits genug Sanktionsmöglichkeiten. Sie müssten nur schneller angewendet werden können, wie es die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig versucht hat‘, gibt Salesch zu bedenken. Von Heisig, die im Juli 2010 Selbstmord beging, ist sie beeindruckt. ‚Eine faszinierende Persönlichkeit, die leider zu sehr auf sich allein gestellt war‘, sagt die Juristin.“
28. Juni 2011: Jahrestag des Todes von Kirsten HeisigDer Jahrestag war Anlass für eine Reihe von Artikeln.
Die größte Verbreitung fand, wie meist, ein dpa-Artikel (von Jutta Schütz), der ganz, gekürzt oder erweitert in zahlreichen Presseorganen abgedruckt wurde, z.B. unter dem Titel Die Idee von Richterin Heisig lebt weiter in der Berliner Zeitung vom 27. Juni 2011. Die Umstände ihres Todes, die offenen Fragen zu den Ermittlungen wurden nicht thematisiert. Einem zweiten Artikel dort, am Folgetag, Was bleibt von Sabine Deckwerth, in dem ebenfalls nur lapidar steht, Heisig habe „sich erhängt“, wurde – vermutlich als pauschale Antwort an Leser, die gegen die nach wie vor praktizierte Aussparung der offenen Fragen zum Tod der Kirsten Heisig protestiert haben – ein eingerahmtes Textfeld angefügt, das den Titel trägt:
Gerüchte um ihren Tod.
Nach der Wiederholung der Behauptung, Heisig habe „sich erhängt“, heißt es dort:
„Über ihren Tod gab es wilde Spekulationen. Heisig war als Richterin für den Problembezirk Neukölln zuständig, manche nannten sie ‚Richterin Gnadenlos‘. Befürchtungen wurden laut, dass sie ermordet wurde.
Per Gericht wurde die Staatsanwaltschaft zur Veröffentlichung des Obduktionsberichts gezwungen. Dieser schloss ein Fremdverschulden eindeutig aus.“
(Anm.: 1. „Das Gericht“ musste bemüht werden, weil tatsächlich alle Medien die Nachrichtensperre zum Fall stillschweigend hinnahm. Ein einzelner unabhängiger Journalist, Gerhard Wisnewski, klagte und musste bis zur obersten Instanz gehen. 2. Das Ergebnis war dennoch nicht eine Offenlegung des Obduktionsberichts, sondern ein Bericht der Generalstaatsanwaltschaft über diesen Bericht — siehe oben: 19. Nov. 2010). Heinz Buschkowsky, der Bürgermeister von Neukölln, der Heisig aus jahrelanger enger Zusammenarbeit gut kannte (siehe oben: 15., 23. Sept. 2010), veröffentlichte auf seiner Homepage einen Gedenkartikel: „Sie fühlte sich manchmal recht einsam“, der etwas modifiziert in einigen Blättern nachgedruckt wurde. Er wäre in seiner Ambivalenz sorgfältig zu analysieren. Eine Passage sei hier zitiert:
„Um ihren Tod ranken sich bis heute noch wilde Spekulationen. Selbst meine ersten Gedanken gingen in die Richtung eines Fremdverschuldens. Hatte sie sich doch immer wieder mit bekannten Großfamilien angelegt. Aber ich denke, der Suizid wird inzwischen nicht mehr wirklich in Zweifel gezogen.
Natürlich bleiben Fragen. Wieso laufen Hunderte von Polizeibeamten mehrfach an ihr vorbei, obwohl sie doch so dicht bei ihrem Auto am Waldesrand zu finden gewesen wäre? Wieso konnten speziell ausgebildete Hunde sie mehrere Tage lang nicht wahrnehmen? Ihr Tod wird immer mit einem gehörigen Schuss Mystik verbunden bleiben.“
Dann eine Spitze gegen Heisigs Kollegen und speziell die Justizsenatorin:
„…habe ich Kullertränen nach ihrem Ableben als scheinheilig empfunden.“
Und erneut der Hinweis auf das Milieu eines Teils ihrer Klientel:
„…die besten und teuersten Anwälte der Stadt als Vertreter der angeblich völlig verarmten Familie.“Buschkowsky schloss seinen Beitrag mit dem Satz: „Irgendwann sollte man dieser außergewöhnlichen Person ein kleines Denkmal setzen. Und sei es nur das Namensschild für einen Platz oder eine Straße.“
Die Justizsenatorin Gisela von der Aue, die den Fall Heisig am liebsten als erledigt betrachtet sehen will (siehe oben: 22. Dez. 2010), griff Buschkowskys etwas ungeschickte Wortwahl für ihre Ablehnung des Vorschlags auf: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Frau Heisig für sich ein Denkmal [sic!] gewünscht hätte…“ (zitiert in: Tagesspiegel, 5. Juli 2011)In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 6. Juli 2011 geht Regina Mönch auf dieses Thema ein und ruft nebenbei oft Vergessenes ins Gedächtnis: „Berlins Justizsenatorin Gisela von der Aue, die Heisig zu Lebzeiten als Störenfriedin empfand und auch so behandelte, reagierte sogleich und wie erwartet mit einer verschwurbelten Stellungnahme…“ Es gäbe aber Menschen, die Heisigs Andenken durchaus sichtbar bewahren wollten, gegen „jene Welt der Ämterbürokraten und Schönredner, die mit ihrer Rechenkunst glauben machen wollen, die Lage habe sich beruhigt.“ Sie regt deshalb an (wie auch Monika Maron, die im Tagesspiegel vom 3. Juli 2011 zitiert wird), um „den falschen Frieden ihrer [Heisigs] Feinde nachhaltiger zu stören“, dass „man sich einmal im Jahr zu einem Symposion zusammenfände. Dort wäre über Heisig-Themen zu streiten, etwa über die Ursachen für immer brutalere Übergriffe im öffentlichen Raum, über borniertes Ressortdenken, das die Rettung gefährdeter Jugendlicher verhindert, oder den ausgeprägten Deutschenhass junger Migranten, der im schlimmsten Fall das Leben willkürlich ausgewählter Opfer gefährdet.“

Wenn ausnahmsweise in einem der Artikel die Frage der Umstände von Heisigs Tod angesprochen wird, steht dies nach wie vor unter dem Bann – dem von den Medien erstaunlich willfährig akzeptierten Bann -, der mit der ersten behördlichen Mitteilung, dass Heisig vermisst werde, verfügt wurde: es sei „keine Straftat“ zu erwarten. Die Berichterstattung während der fünftägigen Suche nach der Vermissten stimmte das Publikum auf „Suizid“ ein; der wurde dann auch amtlich bestätigt und, nachdem die Justizsenatorin die Presse nachdrücklich an Pietätspflichten erinnert hatte, weder angezweifelt noch nach Motiven befragt.
Dennoch zeigt sich sogar in den publizierten Äußerungen von Leuten, die Heisig gut kannten, gelegentlich, dass sie die offizielle Suizidthese nicht wirklich für wahr halten. So z.B. in der oben zitierten Passage aus dem Gedenkartikel von Buschkowsky, der in einer anderen Version (Berliner Morgenpost, 26. Juni 2011) den Todesfall Heisig wegen seiner politischen Dimension und wohl nicht mehr möglichen Aufklärbarkeit mit den Todesfällen John F. Kennedy und Uwe Barschel assoziiert. Auch Arnold Mengelkoch, als Migrationsbeauftragter von Neukölln einst enger Mitarbeiter von Heisig, kann „auch heute noch nur schwer akzeptieren, dass [sie] freiwillig aus dem Leben schied. Wie so viele hat Mengelkoch bei der Nachricht von ihrem Verschwinden zunächst an ein Verbrechen gedacht. Nur zu gut kennt er die Milieus, in denen sich Kirsten Heisig bewegte: vom kriminellen Familienclan bis zu den Kids, die von ihren drogensüchtigen Eltern weder Liebe noch Werte mit auf den Weg bekommen. [ … ] Außerdem kannte Heisig die mafiösen Strukturen in Neukölln und benannte sie auch in der Öffentlichkeit. Ein Mord wäre also nicht völlig abwegig gewesen. Aber Selbstmord? Bei einer Frau, die als das reine Energiebündel galt?“ (Tagesspiegel, 3. Juli 2011). Dennoch: Mengelkoch sagt nicht, was ihn von seinen Vermutungen abgebracht hat und ob er jetzt von der Suizidthese überzeugt ist.

Auch Werner Becker deutet in einem Beitrag, in der Heisig nur am Rande erwähnt wird, seine Skepsis gegenüber der offiziellen Suizidthese nur vorsichtig an, wenn er formuliert, Heisig habe einen „mysteriösen Tod“ gehabt, sei vor einem Jahr „tot aufgefunden worden“. (Junge Freiheit, 11. Juli 2011, S. 1)

Auf der Netzseite der von René Stadtkewitz gegründeten Partei DIE FREIHEIT erschien am 3. Juli 2011 der Beitrag
Kirsten Heisig: Ihr Mut ist uns Verpflichtung. Darin:
„Bis kurz vor ihrem Selbstmord hatte er [Stadtkewitz] mit Kirsten Heisig in engem Kontakt gestanden. Die Richterin hatte erwogen, nach dem Erscheinen ihres Buches Das Ende der Geduld. Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter für DIE FREIHEIT als Spitzenkandidatin in Berlin anzutreten.
Von der Berliner Politik wurde die mutige Richterin an ihrem Todestag nicht gewürdigt.“ (Hervorhebung im Original)

12. Juli 2011, Partei DIE FREIHEIT, Netzseite
465 Verfahren gegen jugendliche Drogensüchtige – aber kaum Verurteilungen
„Zwischen dem 1. Dezember 2010 und Ende Mai 2011 wurden wegen Drogendelikten insgesamt 465 Verfahren gegen Jugendliche und 49 gegen Kinder unter 14 Jahren eingeleitet. Das teilte Justizsenatorin von der Aue auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten René Stadtkewitz, 46, mit. Allerdings wurden nur sieben der Jugendlichen verurteilt. In nur sechs Verfahren wurde die Durchführung nach dem Kirsten-Heisig-Modell beantragt. [Hervorh. Ref.] Überhaupt führten nur 23 der 465 Verfahren zu einer öffentlichen Anklage vor einem Jugendrichter.

Immer wieder sind Polizei und Justiz machtlos, wenn Straftäter sich als Kinder ausgeben, um so einer strafrechtlichen Verfolgung zu entgehen. Bei keinem der 49 Verfahren, die gegen Kinder [ein]geleitet wurden, konnte ein Arzt das wirkliche biologische Alter feststellen.“
23. August 2011, Berliner Morgenpost
Eine Jugend hinter Gittern, von Jens Anker
Jugendgewalt „rückläufig … stark rückläufig … noch stärker rückläufig“ – seit 2009.Um Kirsten Heisig und die von ihr aufgeworfenen Probleme ist es still geworden. Aber anlässlich spektakulärer Fälle von Jugendgewalt in Berlin bringen die lokalen Blätter natürlich immer wieder Berichte, in denen dann, wie hier, die „verstorbene Jugendrichterin Kirsten Heisig“ am Rande auch erwähnt wird. Wenn im Artikel lang und breit ausgeführt wird, dass die Jugendgewalt seit 2009 rückläufig sei, kann sich jeder denken, was von dem Ende Juli 2010 erschienenen Alarmruf Kirsten Heisigs zu halten ist. Diese sanfte und gerade deswegen wirksame Diffamierung begann, nach einer „Pietätsfrist“ wegen des tragischen Todes, im September 2010 (siehe oben) mit einem Artikel des in allen Medien präsenten Kriminologen Christian Pfeiffer in der Zeitschrift Cicero, gestützt auf diverse Statistiken. Den Tenor dieses Artikels, zu dem gehört, dass der „Migrationshintergrund“ von Tätern außer Acht gelassen oder bagatellisiert wird, findet man in zahlreichen seither erschienenen Artikeln in allen Berliner Zeitungen. Im obigen Artikel liest sich das so:“Es sind diese [spektakulären] Fälle von Jugendkriminalität, die die Menschen in Berlin verunsichern. Und wieder Angst machen. Kann man überhaupt noch am Abend oder nachts U- und S-Bahn fahren? Ist das nicht viel zu gefährlich geworden? Immer brutaler, immer rücksichtsloser gingen die jungen Straftäter vor, heißt es. Polizei und Justiz seien im Kampf gegen Jugendkriminalität machtlos, und immer weniger in der Lage, die innere Sicherheit auf Berlins Straßen und in den U- oder S-Bahnen zu gewährleisten. Ist das soziale Gefüge in der Stadt also in Gefahr?Susanne Bauer kann das so nicht bestätigen. Die Präventionsbeauftragte der Berliner Polizei breitet in ihrem Büro am Flughafen Tempelhof mehrere Tabellen vor sich aus. „Die Zahl der Straftaten geht seit 2009 zum Teil stark zurück“, sagt sie. „Auch die Zahl der Tatverdächtigen ist rückläufig.“ Aber werden die jugendlichen Straftäter nicht immer brutaler? … „Auch das geben die Zahlen nicht her“, sagt Susanne Bauer. … Auch die Jugendgruppengewalt ist in Berlin rückläufig. … Noch stärker rückläufig – um 23,5 Prozent auf 1618 Fälle – war die Anzahl von Raubdelikten.
[ … ]

Susanne Bauer hat im Lauf der Jahre eine weitere Beobachtung gemacht: Sind die Täter erst Anfang 20 und haben eine Freundin, hören die allermeisten mit den Straftaten auf.“

Diese Mentalität, die sich in einer Strategie des Zuwartens mit dem Motto „Milde zahlt sich aus“ ausprägt und erst bei sogenannten Intensivtätern, „nachdem nichts anderes geholfen hat“, empfindlichere Gefängnisstrafen verhängt, scheint noch immer vorzuherrschen (siehe Kritik des Kriminalisten Werner Sohn an Pfeiffer, oben, Sept. 2010).

24. August 2011
Kirsten Heisig wäre heute 50 Jahre alt geworden.
Dieser Tag wurde in den Berliner Medien nicht zum Anlass genommen, an Kirsten Heisigs Wirken zu erinnern oder eine (Zwischen-)Bilanz zu den Ergebnissen des mit ihrem Namen verbundenen „Neuköllner Modells“ zu ziehen. Wie schon bei dem Vorschlag, ein Kondolenzbuch für sie auszulegen (siehe oben, 6. Juli 2010), blieb der Abgeordnete René Stadtkewitz auch diesmal der Einzige, der ein öffentliches Gedenken an Kirsten Heisig für geboten hielt.Auf der Netzseite der Partei DIE FREIHEIT erschien folgende Mitteilung: Stadtkewitz: „Wir dürfen Kirsten Heisig nicht vergessen.“
„Heute wäre Berlins bekannteste Jugendrichterin Kirsten Heisig 50 Jahre alt geworden. Die Mitglieder der Bürgerrechtspartei DIE FREIHEIT werden am Amtsgericht Tiergarten einen Kranz niederlegen.
‚Wenn wir Kirsten Heisig nicht gedenken, ist sie schon vergessen‘, stellte René Stadtkewitz, Vorsitzender der Bürgerrechtspartei DIE FREIHEIT fest. ‚Diese mutige Frau hätte es verdient, dass Berlin sich ihrer erinnert. Aber der Regierende Bürgermeister ignoriert ihre Verdienste, weil sie seiner Politik der Kuschel-Justiz widersprechen.‘
Kirsten Heisig sollte als Spitzenkandidatin für DIE FREIHEIT ins Abgeordnetenhaus Berlin einziehen. Sie brachte sich aber im Juli 2010 um. Das von ihr initiierte Kirsten-Heisig-Modell zur schnelleren Verurteilung von jugendlichen Straftätern stellt einen der zentralen Wahlkampfpunkte der Bürgerrechtspartei DIE FREIHEIT dar.“In einem bei http://www.youtube.com aufrufbaren Video sagt Stadtkewitz, dass man die Kranzniederlegung im Foyer des Gerichtsgebäudes untersagt habe, sie deshalb auf der Straße vor dem Gebäude erfolgte.
In dem Video ist auch zu sehen, wo Kirsten Heisig beerdigt wurde (was bisher nicht öffentlich bekannt war): auf dem Friedhof Lübars in Berlin-Reinickendorf, Zabel-Krüger-Damm 176-186, in der Grabstätte des Ehepaars Dr. theol. Friedrich Weichert, Pfarrer i.R. (1913-1988) und Elli Weichert, geb. Determann (1908-1989).
3. September 2011, BZ – News aus Berlin
Heisigs Erbe wird leise zerschlagen
Bewahrt das Erbe von Kirsten Heisig!“ Kommentar von Uwe Steinschek
„… Zum Heisig-Prinzip gehörte auch das Team der Jugendgerichtshilfe. Das soll jetzt umstrukturiert, die Kompetenz auf verschiedene Ämter verteilt werden. So weit darf es aber nicht kommen! Weder aus finanziellen noch aus anderen Gründen.“


3. September 2011, Stern-online
Hans Peter Schütz: Wowereits blinder Fleck
„Das Thema Integration ist ein extrem heißes Eisen in Berlin. Und was sagt der amtierende Bürgermeister dazu? Nichts.“
Schütz zum neu erschienenen Buch des ARD-Journalisten Joachim Wagner über die islamische Paralleljustiz: Richter ohne Gesetz. Islamische Paralleljustiz gefährdet unseren Rechtsstaat:
„Wagner zitiert die ehemalige Jugendrichterin Kirsten Heisig, einst Staatsanwältin und Richterin in Berliner Problembezirken, bevor sie vor einem guten Jahr im Tegeler Forst an einem Baum aufgehängt gefunden wurde. [!, meine Hervorh.] ‚Mich beschleicht (…) ein ungutes Gefühl‘, hatte Heisig kritisiert, ‚denn das Recht wird aus der Hand gegeben und auf die Straße verlagert oder in ein paralleles System verschoben, in dem dann ein Imam oder andere Vertreter des Korans entscheiden, was zu geschehen hat.‘
[ … ]
[Schäuble und] auch die Kanzlerin haben schon so getönt: ‚Es gilt das Grundgesetz, und nicht die Scharia.‘ Doch das spiegelt eher den Wunsch als die Wirklichkeit, wie Wagner belegt. ‚Die Polizisten wissen alles‘, sagt er im Gespräch mit stern.de. ‚Die Richter, etwa an den Berliner Gerichten, ebenso. Aber die Justiz guckt weg.‘ So offenbar auch die Berliner Senatorin fürs Justizwesen, Gisela von der Aue (SPD). Auf einen Brief Wagners, in dem er um Stellungnahme bat, reagierte sie nicht. Ehrhard Körting, Berliner Innensenator, antwortete immerhin – und verwies auf die Zuständigkeit der Kollegin von der Aue.“

5. September 2011, Der Tagesspiegel (Berlin)
Der Fall des Kronzeugen Buschkowsky
Ein Kommentar von Jost Müller-Neuhof“[ … ]
Deutschland schafft sich nicht ab, obwohl Thilo Sarrazin dies mit seinem Taschenrechner ermittelt zu haben glaubte, Richter sind keine Schwachmaten, obwohl Heinz Buschkowskys Bauchgefühl anderes sagt, der Rechtsstaat ist nicht gefährdet, und es entsteht keine islamische Paralleljustiz [Joachim Wagner], wenn in einzelnen Verfahren Akteure auftauchen, die Zeugen beeinflussen.
Deutsche und Nichtdeutsche leben gut miteinander, die Justiz funktioniert auch mit [islamischen] Friedensrichtern und ohne Kirsten Heisig. Jemand muss es Buschkowsky sagen. Bei Sarrazin ist es zu spät.“
15. November 2011
WDR – Politikum – Das Meinungsmagazin
Was bleibt vom Neuköllner Modell? – Das Erbe der Richterin Heisig in der Politikum-Wiedervorlage„Mittlerweile gehen auch die Staatsanwälte in Norderstedt und Bamberg nach dem Berliner Muster vor. Allerdings vermisst Falko Lieke, der CDU-Jugendstadtrat von Berlin-Neukölln, in seiner eigenen Stadt den Heisig-Effekt:
Es darf nicht einschlafen, unsere Richterschaft muss sich diesem Thema mehr zuwenden, dieses Engagement, diese Power, die Frau Heisig reingebracht hat, war eine sehr gute Initialzündung, die wir auch nicht versanden lassen wollen.
22. November 2011, Der Tagesspiegel (Berlin)
Ende der rot-roten Ära in Berlin, S. 2
Wie es mit den scheidenden Senatoren weiter geht…“[ … ]
GISELA VON DER AUE
Wer ihren Namen bei Google eingibt, bekommt drei Suchvorschläge: SPD, Berlin und Kirsten Heisig. Der Tod der streitbaren – und mit von der Aue streitenden – Richterin im Juni 2010 hatte die 62-jährige Justizsenatorin zuletzt etwas in Bedrängnis gebracht.“
So? Inwiefern? Der Autor belässt es bei der Andeutung und schließt mit dem Satz ab:
„Aber Ärger war von der Aue von ihrem ersten Amtstag an gewöhnt… „
10. Mai 2012, Pressemitteilung des WDR:
[Deutscher] CIVIS-Fernsehpreis 2012 [der Sparte ‚Information‘] für die WDR-Dokumentation Menschen hautnah: Tod einer Richterin – Auf den Spuren von Kirsten Heisig.Zu diesem Film siehe oben, 9. März 2011. Zitate:“Es war von der Redaktion her wichtig, dass niemand Zweifel [an der Suizid-These] äußert.““Erstaunt bis empört kritisierten sie [die Autorinnen] die Berliner Polizei. Trotz zahlreicher Interviewanfragen über Monate hinweg habe die Polizei abgeblockt und Terminschwierigkeiten vorgeschoben.“

Im Begleittext fehlt jeder Hinweis auf diese massiven Beschränkungen, unter denen der Film entstand. Stattdessen wird die offizielle Darstellung wiederholt, die auch die Medien von Anfang an ohne kritische Nachfrage — kolportierten:

„Plötzlich war sie verschwunden, von Entführung und Mord wurde gemunkelt. Als man ihre Leiche fand, lautete das Obduktionsergebnis: Eindeutig Suizid.“

26. Juli 2012, Frankfurter Allgemeine Zeitung:
Bushido und seine Freunde
von Mechthild Küpper, Berlin“Das Praktikum des Rappers Bushido im Büro des Baden-Württemberger Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten (CDU) hat den Blick auf ein besonderes Milieu gelenkt: das der türkisch-kurdisch-libanesischen Clans. Mit dem unter Jugendlichen berühmten Bushido zeigen sich die Politiker gerne, ob von Stetten, Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) oder Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Mit den Halbwelt-Typen aus seinem Bekanntenkreis würden dieselben Politiker jedoch nicht gerne posieren.
[ … ]
Raub, Drogen, Waffen, Zuhälterei: Wer aber unbedacht in flamboyanten Geschichten Ùber die Burschen aus den ‚arabischen Clans‘ schwelgt, erlebt, dass sie gute Anwälte kennen und bezahlen können. Die Mitarbeiter der Ermittlungsbehörden wägen daher jedes Wort, das sie über ‚die Familien‘ sagen. Die Faustregel aus dem wirklichen Leben gilt auch in diesem Milieu: Je einflussreicher einer ist, desto weniger Straftaten sind ihm nachzuweisen.
[ … ]
Etwa zwölf dieser Großfamilien sind der Polizei bekannt, einige bemühen sich aktiv um ein besseres Image.
[ … ]“Der insgesamt ambivalente Artikel schließt mit einem merkwürdig gewundenen Absatz:“Als die populäre Jugendrichterin Kirsten Heisig vor zwei Jahren vermisst wurde, wurde zunächst vermutet, einer ihrer ‚Kunden‘, ein durchgeknallter Jugendlicher, habe sie entführt. Die Leser ihres Bestsellers ‚Das Ende der Geduld‘ lernen etliche Figuren aus dem kriminellen Neuköllner Milieu kennen. Doch Frau Heisig war nicht entführt worden; sie hatte sich das Leben genommen. Aus bisher ungeklärten Gründen sinkt die Jugendkriminalität, deren Bekämpfung sie sich leidenschaftlich widmete, über den demographischen Trend hinaus. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Jugendabteilung verkleinert, die Zahl der Jugendrichter wurde verringert – sogar die Belegung der Jugendstrafanstalten ging zurück.“

Allerdings wurde, als Kirsten Heisig vermisst wurde, allenthalben das Nächstliegende vermutet: dass die Richterin von professionellen Killern jener Clans entführt und ermordet wurde; denn sie hatte nicht nur mit Kleinkriminellen zu tun, sondern störte offenbar massiv eine Szene, in der Kriminalität und öffentliche Reputiertheit eine Symbiose bilden (s. oben 15. Sept. 2010, Zitat Buschkowsky: „Sie kannte auch alle Schliche der bestbezahlten Anwälte der Stadt“). Der Vorschlag, in Richtung ‚arabische Clans‘ zu ermitteln, konnte obendrein aus Gründen unserer kläglichen Staatsraison nicht laut werden. Das konnte und kann man aber nur außerhalb der etablierten Medien lesen, in Blogs und Internetforen. Jeder wusste, wie gefährdet Heisig war. Polizei, Politik (voran die Justizsenatorin) und Behörden verkündeten jedoch so eindringlich wie stereotyp und kurz angebunden: „Wir haben keinen Hinweis auf ein Verbrechen.“ Und genau dies verkündete auch unisono (die wenigen Ausnahmen sind hier dokumentiert) die Presse; bald auch das Ergebnis, auf die dies von Beginn an hinauslief: Suizid. Die totale Nachrichtensperre akzeptierte die Presse, ohne sie auch nur zu nennen.
Dies alles weiß Küpper, seit 1999 Berlin-Korrespondentin der FAZ, ganz genau – und schreibt trotzdem, ja deshalb, diesen gequält „politisch korrekten“ Schlussabsatz über eine Frau, die „leidenschaftlich“ gegen ein Phantom (steigende Kriminalität) gekämpft und sich dann umgebracht hat.


+++ zuletzt bearbeitet: 11.09.2012 +++
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Impressum

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Gerhard Wisnewski

Am 6. April 2012 wurde die Leiche des Schauspielers Michael Dorn aus der Glienicker Lake bei Berlin gefischt. Dorn und die 2010 ebenfalls durch Erhängen gestorbene Jugendrichterin Kirsten Heisig hatten einen gemeinsamen Freund. Dorns Leiche war stark verwest, um den Hals trug er ein Seil. Die Hände waren auf dem Rücken gefesselt, enthüllte die Berliner Staatsanwaltschaft jetzt gegenüber Gerhard Wisnewski. Suizid, erklärten die Ermittler.

Man schreibt den 6. April 2012. Gegen 14.15 Uhr sind in der Glienicker Lake bei Berlin zwei Freizeitsportler mit ihrem Kanu unterwegs. Etwa 40 bis 50 Meter vom Ufer entfernt sehen sie plötzlich etwas, das sie zunächst für eine Schildkröte halten: eine runde Form, die aus dem Wasser ragt. Beim Näherkommen stellen sie jedoch fest: Es handelt sich nicht um den Panzer

einer Schildkröte, sondern um das Schädeldach eines im Wasser treibenden Menschen. Es ist der seit dem 10. März 2012 vermisste Schauspieler Michael Dorn (»Gute Zeiten, Schlechte Zeiten«).

Spurlos verschwunden…

Dorn verschwand auf ganz ähnliche Weise wie die 2010 verstorbene Jugendrichterin Kirsten Heisig. Am 10. März 2012 wurde er zuletzt gesehen, am 13. März wurde Vermisstenanzeige erstattet. Genau wie bei Heisig wurde sein Auto verlassen aufgefunden, und zwar an der Glienicker Brücke, unweit des späteren Leichenfundorts. Genau wie bei Heisig ergab eine im Umfeld des Autofundorts eingeleitete Suchaktion nichts. Obwohl »das Gebiet rund um die Brücke… mit Spürhunden, Tauchern und Beamten der Wasserschutzpolizei …. weiträumig abgesucht wurde« (bild.de, 25.3.12) und das Wasser hier nur ein bis zwei Meter tief ist, fanden die Beamten nichts.  Auch die Leiche der Jugendrichterin war zunächst nicht gefunden worden, obwohl die Polizei exakt am späteren Fundort suchte. Genau wie die Jugendrichterin wurde auch Dorn erhängt beziehungsweise mit einem Seil um den Hals aufgefunden. Das andere Ende des Seils fand sich an der Glienicker Brücke. In seiner Wohnung entdeckte die Berliner Polizei angeblich einen Abschiedsbrief.

Der verlassene Wagen von Michael Dorn an der Glienicker Brücke im März 2012

Fotos: Riedel

Jede Menge Fragen

Doch genau wie bei Heisig gibt es auch bei diesem Selbstmord einige Fragen. In diesem Fall:

  • Warum hat Dorn sich erhängt, obwohl er mit Schusswaffen vertraut war?
  • Warum waren die Hände der Leiche mit Kabelbindern auf dem Rücken gefesselt?

Wer Zugang zu Schusswaffen hat, wählt normalerweise kaum den quälenden Erhängungstod. Auf der anderen Seite ist ein fingierter Selbstmord durch Erhängen mit anschließendem Fall ins Wasser die ideale Methode, um jemanden aus dem Weg zu räumen ohne Spuren zu hinterlassen. Kugeln und Patronenhülsen gibt es nicht; Fasern, DNS und andere Anhaftungen werden abgewaschen. Eine längere Liegezeit sorgt für weitgehende Verwesung. Das Wichtigste ist aber wohl, dass Dorn und Heisig einen gemeinsamen Bekannten hatten. Was umgekehrt bedeutet, dass im Umfeld dieses Bekannten zwei Menschen in kurzer Zeit auf ganz ähnliche Weise verschwanden und »Selbstmord« begingen. Ein seltsamer Zufall. Oder steckt mehr dahinter? Wenn ja, dann wird jede Heisig-Spur auch zur Dorn-Spur und umgekehrt. Und nachdem der Selbstmord von Frau Heisig im Grunde widerlegt ist, stellt sich nun die Frage nach den wirklichen Todesumständen von Michael Dorn.

Blick ins Innere des Dorn-Wagens

Foto: Riedel

Laut Auskunft der Staatsanwaltschaft Berlin vom 19. September 2012 war Dorns Leiche stark verwest, die Beurteilbarkeit des Leichnams »aufgrund der weit fortgeschrittenen Fäulnisveränderung der inneren Organe stark erschwert«. In der Lunge fand sich ein Lungenödem, am Hals eine Strangmarke mit Knoten, aber »keine Hinweise auf eine stumpfe oder scharfe Gewalteinwirkung durch fremde Hand«. Als Todesursache gilt ein so genanntes »atypisches Erhängen« – »atypisch« wegen der gefesselten Hände auf dem Rücken. Und diese geben denn auch zu denken – genau wie die Frage, warum sich der angebliche Waffennarr Dorn nicht lieber mit einem Kopfschuss das Leben nahm als sich einer komplizierten und quälenden Prozedur an einer Brücke zu unterziehen. Tatsächlich ist eine Fesselung der Hände mit mehreren Kabelbindern auf dem Rücken schwer vorstellbar. Dazu müsste zunächst die Halsschlinge angelegt werden, um dann die Handgelenke hinter dem Rücken aneinander zu legen und blind mit den Kabelbindern zu hantieren. Dabei müsste ein Kabelbinder um die Handgelenke gelegt, das eine Ende in die kleine Öse am anderen Ende eingeführt und der Kabelbinder anschließend festgezurrt werden. Die weiteren Kabelbinder müssten dann auf dieselbe Weise eingefädelt und festgezurrt werden – und zwar blind und mit bereits gefesselten Händen. Etwas einfacher wäre die Sache vielleicht mit einem Doppelkopfkabelbinder, mit dem sich zwei Schlaufen für die Handgelenke bilden lassen. Allerdings ist im Obduktionsbericht explizit von »Kabelbindern« im Plural die Rede.

Fesseln sind immer verdächtig

»Finden sich an der Leiche Fesselungen, so ist dies zunächst immer verdächtig auf eine Fremdeinwirkung«, schreiben die Gerichtsmediziner Brinkmann und Madea in ihrem Handbuch gerichtliche Medizin.  Fesselungen werden demnach »sowohl beim Homizid als auch beim Suizid und Unfall (zum Beispiel spielende Kinder, autoerotische Betätigung) beobachtet«. Tatsächlich gibt es auch Erhängungs-Selbstmorde mit auf dem Rücken gefesselten Händen, wobei die Selbstmörder offenbar große Mühen darauf verwenden, die Hände unbeweglich zu machen, um sich später nicht mehr selbst retten zu können. Inwieweit dabei auch die in dieser Situation schwierig zu handhabenden Kabelbinder benutzt werden, ist fraglich. Sicher dagegen ist, dass Kabelbinder bei Polizei, Sicherheitsbehörden und Sondereinsatzkommandos zum täglichen Handwerkszeug gehören, um Personen schnell, unkompliziert und sicher zu fesseln (»Plastikfesseln«).

Wie geht es nun im Fall Dorn weiter? Gar nicht: Angeblich hatte Dorn vor seinem Verschwinden Probleme, die für einen Suizid sprechen. Der von der Berliner Polizei gefundene Abschiedsbrief gilt als echt, laut Obduktion steht ein »suizidales Geschehen … im Vordergrund.« Eine hundertprozentige Sicherheit besteht damit allerdings nicht.

Weitere Informationen:

www.kirsten-heisig.info/

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Bananenstaat Deutschland: Vor 2 Jahren wurde Kirsten Heisig ermordet

Gerhard Wisnewski

Vor 2 Jahren, am 28. Juni 2010, verschwand die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig. Fünf Tage später, am 3. Juli 2010, wurde sie tot aufgefunden. Selbstmord, behaupteten die Behörden. Doch von Anfang an gab es Ungereimtheiten in dem Fall: Es gab keinen Abschiedsbrief, Berichte über eine angeblich letzte SMS mussten zurückgezogen werden. Trotz eindeutiger Hinweise auf einen Mord wird die Sache nicht weiterverfolgt. Gerhard Wisnewski blickt zurück …

Montag, der 28. Juni 2010, muss für die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig ein besonderer Tag gewesen sein. Am Tag zuvor hat Deutschland bei der Fussball-WM 4:1 gegen England gewonnen; sie ist ein glühender Fußballfan. Am Montagvormittag erscheint sie laut Berliner Kurier wie immer zur Arbeit im Amtsgericht Tiergarten. Außerdem liefert sie an diesem Montag bei ihrem Verlag die letzten Korrekturen für ihr Buch Das Ende der Geduld – konsequent gegen jugendliche Gewalttäter

ab. Sie fiebert der Veröffentlichung entgegen; Berichten zufolge hat sie sich »diebisch« darauf gefreut. Konsequent wirft die Richterin denn auch die PR-Maschine an. Um 13.48 Uhr akzeptiert sie per SMS die Einladung zu einer Talkshow: »Alles klar und schöne Ferien«, simst sie an Stern TV, »liebe Grüße KH«. Zwei Tage vor ihrem Verschwinden hat sie einen Termin mit dem B.Z.-Reporter Ole Krüger ausgemacht: »Tschüss, Herr Krüger, wir sehen uns dann in zehn Tagen.« Das wäre dann der 6. Juli 2010. »Dann reden wir auch über mein Buch«, habe sie am Telefon gesagt. Das Buch, »auf das sie sich so sehr gefreut hat«, so Krüger am 5. Juli 2010.

Zwei Wochen zuvor zeichnete das ZDF mit Kirsten Heisig eine Folge der Talkshow Peter Hahne auf. Sie sei »entschieden, eloquent, konsequent, aber auch humorvoll aufgetreten«, wird Hahne später zitiert: »Sie erschien mir mutig, tatkräftig, zupackend und kein bisschen resignativ«, meinte Hahne gegenüber Quotenmeter.de.

Die Buchveröffentlichung wäre der Treibsatz für eine noch steilere Medienkarriere geworden. Kirsten Heisig wäre in den Talkshows herumgereicht worden. Ihr Einfluss auf die Justiz in ganz Deutschland hätte weiter zugenommen.

Doch dazu kommt es nicht. Denn am Abend dieses 28. Juni 2010 wird Kirsten Heisig gegen 21.30 Uhr zum letzten Mal lebend gesehen. Laut offizieller Version fährt sie mit ihrem Auto in den Berliner Stadtteil Heiligensee, stellt ihren Wagen vor dem Haus »An der Schneise 14« ab und geht etwa 500 Meter weiter direkt neben der Straße »Am Elchdamm« in den Wald. Ihr Handy habe sich zum letzten Mal um 21.51 Uhr in das Netz eingeloggt, erklärt die Staatsanwaltschaft später. Also 20 Minuten nach Sonnenuntergang. Schon in etwa 60 Metern Entfernung vom nächsten Haus sucht sich die Mutter von zwei Kindern einen Ast, windet einen Strick oder ein Seil darum, schlingt es sich um den Hals und lässt sich hineinfallen.

Bei sommerlichen Temperaturen zwischen 36 und 40 Grad im Schatten hängt die Leiche die

Hier ging Kirsten Heisig angeblich wohl ganz freiwillig in den Wald.

nächsten fünf Tage unbemerkt im lichten Wald. Die Kniee der Toten befinden sich direkt über dem Erdboden. Der Gestank muss enorm sein und den gesamten Stadtteil einhüllen, schlimmer als damals, als hier einmal ein Wildschwein verweste und die ganze Nachbarschaft aufrüttelte. Während Berlin unter einer Hitzewelle schwitzt, bemerkt jedoch niemand etwas von der verwesenden Leiche – nicht die Anwohner, nicht die Spaziergänger, nicht die Hunde der Spaziergänger und auch nicht die Suchhunde der Polizei. Während die Tote noch unentdeckt im Wald hängt, schließt die Berliner Polizei bereits »eine Entführung, überhaupt eine Straftat« aus (Berliner Kurier, 02.07.2010). Also ohne die Leiche gesehen zu haben und die Todesumstände zu kennen.

Erst am Samstag, den 3. Juli 2010, wird die Tote gefunden. Allerdings nicht von Anwohnern mit ihren Hunden, sondern von einer Polizistin. Diese scheint eine bessere Nase zu haben, als die Vierbeiner. Und sogar eine bessere Nase als die »Galgenvögel«: Normalerweise würden sich über einem derartigen Leichnam Hunderte von Aaskrähen versammeln und die ganze Umgebung alarmieren. Aber auch die Aaskrähen bekommen von der Toten nichts mit. Noch bevor es über die Identität der stark verwesten Leiche Gewissheit gibt, weiß die Berliner Justizsenatorin von der Aue, dass es sich um Kirsten Heisig handelt.

Einen Abschiedsbrief hat die Frau, die ihre Entscheidungen sonst ausführlich schriftlich begründete, nicht hinterlassen. Die Medien gehen stattdessen mit einer letzten SMS von Kirsten Heisig hausieren. »Ich habe bei Euch alles falsch gemacht«, soll sie laut B.Z. darin an ihre Kinder geschrieben haben. Angeblich antwortet eine Tochter: »Bitte tu’ es nicht.« Ende September 2010 streicht die B.Z. diese Passage auf eine Beschwerde beim Deutschen Presserat hin aus ihrem Bericht. Daraufhin steht die Sache mit der SMS nicht mehr in dem Artikel – was andere Medien nicht davon abhält, sie immer wieder aufzutischen.

Lage des Todesbaumes von Kirsten Heisig

Am 5. Juli 2010 beginne ich mit meinen Recherchen zu dem Fall Heisig. Überall wird auf Teufel komm raus gemauert. Gehört das letzte Interview mit einem kurz darauf verstorbenen Prominenten normalerweise zu den Highlights der Medienlandschaft, hält das ZDF die Peter-Hahne-Talkshow mit Heisig unter Verschluss. Stattdessen produziert der WDR später lieber eine andere Dokumentation, die die Selbstmord-Version festzuklopfen versucht (siehe unten).

Die Berliner Staatsanwaltschaft mauert. Absolute Nachrichtensperre. Die »Auskünfte« des Justizsprechers sind geradezu aseptisch frei von Informationen. Während Obduktionsergebnisse und sogar Krankheiten von Todesopfern sonst freimütig diskutiert werden (Love Parade, Dominik Brunner), will die Staatsanwaltschaft über die Todesumstände von Kirsten Heisig nicht das kleinste Detail herauslassen. Schließlich verklage ich die Staatsanwaltschaft auf Auskunft nach dem Berliner Pressegesetz. Am 9. August 2010 weist das Verwaltungsgericht Berlin die Klage ab. Ich gehe in die nächste Instanz. Am 11. November 2010 verpflichtet das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg schließlich die Staatsanwaltschaft Berlin, über die Todesumstände von Kirsten Heisig Auskunft zu geben (OVG 10 S 32/10). Damit die Auskunft auch wirklich eintrifft, muss ich dem Generalstaatsanwalt via Anwalt noch mit der Beantragung eines Zwangsgeldes drohen.

Am 19. November 2010 trifft die Auskunft endlich ein. Danach hat sich Kirsten Heisig im Wald am Elchdamm selbst erhängt. Die Leichenliegezeit sei »aufgrund der starken Fäulnisveränderungen« nicht auf wenige Stunden einzugrenzen, aber mit einer Leichenliegezeit von mehreren Tagen zu vereinbaren. Demnach müsste Heisig also wirklich so lange offen im Wald verwest sein. Ein Kriminalhauptkommissar erstellt mir eine Analyse des Papiers. Ergebnis: Die Auskunft der Staatsanwaltschaft ist ein Dokument der Schlamperei und Unprofessionalität. Und der Beweis für einen Mord. Denn der Kriminalist hält es für »undenkbar«, dass Heisigs verwesende Leiche mitten im Hochsommer fünf Tage in unmittelbarer Nähe einer Wohnsiedlung hing:

Die von der Staatsanwaltschaft angegebene »Leichenliegezeit von mehreren Tagen« bei hohen Außentemperaturen sei »mit enormer Geruchsentwicklung verbunden«. »Ich halte es für undenkbar, dass ein verwesender Leichnam so nahe bei der Wohnbebauung schon alleine wegen des Geruchs über mehrere Tage unbeachtet bleibt.« Damit sei eigentlich schon klar, »dass an der ganzen Sache etwas nicht stimmt. Man hätte den Leichnam nach kurzer Zeit finden müssen.«

Obwohl in der Auskunft der Staatsanwaltschaft von den »starken Fäulnisveränderungen« an der Leiche die Rede ist, werden keine Biss- und Fraßspuren von Tieren erwähnt. Tatsächlich müssten beispielsweise Aaskrähen die Tote regelrecht zerlegt haben. »Wenn es hier keine Spuren von Tierfraß gab, hat die Leiche dort nur kurz gehangen«, schreibt der Kriminalbeamte. »Da es aber wie oben beschrieben deutliche Verwesungsanzeichen gab, muss sie vorher woanders gewesen sein. Also hat sie jemand an der Fundstelle dort hingehängt. … Ich sehe nur Fakten, die gegen einen Suizid sprechen.«

Wo – wenn nicht an dem Baum – war die Leiche von Kirsten Heisig also wirklich? Etwa drei Tage nach der Bergung der Toten (am 3. Juli 2010) findet ein Spaziergänger mit einem Hund etwa 200 Meter von dem angeblichen Todesbaum entfernt eine grüne Plastikplane mit einer bräunlichen Flüssigkeit. Sie stinkt nach Verwesung. Der Hund wälzt sich darin; er muss ihn hinterher stundenlang schrubben. Die Plastikplane liegt am kurzen Ende einer grabähnlichen Anlage mit den ungefähren Maßen von 70 mal 200 Zentimetern. Sein Blick fällt flüchtig auf einen aus dem Waldboden ragenden Hundekadaver. Der Spaziergänger ruft die Polizei. Ein paar Tage später liegen mehrere schwere Baumstämme über der grabähnlichen Anlage. Im Waldboden erkennt man die Reifenspuren eines schweren Waldfahrzeuges. Die tonnenschweren Baumstämme wurden der Länge nach über die grabähnliche Bodenveränderung gelegt.

20. August 2010. Wenn man die Baumstämme an der grabähnlichen Anlage beiseite rollt, kann man immer noch das dunkle Rechteck von etwa 70 mal 200 Zentimetern erkennen. Nach kurzer Grabung stößt man auf ein stinkendes Bündel – den Hundekadaver. Bei näherem Hinsehen stellt sich heraus, dass der Kopf fehlt. Der Chip und Tätowierungen sind damit weg. Ein Chiplesegerät (RM INDEXL) zeigt keine Reaktion.

Am 19. November 2010, demselben Tag, an dem die Auskunft der Staatsanwaltschaft bei mir eintrifft, heißt es in den Medien: Die Richterstelle von Kirsten Heisig werde 2011 nicht mehr besetzt. Die Abteilung werde abgewickelt, zitiert eine Zeitung einen Gerichtssprecher. Angeblich geht die Jugendkriminalität in Berlin immer weiter zurück – was Heisig immer wieder bestritten hatte. »Insgesamt will die Berliner Justiz im kommenden Jahr vier von derzeit 38 Jugendrichterstellen streichen«, so die Zeitung. Mit Heisig wäre das wohl nicht gegangen.

Am 9. März 2011 behauptet die WDR-Dokumentation Tod einer Richterin: »Kirsten Heisig hat Selbstmord begangen.« Deutschland darf kein Bananenstaat sein. Eine Banane ist ja auch eine viel zu edle Frucht.

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Kirsten Heisig

Bananenstaat Deutschland: Vor knapp 2 Jahren wurde Kirsten Heisig ermordet……………..

Jugendrichterin Heisig: »So jemand bringt sich doch nicht um«

Familienrichterin Heisig _ komplett………10.01.2011.Kripobeamter sieht Mordverdacht im Fall Heisig…..Komplett mit allen Heisig – Teilen und Berichten Aktuell bis 10.01.2011


Kirsten Heisig wollte in die Politik_ Motiv für einen Mord

Die Hintergründe von Kirsten Heisigs »Selbstmord« werden immer dubioser. Jetzt brachte sie der Berliner Stadtverordnete René Stadtkewitz als geplante Galionsfigur für seine neue islamfeindliche Partei ins Spiel. Doch wollte sie das wirklich werden? Oder eben gerade nicht? Lesen Sie den Bericht von Gerhard Wisnewski …


Kirsten Heisig Teile 1 bis 4

Teil 1: Die Suche…..Teil 2: Merkwürdig….Teil 3: Andere kritische Stimmen…..Teil 4: Portrait einer Richterin


 info-kopp-verlag-de_hintergruende_deutschland_gerhard-wisnewski_fall-he

Kirsten Heisigs Buch ist ihre aktuellste und letzte öffentliche schriftliche Äußerung. Noch am Tag ihres Verschwindens konnte sie auf den Inhalt einwirken, indem sie letzte Korrekturen beim Verlag ablieferte. In ihrem Buch gibt Kirsten Heisig auf die Frage nach dem angeblichen Selbstmord eine eindeutige Antwort, und zwar in ihrem Nachwort, das sie ausdrücklich mit »Etwas Persönliches« überschreibt. Es sei notwendig, »eine ehrliche Debatte jenseits von Ideologien zu führen«, schreibt sie da. »Sie wird kontrovers, wahrscheinlich auch schmerzhaft sein. Deutschland wird sie aushalten – und mich auch.«

Ein tragischer Irrtum.


Auskunft der Generalstaatsanwaltschaft 19.11.2010

Kopie von Beschluss des OVG Berlin-Brandenburg vom 11.11.2010

Danach wird die Staatsanwaltschaft Berlin

»… im Wege der einstweiligen Anordnung

verpflichtet, dem Antragsteller Auskunft zu erteilen über die

konkrete Todesursache und den Todeszeitpunkt der Jugendrich-

terin Kirsten Heisig, den genauen Fundort und die

Auffindesituation der Leiche, darüber, welche Fakten eine

Fremdverursachung des Todes ausschließen, und welche ob-

jektiven Anhaltspunkte für ein planvolles Vorgehen von Frau

Heisig in Bezug auf den eigenen Tod sprechen.


Familienrichterin Heisig _ komplett bis 8 .

Sie hat aufgeregt, polarisiert und gespalten. Sie wirbelte Staub auf und ließ keinen kalt: Die

Bedeutung der am 3. Juli 2010 angeblich in einem Wald bei Berlin tot aufgefundenen
Familienrichterin Kirsten Heisig, die jugendliche Straftäter schnell abzuurteilen pflegte,
ging weit über Berlin hinaus – oder sie stand kurz davor, weit über Berlin hinauszugehen.
Doch kurz vor der Veröffentlichung ihres mit Sicherheit Aufsehen erregenden Buches ist
die Frau plötzlich mausetot – ja, was ist denn da passiert? Ganz ruhig: »Selbstmord«,
sagen die Behörden. Wie bei einem Mord gibt es aber auch bei einem Selbstmord ein
Motiv. Aber wo ist dieses Motiv im Fall Heisig? Alle bekannten sozialen Umstände sprechen
gegen einen Selbstmord.

 Das Vermächtnis der Richterin

…ändern kann, müssen Politiker und Medien endlich ihrer unerträglichen politischen Korrektheit ein Ende setzen. Ja, die Probleme werden vor allem von Arabern und Türken verursacht.

 In Berlin kann ein Mensch verschwinden und ohne jeden Beweis gegenüber der Öffentlichkeit zum Selbstmörder erklärt werden. Das geht jetzt aus einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Berlin hervor. Es wies eine Klage des Journalisten Gerhard Wisnewski auf konkrete Auskunft über die Todesumstände der Jugendrichterin Kirsten Heisig ab. Für das »Eilverfahren« brauchte das Gericht drei Wochen, vergaß aber nicht, den Streitwert zu erhöhen, wodurch die Kosten des Verfahrens stiegen.

Ermittlungen zu einem mysteriösen Todesfall – DVD
DVD, Laufzeit ca. 45 Minuten………Vor dem Hintergrund der bundesweiten Bekanntheit Heisigs sei »von einem breiten öffentlichen Interesse an Informationen über die Umstände des Todes von Frau Heisig auszugehen«, wobei es dem Antragsteller Wisnewski darum gehe, die Einschätzung der Staatsanwaltschaft, »dass es sich um einen Suizid gehandelt habe, nachvollziehen zu können«. Das öffentliche Interesse gehe also »über die allgemeine Neugierde wegen des Todes einer bekannten Persönlichkeit hinaus, weil auch die Frage im Raum steht, ob der Tod der Richterin möglicherweise im Zusammenhang mit ihrem beruflichen, rechtspolitischen oder publizistischen Engagement stehen könnte«.

Im vorliegenden Fall gehe es ja nicht darum, »die näheren Umstände und Hintergründe eines Selbstmords darzustellen«, sondern darum, »die Bewertung als Selbsttötung überhaupt nachvollziehen zu können«. Der postmortale Persönlichkeitsschutz gehe nicht so weit, dass »die Öffentlichkeit sich mit der bloßen Mitteilung des Todes und einer zusammenfassenden Bewertung – Ausschluss von Fremdeinwirkungen – begnügen müsste. Dies würde weder dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit noch der Kontrollfunktion der Presse gerecht.«

Wisnewskis Berliner Anwalt Dr. Wolfram Hertel hat der Staatsanwaltschaft nunmehr eine Frist bis zum 18. November 2010 gesetzt, die begehrten Auskünfte zu erteilen.

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4 Kommentare

  1. Das ist unser Los ist dieser Ökodiktatur in der man unter dem Aspekt „rechtsradikal“ diffamiert
    inoffiziell als vogelfrei abgestempelt wird. Damit man in aller Verschwiegenheit der so genannten Demokratie entsorgt wird.

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  2. Wenn in diesem Unrechtsstaat, unter dem Regime der Großbankenhandlanger, Volksvernichter, Hosenanzugträgerinnen und Rollstuhlfahrer, eine tapfere aufrichtige Deutsche ermordet wird, wird es „unter den Teppich gekehrt“! KERSTIN HEISIG, DEUTSCHE PATRIOTEN WERDEN SICH DEINER ERINNERN!
    DANKE DIR FÜR DEINE AUFRICHTIGKEIT UND TAPFERKEIT (beides Tugenden die zu Fremdwörtern im neuen Deutschland geworden sind)!

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    • lieber kehren wir alles unter dem „gebets“teppich……….als das rauskommt wer das
      war !!!!! die enthüllung könnte ….unangenehm werden !!!!

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